Ausgabe 
21.9.1931
 
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röhliches Tun. Fühlt sich doch auch in unfern Tagen einer zunehmenden Naturentfremdung der Jäger noch eng zusammengehörig mit allem lebendigen, was da kreucht und fleucht, wächst und blüht in Wald und J(ur. Er horcht noch auf die Stimme in Baum und Strauch, hat Acht ms die Spuren der Tiere, und in seiner weltabgeschiedenen Einsamkeit er besonders empfänglich für die Sphären des Wunders, der Ahnung Md des Vertrauens auf übernatürliche Gewalten. Jäger find auch heute roch ein abergläubisches Volk, sie kehren wohl gar um, wenn ihnen auf !>cm Wege zum Wald ein altes Weib begegnet, oder halten die Flinte ürverhext", wenn eine Frau darüber gestanden hat. Das find Nach­länge einer noch gar nicht so lange vergangenen Zeit, in der das Volk nn grünen Rock von den wunderlichsten Vorstellungen erfüllt war und He nächtlich fahle Blume der Magie und Hexenkunst nirgends so reich zediehen war, als unter Nimrods Söhnen. Vertiefen wir uns in diese phantastische, geheimnisvoll anziehende Stimmung des alten Jägerglau- »ens, so steigt St. Hubertus vor uns auf, der sanfte Heilige, den i>er Jäger noch heute als seinen Schutzpatron verehrt, und neben ihm das unheimlich teuflische" Gespensterwesen, das Brausen des wilden Heeres, ias Grausen der Wolfsschlucht, wilder Jäger und Freischütz-Hörnerklang, fiübengebell, Peitschenknall, Holla, Husfa und Horrido!

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Zagdheilige und Iägergtauben.

Von Dr. Friedrich S p r e e n.

Nun, da im Jahreskreislauf die Herbsttage Einzug halten, ist die Zeit gekommen, da wieder die Jünger des edlen Weidwerks eifrig der Spur >es Wildes folgen. Ein Schimmer der Romantik umstrahlt feit alters ihr

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°lde, die den Weidmann verlocken, ver uhren und oe derben l>nt> -toe|en ler altdeutschen Mythologie, zu den l'nstern S^"en der H0lle ver

! lannt. Heber bie Herkunft des »w.lden Jagers .st v.el geftnllen Qorben, aber es ist immer noch das wahrfchem 6 rtc([t be/ an ! che Umformung des übermächtigeii Jagdherrn ^,^:strömt In dieser i er Spitze derwilden Jagd" im Sturmesbrm ufategff.Sk gran- n och heute lebendigen Sage hat die deutschei B PY Das

Hofes/ mystisch-phantastisches Bild der Iagdleidens^ft gesta^et^E ^ild des Nachtjägers sind die weißen Frauen o rojIi)e Untiere

veiblein, fein befolge die armen Seelen, l-'N- Hunde wade^unnere, 1 ie sich manchmal in ein Gehöft verirren unb f erzählt

en. Vielfach wird der wilde Jäger ganz. vermenschlicht iw Harz^ erzay i "an, er sehe aus wie ein Förster im grünen K°«^d m der ' et, kommt es vor,als ob er flöge", aber es wird wohl "wtz '°m °

gewesen sein. Er erhält dann ganz bestimmte; n Nimrod

=parr, Schlippenbach, die auf einen 8^!chiMi > schonungslose

> inweisen. Solch gewaltige Jäger, deren Treffs ch, h natürlich dem Dewalttätigkeit ans Ungeheuerliche grenzten, mußten sich narurc, j

Erst verhältnismäßig spät ist der Heilige Hubert zu der Ehre ge­kommen, von den Jägern in allen Nöten und Gefahren angerufen zu nerben. Bei Lebzeiten hat er jedenfalls nichts für diese posthume Würde jetan, sondern im Gegenteil die schöne Jägerei mit allen Mitteln be­impft. Dem frommen Bischof Huprecht von Lüttich, der im 7. Jahr­hundert das Kloster Audagium im Ardennerwalde begründete, war die I Verehrung der altgermanischen Jagdgöttin, die Arrian Artemis und Sregor von Tours Diana nennt, ein Dorn im Auge, und um den Kultus dieser Diana Arduenna auszurotten, wütete er gegen die Jagd überhaupt. Ader die Pslege des Weidwerks bestand doch auch im christ- kicken Mittelalter weiter, und fromme Jäger sahen sich bald nach einem heiligen um, unter dessen Schutz sie sich und ihr Tun stellen könnten, linier den vielen Märtyrern, van denen die Legenda aurea des Jacobus le Voragine erzählte, schien dafür keiner besser zu passen als der Hei­lige Eustachius. Von Eustachius, der ursprünglich Placidus hieß itnb Hauptmann im Heere Trajans war, wird erzählt, er sei eines Tages auf der Jagd auf einen Trupp Hirsche gestoßen, unter benen einer schöner und größer als die andern, Placidus in ein dunkles Walddickicht kackte. Aus der Höhe eines Felsens blieb das Tier stehen und zeigte, sich nützlich umwendend, zwischen seinem Geweih das Kruzifix strahlender als He Sonne: darauf sprach es: Placidus, warum verfolgst du mich? Aus 9üte gegen dich erscheine ich dir auf diesem Tiere. Ich bin Christus, und nid) jagtest du, als du diesem Hirsche folgtest. Dieser Märtyrer, der auf ler Jagd das Heil der Seele gefunden, war der rechte Schutzpatron der Säger. Ueberall tritt er uns in dieser Wurde entgegen, so in der Kunst werft in dem herrlichen Bilde des P i f a ne ll o in ßo.nöoner - _ konal-Galerie, dieser ersten wirklich beseelten Landschaft der neueren kkunstgeschichte, und auf dem treuherzig nawen, lo ftm beobachtenden ktup erstich Dürers. Erst bei den Meistern aus der Umgebung von Rubens, bei Jan Brueghel und S n y d e r s, finden w.r d,e woh- t kannte Szene auf St. Hubertus Übertragen Man hatte damals langst t ergeben, was für ein grimmer Feind der Jagd der ^"uher Bischof kiewesen, aber man wußte noch, daß feine guten Wer g Mi der Jagd zufammenhingen; zudem wurde er andem eiben Tage Die Eustachius, am 3. November, verehrt. So ward denn Hubert zuerst in den Ardennen als Schutzpatron der Lager verehrt. Der bekannte Dagd- kchriftsteller Fouilloux, dessen Buch 1573 ersch'-n, berichtet bereits fjubertus sei ein gewaltiger Nimrod gewesen; zu Anbenken ft. in dem von ihm begründeten Kloster eine große Hundezuchtanstalt ein­gerichtet worden, der die berühmten Hubertushund I MesMchte 17. und 18. Jahrhundert begann Hubertus, auf de" nun die Gesch chte les Eustachius übertragen wurde, bereits den ^mgen 3<mbbeiiigen |u verdrängen. 1702 gründete der Herzog von Württemberg den H Samen beVber Jagd 1ühHen"und1'die ^Fen anhatten" Doch Zum °us-

Teufel verschrieben haben, waren Freischützen. Sie verstanden bas Wild zu bannen, so bah esmit Tränen in ben Augen" zu ihnen hinlief, und Kugeln zu gießen, bie unfehlbar treffen; wie der soldatische Aberglaube, wußte auch der jägerliche zu vermelden, daß siegefroren", hieb-, stich- unb schußfest waren. Drei Freischüsse mußte ber Jäger tun, damit ihm nie wieder eine Kugel vorbeiging; er tat sie, indem er auf ein Tuch kniete und einmal gegen die Sonne, bann gegen ben Monb unb zuletzt gegen Gott selber schoß, wobei brei Blutstropfen vom Himmel auf das Tuch fielen. Oder der Freischütze stahl eine Oblate beim heiligen Abendmahl unb durchschoß so den Leib des Herrn. Solch ein Teufelsjäger wird vom Satan geholt, wenn er nicht mit neuen Seelen seine schuld bezahlt. Darum strebt er stets danach, auch andere zu Freischützen zu machen. Neben diesen düster dämonischen Bildern des Jägerlebens stehen aber auch anmutig freundlichere Vorstellungen in den deutschen Jagdsagen. Der Weidmann belebt den ganzen Wald um sich mit hilfreichen unb neckenden Geistern und Kobolden; er steht im Verkehr mit den mächtigen, aber auch rachsüchtigen Zwergen, den harmlos gutmütigen Holzweiblein, muß sich in Acht nehmen vor denwilden Fräuleins", den Saligen, die das Wild schützen. Ueberall ist er umgeben von einem bunten Gespinst abergläubischer Bräuche und Sitten.

Die beiden wichtigsten Quellen für die Kenntnis dieses Jagdaberglau- bens sind zwei Werke des 18. Jahrhunderts, des edlen Erbherrn Franz Friedrich FlemingsVollkommener teutscher Jäger" (1719) unb H. W. DöbelsJäger-Praktika" (1746), beide schon rationalistisch angehaucht, aber doch noch völlig befangen in allerlei magischem Werk. Abergläubisch sind nun einmal die Jäger, meint Fleming.Bald wollen sie einander die Büchsen versprechen, bald sich an demjenigen auf eine empfindliche Art rächen, der ihnen an ihrem Gewehr einen Possen getan; bald wollen sie ein Wild schießen, welches im Walde umfallen soll, wenn sie nur zu ihrem Fenster heraus einen Schuß getan." Er führt nun selbst allerlei Rezepte an, die auf altheidnische Anschauungen zurückgehen. Trägt man das aus Metall gefertigte Bild eines Bogenschützen bei sich, fo kann man viel Wild erlegen, ursprünglich war es sicherlich das Bild eines berühm­ten Jägers, dessen Geist durch dies Amulett zu Hilfe gerufen wird. Telle von Menschen oder Tieren oder Abbilder dieser Telle verleihen dem Be­sitzer Macht über sie. Auf diesen Glauben geht auch die Anweisung zurück, der Jäger, der ein Wild bannen wolle, solle einen Sargnagel aus einem Grabe ziehen unb in eine frische Waldfährte stecken. Sehr zahlreich sind die Mittel, die empfohlen werden, wenndie Büchse verdorben ist", etwa well sie im Bette gelegen oderAtome angezogen" habe oder zufällig Ohrenschmalz hineingekommen sei. Dann muh man das Rohr in fließendes Wasser legen, einen Sperling daraus abfchießen und mit dem Schweiß des Tieres das Rohr sauber auswischen. Ist das Rohr aber böswillig verdorben, hat ein Feind dem Jägereinen Weidemann gemacht", fo daß bas Gewehr, auch wenn es trifft, nicht tödlich wirkt, muß man nach Döbel den Lauf mit einemsympathetischen Pulver aus Vitriol unb Gummi Tragant" anfüllen und dann mit einem aus verbrannten Haaren, Schweinekost und Ochsenhaaren erzeugten Dampf ausräuchern, worauf der Anstifter des Uebelsfo große Schmerzen in den Augen und Gestank in der Nase per antipathiam empfinde, daß er feinen Zauber zurücknehmen unb flehentlich um Gnade bitten werde.

Auf der roten Gteintreppe.

Von Norbert Jacques.

Auf der Farm O., April 30.

Am ersten Abend sitzen wir auf den roten Steinen der großen Treppe. In flachem Bufchfteppenland steht im Norden derWaterberg". Merk­würdig, ungewohnt, den weiten Gipfel als Tafel abfetzend, wie eine ungeheure, abenteuerliche Bergftadt, von einem schweren Himmel, von ewigen Winden abgeflacht und turmlos.

Ich habe schon einige Farmen im Süden besucht", sage ich,und es ist mir das Komische geschehen, daß ich bei stundenlangem Aufenthalt nicht ein Stück Vieh sah."

Das Vieh geht dem Wasser und Futter nach. Unb bann, auf zehn Hektar lebt nur ein Tier. So ist es Zufall ... Morgen werben Sie genug sehen."

Am nächsten Tage sah ich über 3000 Stück beieinanber. Sie waren in mehrere Krale über Nacht zusammengetrieben worben. Die Krale lagen 20 ober 30 Kilometer vom Herrenhaus. Wir waren mit bem Lastauto hingefahren. Hingefahren? Hingetobt! Mein Gastgeber ist ein Tausenbsasa am Steuer, ein Artist, ein Saltomortale-Artist. Er kümmert sich einen Dreck um ben Weg. Durch bie Büsche saust bas Teufelszeug. Ich habe bie Ohrmuscheln mit Akaziendornen gespickt, einen Schmiß von ber Backen­mitte bis zum Kinn und bas nackte Knie tätowiert.

Seine Viehwärter finb Hereros. Sein Besitz mißt 85 000 Hektar. Er hat gegen 8000 Stück Großvieh barauf, mehrere tausend Schafe, und benützt von Weißen nur einen Verwalter, einen Eleven, einen Schmied unb einen Maurer. Unb eine reizvolle junge Dame für ben Haushalt. Die Hereros haben das Vieh im Blut.

Dreihundert junge Fehsen waren von einem von ihnen gestern aus dem Sanbfelb hergetreckt" worden Kilometer weit.

Trecken" heißt eigentlich ziehen. Aber es gibt eine Reihe Wörter, bie hier"im ßanb neben ihrer sinnlichen eine immanente allgemeine Bebeutung haben und das Worttrecken" gibt bie Vorstellung von Vieh. Vieh ver­kaufen, Weibe usw. Um in Sübwest zu reifen, muß man biefe Wörter unb ihre weitere Bebeutung kennen.

Rivier" (Revier gesprochen) bebeutet Wasser ober Trockenheit Freude und Leid des Farmers.

Pad" undauf Pad" ist gleich Vergnügungsreise. Der Eingeborene nennt esPassiona". .

Verneuken" ... ber Verkehr mit ber anberen Partei.

"stief" ... alles, was gut unb völlig ist, Segen Gottes.

Dieses Vokabularium erschließt bem Reisenden Sübwest.

Cornelius, ber Herero, ber wie alle seine Lanbsleute mehr vom