in ein größeres »mwandelte. Bisweilen wurde (ogor, wie bei der Cheops- pyrannüe, eine nochmalige zweite Vergrößerung des Entwurfs vorgenommen.
Die Pyramide selbst bestand aus einem Kernbau, der sich turmgleich mit abgeschrägten Wänden zum Himmel erhob und um den sich verschiedene Mäntel stufenförmig lagerten. War dieser Stufenbau vollendet, so wurden die Stufen mit einem Füllmauerwerk aufgemauert und um das Ganze eine Bekleidung aus weißem Kalkstein, z. T. auch aus roten Granitblöcken gelegt oder, wie das bei der Cheops-Hyramide geschah, es wurden ohne Zuhilfenahme von Füllmauerwerk die äußeren Teile ohne Zuhilfenahme von Füllmauerwerk die äußeren Teile des Kernbaus zusammen mit der weißen Kalksteinbekleidung aufgemauert. Die Blöcke für den Kernbau wurden in nächster Nähe des Bauplatzes auf dem Wüstenplateau gebrochen, während man die Steine für die Verkleidung auf dem Dftufer des Flusses in den großen Brüchen von Iura südlich vom heutigen Kairo gewann und mit Hilfe von Flößen in die Nähe des Bauplatzes schaffte. Zu diesem Transport benutzte man die drei Monate der Ueberschwemmungszeit, da es dann möglich war, die Steine viel näher an ihren Bestimmungsort zu bringen, und ein großer Teil der Fellachen während dieser Zeit beschäftigungslos war und zu den schwierigen Arbeiten auf Befehl des Königs herangezogen werden konnte. Die Granitpfeiler und die Granitblöcke, die man für den Tempelbau oder auch für die Bekleidungsfchichten benötigte, kamen aber nicht aus der Nachbarschaft, sondern weit her aus dem Süden des Landes. Sie wurden in den Brüchen bei Aswan gebrochen, dort noch notdürftig roh behauen und auf Walzen oder Schlitten zum Nilufer auf die Schiffe gebracht, die sie dann stromab nach dem Bauplatze beförderten.
Gleich beim Beginn des Pyramidenbaus wurde eine große Rampe angelegt, die vom Rande des zur Ueberschwemmungszeit vom Hochwasser überfluteten Fruchtlandes in die Höhe zu dem auf dem Plateau gelegenen Bauplätze führte, und auf der die Baumaterialien emporgefchafft wurden. Nach Vollendung des Grabdenkmals wurde auf diesem Ausweg ein gedeckter Gang errichtet, auf dem bei der Bestattungsfeier dis Leiche in feierlichem Zuge nach ihrer letzten Ruhestatt gebracht wurde und der auch später noch bei den Totenfesten für die Opferprozessionen bienen sollte. Am unteren Ende des Aufgangs wurde ein monumentaler Torbau errichtet. Ein solcher Ausweg ist bei der Chephren-Pyramide noch heute besonders gut erhalten, seine Länge beträgt hier nahezu 500 Meter. Ganz ähnliche, aus Ziegeln hergestellte Baurampen wurden für den Pyramidenbau selbst angelegt. Sie dienten als Gerüste und wurden nach Vollendung des Baus mühelos wieder abgetragen. Den ganzen Baubetrieb dürfen wir uns überhaupt nicht allzu primitiv Dorftellen. Gewiß haben die zahllosen Arbeiterscharen unendlich viel geleistet und manches ersetzt, was man heutzutage durch Maschinen fertigbringt. Doch fehlte es keineswegs an technischen Vorrichtungen. So besaß man bereits ein ausgebildetes System von Hebezeugen; Walzen und Kippschlitten mit Stricken gezogen dienten zum Emporführen der mächtigen Blöcke. Die schweren Kaltstein- und Granitguader wurden mit Hilfe von großen Zangen versetzt, wobei man zum Heben einfache Krankonstruktionen benutzte. Auch Baugerüste, die man aus ausländischen Hölzern herstellte, tarnen beim Ausrichten von Pfeilern und Kolossalstatuen, wie sie z. B. im Grabtempel des Chephren standen, zur Verwendung. Trotz all diesen Hilfsmitteln sind die Bauzeiten der verschiedenen Pyramiden nicht klein gewesen. Nach den auf den Blöcken erhaltenen Steinbruchdaten hat man an der von König Snofru erbauten Pyramide von Medüm nicht weniger als 17 Jahre gearbeitet. In dieser Zeit sind rund 650 000 Kubikmeter Mauerwerk gebrochen, angeliefert und verbaut worden; das macht für das Jahr etwa 38 200 Kubikmeter, für den Tag 105 Kubikmeter. Unter Zugrundelegung dieser Zahlen hätte die Bauzeit der beiden Pyramiden, die sich Snofru bei Medüm und bei Dahschur errichtet Hat, ferner der großen Pyramiden von Gise, der Pyramide von Abu Roasch und des Grabdenkmals des Schepseskaf in Sakkara-Süd mindestens 200 Jahre gedauert. Die Regierungsdauer der genannten Herrscher, die die vierte Dynastie bilden, dürfte aber nicht viel mehr als 160 Jahre betragen haben, fo daß die Arbeitsleistungen bei den meisten Pyramiden noch wesentlich höher als die bei der Medüm-Pyramide errechneten gewesen sein dürsten.
* Zur Psychologie der Aussage.
Von Graf Carl v. K1 i n ck o w st r o e m.
Bekanntlick' arbeiten sowohl das Gedächtnis wie die Beobachtungsfähigkeit des Menschen durchaus nicht fehlerfrei. Beide find den schwersten Täuschungen leicht zugänglich, namentlich wenn es sich um Dinge handelt, die die Affekte erregen. Diese Unzulänglichkeit fällt besonders schwer ins Gewicht wenn vor Gericht auf Grund von Zeugenaussagen über das Schicksal eines Angeklagten entschieden werden soll. Wie oft widersprechen sich da die Aussagen an sich glaubwürdiger Personen in den ausschlaggebenden Punkten. Und im besten Glauben roerben, da Aussagen beschworen, die den Stempel der Unwahrheit auf der totirn tragen. Die Zeugen sind Opfer von Selbsttäuschuengen geworden. Die Erkenntnis dieser Tatsache hat vor rund 30 Jahren zur Begründung einer Spezial- wissenschast geführt; der Kriminalpfychologie und seither ift auf experimentellem Wege mehrfach der Unwert von Zeugenaussagen überzeugend nachgewiesen worden. Grundlegend war in dieser chchstcht ein Versuch, der 1001 von Franz von Liszt in seinem kriminalistischen Seminar angestellt wurde, und an dem ausschließlich Referendare und <l[tere Studierende teilnahmen. Es spielte sich, nach der Darstellung von R. Hennig, die nachstehend beschriebene Szene ab d,e ohne Vorwisen der übrigen Anwesenden zwischen den drei beteiligten Personen bis ms kleinste hinein genau vorbereitet war, so daß jebes Wort, bas dabei gesprochen wurde, vorher festgelegt war.
Man sprach über ein Werk von Tarde. „
Geheimrat v. Liszt: Will noch jemand etwas zur «ache bemerken, bevor ich dem Referenten das Schlußwort erteile.
Dr. K. erhebt sich.
v. Liszt: Kollege K. hat das Work.
K.: Ich möchte Tardes Lehre kurz vom Standpunkte der christlichen Moralphilosophie betrachten.
Leh. (einsallenb): Das fehlte noch gerade!
K.: Seien Sie gefälligst ruhig, wenn Sie nicht gefragt find.
Leh. (ausstehend): Das ift eine Unverschämtheit!
K.: Wenn Sie noch ein Wort sagen, dann ... (Er tritt auf Leh. mit gebauter emporgehobener Faust zu.)
Leh.: Hand weg, oder ... (Er zieht einen Revolver und hält ihn mit der Mündung auf K.'s Stirn.)
v. Liszt schlägt ihn auf den erhobenen Arm. Der Revolver senkt sich bis zur Höhe der Brust K.'s. Als er sich in der Herzgegend K.'s befindet, knackt er. ,
Dies das Vorkommnis. Es lag hier der wohl noch nie bagcroefene Fall vor, daß alle Einzelheiten eines vorgetäuschten schweren Verbrechens noch vor dem Geschehnis haarklein schristlich festgelegt waren, so daß man die nachträglichen Aussagen der Augenzeugen, die keine Ahnung davon hatten, baß ber ganze aufregenbe Zwischensall oerabrebet war, auf ihre Zuverlässigkeit hin prüfen konnte. Und da zeigte es sich denn, daß diese Zeugenaussagen, die in jedem Prozeß, in jedem Ernstfall nahezu die einzige, jedenfalls die wichtigste Stütze zur Ermittelung des Tatbestandes bilden, in ber bebenklichften Weife im Stiche ließen unb voneincmber ab wichen. Die Aussagen ber 15 Anwesenben würben in einem Zeitraum von 1 bis 5 Wochen nach bem Vorfall schriftlich ober münblich ausgenommen, wobei die Fiktion bestand, daß sie an Eibesstatt abgegeben würben, also „nach bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit sagen, nichts verschweigen und nichts hinzusetzen" sollten. Es handelte sich, wie gesagt, ausnahmslos um die Aussagen von Juristen, die die hohe Bedeutung einer solchen Aussage in vollem Maße zu würdigen wußten, die obendrein die Angaben vor der Aussage Wort für Wort genau zu überlegen und immer wieder nachzi^prüfen vermochten unb die schließlich um so mehr bestrebt fein mußten, nur völlig genaue unb jutreffenbe Akwsagen zu machen, weil sie wußten, baß bie wirklichen Vorgänge festgelegt waren unb somit eine Prüfung ihrer persönlichen Glaud- roürbigteit möglich unb beabsichtigt war. Unb trotzbem: was war bas Ergebnis?
Die relativ genaueste unb beste Aussage, bie sonberbarerweise erst fünf Wochen nach bem Ereignis abgegeben würbe, hatte bei ber Wieber- gabe ber 14 einzelnen Ereignisse, bie ben Tatbestcmb bilbeten, 4 falsch ober in gröberem Maße ungenau ober auch gar nicht erwähnt. Die übrigen 14 Aussagen enthielten noch mehr Fehlerzahlen, bie bis zu 20 Punkten (unter 14 Ereignissen!) anstiegen. Sogar ben Knall bes Schusses wollten einige Zeugen gehört haben! Kurzum, bas Ergebnis bes Lisztschen Versuches war ein völliges Versagen der Zeugenaussage. William Stern erweiterte die Beobachtungen Liszts, indem er Zeugenaussagen über harmlose, alltägliche Vorkommnisse sammelte, die er in seinem Unterricht selbst veranlaßte, bie aber von ben Teilnehmern selbst kaum beachtet würben und über bie er plötzlich acht Tage später einen genauen Einzelbericht cinforberte. Auch hier wurde fest- gestellt, bah es vollkommen ausgeschlossen war, an ber Hand von 15 Zeugenaussagen, bie sich vielfach stark wibersprachen, ein halbwegs klares Bild von dem wahren Sachverhalt zu gewinnen.
Ein ähnliches Experiment wie das Lisztsche nahm 1912 ber Bostoner Rechtsanwalt George G. Crock er vor, bas sich jeboch in zwei wesentlichen Punkten bavon unterschieb. Der Zweck ber Szene, die sich hier innerhalb weniger Minuten abspielte, war ben Hörern — ebenfalls in ber Mehrzahl Juristen — im voraus bekanntgegeben worben. Unb diesmal handelte es sich um einen ganz einfachen Vorgang, der nicht geignet mar bie Augenzeugen zu erregen. Es kann also keine Verfälschung durch Affekte mitgefpielt haben. Die Zeugenberichte wurden unmittelbar nach bem Ereignis niebergeschrieben. Von 20 Zeugen lieferten 17 ihre Berichte ab.
(Trotter erklärte zunächst ben Anwesenben, um was es sich hanble. Dann entwickelte sich folgender, in allen Einzelheiten vorher einftubierter unb festgelegter Vorgang ab, ber (fiktiv) im Büro eines Börsenmaklers sich abspielte. m .
Der Makler (A) sitzt an einem Tisch. B betritt ben Raum, entnimmt feiner schwarzen Brieftasche einige Papiere unb legt bie Brieftasche auf ben Tisch Nach Prüfung seiner Papiere sagt B: „Ich habe mich entschlossen ein paar Kupfer-Anteile zu kaufen. Saufen Sie mir bitte zehntausend Aktien (dann, sich verbessernd), Aktien im Werte von zehntausend Dollars von diesem Chino. Unb verkaufen Sie bitte 37 Aktien Telephon unb eine Calumet und Hecla."
A antwortet, indem er gleichzeitig ben Auftrag notiert: „Zehntausenb Chino-Aktien kaufen; 37 Telephon unb eine Calumet unb Hecla verkaufen". Während er bas sagt, breht B sich um unb geht langsam zur Tür, seine Papiere prüfenb. Sobalb er ben Tisch verläßt, nähert sich C, ber 'unterliessen eingetreten war unb hinter B ftanb, bem Tisch, legt sein Taschentuch auf bie Brieftasche unb fragt: „Wo find bie Büros von Lee unb Sounbso?" A erwidert: „Sie meinen Lee und Higginson — State Straße 50". C steckt bie Brieftasche, in sein Taschentuch gehüllt, in bie Tasche, roenbet sich um unb geht hinaus.
Während C feine Frage stellte und Auskunft erhielt, stoßt B, bec immer noch in seine Papiere vertieft, sich der Türe genähert hatte, mit D zusammen, ber gerade hereinkommt, wobei D’s linke Hand bie rechte Seite von B’s Rock streift unb ihn aufstößt. B geht hinaus, C folgt ihm. D sagt zum Tisch tretend: „Guten Morgen. Können Sie mir sagen, roie heute Calumet unb Hecla stehen?" A, in einem (imaginären) Kurszettel nackisehenb: 615. ... ,
Im Augenblick, wo D wieder hinausgeht, kehrt B eilig ins Zimmer zurück und ruft, sich an A wendend: „Ich habe meine Brieftasche verloren! Ich habe meine Brieftasche verloren! Wer hat meine Brieftasche?"
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Die wichtigsten Bestandteile dieser kurzen Szene sind:
1. Der Makler A wiederholt den Auftrag von B anders, als B ihn gab. 2. Der Diebstahl ber Brieftasche.


