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„Und wie
Sforza gab die Hand, und der Feldherr fügte freundlich hinzu: „Jz, kenne die schwierig« Lage der Hoheit und — wenn ich es ausspreche« darf — Ihre durch eine unglückliche Jugend erkrankte und «ntkrasteie Seele Sie bedarf vor allem der Stetigkeit. In der Bahn des Kaiser, wandelnd und verharrend, wird Sie von keiner Zeitwelle verschleudert werden. Ich persönlich", schloß er, seine Lehrhaftigkeit mildernd, in einem fast herzlichen Tone, „war der Hoheit immer zugetan, aus Dank für meine Vorbilder, Ihre zwei herrlichen Ahnen, obwohl mir die beiden', scherzte er, „in meiner Jugend manchen Schlaf geraubt haben: ein solcher Reiz und Stachel liegt in Männlichkeit und Seelengröße."
Franz Sforza getröstete sich dieser Freundschaft, fragte aber doch ängstlich: „Und ich bleibe Herzog? Euer Wort, Pescara?"
„Unverbrüchlich. Wenn ich etwas über den Kaiser vermag, und weim Ihr es vermöget, Eure Seele zu befestigen."
„Und meinem Kanzler geschieht nichts?"
„Ich glaube, nein, Hoheit , versprach Pescara.
„Und er bleibt mein Minister?"
Der Feldherr konnte ein Lächeln nicht verwinden über die Unzerlremi- lichkeit dieses Paares. „Hoheit vergißt, daß Sie soeben Girolamo Moroni den verderblichsten aller Ratgeber genannt hat. Ich empfehle Hoheit, sch von der Kaiserlichen Majestät für dieses schwierige Amt einen anderem und weisern Kopf zu erbitten. Es gibt deren in Italien, es braucht kein
Druck und Verlag: Vrühl'fche Univerfitäts^Duch- und Steindruckerei. R. Lange, Sieb
sich fort.
Wie er in seinen Palast zurückgekehrt, den Thronsaal betrat, da stürzte vor seinen Augen die goldbrokatene, mit Löwen und Adlern durchwirkte Bekleidung des Thronhimmels zusammen. In der allgemeinen Verwirrung hatte sich der herzogliche Tapezierer in den Saal geschlichen und das Prachtstück gelockert, um es zu entwenden, war dann aber vor dem sich nahenden Getöse unverrichteter Dinge entwichen. Von den stimmen Omen erschreckt, warf sich der Herzog verzweifelnd in einen Lehnstuhl und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen, sein Los und den Sieger 61 “sie[er ließ nicht lang« auf sich harren. Ein kurzer Lärm — die treue schweizerisch« Palastwache wurde niedergestreckt ober entwaffnet —, und Pescara betrat den Saal, barhaupt und ohne Schwert, hinter ihm Karl Bourbon, behelmt, in voller Rüstung, den Degen in blutender Faust. Gr war, der erst« auf der Sturmleiter, mit derselben in den Stadtgraben zurückqeworfen worden, ohne sich jedoch ernstlich zu verletzen.
Der Marchese verneigte sich vor seinem Besiegten, der sich von [einem Sitze aufraffte. „Hoheit beruhige sich", sprach Pescara. „Ich komme nicht als Feind, sondern um Hoheit aufs neue in Pflicht zu nehmen für Ihren Lehensherrn den Kaiser."
Sforza erhob die Augen, und da er in dem überlegenen Antlitz weder Hohn noch Strafe las, sondern eher teilnehmende Einsicht und Müde, brach der haltlose Knabe in Tränen aus und stammelte: „In meinem Herzen bin ich der Majestät immer treu gewesen, sie hat keinen ergebe- neren Diener und bessern Lehensmann, aber ich Unseliger mürbe mißleitet, wurde irregeführt ... mein höllischer Kanzler ... auch den bewaffneten Widerstand habe ich nicht befohlen ... ich wurde geschoben, gestoßen von dem Valabrega und ein paar andern Edelleuten ... bei allen Aposteln und Märtyrern, ich bin kein italienischer Patriot, sondern der bedrängteste Fürst in der unmöglichen Lage!"
Diese völlige Zerknirschung des Enkels und Urenkels zweier Heroen schien den Feldherrn peinlich zu berühren. Doch ließ er der Buße freien Lauf weigerte aber, scheinbar aus Ehrerbietung, dem endlich Verstummenden seine Hand, welche dieser zu ergreifen suchte. Er befürchtete, der gänzlich Vernichtet« möchte sie küssen. .
Während dieser Selbsterniedrigung, und ft« tm Grunde feines verbitterten Herzens kostend, schlürfte Karl Bourbon, welcher hanter Pescara stehengeblieben war, in langsamen Zügen einen vollen Becher, den er sich von einem herbeigewinkten Pagen hatte holen und reichen lassen.
Hoheit", sagte der Feldherr, „ich habe Vollmacht. Wenn Sie davon bunfibrungen ist, daß Sie sich in ein falsches und gefährliches Spiel eingelassen hat, und wenn sich der feste Wille in Ihr gestalten kann, forthin Ihr Heil da zu suchen, wo es ist, bei dem Kaiser und von der Ma,estat nimmermehr zu weichen, wage ich es, auf meine Verantwortlichkeit, Ihr Verzeihung zu gewähren und Ihre Hand daraus anzunehmen. Hoheit darf es mir glauben, Sie fährt in jedem Falle besser mit dem Kaiser “lSÄS «r^mie die unverhoffte Milde den Sohn des Mohren plötzlich wieder mißtrauisch machte, wie der vom Schicksal zum Argwohn Erzogene eine List vermutete und wie seine Hand zögerte und zitterte. „Hoheit darf trauen", sprach er kraftvoll. „Der Kaiser und ich halten
Spanier zu sein."
Nichts da, Hoheit! Ihren Kanzler bekommt Sie nicht heraus! misch!« sich jetzt der Bourdon« ins Gespräch. „Diese Helena ist mein Beutestück.
Franz Sforza starrte Bourdone mit angstvollen Augen an. „Sn hier?" stöhnte er. „Er will mein Mailand! Er träumt langeher davon HiU mir, mächtiger Pescara!"
'Da schmetterte Bourbon, als zerstöre er sich selbst, mit einem zornigen Wurf fein kristallenes Glas an den Marmorboden, daß es mit schrillem Mihton in di« Scherben zerfuhr. „Hoheit", rief er, „da liegt mein Fürstentum Mailand!" ,
Während die Scherben flogen, trat Moncada mit Leyva ein, diese. von oben bis unten mit Staub und Blut besudelt. „Erlaucht , begann btrt Ritter, „ich beglückwünsche Sie zu Ihrem heutigen schönen Siege, der, wieder in voller Kraft erfochten, sich an so viele ander« reiht. Ich Y>-u mich geziemend im Vorzimmer. Doch da ich bechern und lachen hone, und als auch Leyva anlangte, der das Nordtor genommen und ebenfalls; feinen Trunk verdient hat, wagte ich den Eintritt, und ich glaube jiri rechten Stunde. Denn ich meine: hier wird Gericht gehalten werden, nm Hoheit Bourbon hat diesem verräterischen Herzog in symbolischer Weist feinen verdienten Untergang verkündigt. Aber nicht so stürmisch, Hoyei, Ich denke, der Feldherr jetzt ein Kriegsgericht zusammen, bei dem id) cfci ein Angehöriger des königlichen Hauses Sitz und Stimme beanspruch-'« darf. Natürlich ein vorläufiges Gericht, in Erwartung des Entscheid«- ““^Besww'blieb kalt. „So tue ich", sagte er. „Ich ernenne zu Richt-m meine zwei Kollegen, die Hoheit Bourbon und Leyva. Ich' prasidiem Euch, Ritter, muß ich ausschließen, weil Ihr keinen Rang bekleidell Ha meine Beglaubigung." Er zog aus feinem Wams die österlich« Vollmacht
Moncada ergriff das Schreiben und las: „Nach feinem Ermessen.... gemäß den Umständen ... hm ... Erlaucht e raube .. diese Weisung scheint zu sagen, daß Sie bevollmächtigt ist, alle militärisch und bürgerlichen Maßregeln in dem genommenen Mailand nach Believ . zu treffen, präjudiziert aber in keiner Weise die Rechte und Jnterejsi; der katholischen Majestät. Ich werde daher bleiben als em stummer, aoe. aufmerksamer Zuhörer."
„Sei es", sagte Pescara geduldig.
Jetzt regte sich auch Leyva und verlangte, daß Girolamo Morone vm- geführt werde. „Er ist im Palaste", sagte er. „Ich sah ihn gefesstl » bringen unter den Verwünschungen und Ko würfen des mailand chi Volkes, das ihm fein ganzes Elend zurechnet.' Pescara gab den BeM
Eine peinliche Pause. Stühle wurden geruckt von der verlegene Dienerschaft, welche ihrem verklagten Herrn eherbietig den herzogü^ Sessel mit Krone und Wappen brachte, und als Morone erschien, nM ohne Spuren von Mißhandlung, sah er die drei Feldherren als W sitzen, Pescara in der Mitte, und vor ihnen feinen Herzog. „Mut Fachen", flüsterte er ihm zu, neben den er sich aus alter Gewohnheit geft« hatte, „wirf du nur alles auf mich!"
Pescara nahm das Wort: „Die Hoheit von Mailand beteuert, an » Treue gegen ihren Lehensherrn festzuhalten und nur vorübergehend M getreten und in den Schein der Felonie gekommen zu fein unter & Einflüsterungen dieses Mannes da." Der Herzog mckte nut bem W
„So ist es! Ich bekenne, daß ich der allein schuldige bin! sprach °
fie ihm nach ihrer grausamen Art durch die gefesselten Hande Zogen. Dann ging'es durch das Tor unter einem höllischen Gelachter, in welches der Kanzler aus Verzweiflung mit einftimmte.
Letztes Kapitel.
Inzwischen verlebte in dem aus einer Burg des Glückes zu einer Behausung der Angst gewordenen Kastelle von Mailand Franz Sforza jammervolle Tage und noch schlimmere Nächte, hilf- und ratlos nach seinem Kanzler rufend. Er hatte den Besuch Del Guastos erhalten, der ihm zu melden kam, sein Feldherr habe vor ablaufender Frist den • Kanzler von Mailand empfangen, dieser ihm aber, stak der erwarteten Zugeständnisse, im Namen der Hoheit ebenso törichte als verbrecherische Eröffnungen gemacht, die den Feldherrn bestimmen, ohne Verzug, übrigens ganz im Sinne seiner ersten Drohung, auf Mailand zu nmrschieren und gegen die Hoheit als einen Hochverräter zu verfahren. Del Guasto hatte sich an dem Zittern des Herzogs geweidet und war aus her. ©tobt verschwunden. Während sich die kaiserlichen Truppen 'N raschen Marschen näherten, und selbst da sie schon auf den Wällen von Mailand in Sicht waren, hatte der Kleinmütige zwischen Ueb ergäbe unb Sertetbigung geschwankt wurde bann aber von ein paar topsern lombardischen Edel- kuten auf den Weg der Ehre gerissen und endlich selbst von einer kriegerischen Stimmung angeroanbelt, deren er traft seines großväterlichen Blutes nicht völlig unfähig war. Er ließ sich mit einer kunstvoll geschmiedeten Rüstung betreiben und setzte sich einen Helm von herrlicher getriebener Arbeit auf bas schwache Haupt.
Es ist Tatsache, daß er in der großen Schanze stand, in dem Augenblicke, da Pescara seine Truppen gegen dieselbe zum «türm führte. Mit bebender Stimme befahl der Herzog das Feuer seiner auserlesenen Geschütze. Wie sich der Rauch verzog, lag das Feld mit Spaniern bedeckt. Zwischen Toten und Verwundeten schritt Pescara, wenige mehr neben sich und noch unerreicht von den vielen unter der Führung Del Guastos ihm stürmisch Nacheilenden. Er war ohne Harnisch. Der Helm war ihm vom Kopfe gerissen, und sein dunkler Mantel flatterte zersetzt. In flammend rotem Kleide, mit gelassenen und gleichmäßigen Schritten ging er weit voran, einen blitzenden Zweihänder schwingend. Es war, als schritte der Würger Tod in Person gegen die Schanze, unb da sich dort m demselben Augenblicke die böse Kunde verbreitete, der Bourbon- habe das Südtor genommen unb Leyva stürme an ber nördlichen Pforte, packte der bleiche Schreck die Besatzung. Die wieder geladenen Stucke biteben ungelöst, die Hauptleute, die sich ben Furchtbetörten entgegenwarfen wurden niedergetreten, unb die panische Flucht riß ben Herzog mit
Wort."_____________________________
Verantwortlich: Or. HanS Thhriot.
Kanzler unerschrocken. m . ..
,Auch die Verteidigung von Mailand gegen bas kaiseniche ) . beteuert bie Hoheit nicht befohlen zu haben, fonbern sie versichert, es die eigenmächtige Tat einiger aufrührerischer Lombarden, und ich baue für glaublich. Wie urteilt Leyva?" stör«
Leyva verzog das häßliche Gesicht und murrte: „Dieser Franz Sf°E ist der Felonie schuldig und durch bie nackte Tatsache überwiesen, werbe in schärfstem Gewahrsam gehalten. Der Kaiser, wie ich meine, ihn absetzen unb nach Spanien bringen las en." „„.«»nial.
„Und wie urteilt Sie?" Pescara hatte sich yegen Bourbon gewen°^ Der Konnetabel spielte mit feinem zerris enen Handschuh unb bem
mit melobischer Stimme: „Die Hoheit würbe betört von dem wum> , lichen Gaukler da, der auch mich und viele andere bezaubert hat, ° an unserem Feldherrn (einen Meister fand. Aber sie scheint mi zur Besinnung gekommen zu fein, und ich meine, daß ihr- die «ckm des Gefängnisses anzutun weder schicklich wäre noch auch notwendig da sich ja die Stadt in unfern Händen befindet. Die Hoheit von Ma bleibe frei.* , ..
(Schluß folgt.) .


