Ausgabe 
29.5.1931
 
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Freitag, den l Mai

Nummer 54

Krühlingsnacht.

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Beamte gab sich nicht geschlagen, und wieder kam er früher an als Fox, der, da es nicht mehr höher ging, den Aufzug abwärts dirigierte, gehetzt von dem Kriminalisten. Nach einer halben Stunde hing dem Inspektor die Zunge so weit heraus, daß sie seine Krawatte verdeckte.

Später schlich das gleichfalls erholte Bulldoggesicht in das Zimmer des Mr. Frank, um sich in einem Schrank zu verstecken. Als der Ruchlose die Schranktür öffnen wollte, klangBesetzt" heraus, denn drinnen saß ein Hauschinese mit älteren Rechten. Bulldoggesicht sagtePardon!" und stieg in den nächsten Schrank.

Mr. Frank suchte erst spät sein Zimmer auf. Beim Ausziehen des Rockes entdeckte er in seiner Taiche ein Etui und legte es auf den Nacht­tisch: dann setzte er sich und schrieb einen Brief Unter dem Bett kroch geräuschlos der Detektiv aus Chikaao hervor, nahm das Etui und ver­schwand unbemerkt. Nach einer Weile sah sich Frank um und vermißte es. Irre geworden, griff er in die Tasche und brachte neuerdings eins hervor, von dem er dachte, er habe es in Gedanken wieder eingesteckt. Der Vorgang wiederholte sich, denn die Etuis gingen weg wie frische Brezeln. Einmal drehte sich Mr. Frank rasch um und gewahrte den Chinesen, der mit einem Etui nur Tür schlich Der tüchtige Kausmann schleuderte dem Elenden seine Füllfeder nach, daß sie in dessen Profil stecken blieb und dort wedelte. Hierauf schoß der Chinese aus dem Zimmer,

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Mr. Frank aus Boston war zum erstenmal nach San Franzisko ge­kommen, um für seine Etui-Erzeugung neues Absatzgebiet zu erobern. Auf der Hotelsuche kam er zumGrünen Anker", der zwischen Hafen und Chinesenviertc! gelegen war. Da er als Fremder nicht wissen konnte, daß sich dem Bürger bei Erwähnung dieses Hotels alle Haare sträubten, trat er ein und verlangte ein Zimmer. Der Portier gab ihm Nr. 77 und einen Schlüssel dazu, der die Verwunderung des Gastes erregte. Wie es in vielen Hotels üblich ist, die Zimmerschlüssel an Stäben zu befestigen, um das Einstecken und Vergessen zu verhindern, so war es auch hier: nur befand sich an Stelle des Stabes ein Gummiknüttel von anständigem Ausmaß. Auf die Frage des Mr. Frank antwortete der Portier, daß diese Vor­richtung für Gäste mit Minderwertigkeitsgefühl gedacht sei, denn im Grünen Anker" habe man psychoanalytisches Verständnis. Gleichzeitig wies er auf eine Tafel, die folgende Inschrift trug:Die p. t. Gäste werden ersucht, Schußwaffen größeren Kalibers und Messer von über zehn Zoll Länge im Hotelbureau zu deponieren."

Mr. Frank, ein Mann von heiterer Lebensauffassung, freute sich über diese Fürsorge und schritt mit dem Selbstgefühl des Bürgers im Ordnungs­staat zum Fahrstuhl. Die Tür öffnend, sah er in der Ecke einen Mann sitzen der nach Babyart vor sich hinlallte.Was hatterle denn?" fragte der Fabrikant teilnehmend, bekam aber keine Antwort. Offenbar litt der Fremdling seelisch, wofür bläulich unterlaufene Schwellungen im Gesicht sprachen, wie sie nach einem Boxkampf aufzutreten pflegen. Mr. Frank schüttelte ihn so lange, bis der Mann mit einem Auge erst schätzend, dann vertrauend blinzelte. Hierauf griff er nach seinem Genick, zog aus dem Kragen ein schwarzes Etui, drückte es Mr. Frank in die Hand und sprach: Bringen Sie Diamanten nach Pvlizeizentrale, Stop. Habe sie Billi Billi

Im Zimmer suchte Mr. Frank nach dem (Etui. Bei dem tüchtigen ..c -j-L ------- «-«-- f aus. Es war daher nicht zu

drei Musterstücke von früher in den Taschen trug, inern, so daß anstatt der Etuis, für das sich die i, eines aus der Werlstätte des Mr. Frank zum nete es und fand es natürlich leer. Fachkundig hte Arbeit des angeblichen Konkurrenzfabrikats, )er ein und begab sich zum Abendessen nach dem

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Sie Zweiter. Geben Sie das Etui her, oder ich radiere Sie aus.

Was für eins denn?" begütigte Frank,Sie können eins in Rot haben, eins mit Saffianleder gefüttert oder dasselbe in Grün."Wat Ker?" sprach das Bulldoggesicht und knirschte schrecklich mit den Zähnen, n es glaubte, der andere erlaube sich zu scherzen. Straffte die Muskeln des Oberarmes, daß die Aermelnähte krachten, nahm mit der Faust an der Kinnlade des Mr.Frank Maß und holte soweit aus, als der be­schränkte Raum im Lift zuließ. Der Bedrohte erinnerte sich rechtzeitig des psychoanalytischen Zimmerschlüssels und klopfte mit dessen Ende seinem Partner auf den Kopf. Das Bulldoggesicht seufzte, verdrehte die Augen und sank auf die Plüschbank neben den dösenden Inspektor. In der vierten Etage aussteigend, sah sich Mr. Frank einem ernsten Herrn gegenüber, der so lang war daß er sich tief bücken mußte, um in den Lift hineinsehen zu können. Als' er die Bescherung wahrnahm, fragte er bei Mr. Frank an, ob er nicht ein Etui gesehen habe. Durch die Erfahrung klug geworden, die gebeugte Stellung des neugierigen Hotelgastes geschickt ausnutzend, beantwortete er die Frage, indem et das bewährte Instrument betätigte, worauf der Herr mit einem Hechtsprung in das Fahrstuhlinnere ver­schwand. Als der Portier die traurige Ladung unten ankommen sah, kratzte er sich hinterm Ohr. Dann befestigte er eine Tafel mit der Aufschrift: 3n Reparatur I" an der Lifttür.

saßen Herren im Smoking, von denen jeder seinen teben sich liegen hatte. Einer kratzte sich gerade f, denn seine Gedanken beschäftigten sich mit dem im 8er Detektivinspektor Anderson entrissen hatte, s Haupt der großen Bande. Ihm gegenüber, in aales, saß der berühmte Privatdetektiv Craggs aus men, weil er vernommen hatte, daß für die Wieder­ems von der beraubten Iuwelenfirma Gebrüder Jon 10 000 Dollars zu verdienen fei. Der dritte war der Universalgauner Fox, ebenfalls aus Chikago: ein alter Dorn im Auge des Privatdetektivs. Auch Fox träumte in stillen Stunden von dem Diadem und wollte es feinen Kollegen abknöpfen.

Mr. Frank fühlte messerscharfe Blicke auf sich gerichtet, und richtig ver­mutend, daß alles Unheil von dem Etui ausgehe, entledigte er sich feiner, indem er es auf dem Wege zu seinem Tisch fallen ließ. Natürlich erwischte er das falsche. Billi-Billi, der Privatdetektiv und Fox bekamen lange Hälse und Stielaugen.Wie komme ich zum Etui?" dachte jeder. Herr Fox erfreute sich des Vorteils, den Lichtschalter hinter sich zu haben, und alsbald brach tiefe Finsternis herein. Gleich darauf konnte man aus der Saalmitte ein dumpfes Krachen hören, wie es sonst nur beim Kegelschieben zu ver­nehmen ist: die drei Herren waren mit den Köpfen zusammegerannt, al» sie nach der Stelle sprangen, wo sich das Etui befinden mußte. Da es wieder Licht wurde, waren die übrigen Gäste erstaunt, auf dem Tevpich drei elegante Männer sitzen zu sehen die mit den Köpfen nickten wie Pagoden.Haben Sie vielleicht ein schwarzes Etui gesehen?" fragte der große Detektiv und sah die beiden anderen scharf an, denn wie sollte er wissen, daß er selbst darauf saß. Billi-Billi, bekannt als starker Mann, griff in feiner Wut in die Westentasche, holte einen Silberdollar heraus und biß davon kleine Stücke ab, die er dem berühmten Detektiv ins Antlitz spie. Dieser hatte vorsichtshalber den Zimmerschlüssel mitgenommen, weshalb er in der Lage war, den überraschten Billi-Billi überzeugend aufs Haupt zu schlagen, daß er sich wie ein Igel einringelte und zu träumen anfing. Bei dieser Amtshandlung war der Detektiv aufgestanden, wodurch das Etui sichtbar wurde.Ha", lachte kurz und militärisch Detektiv Craggs und bückte sich nach dem Etui. Leider kam er nicht dazu, denn eben trat der Inspektor Anderson ein, der inzwischen im Lift aufgetaut war. Er sah das Etui undkwn Mann, der es aufheben wollte:da er seinen Kollegen nicht

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger