Ausgabe 
20.11.1931
 
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Rauchsang ein Blech laut und hörbar an, als wäre eine Fledermaus daran gestreift.Alfa muß [eine Seele doch nicht hier bleiben in der Kammer zur Strafe!" Das sagt sie halblaut vor sich hin, während sie die Lider niederdrückt. Der also war es doch, der den Balthasar erstochen hat. Es wird schon recht gewesen [ein so. Erzählt hat er es ihr nicht, aber sie weiß es, seit Klaus ihre Hand so furchtbar sestgehalten hat.

iaum, suchen nach dem Ungewissen, Ruhelosen, das durch die Stille iejelt.Stell die Sanduhr da her ans Bett!" winkte er seiner Bäuerin.

Er hat gefühlt, gesehen, wo das Rieseln anklingt, das so eigen durch den öterberaum wispert. Auf dem großen bunten Kasten ist die Sanduhr jeftanöen. Behutsam hebt Franziska sie vom Aufsatz und setzt sie ver­ehrt auf den Nachttisch. In dem großen Achterglas beginnt der seine 1 rote Sand zurückzurinnen von dem oberen Halbglas in das untere. Klaus Zraachmann weiß genau, wie lange der Laus des roten Sandes durch bie feine Oeffnung des Ächterglases dauern wird. Es kann eine ewige Seile sein. Für ihn ist es die letzte Frist. Er denkt darüber schon wieder lieg, weil er weih, daß er tot (ein wird, sobald der rote Sand abgeron- ien ist vom oberen Glas ins untere. Es wird eine knappe Weile (ein. Franziska sieht auch dem Sand zu und denkt an das Ende.

Wasser sollst du mir bringen!" Der Sterbende wirft sich mit einem schmerzhaften Ruck ein wenig nach der Seite. Franziska soll doch nicht die zanze Zeit hier fitzen und zusehen, wie er Schluß macht! Oder soll sie bod) sitzen bleiben? Soll er ihr in den knappen Stunden alles noch erzäh­len, was sein Leben bestimmt hat seit feit ...

Sollst kein Wasser bringen!" sagt er. Nun, Franziska bleibt sitzen ruf dem Hocker und sieht ihm beim Sterben zu. Sie hat gemeint und uirb wieder meinen. Klaus mar hart und gut gleichermeise. Sie roirb es iie verwinden. Klaus denkt an andere Dinge. Die Sanduhr läßt spielend kn Sand niederrieseln in das leere untere Glas, und jetzt meint Klaus, tr höre den feinen roten Strahl da plätschern, als wäre es Wasser ... »her

Vor dreißig Jahren ist die Grenze des Besitzes noch nicht dort durch i)ie Wiesen gegangen, wo sie heute geht. Balthasar, der Nachbar, hat vielleicht die Steine versetzt, vielleicht war es schon fein Vater. Klaus »iitte die Folgen eines alten Streites tragen müssen, drum strengte er, tute schon sein Vater einmal, einen Prozeß an gegen den Nachbarn. Als »ach Jahren der Streit in die letzte Entscheidung ging, schien es ganz so, ils würde eine meineidige Schwurhand die Entrechtung Klaus Braach- manns zuwege bringen. Dann konnte der Prozeß nicht mehr aufgerollt Derben auf lange Zeit. Das überlegte Klaus eine Weile in jener letzten Nacht vor der Entscheidung, urib weil er nicht Schlaf finden konnte in t»er Erregung, verließ er mitten in der Nacht den Hof und schritt im lau der Nacht durch die Grenzwiefen. Das Objekt des Streites mußte iinb wollte er sehen, aber er mürbe nicht klüger, menn er im matten Licht ber Nacht das Gras silbrig glänzen [ah, menn (eine Tritte schleifend i»urch die Gräser tappten in einer kleinen Furcht vor dem kommenden Eag. Ein Schatten kam auf einmal aus der matten Helle ...

*

Zwei wollen zum Theater.

Roman von Hans-Caspar von Zobeltitz. Copyright 1930 by Carl Duncker-Verlag, Berlin.

(Nachdruck verboten.) (Fortlegung.)

Man kannte ihn in der Kasse.Das Konto des Fräulein Tochter? Ge­wiß, sofort." Der Beamte verschwand in den Hintergrund, sah irgendwo einen dickleibigen, zahlenerfüllten Folianten ein, kam zurück und reichte Herrn Rose diskret einen Zettel. Auf dem stand:Saldo Fräulein Grete Rose Kredit: RM. 12 587" und gedruckt darunter:Auskunst ohne Gewähr." Vater Rose wußte, daß der letzte Satz eine Förmlichkeit war und daß die Zahlen richtig waren. Etwas wie Freude wollte in ihm aufkommen, etwa so:Donnerwetter, die Kleine ist ja sparsam gewesen; 12500 das hätte ich nicht vermutet ...", aber er unterdrückte das Gefühl und sagte statt dessen:Ich möchte das Konto meiner Tochter sperren; Sie wissen, sie ist minderjährig." Er hatte erwartet, daß der Beamte stutzte; der tat es aber nicht, sondern zog nur ein Formular aus einem Ständer mit Vordrucken, füllte einige Zeilen mit Geläufigkeit aus und legte das Ausgefertigte Herrn Rose vor.Wenn Sie gütigst hier unter­schreiben wollen." Solche Sperrungen schienen also nichts Äußergewöhn- liches zu Jein. Das gab Fritz Rose einige Kraft. Die Unterschrift mit dem gejchäftsgewohnten Schnörkel gelang ihm tadellos. Aber er verließ dann den Schalterraum schnell und sagte draußen dem Chauffeur:Ich gehe zum Bureau." Er hatte das Gefühl, daß ihm Laufen gut tun würde.

*

Um diese Zeit war auch Mutter Rose unruhig. Es bedurfte zweier Tassen Kaffee, ehe sie zu dem Entschluß kam, milde mit der Tochter zu reden und (ich mehr aufs Bitten als aufs Befehlen zu legen. Ja, sie war in bester Kompromißstimmung, als sie dem Mädchen klingelte und es bat, das gnädige Fräulein zu ihr zu rufen. Sie erfuhr aber nur, daß (Bertie ihren grünen Roadster aus der Garage geholt hätte und fortge­fahren sei. Das war sicher nichts Ungewöhnliches. Aber es beunruhigte sie.

Und mit Recht: denn in gleicher Minute läutete Gerste an der Weiher- schen Wohnungstür Sturm und fiel der öffnenden Isa um den Hals. Denke dir, Vater hat mein Bankkonto gesperrt!" Sie heulte. Aber es waren keine Tränen des Schmerzes; es war ein Weinen des Zornes.

Noch einer hatte das ungestüme Läuten gehört: Doktor Büchner. Er horchte etwas empört auf, denn er empfand das laute Läuten als un­ziemliche Störung; er wußte, daß man im Haufe Weiher auf ihn alle erdenkliche Rücksicht nahm und hatte, junggesellenhaft verwöhnt, diese Rücksichtnahme schon längst als ein ihm zustehendes Recht verbucht.

So hob er den Kops und lauschte. Was ging da im Flur eigentlich vor? Er unterschied mit seinem für Tonstufung disziplinierten Ohr zwei Stimmen, zwei erregte Stimmen und wußte sie sofort einzuordnen: die Isas und die ihrer Freundin, jenes Fräulein Rose, der kleinen, so über­aus begabten dunklen Pistoriusschülerin. Richtig: Minna und Franziska. Sein Hirn schaltete sich für Augenblicke um; er sah die beiden in der Pause der letzten Premiere bei sich, sah die Kleine, wie sie die Rolle der Fösten herunterrasselte. Wirklich, da steckte Talent, Blut, Theaterblut. Seine Gedanken waren abgelenkt; die Worte seines Gegenübers fielen ins Leere.

Ihm gegenüber faß der rundliche, bewegliche Direktor Fleischmann. Der hatte einen sehr rotbraunen, saloppweiten Sakko an und rauchte eine zu dicke Zigarre. Er war zur Premiere derQuartiere" nach Berlin gekommen und war nun ziemlich verzweifelt: nein, das Stück ging für fein Theater nicht; wie sollte er den Szenenwirbel auf feiner Bühne und mit seinem Personal machen? Und er brauchte etwas Neues, einen Schlager.

Wir haben's nicht so leicht in der Provinz wie Ihr hier, lieber Freund, glauben Sies mir. Ihr hier: ein Erfolg und den bann hundert- mal und mehr durchgepeitscht; die Leute kommen euch von allein ge­laufen. Aber wir: ein Stück achtmal, höchstens zehnmal. Und bann müssen wir uns bie Leute noch vom Lanb und aus ben Nachbarstäbten heran- holen. Es ist schon eine Hunbearbeit."

Fleischmann war ein ganzer Kerl; Büchner wußte es. In Weimar hatte er sich einen Kinosaal zu einer Kammerbühne ausgebaut, trotzdem er wußte, daß alle die alten Thüringer Staatstheater schwer um ihr Leben kämpften. Mitten in bie heißeste Konkurrenz hatte er sich mit sxinem Goethe-Theater gesetzt und hatte Erfolge erzielt. Fünshunbert Plätze mußte er füllen. Er hatte spekuliert: an ber Ilm ist immer noch geistiges Leben unb Theaterinteresse. Das Aushängeschild Goethe zieht alle Fremden an, besonders wenn es in Weimar über einer Bühne hängt.

Er hatte organisiert: Große Personenkrastwagen führten ihm die Zuschauer aus ber Umgebung heran; ber Fahrpreis war im Billett ein­begriffen. Er machte ein Programm, auf dem das stand, was die staat­lichen Bühnen nicht zu bringen wagten, und hielt trotzdem ein literarisches Niveau. Er war modern im besten Sinne, war ein gewiegter Regisseur unb ein gerissener Geschäftsmann. Er wagte sich auch an neue Autoren. Man sprach im Theaterleben von ihm, reifte selbst als Berliner Fachmann zu seinen Uraufführungen. Er hatte sich seinen Beben erobert, aber seine Stellung verlangte ausopfernden Kampf.

Jetzt wollte er Rat von Büchner.Also ,Quartiere' ist nichts für mich. Was nun?"

Büchner hatte bie letzten Sätze überhört.Wie meinten Sie? fragte er.

Klaus muß hüsteln, er ringt jetzt schwer nach Atem. Die Erinnerung rei^t noch sein ganzes Denken burdjeinanber, wenn sie nicht irgendwo tinen Ausweg finden kann. Er schickt feine Bäuerin weg und ruft sie Dieber her; ohne Murren tut die alles, was ihr Eheherr will und ver­langt. Damals hat er den Bärenkerl von Nachbar doch niedergeftochen »hne Streit und ohne Aufregung, hat ihm das Messer in den Leib jerannt, daß er langsam wegfackte. Aus dem zertrampelten Gras lag das üieffer und aus einem schmalen Schnitt im Hemd sprudelte Blut.

Die Sanduhr steht drüben. Das Glas wird einmal leer werden. Rot ft der feine Strahl Sand, der niedersticht auf den leeren Raum darunter. Ein schmaler roter Strahl Blut ist aus dem Hemd gesprungen. Damals. Staus Braachmann wird am Ende sein, wenn der feine rote Sand am j Ende ist. Dann wird auf der ganzen Welt niemand wissen, wer den großen Balthasar damals erstochen Hot in der Nacht vor der Verhandlung. Er lann bas Geheimnis mit ins Grab nehmen unb niemanb wird ihm einen dein nachwerfen auf den Sarg, weil damals ein eigenartiger Zufall den verdacht von ihm so gründlich abgelenkt hat, daß selbst die hartglaubigen Bauern es als wahrscheinlich hinn.ahmen, so wie der Zufall es bargeitellt hatte. Wenn er nun schweigt, geht alles mit ihm ins Grab, diese E>e- lchichte einer blutigen Sommernacht.

Franziska, du'mußt dich näher zu mir setzen. Damit du leichter ver­stehst, was ich dir noch zu sagen habe." Jetzt hat er es ernst im Sinn, tiefes Geheimnis dem Grab zu stehlen, es feiner Bäuerin mitzugeben ins '«siliche Leben. Dann weiß es wenigstens einer, unb ber Druck bes alleini- cen Tragens ist von ihm genommen. Er spürt, wie bas elnftichr auf ihn, uenn ber seine rote Strahl immer weitersickert in bem Achterglas. Das ist sein Blut, bas in einem bünnen Strahl nun abgezogen wird, so wie in ber Nacht bas Blut bes Nachbarn aus bem durchschnittenen Hemd prang, ins Gras und auf die Erde des strittigen Bodens.

Er wird es nicht erzählen. Seine Kraft wird schon lockerer, er ^ermag iie Faust nicht mehr so heftig zu schließen. In dem funkefinden Glas laust iie Sache ab. Der Pfarrer ist dagewesen, mit dem hat Klaus seine v.ache . ibgefchlossen. Mik der Bäuerin hätte er noch etwas abzuschließen wenn . >«s Absickern bes roten Sandes ihm bie Zeit ließe.Die ftanb kannst bu nir geben, Franziska!" meint er. Sie weiß recht gut, daß er etwas z

I hgen hat, daß ihm nur die knappe Seit rio$ gelaßen tft bis J^m doU- I-findigen Ablaufen des Sandes in der Uhr. Sein Stöhnen wird lauter irgendwo im Hirn sticht etwas auf ihn ein. Es wird schon ber rote Stachel [ein, ber da niedersticht vor feinen Augen. Der macht auch dort

Klaus schläft eine Weile, er träumt, daß Franziska die Geschichte j ieser häßlichen Nacht erzählt. Seine Hand hat dabei bie fchmalere Hand ler Bäuerin umfaßt Die spürt den harten Druck der letzten Kraft. Lis fr wieder auswacht aus dem kurzen Schlaf steht er wie eben in ^em Trichter ber lebte Rest vom roten Sanb abrinnen will. Hernach wiro 's auch bei ihm zu Enbe fein. Balthasar, ber Nachbar (st auch anjo 'inein roten Strahl Blut gestorben, weil er Streit h°ben unb bie Hanb ium Meineid erheben wollte. Franziska mmnck einen: Fetzen Flanell unb --sicht bem Sterbenben über die Stirn. D.e Hand fchm^-rzt sie ^0^°°" lern heftigen Druck. Klaus Braachmann beißt bie Zahne 3 I

Zähne mahlen noch gegeneinanber. . .ach

|| Wie der Körper ganz ruhig wirb, ruckt Franziska . ö(?m

fer Seite weg. Sie horcht auf, weil sie etwas zu fühlen glaubt dem Menfjaften fahlen Raum. Etwas wispert. Unb auf emm I , 9