verleiht.
Sie nehmen mit der Entfernung von der Erde an Stärke zu,.der von Professor Piccard geplante Stratosphärenflug soll ihrer besonderen O^Der^vvr einem Jahr verstorbene Forscher Richard Baerwald hat einmal einen Versuch gemach der ungeahnte Perspektiven eröffnet. Er versetzte einen gläsernen St außerordentlich schnelle Schwingungen, in ogenannte ,,hochfrequent- „chwingungen. Mit diesem Stab berührte er eine Maus. Das Tier fiel tot um. Die Ursache war wohl bte, daß die organischen Gewebe der Maus durch diese Berührung in Eigen- schwingunq geraten waren, der das Lebewesen nicht standhalten konnte. Die Hypothese, jedes Leben sei die Komponente gewisser Schwingungen, wird durch dies Experiment stark genährt. ......
In diesem neuen Wundereich, das uns die Physik zu erschließen beginnt, scheint keine Phantasie zügellos genug, um mit den MogUch- keiten der Wirklichkeit Schritt halten zu können. Richard Baerwald war es selbst, der in seinen letzten Forschungen zu der Annahme gelangte, auch den geistigen, psychischen Vorgängen lagen die gleichen Schwlngungs- ursachen zugrunde. Er stellte die Behauptung auf, „daß die,emgen telepathischen Phänomene, die dem scharfen Licht wissenschaftlicher Kritik standhielten und sich nicht als Zauberkunststücken entpuppten, auf gleich- gestimmte Schwingungen zweier Hirne zurückzufuhren seien!
Damit aber betreten wir ein Gebiet, dessen Boden so glatt ist, daß man die sichere Stütze einer wissenschaftlichen Autorität nicht entbehren kann. Wir haben den bekanntesten Fachmann dieses Gebietes, Professor Max Dessoir von der Universität Berlin, einen der ganz wenigen Forscher auf dem Gebiete der sogenannten „Gehelmwissenschaften , um seine Meinung gebeten. Was er uns sagte, war dies:
„Schon die ersten wissenschaftlichen Bemühungen, die sogenannt« Telepathie zu erklären, die Einwirkung eines Geistes auf einen anderen ohne Hilfe der bekannten Sinneswahrnehmungen, führte zu der Annahme, daß ein Gehirnvorgang in Schwingungen ausstrahlt, die, soba d sie aus ein ähnlich eingestelltes anderes Gehirn treffen, dort die entsprechende Erregung, d. h. Vorstellung auslösen. Das „Gedankenlesen wurde um 1874 von einem Mr. Brown in Chicago aufgebracht und als Eeftllschafls spiel ausgeübt. Es beruhte auf der bei dem spiritistischen "^'schr^cken gemachten Wahrnehmung, daß der Mensch unbewußt seine Absichten in winzige Bewegungen der Muskeln iimsetzen kann, die ein anderer, der ihn berührt, ebenso unbewußt aufnimmt, um sich von ihnen leiten zu lassen. Als aber Phänomene beobachtet wurden, die ohne Berührung oder sonstige physische Zeichen vor sich gingen, tauchten die wissenschas - lichen Erklärungsversuche auf. Man verglich tue Telepathie mit der drahtlosen Telegraphie; man setzte an Stelle der beiden sendenden und empfangenden Antennendrähte die von starken Aktionsstromen durchsetzten Nervenbahnen des Individuums; man nahm an, daß starke elektrische Aktionsströme die angespannten Nervenfasern des einen Individuums durchlaufen und in dem anderen Individuum gleichgestimmte Erregungen und demgemäß entsprechende Vorstellungen ,induzieren. Experimente mit Tieren scheinen diese Theorie zu erhärten. Von den Giraffen wird erzählt, daß sie sich blitzschnell verständigen tonnen ohne einander zu sehen oder zu hören. Interessant sind die Versuche nut dem Foxterrier Pikti, einem kleinen, sehr lebhaften Hund des Clowns und Dresseurs Durow. Dem Hund wurde z. B. folgende Aufgabe gestellt, er sollte auf einen von mehreren Stühlen springen, bann auf ein Daneben besinbliches Tischchen steigen und mit der Pfote an einem darüber hängenden Bild kratzen. Durow hielt etwa eine halbe Minute den Kops des Hundes und dachte an die Aufgabe, dann wurde der Hund unruhig, riß sich los — und führte feine Aufgabe aus!
Alles in allem ist zwar ein bündiger Beweis für die Tatzachlichkeit der Telepathie noch nicht erbracht. Auch die mit Hilfe des Rundfunks vorgenommenen Massenversuche — sie sollten wohl die .Schwingungstheorie' zu erforschen helfen — haben nichts zugunsten der Telepathie ergeben. Die interessanteste Deutung ist die von Baerwald, der alle tele- pathischen Beziehungen als .Leistungssteigerung im Zustand der Vorherrschaft des Unterbewußtfeins bezeichnete. .Das Oberbewußtfein fügte er .peitscht durch gewaltsame und andauernde Anspannung der Aufmerksamkeit eine Vorstellung zu solcher Stärke an, daß der Wirbel sich sozu- agen bis ins Unterbewuhtsein hinab vertieft, und erst dadurch, daß letzteres mit ins Spiel gebracht wird, gelingt die Uebertragung. Ich selbst glaube, ddß Baerwald die Bedeutung des Unterbewußlseins bet telepathischen Vorgängen Überschätzt hat; es scheint mir, als ob stets Korpe^ liches mit im Spiel ist. Ueberdies bin ich der Meinung, die sich nun auch anderwärts durchzusetzen beginnt, daß wir durchaus imstande sein muhten, mit den Begriffen der heutigen Physik eine brauchbare Erklärung her- zustellen. Wir kennen eine ganze Reihe physikalischer Erscheinungen, bei denen Strahlungen entstehen, ohne daß ein besonderes Gerat für ihre Erzeugung vorhanden ist, wie bei den Ausstrahlungen gewisser Pflanzenzellen oder radioaktiver Präparate. Es wäre denkbar, daß auch der menschliche Organismus derartige uns bisher noch unbekannte Stray- lungen erzeugt, die in sich differenziert genug sein mögen, um selbst verwickelte Sinnbedeutungen zu übermitteln." .
Professor Dessoirs Worte scheinen uns eine Mahnung und eine Frage zu enthalten: die Mahnung, die Erscheinungen des Lebens, mögen sie noch o feit am und mit bisherigen Anschauungen unvereinbar sein, aus der dunklen Umwelt abergläubischer Geisterseherei herauszuheben ans Tageslicht objektiver wissenschaftlicher Kritik; die Mahnung, all denen desto scharfer auf die Finger zu sehen, die mit den Rätseln unserer Welt ihre kleinen Geschäftchen zu machen suchen. .
Die Frage jedoch, die aus den Worten des Gelehrten klang, galt den neuen Wegen physikalischer und psychologischer Forschung, die fia) au, dem Grenzgebiete der Telepathie schneiden und deren Ziel noa) nicht abzusehen ist. Eins aber spüren wir übermächtig auch bei diesem winzigen Auslchnttt moderner wissenschaftlicher Pionierarbeit: die Umwertung aller Werte, die unserer Zeit ein besonderes geistiges und kulturelles Gepräge
Diese beiden Punkte sind in keinem der 17 2tugen» neuaenberid)te wiedergegeben. Dabei war die große schwarze Brieftasche, die B auf der weihen Tischdecke liegen ließ, jedem Anwesenden sichtbar. Keiner der Berichterstatter hat überhaupt notiert, daß B feine Briestasche auf den Tisch legte, bevor er eine Auftrage erteilte. Zwei erwähnen die Briestasche nur ganz beiläufig, einer behauptet 6 habe seine Brieftasche gar nicht herausgezogen. Seiner hat bemerkt, daß B Line Brieftasche auf dem Tische liegen lieh, als er weggmg. Kem einziger bat den Vorgang des Diebstahls bemerkt, als C ftm Taschentuch auf die Brieftasche legte und diese dann unter Deckung des Taschentuchs em- steckte. Nur zwei haben überhaupt notiert, daß C (ein Taschentuch 30gi unb es benützte Dieser Punkt ist deswegen wichtig, weil es der einzige Punkt ist der v vor dem Verdacht des Diebstahls hätte schützen können. Der Zusammenstoß von D mit B an der Tür wird von 7 tzugen ber.cksietz iwei lassen D mit C zusammenprallen, einer C mit B. (sechs Haven diesen Zusammenstoß gar nicht erwähnt. Einer erklärt, daß D, nachdem er mit B zusammengeprallt war B’s Brieftasche an sich 9?nommen und an C weitergegeben habe (nach der bekannten Art der Taschendiebe).
Auf die übrigen Ungenauigkeiten brauchen wir nicht weiter einzugehen. Jedenfalls zeigt auch dieser Versuch, auf den neuerdings Dr. W. F. Brince (Boston) aufmerksam macht, wie wenig zuverlässig Beobactz- tuna und Wahrnehmung sind, namentlich wenn die Aufmerksamkeit sich ach mehrere Dinge oder Vorgänge verteilt. Unauffälliges bleibt unbemerkt, während z. B. im vorliegenden Falle der Zusammenprall von B unb D die Aufmerksamkeit erregt hat und von einem der Zeugen sogar aus dem Zusammenhang heraus als Taschendiebstahl interpretiert wurde, wobei er noch dazu etwas als von ihm beobachtet angibt, was tatsächlich gar nicht geschehen ist; die Weitergabe des gefloßenen Ob jetts an C. Im Ernstfall wäre also hier dem unschuldigen v ein Belastungszeuge entstanden, der sicherlich ohne Bedenken seine Aussage beschworen hatte. Zwölf der Augenzeugen waren Rechtsanwälte, einer war ein unlängst verabschiedetes Mitglied des Obersten Gerichtshofes — asio die mit der Psychologie der Zeugenaussage vertraut sein mußten. Und dennoch haben sie sämtlich versagt. Die Erfahrung von L.szt, Stern und anderen hat sich damit wieder vollauf bestätigt.
Das Geheimnis der Schwingungen.
Gespräch mit Professor Max Dessoir.
Von Egon Larsen.
Mit einem Radikalismus, wie ihn vielleicht nur die Wend« des Mittelalters zur Neuzeit kannte, vollzieht sich in unseren Tagen die Revolution - des menschlichen Wissens und Denkens. Die althergebrachten Vorstellungen von Welt, Mensch und Leben, die wir gleichsam m,t der Muttermilch in uns aufnahmen unb bis vor kurzem als selbstoerstanbliche Grund- i begriffe ansahen, beginnen immer heftiger zu wanken unter dem Ansturm neuer Ideen, Theorien und Beweise; was noch vor zehn Jahren als Schulwissen gelehrt wurde, ist heute bereits zur höchst anzweifelbaren Hypothese geworden; und die einst leidenschasttich bekämpften ober überall verlachten wissenschaftlichen Utopisten von gestern sinb anerkannte Auto- . ritäten von heute, zu ben Vorkämpfern ber Welt von morgen geworben, deren endgültige Gestaltung wir nur zu ahnen vermögen.
Zwei Wissensgebiete sind es vor allem, auf benen sich biese Revolution des Geistes am intensivsten abspieltr Physik und Psychologie, bie Lehre vom We en ber Natur unb bie Lehre vom Wesen ber Menschenseele; unb , zwei Männer sinb es, deren Werk im Mittelpunkt aller Forscheratt>ett steht- Einstein und Freud. Noch können wir nicht erkennen, welchem gemeinsamen Ziel die Entwicklungen der Relativitälslehre und der Psychoanalyse zuslreben, wie sie sich dereinst zu einem geschlossenen Unterbau des neuen Weltbildes vereinen werden, und manchem mag es grotesk oder abwegig erscheinen, die ewigen Gesetze des Kosmos mit den feinsten Regungen des menschlichen Unterbewußlseins in logische Verbindung zu bringen. Wer aber nicht nur in seiner Zeit, sondern auch mit ihr lebt, wird deutlich bie gemeinsame Arbeit spüren, die neupsychologisches und neuphysikali ches Denken am Wesen des heutigen Menschen zu ver
richten beginnt.
Einen ersten leisen Begriff von der Allverbundenheit jeder Lebens- ; unb Dafeinsäuherung, von ber gemeinsamen Grunbstruktur aller Tinge unb Vorgänge gibt uns bie neueste Forschung. Sie erklärt uns nicht wehr unb nicht weniger, als baß bie lebenbige Urkraft allen seins bie Well«, bie Schwingung ist. Aus bem Begriff ber Materie ist bie „TOntene- welle" geworben: ein Erregungszuslanb bes „Raumes , m bem Wellenstrahlungen von bestimmten Eigenschaften sich zu bem „materialisieren , .. was wir Gegenstand, Ding, Lebewesen nennen; unb aus den millionen- fältigen Einbrücken unb Erscheinungen biefer Welt würben elektromagnetische Strahiungen. Licht ist Strahlung; veränbert sich ber Rhythmus, bie „Frequenz" ber Strahlung, so erscheint sie uns als Wärme, Runb- funkwelle Ton, Röntgenstrahlung und so weiter — Vorgänge, bie wir teils mit bem Auge, teils mit bem Ohr, mit ben Nerven ober — bies am häufigsten — überhaupt nicht wahrnehmen, benn unsere Organe sind nur für einen kleinen Ausschnitt ber unenblich großen Schwingungs- skala gebaut. Wir bebürfen komplizierter Apparate, um unsere Wahrneh- mvnqsskala zu erweitern. Ein Beispiel: ein russischer Forscher entbetfte vor einiger Zeit, baß auch bie Pflanzen beim Wachstum Strahlen aussenben, die unter Umftänben roieber anbere Pflanzen organisch beeinflussen können — ein Beweis bafür, bah selbst so „primitiv" konstruierte Organismen, wie bie ber Pflanzen, Wahrnehmungen machen können, bie unseren Sinnen verschlossen sinb! Anbere Schwingungen, bie bekannten kosmischen Strahlungen", würben vor einigen Jahren von ben deutschen Physikern Heß unb Kohlhörster entdeckt. Auch diese Strahlungen gelangen nicht in unsere Bewußtseinssphäre, wenn wir auch mit Bestimmt- j heit annehmen können, daß unser Organismus von ihnen beeinflußt wird. ______________________________
Verantwortlich: Dr. AanS Thhrivt. - Druck unb Verlag: Drühl'fche UnrversrtätS-Vuch. unb ßieinbrudetei. X Lange, Dietzen.


