Ausgabe 
30.10.1931
 
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GiehenerZamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Nummer 7Z

Zreitag, -en 2. Oktober

Jahrgang (951

anders. Das aarne Wesen ö

und auf den Fluren laß die Winde los.

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i lang, bis wieder das erste kommt, das

Mitte dreht und lächelt im Kreise.

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ifsnet sich. Manche sind ganz Bewußtsein und . Andere überlassen sich spielend dem Glück, i dumm, merkt nicht, warum es geht: viel zu mb enttäuscht erstarrt er in dieser Haltung. >at, darf noch einmal umsonst fahren. (Sonst

>ie Kinder an. Don allen Seiten des Mars- Die Erwachsenen lächeln und gehen mit.

Bänkelsänger im Kreis. Ein Mann ver- singt dann vor. Seine schöne Stimme hat arm spielt er wieder Ziehharmonika und

Schal.

Turkos.

Der Himmel wird grün, der Eiffelturm schattenhaft, mit Lichterwellen. Der Mond auf der einen Seite, still und schmal in Wölkchen: kirschrote Lichtreklame auf der andern. Beide mischen ihr Licht zu seltsamem Schein.

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und sieht aus die kleinen Kinder, die auf Pferdchen sitzen und herum- fahren. Feine Drehorgelmusik, rhythmisch, orientalisch, dumpfes tarn tarn und leise hohe Trillermelodie. Die Kinder alle blaß, still, fröhlich und zart. Sie haben Stäbchen in der Hand, mit denen sie Ringe zu stechen suchen, die eine Frau ihnen hinhält. Bon weitem schon, wenn sie dieser Stelle näher kreisen, sind die Gesichter voll Spannung. Jedes

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Oben im Wind auf der Galerie von Notre Dame. Die Chimären schauen übers Geländer zur Stadt tief unten, oder sie sehen den Engel an auf dem Dach, der starr und jdjmaL auf der Tuba spielt.. Am

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stich singen sie mit, haben ganz ernste Gesichter. Ein i, junger Herr mit steifem schwarzem Hut und weißem

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Herbsttag.

Bon Rainer Maria Rilke*.

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

*

Ganz früh gehen wir fort. Unsere Straße ist noch feuchtkalt und still. Rur ein altes Individuum mit teeren Augen wühlt systematisch in den Mülltrögen.

Die Seine. Bouquinisten am Ufer, lange Reihen: alte friedliche Männer vor aufgeklappten Büchertruhen. Man darf darin herumkramen. Die. schönen alten Bilder im Deckel.

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Unser kleines Hotel liegt in der kleinen Rue Delambre, wo Mont- parnasse Und Quartier latin Künstler und Studenten sich mischen.

Die Straße im frühen Morgen. Oben sausen Wölkchen vor blauem Himmel. Unten kehren Nächtlinge heim, blaß im hochgeschlagenen Mantel. .Sin Lumpensammlerpaar sucht aus den Kasten sich, was es braucht, singt schwer vor sich hin.

Wir hören die Straßengeräusche wie Musik eines Orchesters. Die Aus- rufer haben nicht das sorglose Singen der Italiener. Es klingt fast drohend.

Im Cafe .du Dome.

Die Leute sitzen auf der Straße an kleinen Tischen, wie Wellensittiche immer zu zweit, die Gesichter zum Fahrweg gewandt; ausgereiht wie Rabatten. Literaten, Künstler, Mondäne. Ein Mulatte putzt die Tischchen.

Wir lassen uns treiben und bezaubern.

Boulevard Montparnasse, fo breit, bflfj bic Menschen brühen roie Kinder klein sind. . , , , , . ,

Schwerer Himmel. Bon weitem der Eiffelturm, so hoch und fern, daß er immer mitgeht.

Champs Elysees.

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I Mr setzen uns arglos auf etjerne ocuei, uu «X«>7nfÄnV

bezahlen. Neben uns ein Junge füttert die wimmelnde Spdtz-nschar. vorübergehende müssen ausweichen, die Spatzen machen nicht U tz. ^pringbrunnen-Andreher in Heldenpose. Wir werden uberspr tz »errlichen Wind. *

Wie ?ftmesGS!hbu^t und weit! Die weiße wunderschöne Stadt tief unten, glitzernd und groß. Wolkenschatten Große Klarheit, Blaue un ußinb. Ferne regnende Wolkenberge, Walder und weites Land rmgs um die Stadt, die Schlingen der Seine, verschwenderische Platze Auf em Montmartre die Moschee-Kirche Sacre Coeur, alabasterweiß > leiernen Wolken, orientalisch hingezaubert.

*

Champ-de-Mars.

Biele kleine Leute ... Sonntagnachmittag.

Wir stehen lange vor einem Kinderkarussell.

Es wird langsam dunkel. Lichter auf dem Eiffelturm.

Blätter sollen und werden mitgewirbelt tir- Kreis großem

_ Der dicke Karussellmann mit rota Backen unter ,. . * ' j. [ä&M

-chnurrbort und kleinen dunklen gütigen Augen. Er leiert

m *UUmBuch der Bilder"; Gesammelte Werke Band II, Jnsel- 2erlag, Leipzig.

Luxembourg.

Eingeregnet auf gemieteten Stühlen in einem Pavillon.

Sehr viele Kinder sind hier, alle mit dem zarten porzellanenen Teint. Kinderwagen.

Fünf kleine Geschwister. Die Aussichtsfrau spielt Springseil mit ihnen. Alle sind voll Charme und Frohsinn.

Sechszehnjährige Gymnasiasten spielen Fangen. Einer hockt am Boden auf feiner Mappe: schlank und langgliedrig, mit blonden Locken und einem ernsten Lächeln zu den andern herauf. Er gleicht wohl seiner Mutter.

Ein Mädchen mit breitem schwarzem Filzhut, ärmlich, und ein junger Mann, wohl Maler, sprechen zueinander mit aufgeschlossenem liebenahem Freimut. Sie zeigt ihm endlich ein kleines Oelbild, Bäume aus dem Luxembourg Er findet es wohl schlecht, hält und besieht es lange mit unaussprechlich freundlichem Lächeln. Beide sind ganz jung, kaum 3!Ba0U%Jtufter der Fünf kommt mit fünf Gumrnicapechen. Auf ihrem Gesicht liegt der gleiche Frohsinn. Sie schlagen das Seil und springen in Variationen, nach einem Kinderlied.

Neben mir eine blasse Frau am Zwillingswagen singt demeher petit Christian" ein rieselndes Schlaflied und sieht still ins Leere dabei.