Ausgabe 
24.8.1931
 
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Horoskop der Königin.

Von Liesbet Dill.

(Nachdruck verboten.)

Drei Horoskope liegen vor mir: das Alexandras, der letzten Zarin von Rußland, von M a r i e - A n t o i n e t t e und von Charlotte von Mexiko. Alle sind sich in einem Punkte ähnlich, indem sie auf em gewaltsames und qualvolles Ende Hinweisen.

Man könnte einwersen, daß man das leicht behaupten kann, nachdem das Leben das letzte Wort gesprochen und sich ihr Schicksal vor den Augen der Welt erfüllte, aber das Horoskop ändert sich nicht. Es wird nach den Zeichen der Geburt bestimmt und bleibt bestehen für immer. Was dieses Horoskop dem enthüllt, der seine Zeichen zu entziffern versteht, behält Geltung für olle Zeiten.

Und das Leben und Ende dieser Menschen liegt klar ausgezeichnet vor uns.

Was die Zarin von Rußland betrifft, so hatte das Schicksal diese kluge, sehr konservativ eingestellte Frau, die unbeeinslußbar in ihren An­schauungen war, mit den starken, asketischen Neigungen, einer tiefen Abneigung vor Geselligkeit und prunkenden Festen, nicht für einen Thron bestimmt (nach I. Naumann und dem Horoskop). Sie hielt diese reprä­sentativen Feste schon körperlich schwer aus und litt unter einer ihr feind­seligen Umgebung. Ihr Sinn war auf ein glückliches Familienleben gestellt. Sie fühlte sich am wohlsten, wenn sie abends mit dem Zaren allein war und sie sich vorlasen oder sie, wie eine Bürgersfrau, mit einer Handarbeit bei ihm saß. Sie kümmerte sich um ihre Kinder wie jede gute Mutter, oder mehr als diese durchschnittlich; sie hat sie zeitweise sogar allein unterrichtet. In Gesellschaft war sie weder gewandt noch geistvoll und, für die Oeffentlichkeit völlig ungeschaffen, fühlte sie sich unter vielen Menschen beobachtet und belastet von unerträglicher Schwere und war durch die feindselige Umgebung, die ihr teils schmeichelte, sie teils ver­leumdete, mißtrauisch und unsicher geworden. Das, was man ihr vor­werfen kann, ist wohl, daß sie sich schließlich in die Politik gemischt hat und den schwachen Zaren der sein Schicksal lange vorausgeahnt und der wußte, daß eine Auflehnung dagegen zwecklos war zu Eingriffen beeinflußt hat, die für ihn und sie und dem Land verhängnisvoll geworden sind.

Das Zeichen der Zwillinge verlieh ihr die große, schlanke Gestalt, das rotgoldene Haar, den tiefen, strahlenden Glanz ihrer magischen Augen, die man niemals vergaß. Sie war intellektuell eine sehr hochstehende Frau und beherrschte mehrere Weltsprachen. Mond und Mars, die beiden unruhigen Planeten, geben Ruhelosigkeit, Raschheit und Oberflächlichkeit. Die Besetzung ihres Merkurs dagegen vertiefte diese Besinnlichkeit zur zeitweiligen pedantischen Gründlichkeit und gab ihr eine praktisch reale Lebenseinstellung, Vorsicht und Diplomatie, das Zeichen des Stiers, Trigon und Saturn den Ernst und die Ausdauer. Sie war außerordentlich zielbewusst und zwang ihren Gatten, sich als Autokrat zu zeigen; sie war sehr fromm und glaubte, daß ein Herrscher von Gott eingesetzt sei. Das Stierzeichen in ihrem Horoskop bewirkte ihre Selbstsicherheit und das Steinbockzeichen zeitweilige Rücksichtslosigkeit, von der Stellung des Mars auf ihre Aszendenten noch erhöht. Sie hatte marsische Energie und marsi- sches Feuer, scharfe Kritik, Urteilskraft und Organisationstalent.

Jedoch standen Sonne und Mond unter ungünstiger Saturnbestrah­lung. Und unter diesem Saturneinfluß stand ihr ganzes Leben und verlieh ihr den melancholischen Einschlag, unter dem sie selbst am meisten gelitten hat. Sie wurde von vielen für kalt und gefühllos gehalten wegen ihrer großen Zurückhaltung. Wenn sie lächelte, blieben ihre schönen, tiefgrauen Augen immer ernst, ihre Züge streng. Ihre Schönheit flöhte Bewunderung ein, aber sie wärmte nicht. Ihre leidenschaftliche Liebe zu dem Zaren, die er in den ersten Jahren nur sehr zurückhaltend und zeitweise erwiderte, äußerte sich am leidenschaftlichsten und hemmungslosesten in ihren Briefen, die sie ihm ins Feld schrieb, als ihr Herz schon von dunklen Ahnungen erfüllt war, als die Angst um den einzigen Sohn die beiden Eltern enger zusammenschmiedete, als der Thron zu wanken begann und es um sie beide immer einsamer und leerer wurde und sie darauf mit Entsetzen sah, wie allein sie beide dastanden.Sei Peter der Große, Iwan der Schreckliche zermalme sie unter Siri" Das klingt grausam; sie war es nicht, sie wußte nur, wie schwach ihrNiky" war, wie sehr er unter dem ihr feindseligen Einsluß der Umgebung stand. Es war die Macht der Verzweiflung, die ihr solche Worte eingab. Sie wollte ihm den Thron erhalten.

Ihr Horoskop deutet schon auf kein starkes Nervensystem. Das der Zarin war den Schicksalsschlägen nicht gewachsen, die sie erlebte. Sie war zeitweise wie gelähmt in ihrem Denken und zog sich von den Menschen zurück, um mit sich und ihrem Gott allein zu [ein. Zeiten tiefster Depres­sion hat sie durchgemacht. Die Enttäuschungen der ersten Geburten, als sie es nicht vermochte, dem Lande einen Kronprinzen zu schenken, nur Töchter und Töchter, die Krankheit des einzigen Sohnes, dann Krieg und Revolution. Schon lange hatte sie, ihre angegriffene Gesundheit vorschützend, sich von den Hosfestlichkeiten zurückgezogen, und so waren Zar und Zarin allmählich vereinsamt. Ueber demHaus der Vergnü­gungen, Geselligkeit und Spiele" herrschte der strenge Merkur, der Zurück­gezogenheit, Verzicht und Askese ausstrahlt.

Durch die Saturnwirkung fühlte sie sich gehemmt und unglücklich. In Hessen liegt ein altes Schloß, wo die Zarin im Sommer zuweilen mit ihrer Familie wohnte. Wenn man dieses einfach eingerichtete, unbequeme, altmodische Schloß, in der einfachen, flachen Umgebung und den engen Echloßgarten durchwandert, ^greift man kaum, was die Zarin hierher zog. Ihr Hang zur Einsamkeit und Abgeschlossenheit, zur Schlichtheit der Umgebung war es. Hier konnte sie zu Fuß zur Stadt gehen, mit ihren Kindern einen Laden betreten; hier hatte sie in ihrer Jugend als glück­liches Kind gelebt und hierher zog es sie immer wieder zurück, obwohl ihr genug glänzendere Schlösser zur Wahl offen standen. Empfänge und alles öffentliche Zur-Schau-gestellt-sein waren ihr eine Qual. Schon ihre Hochzeitsseierlichkeiten waren von unglücklichen Ereignissen begleitet und erinnerten an den Unglückseinzug Marie-Antoinettes in Paris,

als durch ungenügende Ueberwachung auf dem Chodynskischen Feld 2500 Menschen im Gedränge umkamen und zertreten wurden. Man sah darin kein gutes Vorzeichen. Ihre ersten Jahre am russischen Hof waren schwer. Kalt und feindselig stand der russische Hof der deutscher, Prinzessin gegen­über; ihre ersten Briefe an die Gräfin Rantzau klangen verzweifelt.

Es dauerte lange, bis sich Alexandra durchzusetzen verstand gegen die viel gewandtere Schwiegermutter, die alte Zarin, gegen den ganzen Hof, und bis sie sich die Liebe des kühlen Zaren erobert hatte und ihn für sich allein besaß. Erst in der Gefangenschaft fanden sich die Gatten (wie Marie-Antoinette mit Ludwig XVI.), als ihnen die schweren Kronen vom Haupt genommen waren und sich die Türen des Gefängnisses hinter ihnen geschlossen hatten.

Merkur im zwölften Hause beweist ihren Hang zum Mystizismus. Als auch noch Rasputin auftritt, dem es gelang, durch Suggestion ihrem Sohn das Leben zu retten, ist sie diesem Bauern verfallen. Von seinem wüsten Leben weih sie nichts, an seine Sünden glaubt sie nicht; er hat ihren Sohn zweimal vom Tod gerettet, indem er feine Hand auf die Stirn des Kindes legte. Der Mutter ist das genug. Sie hört nicht auf die Warnungen der Umgebung. Sie verehrte in ihm den Retter ihres Kindes. Da sich Rasputin ihr gegenüber zufammennahm und in ihr stets die Kaiserin achtete, konnte sie von seiner Zwitternatur nichts ahnen; die Anschuldigungen hielt sie für Neid.

Auch von dem Zaren liegt ein Horoskop vor. Es ist schwach besetzt von glücklichen Sternen und sehr eigenartig für einen Fürsten. Er war unter dem dienenden Zeichen der Jungfrau geboren, also nach (einer Natur nicht zum Herrscher bestimmt. Die Führerzeichen Widder waren verletzt und geschwächt. Das erklärt seine Unsicherheit, daß er leicht verstimmt, mißtrauisch und schwankend war.Du und Rußland sind eins", schrieb die Zarin in ihren überschwenglichen Liebesbriefen nach zwanzigjähriger Ehe an ihn. Aber er glaubte nicht daran. Saturn, der Herr seines fünften Hauses, machte ihn schwerblütig, Frauen gegenüber unfähig zu Lieb­schaften während seiner Ehe. Sein Horoskop deutete zwarNeigung zu Freundschaften" an, doch seine kurze, wärmere Freundschaft zu der in ihn verliebten Hofdame, auf die die Zarin fehr eifersüchtig war, wurde von Alexandra rasch beseitigt. Und was man auch von der Umgebung unternahm, ihm andere schöne Frauen in den Weg zu führen er blieb kalt und seiner Gattin treu. Auch diese eheliche Festigkeit liest man aus seinem Horoskop.

Die starke Planetenbesetzung des okkulten 8. Hauses und des okkulten Krebszeichens ließen den Zaren fein Schicksal ahnen. Jupiter, mit dem Mond verbunden, gab ihm religiöses Schauen. Er erlebte [eine Geschichte im Unterbewußtsein schon lange vorher. Er trug sie mit sich, ehe er am 17. Juli 1918 nach Mitternacht von Sowjetsoldaten geweckt wurde zu seiner Erschießung.Ich habe kein Glück", war seine tiefste Uebergeugung, von der ihn kein Ereignis und kein ehelicher Sonnenschein ablenken konnte. In seinem Lächeln lag immer etwas Schmerzliches und in feinen Augen die tiefe Uebergeugung, daß er zu schweren Prüfungen bestimmt war...

Man sagt, daß das Schwerste für Alexandra gewesen sei, als sie hörte, der Zar habe abgedankt. Ihr stolzes Herz bäumte sich dagegen aus, eine Entthronte zu fein. Ihre Gefangenschaft ertrug sie ohne Klagen. Saturn als Schicksalsplanet und Herr des Todeshauses in schlechter Be­strahlung brachte der Zarin ein bitteres Ende in Gefangenschaft und den gewaltsamen Tod.

Eine «-Arche Noah" wird ausgeladen.

Von Paul E i p p e r.

Im Mai 1929 wandte sich das sranzösische Kolonialministerium durch eine Mittelsperson an Carl Hagendeck in Stellingen, bat um Pläne für einen modernen Tierpark auf der Pariser Koloniälausstellung. Es ist verwunderlich, daß Frankreich damit an eine deutsche Firma herantritt; doch der Eingeweihte weiß längst, daß Deutschland aus dem Gebiet der Tierhaltung konkurrenzlos ist, und daß niemand auf der Welt besser einen zoologischen Garten bauen kann, als die Söhne des alten Carl Hagendeck, der zu Beginn dieses Jahrhunderts der Tierhaltung völlig neue Wege gewiesen hat.

Im Südosten von Paris erstreckt sich das Bois de Vincennes, und dort wurde ein 33 000 Quadratmeter großes Gelände für jenen Park bestimmt, der im Rahmen der Koloniälausstellung die Fauna der Tropen zeigen soll. Verschiedene Versuche, mit französischen Kräften die Aufgabe zu löfen, mißlangen. Ende Oktober 1929 unterbreitete Hagendeck Plan und Kostenvoranschlag für die Bauten und die Tierlieferung, sandte auch ein plastisches Modell der gesamten Anlage nach Paris.

Neun Monate zogen sich die Verhandlungen hin; denn riesenhafte Summen standen auf dem Spiel; allein die monatlichen Futterkosten wurden mit etwa 10 000 Mark angesetzt. Wenn auch der Park nur für die Dauer der Ausstellung, also ein halbes Jahr, bestehen sollte, so mußten die Freianlagen und Tierhäuser doch mit Rücksicht auf die Sicherheit stabil gebaut werden.

Am 18. Juni 1930 wurde der Kontrakt geschlossen. Er sah vor: ein Plateau für Elefanten mit einer großen Badegelegenheit; zwischen Felsen eine offene Weide für Giraffen; eine Steppe mit Wasserlauf für Antilopen, Kraniche, Büffel, Strauße und Zebras; einen Vogelteich; eine nach drei Seiten offene Löwenschlucht und einen riesenhaften Felsen für 150 Mantel­paviane. Auf Nashörner, Flußpferde, Robben und Mähnenschafe mußte verzichtet werden.

Im Herbst wuchsen die ersten Freianlagen hoch. Fast eine halbe Mil­lion Reichsmark beanspruchte der Bau dieses kleinen Tierparadieses, bcis einen Monat vor Eröffnung der Ausstellung, im Frühjahr 1931, fertig gestellt war.

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Wer von Ihnen allen, die Sie diese Zeilen lesen, kann sich einen Begriff vcn jenen abertausend Handgriffen machen, die nötig sind, um eineArche Noah" auszupacken? Ich bin, vierzig Minuten Mittagspause ausgenommen, unentwegt tätig, habe mitgeholfen so gut es ging, ["M weil das Zusehen auf die Dauer peinlich ist. wenn alle Mitarbeiten. Da