Ausgabe 
24.7.1931
 
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Zustand man formte zwar ein bißchen an ihm herum, manzivilisierte" ihn zwar, aber man machte doch kein selbständiges in sich ruhendes Kunst- werk daraus. Einerseits durste man bei dem so Zustandegekommenen noch von Natur, anderseits aber auch schon von Kunst reden. Wie alles mit den, Fluch des Eincrseits-Anderseits Behaftete, war auch dies Gcbild unerfreulich zu besehen. Dem Freund einer frei sich regenden Natur wie dem mit einigem Stilgefühl Begabten ein Greuel.

Im Ernst sind nur zwei Formen des Gartens diskutabel. Die Form des architektonischen Gartens, bei der man von vornherein darauf ver­zichtet ein Stück Natur in ihrer Freiheit vorzuführen, bei der man viel­mehr durchaus nach den statischen Gesetzen des umgrenzten Raumes gestaltet. Und die Form des ... ja für diese ArtGarten" gibt es in Europa keinen tressenden Namen. Man könnte hier allerdings mit gutem Recht von einem Naturgarten, auch von einem Landschaftsgarten sprechen, wären die Bezeichnungen nicht durch ihre landläufige Bedeutung bereits zu stark kompromittiert. Kurzum, wir meinen etwa den chinesischen Gar­ten Der architektonische, der Kunstgarten auf der einen, der chinesische, der Naturgarten auf der anderen Seite verkörpern nicht nur zwei formal sondern auch Verzeihung dem starken Wort! weltanschaulich dia­metral entgegengesetzte Prinzipien.

Man kennt aus den Schriften Lao Tses und seiner Schüler jenen Zug des chinesischen Wesens, der sich durch Worte wie Nicht-Handeln, Weich­heit, Stille, Schwäche, einigermaßen charakterisieren läßt. Dem allen liegt die Erkenntnis zu Grunde, daß derjenige der Vollkommenheit am nächsten steht der, voller Weisheit, imstande ist, sich dem Walten der Natur, oder, wenn man will, des Schicksals am innigsten anzuschmiegen. Erst wer den Einklang erreicht, hat Frieden gewonnen. Aus diesem demütigen und klugen Verhältnis des chinesischen Menschen zur Natur grundverschie­den von dem des europäischen erklärt sich die Eigenart des chinesischen Gartens. In ihm wird das Wogen und Weben der Natur nicht ver­gewaltigt, nicht menschlich-ästhetischen Gesetzen untertan gemacht, sondern versucht, es in seiner ganzen Schönheit sich entfalten zu lassen. Legt der Chinese einen Garten an, so horcht er gleichsam tief hinein in das geheim­nisvolle Drängen und Sehnen der Pflanzenseele und schickt sich an, diesem Drängen den Weg zur Erfüllung sreizumachen. Nicht nur der Pslanzen- seele übrigens, sondern der Natur überhaupt. So erschafft er etwa einen Garten des stillen Wassers", in dem sich die Stimmung des ruhenden Gewässers und feiner Vegetation fo vollkommen wie irgend möglich offen­bart Oder er bereitet sich einenGarten des schnellen Wassers", wo sich Fels nickendes Gebüsch, triefendes Gras, Strudel und Gemurmel, kurz all die Natur, die am hüpfenden Waffer zu finden ist, mit ihren letzten Wundern zur Schau stellt. Oder ist er darauf bedacht, einen Garten der Lotosblume, der Kirschblüte, des Pflaumenbaumes erstehen zu lassen. Wie das im einzelnen geschieht? Nun, der Gartenkünstler geht da ähnlich zu Werke wie der Lyriker. Er dichtet, er verdichtet. Er verdichtet das Vielfältig-Besonders zu einer Art von repräsentativer Allgemeinheit. Er macht den Vorwurf in einem, eigenen Sinnewahrer",schöner",tiefer , als die Natur ihn in zufälliger und verstreuter Anordnung hervorbringt. Er versucht, dem Urbild, der Idee seines Vorwurfes nahe zu kommen. Niemals steht er selbst, immer das Rätsel des Seins im Vordergrund. Sein Handeln ist nur ein Beiseiteräumen von Hindernissen, auf daß die eigentliche, sich selbst schöpfende und vollendende Seele der Welt frei emporsteigen kann. So weiß man in China sogar von einemGarten des Mondlichts", einem Gebilde also, in dessen hängendem Geäst, an dessen Blütenkelchen und Laub das Flimmern des silbrigen Lichtes sich märchenhafter als anderswo zeigt. Man lauscht und beobachtet und ver­hält sich still, bis man hinter die leiseste Anmut gekommen ist. Dann tut man ein paar Handgriffe, um das Verborgene recht offenbar werden zu lassen, und wird wieder still. Kein Zweisel, daß auf diese Weise, ähnlich wie in der seltsam naturalistischen und doch über die Zusallsgebärde der Natur hinaus erhöhten chinesischen Malerei Wunderdinge ans Licht geho­ben werden.Fördern und nicht beherrschen, das ist geheimes Leben, sagt Lao Tse.

Das Gegenteil von dieser Gelöstheit manifestiert sich in den architek­tonischen Garten Europas. Alle dynamischen Spannungen, alle statischen Gesetze, alle ausbalancierten Proportionen, die in der Stcinarchiteklur vorherrscl)en, sind auch, mit leichten Abwandlungen, dem Garten eigen. Hier ist keine Rede mehr von einer behutsamen Zurückhaltung der Eigen­art der Pflanze, dem Willen und Wirken der Natur gegenüber, hier diktiert der Mensch seinen neuen Willen, hier gilt es nicht, zu warten und stille zu sein, hier sind Energien am Werk, die der Vegetation eine männliche und herbe Aesthetik aiifprägen. Was gemeint ist, zeigen die strengen Schöpsungen moderner Gartenarchitekten. Sie, die in derfausti­schen" Gartenkunst der Renaissance und des Barock ihren stilistischen Ursprung haben, tun überzeugend dar, welch konzentrierter Leistungen die abendländische Gartenkunst heute noch fähig ist, auch wenn sie nicht mehr Gelegenheit hat, in so gigantischen Ausmaßen wie weiland in Caserta, Versailles, Daux le Vicomte, Wilhelmshöhe, Nymphenburg, Sanssouci zu schwelgen, sondern gehalten ist, in bescheidenem Rahmen zu gestalten. Das Weltgefühl bleibt übrigens das gleiche, ob die abschlie­ßenden Wäyde aus zierlichem Taxus oder aus mächtigen Baumreihen bestehen, ob 500 oder 5000 Quadratmeter geformt find. Immer bilden bau- und raumkünstlerische Grundsätze die Basis des Ganzen. So gelingt es auch stets, das Haus ohne weiteres in den architektonischen Organis­mus einzugliedern. Man geht beispielsweise in den meisten Fällen direkt mit akzentuierten Längs- und Querachsen vom Hausbau aus, gliederl dann die Fläche in räumlich geschlossene Sondergärten, die ihrerseits wieder architektonisch aufs sorgfältigste durchkonstruiert sind, Höhenunter­schiede werden durch Terrassierungen mit flachen Böschungen und Trep- pcnanlagen überwunden. Den Harmonien des Grundriffes entspricht der Aufbau der Pflanzen. Schon die Tatsache, daß hier von einem zlufbai der Pflanzen geredet werden kann, ohne daß jemand daran Annoy nimmt, ist für den Geist, der europäische Gärten schafft, überaus vezeia) nend. Aus Bäumen werden Wände hergestellt, aus Taxus Pyramide geschnitten, aus Buchsbaum Kugeln geformt, die an den Ecken klein Gartenrasen ihren Platz als wichtige bauliche Elemente innerhalb o ->

Alm Sehen Sie, Herr Kommissar, der Fall mär Ihnen klar, wenn Sie" schon mal ein Tellerchen Zwiebelsupp' von der Witwe Meiswinkel aeaessen hätten. Die Frau mag sein, wie sie will, aber sowat von Zwiebel- Fupp röie die kocht, ah! Im Winter drei Tellerchen von der Supp irn Leib und Sie brauchen keinen Ösen. Ohne die Zwiebelsupp war ich viel­leicht gnrnit auf die Idee gekommen, Herr Kommissar.

Aus was für eine Idee?" , ~ .

Aus die Heiratsidee. Denn ich hab' immer gesagt, eine Frau, die so 'ne "herrliche Zwiebelsupp' kocht, kriegst du im Leben nit mehr.

Wie hängt aber die Zwiebelsuppe nfit dem Zops da zusammen t * "Ich hab', wat man so Schwäche nennt, für kastanienbraun Haar. "Slber das ist doch ein falscher Zopf."

Ja bat weih ich jetzt auch, Herr Kommissar. Bis letzt hab ich davon keine Ahnung gehabt. Und dat bringt mich ganz durcheinander Denn wenn sie schon salsch Haar hat, wo weih ich denn da ob bei ihr sonst alles echt ist? Was meinen Sie, Herr Kommissar? Es hat mir schon nie gefaUen, bat die Petronella, bic Frau Meiswinkel mein ich, so nen Pick auf den Ami hat."

Wer ist Ami?" , . , . .

Hier mein Hund, Herr Kommissar. Und bat ist ein so nett, brav und treu Tier. Und so schlau wie ein Aff' im Zirkus. Menfchenverstand hat er. Bat er nicht sprechen kann, ist alles, gelt, Ami?"

Der kleine Hund sprang liss 67890 ENJTA RDGOV ULMWHRDG , Still, 21m i! Wir gehen gleich wieder. Die zwei, der Ami und die Me'i'swinkelsche, die können sich nicht verknusen. Sie knufsk ihn, wo sie kann. Und neulich hat sie ihn expree auf die Psot' getreten. Unb bat sie ihn immer ,sieses Biest' nennt, paßt mir auch nit. Unb wie ich meinen Ami kenne, hat er ihr den falschen Zopf gestohlen, um ihr eins zu ver­setzen und um zugleich mich damit zu warnen: ,Nimm dich in acht, Lim- bach! An der Frau ist nit alles echt/ Ist es nit so, Ami?"

Der Hund bellte wieder unb sprang herum.

Sie können sich braus verlassen, Herr Kommissar, so ist es unb mt anbers. Denn heut' morgen fiel es mir auf"

Er unterbrach sich brehte sich zur Türe, benn im Vorzimmer horte man eine zornige, keisenbe Frauenstimme.

Die Frau Meiswinkel!" flüsterte Limbach bem Kommissar zu.

Im selben Augenblicke schoß sie herein, eine hagere Person mit langer, spitzer Nase und spitzem Kinn. Ihr winziges Haarkrönchen hatte sich gelost, unb tue bünnen Strähnen standen ihr vom Kopse ab.

,So!" schrie sie mit überschnappender Stimme,So?! Dat ist also der Dank für all die Gutheilen! Dafür haben Sie sich immer bei mir den Bauch vollgeschlagen! Unb dafür sich Ihre verschlissenen Brocken standbringen lassen! Schicken Sie mir bat heimtückische, siese Biest auf den Hals! Kömmt bat Vieh bei mir herein heut' morgen, ich benk' an nix Böses, unb bat Biest schnappt mir ben Zopf vom Nachtkonsölchen unb weg damit! Nee, Herr Limbach, mit uns zwei ist es am End'! Sie brauchen mir nit mehr zu kommen, oder es fliegt Ihnen ein Schlupp an den Kopf, Sie, alter Buschklepper!"

Damit riß sie ihren Zopf vom Tische des Kommissars, dem vor Ueber- raschung die Worte im Halse stecken blieben, unb rannte hinaus.

Limbach machte verstohlen ein Kreuz, zwinkerte bann bem Kommissar zu unb sagte:

Gott sei gelobt unb gedankt! Da wär ich glücklich bran vorbei.

Er hob den Hund auf den Arm unb brückte ihn an sich.

Ami", sagte er zärtlich,bu bist mein Freunb." Unb bann ging er schmunzelnb hinaus.

Natur und Kunst im Garten.

Gedanken über westliches und östliches Wellgefühl.

Von Manfred Hausmann.

Unerbittliche Gartenarchitekten werden sagen: es gibt nur Kunst- gärjen. Naturgärten sind ein Widerspruch in sich, da eben Natur unb Garten zwei Begriffe ausmachen, die sich schlechterdings nicht vereinigen lassen. Wird dergleichen trotzdem versucht, so kommt ein fatales Gebilde heraus.

Nach europäischer Anschauung haben die so Argumentierenden recht. Denn was man hier vorwiegend in England unb Deutschland als Natur- ober Lanbschastsgarten kennt, stellt in ber Tat ein nicht eben erfreuliches (Behübe bar. Man merkt ihm nur zu beuilich an, bah es sich aus romantisch-sentimentaler Zeit herleitet. Damals schwärmte man für bie Natur unb war boch selbst einigermaßen unnatürlich. Damals malte, dichtete, musizierte und sang man immer wieder über bas ThemaNatur" unb hatte boch von wirklicher Natur herzlich wenig Ahnung. Man halte beispielsweise einmal neben eine Naturbeschreibung Jean Pauls ein Lanb- schaftsstiick von I. P. Jacobsen ober Knut Hamsun unb man wirb halb inne werden, daß bie Romantiker boch nur eine verschwimmenbe, eine anthropomorphe Vorstellung von ber Natur hatten. Diese selbe Unklarheit offenbart sich auch im Lanbschastsgarten, wie er bamals aufkam unb heute noch fein Wesen hat. Er ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Nicht Natur unb nicht Kunst. Erst wenn er verwilbert, wenn bas ursprüngliche Wachtum alles Menschenwerk überwuchert, empfinbet man ihn in seiner melancho­lischen Versunkenheit wieber als ein geschlossenes Ganzes. Aber das ist ja eine ArtRückkehr zur Natur".

Der Landschastsgarten stellt einen ber vielen romantischen Kompro­misse bar, bie man in allen Gebieten ber Kulturgeschichte antrifft. So wie sie sich ihm barbot,. roilb, unbarmherzig, anarchistisch, grausam, war die Natur dem Menschen nicht recht. Sie mußte, wenn man sich in ihr wohl fühlen sollte, gezähmt und gewissen menschlichen Gesetzen ästhetischer unb moralischer Art unterworfen werben. Damit war aber Natur nicht mehr Natur. Anstatt sich bas einzugestehen unb Baum, Gras, Strauch unb ©taube nunmehr einfach als ein Material zu benutzen, aus bem man wie aus Marmor, Ton ober Holz nach künstlerischen Maximen etwas gänzlich Neues, nämlich ein Kunstwerk, also etwas aus der Natur Heraus­gehobenes, fchaffen kann, schloß man ein Kompromiß, das heißt, man ließ zwar den Urftoff Pflanze unb Erbe nicht in feinem natürlichen