chtunaen, wo er, wie im „Quintus des Festes gedenkt. Ein besonderes
Stille Nacht.
Don Ludwig Bäte.
Kling' wieder aus, du heiligstes der Feste, dreist weit die Sternenschwingen, stelle Nacht! Verlösche du des schalen Alltags Reste, halt' wieder über deinem Volke Wachti Wir brauchen dich, du Licht der Höhe, da unser Herz mit tausend Schmerzen geht, wir brauchen dich für feiges Ach und Wehe, für unsre Welt, in der nichts fest mehr steht. Bau wieder deine goldnen Himmelsstraßen tief in den Lärm der wirren Menschengassen, du Licht, um das der Atem Gottes wehtl
Deutsche Dichter der Weihnacht.
Von Dr. Friedrich Spreen.
Weihnachten im Zirkus.
Von Paul E i p p e r. *
Der Artist hat zwei Tage im Jahr bestimmt spielfrei, wenigstens solange er in Deutschland arbeitet. Einmal den Karsreitag und dann den Heiligen Abend. Aber wer nun glaubt, an diesen beiden Tagen herrsche im Zirkus ein „süßes, verträumtes Nichtstun", der irrt stch in gleichern Maße, wie sich eben fast alle bürgerlichen Menschen über die „Welt der Fahren- den" tauschen. Das haben die romantisch unwahren Zirkusromane und die irreführenden Zirkusfilme auf dem Gewissen, und mir entsteht die nicht sehr dankbare Ausgabe, festzustellen, daß der Zirkus etwas ganz anderes etwas viel Gestufteres und gar nicht so sehr zigeunerhaft Abenteuerliches ist Wie könnte sich auch sonst ein Unternehmen in der heutigen Zeit lebenssähig halten, das für so viele Existenzen, weiße und farbige Menschen, immer hungrige und wertvolle Tiere, kostbare Apparate, Zelte und Wagen zu sorgen hatl _ „
Der Heilige Abend gehört den Vorbereitungen für die beiden Weih- nachtstaqe, an denen zusammen viermal gespielt wird und die jedem Zirkus volle Häuser fast garantieren. Denn immer noch wünschen sich aber tausend Kinder zum Christtag einen Zirkusbesuch. Die Direktion verlangt daß am Heiligen Abend jede Ecke in Stall und Zelt blitzblank und sauber sei, daß Tier und Mensch in Gala funkeln.
Ich saß an einem Sommerabend oben in Norwegen unter Zirkusleuten in der Kantine. Seit Stunden drohte ein Gewitter am Himmel, wir hatten bei der Schwüle alle entbehrlichen Kleidungsstücke ausgezogen und tranken eisgekühlte Zitronenlimonade. „Arme Jungens . sagte ich xu den Clowns und fächelte mir mit einem Programmheft Kühlung zu, jetzt müßt ihr euch schminken und die dicken Kostüme anziehen, springen, Akrobatik treiben. Wo doch schon das ruhige Sitzen eine Anstrengung ift" Da schmunzelte der Tigerdompteur, der — ein baumlanger Hamburger — niemals viel sprach, und sagte: „Wir waren doch in Südamerika vergangenen Winter." Eine Weile stockte die Unterhaltung, und ich hatte den leisen Verdacht, als sei es den Männern zum Reden doch zu heiß. Aber es hatte einen anderen Grund, sie waren allesamt mit ihren Gedanken beim letzten Gastspiel, in den Tropen. Und auf einmal begann der Direktionsstellvertreter zu erzählen. „Wahrhaftig, diese mmpigen 34 Grad im Schatten sind gar nichts. Wir waren wahrend des Dezember in Brasilien, mitten im Land, und hatten langsam sogar die Lust vers loren, am Thermometer die immer weiter steigende Hitze abzulesen. Dabei glänzender Besuch, zweimal ausverkauft, jeden Tag. Die Farmer -amen meilenweit von ihren Ranchos zu uns geritten, ganze Kawalkaden brausten
wickeln. Auch für die gespenstische Stimmung des „Meister Floh ist die Weihnachtsbescherung des kleinen Peregrinus Tyß, der geniale Auftakt, der aus der Wirklichkeit ins Reich der Träume hebt. Viele haben danach diesen „realen Märchenton" angeschlagen, keiner mit der gleichen Kraft wie der dämonische Kammergerichtsrat, und bald trat die harmlose Weihnachtsgeschichte für die Jugend in der Art von Christoph von Schmids klassischem „Weihnachtsabend" daneben. Romantische Novellenkunst bemächtigt sich des Motivs in dem „Weih-nachts-Abend" von Ludwig T i e ck mit seiner vorzüglichen, auch kulturgeschichtlich wertvollen Schilderung des Berliner Weihnachtsmarktes. Das hier behandelte Dhema, wie der verlorene Sohn in Reichtum und Glück am Heiligen Abend zu der armen Mutter heimkehrt, wird dann eine ständige Situation rührseliger Romane. Karl von Holtet z.B. kann sich gar nicht genug dann tun, immer wieder beim Weihnachtsfeste die Gegenstände von Elend und unverhofftem Glück, von unschuldigem Frohsinn und der sehnsüchtigen Reue verdorbener Menschen auseinanderstoßen zu lassen.
So war das Weihnachtsfest in der Erzahlungsl.teratur um 1850 allmählich zu einem abgenützten Requisit geworden. Es bedurfte wieder einer Vertiefung und inneren Beseelung. Für H e b b c 1 ift das Christfest der hellste Schein in dunklen Jugendtagen; der beste Trost in den Qualen seiner Kampfzeit, die reinste Freude seiner Reifeepoche gewesen. Mit höchster Feinheit hat er es in sein Epos „Mutter und Kind verwoben, wo es wie eine lichte Spur die ersten Gesänge durchzieht. Adalbert Stifter in seiner feinen Novelle „Der Weihnachtsabend und Hermann Kurz in seinem originellen „Weihnachtsfund" boten klassische Wcch- nachtserzählungen. Als die prächtige Dreiheit unserer eigentlichen Wery- nachtsdichter aber möchten wir Raabe, Reuter und Storm bezeichnen. Bedeutungsvoll und tiefsinnig läßt Raabe schon in einem Erstling, der „Chronik der Sperlingsgasse", diesem „Programm seines ganzen Schassens, die Weihnachtstöne anklingen, die in seinem wundervollen Lebenswerk zu einer mächtigen Sinfonie anschwellen. Es, sei hier nur an feine nachdenkliche Traumgeschichte „Weihnachtsgeister ermnert, in der sich der Honigkuchenkerl, der Apfel und die Tänzerin am Weihnachts- baum allerlei erzählen. Reuter führt uns in der „Stromtib ins „Pasterhus" (Pfarrhaus), wo fo komische Geschenke im lustigen „Jul- klapp" hereinfliegen, und erzählt in der Geschichte vom „Kutschbuck , was bei einer Ueberraschung rauskommen kann. Ernster getragener, eierlicher ist Storm, dieser Meister im Feiern der Weihnacht, der in seinen Briesen so unnachahmlich schön von der Herrlichkeit des Festes gesprochen hat Die aussührlichste dichterische Darstellung gab er in l-iner Novelle „Unterm Tannenbaum", in der die Wehmut des aus der Henna Verbannten ergreifend mitschwingt. Der anschaulichen Lebendigkeit und überwältigenden Empfindung gegenüber, mit der er das Gluck des Heiligen Abends gemalt, verblaßt alles, was spatere Dichter an weihnachtlicher Poesie geschaffen haben. Und doch möchten wir Roseggers anmutig schlichte Christusgeschichten, ßilien crons großzügige Weihnachtsphantasie im „Poggfred" nicht misten wollen, gedenken auch. gern des Lichterbaumes, den selbst in den trübsten Zeiten des Naturalismus Gerhart Hauptmann im „Friedenssest als Sinnbtlb einer besseren Welt ausgerichtet. Unzählig ist dann die Schar der neuesten Linker und Erzähler, die das Christfest besungen haben. Kann sich auch die deutsche Poesie keines eigentlichen „Weihnachtsdichters" rühmen, so ist sie doch reich an prächtigen Dichtern der Weihnacht.
Wer ist für uns Deutsche der „Dichter der Weihnacht"? Ein Engländer wird auf die gleiche Frage ohne Zögern mit dem Namen Dickens antworten, und der Däne denkt wohl sogleich an seinen Marchenfreund Andersen, der nicht nur in seiner schönen Geschichte vom Tannenbaum, sondern auch sonst allenthalben das Fest in [einen Werken verherrlicht und im „Märchen meines Lebens" mit frohem Kinderherzen gefeiert hat. Wir Deutschen wissen auf die Frage nach unserm „Weih- nachtsdichter" keine bündige Antwort zu geben. Wohl haben Unzählige das Fest der Feste besungen; in unserer Lyrik blüht em immergrüner Kranz schöner Weihnachtsgedichte, der Christerzählungen mit der Verlobung unter dem Lichterbaum ist Legion. Aber wir haben keinen Poeten, in dessen Schassen die Schilderung der Weihnacht so mächtig und strahlend sich hervordrängte, wie bet dem englischen Schöpfer der „Weihnachtserzählungen". Erst wenn wir uns naher in unserer Literatur umsehen, finden wir hie und da verstreut kostbare, z.T. wenig gekannte Weihnachtsgeschichten, erkennen, daß auch so manche unserer Poeten den Ehrennamen eines „Dichters der Weihnacht" verdienen.
Aehnliche Stimmungen wie bei Dickens sind bei uns zu gleicher Zeit, wenn auch nicht so einheitlich, in den Werken von Raabe, Storm, Reuter festgehalten. Aber bereits lange vorher blühte die Weihnachtspoesie in den chönen Mysterien und Volksspielen, den vielen herrlichen Weihnachtsliedern, die allerdings mehr das Fest der Kirche als das der deutschen Familie feiern. Die gemütvolle trauliche Sphäre des deutschen Hauses ist erst später geschaffen. In dem Roman des Jorg Wickram, dem frühsten unserer Literatur, in dem „Knabenspiegel", den „Guten und bösen Nachbarn", im Gedicht vom „irr reitenden Pilger" sitzen Eltern und Kinder bei der Bibel zusammen und singen traute Lieder zu Weihnacht; auch Hans Sachs findet in seinen Weihnachtsspielen warme Töne einer innigen Beschaulichkeit und Herzensheiterkeit. Doch das sind nur alles verflogene Klänge, zerstreute Spuren; nirgends in der Dichtung steht das Weihnachtsfest in unjerm Sinne im Mittelpunkt.
Goethe und Schiller haben Weihnachten gefeiert, auch Musäus, Matthias Claudius und Joh. H. Voß. Aber wie dürftig ift der Schein, der davon in ihre Dichtung fällt! Was bedeutet es, daß der Weihnachtsbaum im „Werther" erwähnt, in einem Altersgedicht Goethes spielerisch-mystisch besungen wird, daß das Fest schattenhaft durch die „Volksmärchen" des Mufäus und die Betrachtungen des Wandsbecker Boten huscht! Ganz anders ist die Stellung der Weihnacht im Leben und Dichten des „siebenten Klassikers": Jean Paul dürfte man mit Fug und Recht den ersten deutschen „Dichter der Weihnacht" nennen. Es war fein Hauptfest, in das er stets „den Heiligenschein des bescherenden Christkindchens warf", wie seine Tochter erzählt. Schon Tage vorher brachte er wohl Stücke Marzipan mit nach Hause und sagte: „Heut, ihr Kinder, ging ich in den Garten hinaus, und wie ich den Himmel ansehe, kommt eine rosenrote Wolke gezogen, und da sitzt das Christkindchen darauf und sagt mir, weil ihr heut so gut gewesen seid, so wolle es auch euch etwas schicken." Oder wenn die Kleinen in der finstern Stube auf seinem Kanapee hockten, rief er plötzlich. Habt ihr nichts gehört? Das Christkindchen war's!" und langte aus dem Fenster Süßigkeiten herein. Am Heiligen Abend freute er sich auf die Bescherung wie ein Kind und konnte sie gar nicht erwarten. Dieser echte Herzenston lebt auch in seinen Dichtungen, wo er, wie im „Quintus Fixlein" und den „Flegeljahren", des Festes gedenkt. Ein besonderes Denkmal hat er ihm zum Schluß der reizenden Idylle vom „Jubelsenior in dem Appendix „Meine Christnacht" errichtet, Aus dem.Licht des brennenden Baumes und den Feierklängen der Christnachtsmusik schwingt sich sein Geist zu grandiosen Visionen von Gott und Ewigkeit auf. Zu gleicher Zeit legte ein anderer Kindersreund, Johann Peter Hebel, echte Christsreude in seine Dichtung; auch er ist durch die vielen seiner „alemannischen Gedichte", die vom Weihnachtsfest erzählen, zu einem unserer frühesten Weihnachtsdichter geworden.
Im Jahre 1803 erschien ein kleines aber inhaltsschweres Büchlein „Die Weihnachtsfeier. Ein Gespräch" von Friedrich Schleiermacher. Der große Theologe hat in diesem viel zu wenig gekannten Jugendwerk, das zu dem Tiefsten gehört, was je über das Fest gesagt worden, die Ehrfurcht und Weihe dargestellt, mit der die Romantik Weihnachten umgab. 3m Goethischen Prosastil, aber mit einer eigenen Wärme entfaltet sich । Feier und Bescherung, wie sie zu Ansang des 19. Jahrhunderts in einem j guten Bürgerhause üblich waren, in der schönen Dichtung; geistreiche Erzählungen und sinnvolle Betrachtungen schließen sich an, und das Fest wird als „die herrlichste Anerkennung der unmittelbaren Vereinigung des Göttlichen mit dem Kindlichen" ausgedeutet. Romantische Marchem kunst knüpft nun an Weihnachten an. Im „Nußknacker und Mausekönig gibt E. T. A. Hoffmann bas unerreichte Muster, malt zuerst die fieberhafte Spannung der Kinder im Dunkeln, ihre Verzückung bei der lichter- hellen Bescherung und läßt sich dann aus den erregten kleinen Gehirnen einen phantastischen Spielzeug-Spuk mit unheimlicher Lebendigkeit ent-


