Ausgabe 
20.11.1931
 
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Eichener Zamilienbliitter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang Ml

Freitag, den 20. November

Nummer 9<

Einer Toten.

Von Theodor Storm.

Das aber kann ich nicht ertragen. Daß so wie sonst die Sonne lacht;

Daß wie in deinen Lebenslagen Die Uhren gehn, die Glocken schlagen. Einförmig wechseln Tag und Nacht:

Daß, wenn des Tages Lichter schwanden, Wie sonst der Abend uns vereint;

Und daß, wo sonst dein Stuhl gestanden, Schon andre ihre Plätze fanden, Und nichts dich zu vermissen scheint;

Indessen von den Gitterstäben

Die Mondesstreisen schmal und karg In deine Gruft hinunterweben Und mit gespenstig trübem Leben Hinwandeln über deinen Sarg.

Oie Unbekannte aus der Seine.

Legende von Tod und Leben.

Von Hertha Pauli.

Kennen Sie die PlastikLinconnue de la Seine"?

Keines Menschen Hand hat sie geformt. Es ist die Totenmaske eines unbekannten jungen Mädchens, das man ertrunken aus der Seine gezo­gen hat.

Das Original, das vor vielen Jahren in der Morgue (Leichenhaus) hergestellt wurde, ist nicht mehr zu finden. Aber die Abdrücke in Wachs, Terrakotta oder Gips find allerorts zu haben und werden immer wieder gekauft.

Neben den starren Totenmasken berühmter Männer finden wir dieses eine Mädchenbild: weich, wie mit einem Hauch von Leben. Die Masken Der anderen wurden um der Werke ihres Lebens willen für uns abgenom­men, nach ihrem Tode; dieses Mädchen wollte durch einen Sprung in die *. seine ihr unbekanntes Leben früh beenden und ist erst durch ihren Tod lebendig geworden für uns: sie mag sich ein anderes ewiges Leben erhofft haben der Ausdruck dieser "Hoffnung aus ihren erstarrten Zügen wird leben, solange Menschenkunst besteht. Mit einem letzten Lächeln hat sie den Schauer des Todes überwunden für sich selbst, und für alle, die das Bild dieses Todes anzusehen verstehen.

In Paris ist dieses Mädchen gestorben, dort hat sich dieser schöne Mund zu seinem letzten Lächeln geschlossen, die Augen wir ahnen irüheres Licht hinter den geschlossenen Lidern haben vielleicht nichts anderes von der Welt gesehen, als diese eine Stadt Paris an den Ufern der «Seine.

Man möchte das Rätsel dieses Lebens ergründen; möchte wissen, E warum dieses Mädchen den Tod gesucht hat in den Wellen der Seine; Dsivas für Gedanken gewohnt haben mögen hinter dieser hohen reinen otirne, die umrahmt ist vom schlichten glattgescheitellen Haar und Innn den Blick nicht losreißen von diesem ewig lächelnden Munde. Ein merkwürdig sehnsüchtiger Ausdruck von höchster Empfindung und Rein­beil zugleich leuchtet aus diesen Zügen, darüber ein Schimmer wie von letzter Erfüllung. Von ewigem Frieden. Von Liebe?

-.. und die Phantasie baut Brücken zwischen Tod und Leben ...

Ein junges Mädchen steht an einem der vielen Fenster des Klosters ;ion Sacrc Coeur. Es schaut hinauf zu dem hellen Mond und den vielen Sternen, sehnt sich fort aus den engen Mauern des Klosters, möchte dlllgel haben und hinauffliegen in den Himmel. Oder blickt hinunter auf Baris, verwirrter von dem Lichlmeer da unten, als von den Dielen hellen Sternen droben am Himmel; und sehnt sich danach, herunterzuspringen in diese lockende Flut von Licht. Eines Tages kommt der Bildhauer ins IAoster, der den Kopf eines Engels bilden soll für den neuen elitär. Cr seht an einem der vielen Fenster das Mädchen stehen: es lächelt leise, «ls ihre Blicke einander treffen, mit einem merkwürdig sehnsüchtigen ilusdruck von höchster Empfindung und Reinheit zugleich. Und als der '-ngelskops vollendet war an dem neuen Altar, da trug er die Zuge des Nadchens hinter dem Fenster. Dieses aber war verschwunden aus der >ngen Zelle im Kloster, und alles Suchen blieb vergebens.

*

. Ein junges Mädchen lebt in dem kleinen Atelier eines Bildhauers Icheu, vor allen Menschen verborgen. Keiner weiß, woher sie gekommen i't, sie selbst weiß es kaum. Ohne zu ermüden sitzt sie Stunden und otum I len als Modell für sein neues Werk: mit ihrem Lächeln das er |o liebt, £nd mit ihrem Ausdruck von höchster Empfindung und Reinheit zugleich.

den er festhasten will mit feiner formenden Hand, und den er nicht fassen noch wiedergeben kann, wie er ihn vor sich sieht. Er zerschlägt alles, was er macht, und versucht es von neuem mit jedem Tag. Di« Arbeit wird schließlich zur Qual. Er beginnt diese lächelnde Reinheit zu hassen, die er nicht bilden und nicht begreifen kann. Er beginnt ihre Hingabe zu hassen, ihr Jhm-untertan-sein in einer Liebe, wie sie im Kloster gelehrt werden und Gott zukommen mag, und wie sie kein Mann ertra­gen kann. Und er zerschlägt das letzte Bild, das er von ihr geformt hat, geht zu den Freunden und den fremden Frauen und kommt spät und betrunken zurück. Sie lächelt, als sie ihn sieht: sie weiß, es ist die Strafe für ihre Sünden, daß er so ist. Und er sieht das Lächeln auf ihrem Ge­sicht, dieses selbe Lächeln, das er nicht formen und nicht zerstören kann, und sinnlos vor trunkener Wut schlägt er ihr ins Gesicht. Das Lächeln erstarrt unter dem Schlag.

*

Ein junges Mädchen steht auf einer der dreizehn Brücken, die über die Seine führen. Sie schaut hinauf zu dem Hellen Mond und den vielen Sternen, und sie schaut hinunter in den Fluß, in dem sich die tausend Lichter spiegeln, die des Himmels und die der Stadt, Sterne, Mond und Laternen. Noch hält sie das Geländer fest. Aber schon verschwimmen vor ihren Augen die Sterne am Himmel, der Mond und die Lichter von Pans der Strom und ihr eigenes Bild zu einer Flut von Licht. Und sie sehnt sich danach, hinunterzuspringen, die brennende Sehnsucht zu kühlen und sich reinzuwaschen von ihren Todsünden in dem Lichtmeer ringsum. Und sie springt lächelnd von der Brücke hinunter in den Fluß, als flöge sie hinauf zu den Sternen droben am Himmel. Zu letzter Er­füllung und ewigem Frieden.

Der Bildhauer sucht seine (Beliebte vergebens. Sie blieb verschwunden Viel spater erst entdeckte er in einem kleinen Laden auf dem Montmartre nächst dem Kloster Sacre Coeur einen Kopf aus Wachs, der ihre Züge trug. Kein Zweifel, es war ihre Stirn, hoch und rein, umrahmt vom schlichten, glattgescheitellen Haar, es war ihr Lächeln, dasselbe wie früher und doch sonderbar anders. Und es war dieser merkwürdig fehnsüchtige Ausdruck von höchster Empfindung und Reinheit zugleich, den er ver­gebens versucht hatte, darzustellen, der Ausdruck, den er geliebt und gehaßt hatte zugleich, dieser selbe Ausdruck und doch ein sonderbar anderer.

Wer hat diesen Kopf modelliert?"

Keines Menschen Hand, monsieur, es ist eine Totenmaske. Man hat das Mädchen ertrunken aus der Seine gezogen. Niemand weiß, wer sie ist, so nennt man sie ,Linconnue de la Seine. Sie können sie billig haben. Es ist ein Wachsabdruck nach dem Original in der Morgue."

In der Morgue?"

Ja, monsieur. Wollen Sie den Abdruck kaufen?"

Der Bildhauer schüttelte den Kopf und ging. In diesen Tagen ver­schwand, ohne daß man viel Aufhebens davon gemacht hätte, das Ori­ginal der MaskeLinconnue de la Seine aus der Morgue

Aber sie selbst wird leben, mit dem schlichten, glattgescheitellen Haar über der hohen Stirne und dem Lächeln voll höchster Empfindung und Reinheit zugleich, solange Menschenkunst besteht.

Linconnue de la Seine ... kennen wir sie?

Oer Tod in der Oper.

Rach einer wahren Begebenheit.

Von Friedrich Schnack.

Der Tenor Enrico Maselli stammte aus Palermo, wo sein Vater das Gewerbe eines Töpfers ausübte. Enrico war der älteste von fünf Ge­schwistern; die Not und Plage, unter der seine Eltern und Brüder litten, zwang ihn, sich frühzeitig auf eigene Faust durchzuschlagen. Er fuhr mit den Fischern aus und half ihnen beim Fang, abends fang er ihnen in den Kneipen sizilianische Gassenhauer vor, denn er hatte eine schöne Stimme. Da er aber seiner körperlichen Schwäche wegen durch die Roheit der Matrosen und der Trinker arg zu leiden hatte," verdüsterte sich sein ohnedies schwermütiges Wesen. Eines Abends, nach einer Tracht Prügel, die ihm ein betrunkener Fischer verabfolgt hatte, floh er aus der Kneipe und setzte sich weinend atu Itfer auf einen Pfosten, an dem die Seeleute ihre Taue zu befestigen pflegten. Da trat ein hagerer, schwarzgekleideter Mann aus dem flackernden Schein einer Laterne auf ihn zu, und fragte ihn, weshalb er hier hocke und heule, obwohl er doch eine so schöne Stimme habe. Er hätte ihn schon mehrere Abende beobachtet. Verdutzt blickte Enrico in das ablerbafte Gesicht des Fremdlings, den er für einen Beamten der Hafenpolizei hielt.

Ick) meine zu meinem Vergnügen!" antwortete er unwirsch.

Der ander« lachte:Du solltest lieber zu deinem Vergnügen singen, und zum Vergnügen der Zuhörer. Hier hast du eine Lire! Stich auf und komm mit mir: ich will dich einem Maestro der Gesangskunst uorftellen,