raten" M ^chtandm^g Kreuzer -d Peden Schnepper
und
Dies Les «ar in der lackierten Lade enthalten, wohl verschlossen und
Oie drei gerechten Kammacher.
Erzählung von Gottfried Keller.
(Fortsetzung.)
Reiz waren und zuweilen sanft und weise zu blicken wußten; sie besaß eine5 große Menge Kleider, von denen sie nur toemge und stets die ältesten trug, aber immer war sie sorgsam und reinlich ungezogen, und ebenso sauber und aufgeräumt sah es in der «tube aus. Sie war sehr sleik a und hals ihrer Mutter bei ihrer Wäscherei, indem sic die feineren Sachet Plättete und die Hauben und Manschetten der Seldwylermnen niuiM womit sie einen schönen Pfennig gewann; von dieser Tätigkeit mochte cs auch kominen, daß sie allwöchentlich die Tage hindurch, wo gewaschen würbe, jene strenge und gemessene Stimmung mnehielt, welche die Weiber immer während einer Wäsche befällt, und daß diese Stimmung sich in ihr festsetzte ein für allemal an diesen Tagen; erst wenn das Glätten anging, griff eine größere Heiterkeit Platz, welche bei Zus, aber jederzeit mit Weisheit gewürzt war. Den gemessenen Geist beurkundete auch die Hauptzierde der Wohnung, ein Kranz von viereckigen, genau abgezirkelten Seisenstücken, welche rings aus das Gesimse des Tannen- getafels gelegt waren zum Hartwerden, behuss besserer -Rutzmebung. Diese Stücke zirkelte ab und schnitt aus den srischen Tafeln mittelst eines Messingdrahtes jederzeit Züs selbst. Der Draht hatte zwei Oueryolzchen an den Enden zuin bequemen Anfassen und Durchschneiden der weichen Seife- einen schönen Zirkel aber zum Emteilen hatte ihr ein Zeug- A;miedgesell verfertigt und geschenkt, mit welchem si- -mst !° gut w.e versprochen war. ^orisegung joigij
h,„n fcr ».ar noch zu wenig gereist. Dies wäre ein bedenklicher iSng^
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teif wahrzunehmen so erfand er den Gedanken, sich zu verlieben un die Hand^einer Person zu werben, welch ungefähr so> viel besah, al- der
. nns. sunnpr unter den ^liefen liegen hatten. Es gehörte zu Nbepmn Ei?eL»Kten dL Seldwyler daß sie um einiger Mittel willen keine häßlichen oder unliebenswurd.gen Frauen nahmen, in große Versuchung gerieten sie ohnehin nicht, da es in lyrer Stadt keine reichen Erbinnen gab, weder schöne noch unschöne, und s bcbauvteten sie wenigstens die Tapserkeit, auch die kleineren Brocken zu verschmähen und sich lieber mit lustigen und hübschen Wesen zu vor- binSn, mit welchen sie einige Jahre Staat machen konnten Daher wurde es dem ausspähenden Schwaben nicht schwer, sich den Weg zu ewer j tugendhasten'Jungfrau zu lmhnen welche m der stbei S ra^ woh^e im fsaaen Gespräche Mit alten Weibern, IN crrfugiunu aebrackt daß sie einen Gültbrief von siebenhundert Gulden ihr Eigen- ?Üm nenne Dies war Züs Bünzlin, eine Tochter von achtundzwanz.g Jabren welche mit ihrer Mutter, der Wäscherin, zu ammenlebte, aber übL je'nes väterüche Erbteil unbeschränkt herrschte L.e hat e den Brief I in einer kleinen lackierten Lade liegen, wo fie auch die Zinsen oavon, I ihren Taufzettel, ihren Konfirmationsfchein und em bemaltes und ver- aoldetes Osterei bewahrte; ferner ein halbes Dutzend silberne Teelöffel, I Vaterunser mit Gold auf einen roten durchsichtigen Glasstoss ge- I druckt den sie Menschenhaut nannte, einen Kirschkern, in welchen das I Leiden Christi geschnitten war, und eine Buchse aus durchbrochenem un I mit rotem Taffet unterlegtem Elfenbein, IN welcher ein Spregelchen war und eM Mbnner Fingerhut; ferner war darin ein anderer Kirschkern, ,n welchem ein winziges Kegelspiel klapperte, eine Nuß, worin eme kleine
I Mntteraottes hinter Glas lag, wenn man he öffnete, ein silbernes a)erg, I worin 'ein Riechschwämmchen steckte, und eine Bonbonbuchse aus Z>- I tronenickale auf deren Deckel eine Erdbeere gemalt war, und in welcher I eine goldene Stecknadel auf Baumwolle lag, die em Vergißmeinnicht I nnrfteUte und ein Medaillon mit einem Monument von Haaren, ferner
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I dreck i'ag imo .-m Körbchen aus wohlriechenden Keimen gettochien,ioww m-.xerle» und @emüranägehin lulammengitol; «W
I ein kleines Buch, in himmelblaues geripptes Papier gebunden mit fil I bernem Schnitt, betitelt: Goldene Lebensregeln für die Jungfrau als I Braut Gattin und Mutter; und ein Traumbuchlein, ein Lrlessteller, fünf i oder sechs Liebesbriefe und ein Schnepper zum Aderläßen; denn ernst | hatte sie ein Verhältnis mit einem Barbiergesellen oder Chirurgiegech sen 1 gepflogen welchen sie zu ehelichen gedachte; und da fie "ne geschickte unö überaus verständige Person war, so hatte sie von ihrem Liebhaber gelernt die Ader zu schlagen, Blutegel und Schropfkopse anzusetzen und dergleichen mehr und konnte ihn selbst sogar schon rasieren. Allein hatte sich als ein unwürdiger Mensch gezeigt, bei welchem leichtlich ihr ganzes Lebensglück auss Spiel gesetzt war, und so hatte sie mit trauriger aber weiser Entschlossenheit das Verhältnis gelöst. Die Geschenke wurden von beiden Seiten zurückgegeben mit Ausnahme des Schneppers, diesen vorenthielt sie als ein Unterpfand für einen Gulden und achtund- vierziq Kreuzer welche sie ihm einst bar geliehen; der Unwürdige behauptete aber, solche nicht schuldig zu sein da sie das Geld ihm bei Ge- - • --,g Balles in die Hand gegeben, um die Auslagen zu be
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ojber wie erstaunt war er, als der Neuling, obgleich es ein Bayer war, I f sich mU Mchem Gruße zui ihm in-B^ttlegte, ihn ,
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" nernünftiae klare Antwort, und doch wußte nach Verlauf einiger i Stunden jeder daß der andere nichts mehr oder minder als fein vo - I kommener Doppelgänger fei. Als im Lauf des Tages ikridolin, derBayer, | nwbrchals na» ber Kammer lief unb sich bort zu schaffen machte, nahm Jobst die Gelegenheit wahr, auch einmal hmzufchleichen, als jener• bei I ber Arbeit saß, unb durchmusterte im Fluge bte Habseligkeiten Sribotina, I er entböte aber nichts weiter, als fast bie gleichen Siebenfachelch n hie er selbst besaß, bis aus bie hölzerne Nabelbuchse, welche »ber hier 1 einen Fisch vorstellte, während, Jobst schexzhafterweise em kleines W,ckeJ I kindchen besaß, unb statt einer zerrißenen französischen Sprachlehre sur I bim Volk welche Jobst bisweilen durchblätterte, war bei dem Bayer em I aut gebundenes Büchlein zu finden, betitelt: Die kalte und warme Küpe, | ein unentbehrliches Handbuch für Blaufärber. Darin war aber mit -Llel- stift geschrieben: Unterfand für die 3 Kreizer, welche ich dem Nassauer a borah Hieraus schloß er, daß es ein Mann war, der das Se.nige zusammenhielt, und spähete unwillkürlich am Boden herum, und balb ertbeette er eine Fliese, bie ihm gerabe so vorkam, als ob sie kürzlich herausgenommen wäre, unb unter beleihen lag auch em Schatz in ein altes halbes Schnupftuch unb nut Zwirn umwickelt, fast ganz so schwer wie der (einige, welcher ziim Unterschied in einem zugebundene Socken steckte. Zitternd drückte er bie Bachsteinplatte wieder zurecht, 31t- hrnb aus Aufregung unb Bewunderung ber fremben Große unb aus tiefer Sorge um sein Geheimnis. Stracks lief er hinunter in bte Werkstatt unb arbeitete, als ob es gälte, bie Welt mit Kämmen zu versehen, unb Der Bauer arbeitete als ob ber Himmel noch bazu gekämmt werben müßte. Die nächsten acht Tage bestätigten durchaus d'-fe erste gegenseitige iAuifaßung' denn war Jobst fleißig und genugsam, so war Fridolin tätig imd enthaltsam mit ben gleichen bebenklichen Seufzern über das Schwierige solcher Tugend; war aber Jobst heiter unb weise so zeigte sich Fridolin spaßhaft unb klug; war jener bescheiben, so war dieser demütig, jener schlau und ironisch, dieser durchtrieben unb beinahe satynsch, unb „lachte Jobst ein friedlich einfältiges Gesicht zu einer isache, bte hn ängstigte, so sah Fridolin unübertrefflich wie em Esel aus. Es war nicht sowohl ein Wettkampf, als die Uebung wohlbewuhter Metsterscho> t, bte fie beseelte, wobei keiner verschmähte, sich den anbern zum Bordild zu nehmen und ihm die feinsten Züge eines vollkommenen Lebenswan e 0, incg sga((cs in bie Hanb gegeben, um ote ziusiugeu o« v.-
die ihm etwa noch fehlten, nachzuahmen. Sie Men fogarJö ein ra»hg leg^nh^ t^n zweimal so viel verzehrt, nls er So beljiclt er
und verständnisinnig aus, daß sie eme gemetnfa l m vertragen I ben Gulden unb bie achtunbvierzig Kreuzer und sie den Schnepper, schienen, und glichen so Zwei tuchstgen Helden, die sich litteilich g^ I d m m fje unter ber $anb allen Frauen ihrer Bekanntschaft Aber
' gegenseitig stahlen, ehe sie sich befehden. Aber: nach> kamt » 8 I , U1lb „mneben schönen Batzen verdiente. Aber lebesmal, wenn sie bas
ba?arme°Schwäbchen/tvelches gewiß ein rechter Taugenichts war^ in I Gemahl geworden ware^ ^odc enthalten, wohl verschloßen unb
die Mitte zwischen ihre Tugenben zu ttehmen, rote zwei ßoroen Test 1 ,^'^ar mieberum in einem alten Nußbaumschrank aufgehoben, deßen
chcn, mit bem sie spielen. nprnbe t0 I Schlüssel die Züs Bünzlin allsort in der Tasche trug. Die Person selbst
Aber wer beschreibt ihr Erstaunen, als der Schwabe sich gerabe so 1 ymflre unb wasserblaue Augen, welche nicht ohne
benahm wie sie selbst unb sich bie Erkennung, bie zwischen ihnen vor- hatte bunne rötliche ^aare unv ^i^ ,^ muMen. [i(1 bejafi
gegangen noch einmal wiederholt zu britt, wodurch sie nicht nur dem 2ritten gegenüber in eine unverhoffte Stellung gerieten, sondern sie selbst unter sich in eine ganz veränderte Sage tarnen.
Schon als sie ihn im Bette zwischen sich nahmen, seigte sich der Schwabe als vollkomtnen ebenbürtig unb lag rote em Schwejelholz so | strack und ruhig, so daß immer noch ein bißchen Raum zwischen ledern der Gesellen blieb unb bas Deckbett auf ihnen lag, rote em W’« Heringen. Die Lage würbe nun ernster, unb mbem alle drei gleichmäßig sich gegenüberftanben, wie bie Winkel eines gleichseitigen Dreiecks, un kein vertrauliches Verhältnis mehr zwischen zweien möglich war kern Waffenstillstand oder anmutiger Wettstreit, waren sie allen Ernste-> beflißen einander aus dem Bett und bem Haus hinaus zu dulben. Als ber Meister sah, daß diese drei Käuze sich alles gefallen ließen, um nur da vi bleiben brach er ihnen am Lohn ab und gab ihnen geringere Kost, Uer desto fleißiger arbeiteten sie unb setzten ihn in den Staub, große Vorräte von billigen Waren in Umlauf zu bringen ""b vermehrten Bestellungen zu genügen, also baß er em Heibengelb burcf) bte ftil c Gesellen öerbiente unb eine wahre ©olbgrube an ihnen l>csaß. Er schnalltc üdt ben Gurt um einige Löcher weiter unb spielte eine Zrvße Rolle m ber Stabt währenb bie törichten Arbeiter in ber dunkeln Werkstatt Tag und Nackt' fick abmühten und sich gegenseitig hinausarbeiten wollten. Dietrich, der Schwade welcher der jüngste war, erwies sich als ganz vom gleichen Holze geschtii'iten,w^e die zwei andern, nur besah er noch ferne Erspar-


