klagte der Herzog

kostbaren Mantel dem Herzog gegenüber an den Marmorvooen uno lagerte sich geschmeidig, den linken Arm aufgestützt, den rechten in die Huste setzend.Hoheit erlaube", sagte er.

Jarl Bourbon lebte seit seinem Verrate in einer sengenden und ver­zehrenden Atmosphäre des Selbsthasses. Niemand, sogar der Vornehmste nicht, hätte es gewagt, den stolzen Mann auch nur mit einer Miene an seine Tat zu erinnern und ihn das Urteil erraten zu lassen, welches die öffentliche Meinung seines Jahrhunderts einstimmig und mit ungewöhn­licher Härte über ihn gefällt hatte, aber er kannte dieses strenge Urteil, und sein Gewissen bestätigte es. Die gründlichste Menschenverachtung brachte er, bei sich selbst ansangend, der ganzen Welt entgegen, doch beherrschte er sich vollkommen, und niemand benahm sich tadelfreier und redete farbloser, jeden Hohn, jede Ironie, selbst die leiseste Anspielung sich und damit auch den andern untersagend. Nur selten verriet, wie eine plötzlich aus dem Boden zuckende Flamme, ein höllischer Witz oder

im Vatikan eine angenehme Person ist. Mit diesen zwei gescheiten Leuten liebe sich reden, und ich habe den Venezianer und den Florentn.er an deine Abendtafel geladen, da ich weih, daß du em harmloses Geplauder und eine unterhaltende Gesellschaft liebst.

O versluchte, nichtswürdige Verschwörung!

Das wird er selbst dir sagen. Horch! es läutet Vesper im Dome.

"Empfange du ihn, Kanzler!" flehte der Herzog und wollte durch eine Tür entwischen. Marone aber ergriff ihn am Arm und führte ihn zu seinem Sessel zurück.Ich bitte, Hoheit! Es geht vorüber. Wenn der Konnetabel eintritt, erhebe sich die Hoheit und empfange ihn stehend. Das kürzt ab." Er umkleidete seinen Herrn mit dem am Stuhle hangen­gebliebenen Mantel, und dieser nahm allmählich, seine 'Angst bekämpfend, eine fürstlichere Haltung an, indem er seinen hübschen Wuchs geltend machte und den natürlichen Anstand, den «r besah.

Inzwischen blickte der Kanzler durch das Fenster, das den Schlohplatz und hinter demselben den Umrih eines der neu angelegten Bollwerke des Kaftelles zeigte.Köstlich!" sagte er.Da steht dieser treuherzige Konnetabel, zehn Schritte vor seinem Gefolge, und zeichnet unbefangen unsere neue Schanze in sein Taschenbuch. Ich will nur gehen und ihn C"'sar er mit Marone eintrat, der berühmte Verräter, eine schlank« und hohe Gestalt und ein stolzes, farbloses Haupt mit seinen Zügen und auf­fallend dunkeln Augen, eine unheimliche, aber grohe Erscheinung, ver­beugte er sich höslich vor Franz Ssorza, der ihn scheu betrachtete.

Hoheit", sprach Karl Bourbon,ich bezeuge meine schuldige Ehr­erbietung und bitte um Gehör für «ine Botschaft der kaiserlichen Ma,« tat.

Herzog Franz antwortete mit Würde, daß er bereit sei, den Willen seines erhabenen Lehensherrn ehrfürchtig zu vernehmen, wankte dann aber und glitt in [einen Sessel zurück.

Als der Konnetabel den Herzog sich setzen sah, blickte auch er sich nach einem Stuhl ober wenigstens nach einem Schemel um. Nichts dergleichen war vorhanden und auch kein Page gegenwärtig. Da warf er seinen Mantel dem Herzog gegenüber an den Marmorboden und

ein zynischer Späh den Zustand seiner Seele.

Nachdem der Konnetabel eine Weile gesonnen, begann er mit angeneh­mer Stimme und einer leichten Wendung des Kopfes:Ich bitte Hoheit, mich nicht entgelten zu lassen, was meine Sendling Unwillkommenes iür Sie haben könnte. Meine Person völlig zurückstellend, übermittle ich der Hoheit einen Beschluh der Kaiserlichen Majestät, welchen dieselbe in ihrem Ministerrate gesaht hat, allerdings nach Vernehmung ihrer drei italienischen Feldherrn, Pescara, Leyva und meiner Untertänigkeit."

Wie befindet sich Pescara?" fragte der Kanzler, der gleicher Ent­fernung von den zwei Hoheiten stand, srech dazwischen. Ist er geheilt von seiner Speerwunde bei Pavia?" .

Frellndchen", versetzte der Konnetabel geringschätzig,ich bitte Euch, nicht zu reden, wo Ihr nicht gefragt werdet."

Da nahm der Herzog die Frage auf.Herr Konnetabel", sagte er, wie befindet sich der Sieger von Pavia?"

Bourbon verneigte sich verbindlich.Ich danke der Hoheit für di« huldvoll« Nachfrage. Mein erlauchter und geliebter Kolleg« Ferdinand Avalos Marchese von Pescara ist völlig hergestellt. Er reitet ohne Beschwerde seine zehn Stunden." Dann fuhr er fort:Lasset mich jetzt zur Sache kommen, Hoheit. Bittere Arznei will schnell gereicht sein. Die Kaiserliche Majestät wünscht sehr, dah die Hoheit zurücktret« aus der neuen Liga, die Sie mit der Heiligkeit, den Kronen von Frankreich und England und der Republik Venedig abgeschlossen hat oder abzuschliehen im Begriffe ist."

Jetzt fand der Herr von Mailand den Fluh der Rede und beteuerte mit gut gespieltem Erstaunen und herzlicher Entrüstung, daß ihm von einer solchen Liga nichts bekannt sei und er selbst sicherlich der erste wäre, nach seiner Lehenspflicht den Kaiser ungesäumt zu unterrichten, wenn seines Wissens in Oberitalien derlei gegen die Majestät gesponnen würde. Und er legte die Hand aus das feige Herz.

Mit vorgebogenem Haupte höflich lauschend, lieh der Konnetabel den jungen Heuchler seine Lüge in immer neuen Wendungen wiederholen. Dann erwiderte er in kühlem Ton«, mit einer unmerklichen Färbung verächtlichen Mitleids:Die Worte der Hoheit unangetastet, muh ich glauben, dah dieselbe von der Sachlage nicht genau unterrichtet ist. Wir denken es besser zu sein. Der Friede zwischen Frankreich und England mit einer bösen Absicht gegen den Kaiser ist eine Tatsache, die uns mit Sicherheit aus den Niederlanden gemeldet wurde. Ebenso gewiß sind wir, dah in Oberitalien gegen uns gerüstet wird. Und soweit sich der Heilige Vater beurteilen läßt, scheint auch er, den wir verwöhnt haben, sich ver­deckt gegen uns zu wenden. Zu unterscheiden, was getan und was im

Baukunst 3000 Jahre vor Christus.

Von Universitäts-Prosessor Georg Steindorff.

Der vierte Band der Propyläen-Weltgeschichte trägt den TitelDas Erwachen der Menschheit" und enthält unter den bisher vorliegenden vielleicht das meiste Neue und Unbekannte. Bis auf 20 000 Jahre v. Ehr. kann man jetzt zurückschauen, während bisher die Geschichtsbetrachtung meist erst 5000 v. Ehr. einzusetzen pflegte. Mit Erlaubnis des Propyläen-Verlages veröffentlichen wir aus dem neuen Band diesen Aufsatz:

Im Ansang des Alten Reiches vollzieht sich auch die Geburt der nationalen ägyptischen Kunst. Aus schlummernden Keimen wachst sie heraus und gewinnt das schöne maßvolle Antlitz, das sie über Zwei I hr- tausende bewahrt hat. Erst jetzt wird die größt« Begabung der Aegypter o fenbar, die sie neben der Formung des stattlichen Lebens bewiesen haben, und durch die sie, säst mit den Griechen wetteisernd, das künst­lerisch am reichsten schassende Volk des Altertums geworden stnd. Als schönste Zeugen der künstlerischen Jugendzeit besitzen wir den Grabstein des Königs Edjöjet-Wenephes (jetzt im Louvre), des dritten Nachfolgers de-- Menes, mit dem wundervollen ausgerichteten Horussalken und dem im Rahmen einer stilisierten Palastsassade stehenden Schnstzeichen einer Schlange sowie das aus grünem Stein gefertigte «itzbild des ttyasechem, eines der letzten Könige der zweiten Dynastie, das den thronenden Herr­scher mit der weißen Krone aus dem Haupte zeigt imb bei aller archaischen Gebunbenheit die icherc Hand eines wirklichen Meisters erkennen laßt.

Zum ersten Male erreichte die ägyptische Kunst in der Pyramidenzeit ihren Höhepunkt. Um das Jahr 2770 v. Ehr. erbeuten König Dioser und (ein großer Baumeister Jmhoteg die Stusenpyramide von Sattara und in ihrem heiligen Bezirte noch andere Tempel und Graber in deren zier­lichen Formen uns ein eigener Stil, der sich sreilich von der Erinnerung an den uralten Ziegel- und Holzbau noch nicht hat freimachen tonnen, entgegentritt. In dem folgenden Jahrhundert von 27OO bis 2600 ent­stehen bei Gise die großen Pyramiden der Cheops, Ehephren und Myke- rmos in denen sich ein neuer, anders gearteter Kunstwille durchsetzte. Mit vollem Bewußtsein wandte man sich von dem etwas spielensch- leichten Stil des Djoser-Grabmals ab und strebte dem Ziel einer wuchtigen Monumentalität zu; glatte Linien und ungebrochene Flachen gehören zum Wesen dieser neuen Kunst. Statt der gefälligen kannelierten ober zusnmmcngebunbene Rohrbüschel nachahmenden Halbsäulen treten in den Heiligtümern ber Gisepyramiben mächtige viereckige Pseiler als Stutzen auf unb erst in ben Totentempeln von Adusir aus der fünften Dynastie begegnen wir wieder der Säule, die sreilich jetzt eine neue Form gewonnen bat und in der Gestalt stilisierter Palmen ober Papyrusstengel erscheint.

Uebcr die technischen Vorgänge bei der Errichtung der Pyramiden und der zu ihnen gehörigen Tempelbauten sowie über das Leistungs­vermögen der Bauleute sind mir durch die genauen Berichte griechischer Schriftsteller besonders Herodots und Diodors, vornehmlich aber durch die wissenschaftlichen Forschungen neuerer Gelehrter einigermaßen unter­richtet. Nachdem ein Bauplatz auf der Hochfläche der Wüste für das königlich« Grabdenkmal ausgewählt war, ging man zunächst daran, die Grundsläche abzustccken und die vier Ecken nach ben Himmelsrichtungen genau scstzulegen. Dabei mußte ber wahre Norb nach Maßgabe ber Unter- unb Ausgangsstellen von Nicht-Circumpolarsternen* bestimmt werden, wobei den Aegyptern gewiß schon in alter Zeit ein Instru­ment zum Anvisieren von Sternen zur Verfügung stand. 'Auch das Ver­fahren, mit Hilfe einer Setzwaage die rechten Winkel abzustecken, war jenen Architekten wohl vertraut. Viel und oft hat man die Frage erörtert, wie ein Cheops, als er hen Thron bestieg und sich einen Platz von (ast 51300 Quadratmeter für sein Grabmal auswählte, wissen konnte, datz ihm eine ungewöhnlich lange Regierung vergönnte sein würde, um seinen gigantischen Plan zur Ausführung zu bringen. Wäre er etwa im Mecken ober britteii Regierungsjahr gestorben, welchem Sohne ober Nachfolger wäre es wohl möglich gewesen, selbst bei der bereitwilligsten Pietät, einen solchen Plan (eines Vorfahren zu Ende zu führen und dabei noch für sein eigenes Grabdenkmal zu sorgen? Und warum hatten nicht zwanzig andere' Könige gleichfalls den Muk, sich eine etwa 25jährige Regierung zu versprechen und ein solches Werk zu beginnen, dessen Bauplan leicht ongefertigt und gewiß gern genehmigt worden wäre? Heute wissen wir, daß jeder König den Bau seiner Pyramide zunächst nur in kleinerem Maßstabe begann, um sich ein vollständiges Grab zu sichern, auch wenn ihm nur wenige Jahre auf dem Thran beschieden waren. Vielfach blicv es bei der Ausführung eines solchen kleinen Entwurfs; nicht selten aber wurde er von Herrschern, denen eine längere Regierungszeit beschert war ober größere Mittel zur Verfügung stauben, erweitert, inbem man den Pau durch 2(nbauten vergrößerte ober sonstwie das erste Preyeu

* Eircumpolarsterne: Sterne in ber Umgebung des Pols.

Werden ist, kann nicht unsere Ausgabe sein: wir bauen vor. Ehe die Liga , fügte er mit leiserer Stimme bedeutsam hinzu,einen Feldherrn gesun- bCn5?ann stellte er seine Forderung:Hoheit gibt uns Sicherheit in Monatsfrist, daß Sie Neutralität hält. Das ist die inständige Bitte Kaiser­licher Majestät. Unter Sicherheit aber versteht sie: -®crn(ltffi^,ing ber Schweizer, Beurlaubung ber lombarbischen Waffen au bi« Ein­stellung aller unb jeher Festungsbauten und Ueber assung dieses ersin- dunasreichen Mannes" er wies mit dem Haupte seitwärtsan Kaiserlich/ Majestät. Wo nicht", - und er erhob sich ungestüm, als wollte er zu Pferd springenwo nicht, blasen wir zum Ausbruch, den letzten September, um Mitternacht, keine Stunde früher, keine spater, und besetzen in wenigen Märschen das Herzogtum. Hoheit überleg«. Er ver- beugte sich und schied.

(Fortsetzung folgt.)

noch ein anderer ist eingeritten, im Morgengrauem Dieser 1/Oi sich aus die dritte Stunde nachmittags angesagt, «r wolle erst au 'Ein anderer? Welcher andere?" Der Herzog zitterte.

"GoU ^verpest" den bleichen Verräter!" schrie Sforza.Was will