mo der venezolanische Revolutionsgeneral Urbano, nachdem er das holländische Waffendepot überfallen und die Garnison überwältigt hatte, inen Ueberfall auf Cumana unternahm, während sein Gesährte General Delgado-Chalbaud mit dem in Gdingen gescharterten Hamburger Dampfer „Falke" ihm mit Waffen und Abenteurern zu Hilfe eilte, wieder uie damals sind deutsche Dampfer in das revolutionäre Abenteuer auf Luba verwickelt. Im Hasen von Gibara, an der Ostkllste, so wird aus Havana und aus Neuyork gemeldet, hat ein deutsches Schiff, das bald .Friedrich II.", bald „Wilhelm II." genannt wird, Maschinengewehre und '.ufständische Truppen gelandet und hat den Revolutionären geholfen, die Verbindung mit der cubanischen Provinz Santa Clara herzustellen. Ein zweites deutsches Expeditionsschiff soll im Hafen von Neuyork von den amerikanischen Behörden beschlagnahmt worden [ein. Das sind Kor- arenstreiche, die böse Folgen haben können.
In der prächtigen Hauptstadt Havana waren im Laufe der letzten Söhre Revolten gegen den Präsidenten Machado alltägliche Vorkommrisse geworden. Studenten verbarrikadierten sich nach spanischem Muster in der Universität und beschossen die Polizei. Unzufriedene Offiziere, die n ihrem Herzen das Blut von Vaterland'serrettern aufwallen 'spürten, chlossen sich ihnen an. Die auf den Zuckerplantagen brotlos gewordenen Jeane revoltierten, Hafenarbeiter streikten, es wurde sehr viel geschossen rnd meistens vorbeigeschossen, kurz, es war das übliche Bild füdamerika- üscher Revolutionen. In den Hafenkneipen von Havana, wo der Zucker- Iiehrschnaps von gierigen Lippen getrtmken wird, und schwarzäugige »rauen des Elendviertels vor fremden Matrosen die „Culebra" tanzen, üo Gitarren klimpern und die Messer lose in der Scheide sitzen, rekrutiert ich die Armee revolutionärer Desperados. Trotz Belagerungszustand und tarten Polizeimaßnahmen gelingt es, Freiwillige zu werben, die Leute in bewasfnen und sie aus der Stadt hinaus zu. schmuggeln. In irgend- liner Hacienda, auf einer Zucker- oder Tabakplantage, warten die Werbe- tffiziere, um den „glorreichen" Führer des Aufstandes, der entweder ein kxpräfident oder ein hoher General zu fein pflegt, (eine Armee zuzuführen. ||t)ie erste Aufgabe der revolutionären Vaterlandserlöser von der „Tyrannei" des gegenwärtigen Präsidenten General Machado, besteht im Requi- tieren. Trupps von zweifelhaften Gestalten unter Führung eines betreßten Üsfiziers erscheinen auf den großen Pflanzungen und Gütern oder in len reichen Tabaksniederlagen in Vuelta Abajo und verlangen im Namen ler Freiheit und des Patriotismus Geld, Lebensrnittel und Menschen- nateriaL Viele Neger und Kreolen flüchten in unzugängliche Wald- Iherftede, um sich nicht für die Revolution pressen zu lassen. Auch Regie- tungstruppen streifen durch das Land, und es kommt vor, daß sie das, aas die Revolutionäre übrig gelassen haben, nochmals requirieren und um zweitenmal eine panikartige Flucht in die Zuckerrohrfelder veranlassen. Zuweilen kommt es zu einem Scharmützel zwischen beiden Parteien. k-> wird viel geknallt, aber die Zahl der Opfer ist gering, denn man zieht is vor, während des Rückzuges zu schießen. Beide Teile, Expräsident Nenocal mit seinen Generälen, d. h. die Spitzen des Aufstandes und lie Regierung, melden dann gewaltige Siege. Da in Havana und den *jinberen Städten eine strenge Zensur über den Nachrichten wacht, erfährt man wenig Zuverlässiges über den Verlauf der „Schlachten".
Wie die meisten Staaten Südamerikas durchlebt auch Cuba eine chwere wirtschaftliche Krise. Durch den Pariser Frieden hat die Insel, 'ach der Niederlage Spaniens, zwar ihre Selbständigkeit erhalten, aber Washington hat sich das Recht der Intervention im Falle von Unruhen mrbehalten, vor allem aber ist Nordamerika der Abnehmer der reichen 'Produkte Cubas, des Zuckers und des Tabaks. Die Zuckerpreise sind tcfaUen, die Produktion ist kontingentiert, und Brotlosigkeit der Arbeiter rt die Folge. Das ist. der beste Nährboden für Revolutionen!
Nur wer die Pracht der großen Antilleninsel kennt, wer den Luxus haoanas gesehen und in das grüne Schlangenparadies der Pflanzungen • tingebrungen ist, kann sich ein richtiges Bilb von einem Ausstande in Cuba machen. Unwillkürlich fallen einem dabei Freibeutergeschichten und Raubzüge spanischer Konquistadoren ein. Phrasen moderner Wirtschasts- «uffassung, kommunistische Losungen und ein Wortschwall über demokratische Freiheiten können darüber nicht Hinwegtäuschen. Es ist alles so ganz cnbers als das Gewohnte. Am Abend berauschen sich die Sinne am Duft ier in Fruchtbarkeit verwesenden Blumen, und die Gedanken irren als Lachtgespenster in die schwüle Dunkelheit. Es ist noch immer sehr heiß. I diesige Fledermäuse fliegen lautlos und ziellos herum. Feuersliegen zucken lurch die Luft wie kleine Phosphorblitze. Es heißt, daß ebenso wie in \ Haiti, vielleicht ganz nahe in der Nachbarschaft, die Nachkommen der ktegersklaven auf einer Lichtung im Waldesdickicht dem grausamen und «rheimnisvollen Wodu-Kultus huldigen, vielleicht ist die schwarze Frau ' mit den aufgeworfenen, lachenden Lippen und den weißen Zähnen, die ien Kaffee auf dem Lagerfeuer brüht, eine Marnalei, der die Schlangen Nhorchen. Man glaubt, den eklen Moschusduft einzuatmen, der den Leibern Mancher Giftschlangen anhaftet, man glaubt, die toddrohende, boshafte Pupille des Reptils auf sich gerichtet zu sehen, aber es war nur ein Echatten, der über den Boden huscht, und rings herum ist wieder das schweigen der Tropennacht. Am Morgen flattern Scharen von Papa- ??ien um die Palmen, und die ganze Umgebung ist in Flammen und h old getaucht, Völker von Schmetterlingen und Insekten suchen die Blu- f iten. Die Mauserpistole liegt auf den Knien, man kann nicht wissen, was die nächste Stunde bringt.
Die Kontraste auf der Insel sind sehr große. Es gibt prunkvolle Villen, d-e mit dem Luxus von Alabins Höhle ausgestattet sind, in denen vor- nsfjme Besitzer eine bezaubernde Gastfreundschaft ausüben. Es gibt [■ nebenan mit Maisstroh bedeckte, ärmliche Hütten, in denen Peone und f rbige Arbeiter ein elendes Dasein führen, aber über allen wölbt sich derselbe tiefblaue Himmel und alle umgibt dieselbe tropische Pracht. Cs 't eine unwirkliche Dekoration für eine Revolution, die den Charakter eines etwas grausamen Abenteuers hat. Vielleicht tauchen, wenn der Auf- fihr anbauert, in den nächsten Tagen nordamerikanische Kriegsschnse am rvrizonte auf und stellen, wie sie das schon häufig getan haben, die Urd- i'ung in den Staaten am Golf von Mexiko wieder her. Die nobamerifa= Jjfcfyen Besitzer der cubanischen Plantagen und Faktoreien haben kein "«rständnis für die Romantik einer südamerikanischen Revolution.
Der Kampf der Tertia.
Erzählung von Wilhelm Speyer.
Alle Rechte beim Rowohlt Verlag, Berlin W 35.
, lFortletzung.)
Kurz nach acht Uhr, als bereits alle Knötzingianer die elterlichen Häuser verlassen hatten, begannen die Tertianer als Katzenbettler an die Türen der Stadt zu klopfen.
„Wir sind gekommen, die Katzen abzuholen", sagten sie, und sie entfalteten umständlich ihre Kartosfelsäcke.
„Ihr?" fragten die Leute mißtrauisch. „Was habt ihr denn damit zu tun?"
„Es ist uns gelungen, den Auftrag noch in letzter Stunde zu bekommen", antworteten die Kaufleute, und sie schwenkten ihre Säcke. „Wir haben nämlich in unserem Laboratorium einen Gaskasten. Da stecken wir die tollwütigen Tiere alle hinein. Da stirbt Ihre Katze einen sehr schönen und anständigen Tod."
„Davon haben wir gar nichts vernommen", antworteten die Leute. „Unsere Söhne sollten das hier in der Kiesgrube machen, und sie sollten für jede Katze zwanzig Pfennig bekommen. Jetzt kommt ihr mit eurem Gaskasten und wollt uns prellen. Das gibt’s nicht."
„Bitte sehr", sagten die Tertianer gekränkt. „Wir haben eine Abmachung mit der Behörde getroffen, daß wir sogar fünfzig Pfennig bezahlen. Uns macht das nämlich Spaß, die Katzen zu vergiftenl Wir können da wissenschaftliche Experimente vornehmen, die für die ganze Menschheit von größtem Wert sind. Es handelt sich da um gewisse radioaktive Ionen-Kathoden-Strahlen oder Strahlen-Jonen-Kathoden, wie Sie wollen..."
Und die Tertianer öffneten ihre Säcke am Boden, als solle die betreffende Katze, die zu verhaften war, zur Feststellung ihrer radio-aktiven Ionen-Kathoden-Strahlen da von selber hereinlaufen.
Die Leute traten einen Schritt näher.
„So? Ihr könnt also wirklich für eure Radiosache da fünfzig Pfennige pro Katzenkopf bezahlen? Und wenn man zwei Katzen abliefert, fo zahlt ihr gar eine Mark?"
„Jawohl", antworteten die Tertianer, und sie machten Miez-Miez- Miez !‘ „Für zwei Katzen zahlen wir eine Mark und für drei eine Mark und fünfzig ... Miez-Miez-Miez!"
„Hm", machten die Leute, und sie legten die fünf Finger an die Backe, und sie dachten über das Angebot nach.
Dann schlurften sie in ihre Stuben, und dort machten sie ihrerseits ,Miez-Miez-Miez<, und dann tarnen sie an und hatten die Katze oder die Katze und ihre Jungen auf dem Arm oder auf der Schulter, wo sie zärtlich schnurrend ihre Nasen gegen die Schläfen ihrer Herren stießen.
„Zeig' mal erst das Geld", sagten die Leute.
Die Tertianer zeigten ihre fünf Zehn-Pfennig-Stücke auf der flachen Hand.
Die Leute zauderten immer noch mit ihren Katzen auf dem Arm oder auf den Schultern.
„Wart ihr es nicht", fragten sie mißtrauisch, „die hier unsere Häuser mit blutroter Farbe beschmiert haben, daß man es gar nicht wegbekammt und womöglich jahrelang warten muß, bis der Regen und der Schnee und die Winde es einmal ab waschen werden: Seid gut zu den Tieren?"
Die Tertianer waren ganz entrüstet.
„Das waren wir doch nicht! Wir werden doch nicht so gemein sein und hier die schönen Häuser der wohlhabenden Bürger mit solch einem albernen Satz beschmieren! Das waren dumme Jungens aus unserer Schule, die viel jünger sind als wir und kein wissenschaftliches Interesse für höhere Dinge wie das Töten und dergleichen haben."
„Dann in Gottes Namen", tagten die Leute mit leisem Groll. „Die Miezi war eine gute Mausejägerin. Und jetzt soll sie vergiftet werden. Es könnte einen fast jammern um das schöne Tier!"
„Was sein muß, muß fein", sagten die Tertianer, und schon hatten sie ihre Beute im Sack.
Mit einem Handgriff war der Sack abgeschnürt. Mochten die da drinnen nur immer toben!
„Na, und das Geld?" fragten die Leute aus Maineweh.
„Hier", sagten die Tertianer, und sie zählten als ehrliche Kaufleute auf, was sie schuldig waren.
Mit einem unwilligen Seufzer entschwanden die Leute im Dunkel ihrer Häuser. Oder sie sagten:
„Da oben bei Möller ist auch noch eine! Da geh du man hin, wenn du noch eine für deine Wissenschaft taufen willst!"
„Dante schön", sagte der Tertianer, und er lud sich den fürchterlich lebendigen Sack auf. „Ich weiß, daß da oben eine Katze ist. Wir haben von der Behörde ein Verzeichnis aller Katzen betommen."
Es war entsetzlich, schon mit einer Katze so wandern zu müssen! Die Tertianer hatten daheim Experimente mit Karlemann im Sack gemacht. Karlemann hatte gerast, als sei er nun wahrhaftig tobsüchtig geworden. Wie würde es erst mit zehn werden?
Aber man ist ein Handelsmann! Das Leben ist oft schwer, die Straße beschwerlich, das Vieh widerborstig, — man tut (eine Pflicht und punftum.
Ja, bei Möllers oben, — da war überhaupt keine Katze im Haus! Nein, wirklich nicht!
Der Tertianer zieht die Stirn in strenge Falten.
„Hören Sie, Frau Möller, Sie dürfen uns nicht anfchwindeln! Wir sind jetzt für Sie Behörde, verstehen Sie? Sie haben ja eine Katze im Haus! Wir haben ein Verzeichnis von allen Katzen in der Stadt. Ihr Name steht auch darin."
Und der Tertianer holt tatsächlich ein Verzeichnis aus der Tasche, denn die Bande hat sich wirklich mit Falks Hilfe eines angelegt.
Dieses Verzeichnis macht einen überwältigenden Eindruck. Aber es stießen blutige Tränen, und Seufzer und Weinen geht durch das Haus.
„Nehmen Sie doch Vernunft an, Frau Möller! Es geht doch um die menschliche Gesundheit und Wissenschast! Das müssen Sie doch einsehen!"


