Ausgabe 
20.7.1931
 
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Die Hauptsache bleibt, daß mnn mit der Christenlieb' Octant und des Glaubens Fernrohr in der Hand so gut auf den Walfischfang wie in öcn Himmel reift. So kann man es gar noch zu einer lateinischen Anschrift bringen, wie Matthias Petersen aus Oltsum, dieser Glückspilz, der es ... incredibile Successu* ..auf 373 Walfische brachte, weshalb er auch von allen den Namender Glückliche" erlangte, und der liebe Gott ihn zur Belohnung zum Stammvater mehrerer Landvögte tröhrs sowie zahl­reicher Beamten- und Pastorensamilien in Schleswig-Holstein machte. Ihn und Inge Matthiesen, seine Ehefrau, Gott hab' sie selig.

Es gibt noch viele Gräber, es gibt noch sehr viele Inschriften, die nicht leicht zu entziffern sind, so schön und so schön schnörkelhaft sind sie eingegraben, so sorgfältig hat die Zeit und der salzige Seewind sie ver­wittert. Ich gehen lange herum und versuche es geduldig.

Die Thorwoldsenkinder fangen Heuschrecken zwischen den Grabern ... Wagenrollen, Wind und Sonne, blaue Lobelien und rosa Geranien ... dann kommt der Tod, legt die Harke weg, akzeptiert ein Trinkgeld und zeigt mir die Kirche.

Taifun in der Südsee.

Von Prosessor Dr. Walter Behrmann, Franksurt a. M.

Die nachstehende lebendige Schilderung von tropischen Regensällen und Wirbelstürmen entnehmen wir dem soeben fertig gestellten ersten Bande desHandbuchs der geographi­schen Wissenschaft" (Athenaion-Verlag, Potsdam W 5).

Wenn gleichmäßig wehender Wind in diesen warmen Zonen über die weiten Flächen des Ozeans streicht, so reichert sich die Luft mit Feuchtig­keit an. Trifst der Wind gegen eine hohe Insel und wird zum Aufsteigen gezwungen, so läßt er den Regen in verschwenderischer Fülle sollen. UeberaU haben wir in dem Seeklima der Inseln große Regenmengen; sie können sich zu gewaltigen Größen steigern, wenn wir höher empor­steigen und in die Zone kommen, wo der Wasserdampf kondensiert.

Auf Tahiti, Samoa und ebenso auf Reu-Guinea und allen hohen Inseln schwillt die Regennfenge an mit dem Emporsteigen auf bas Ge­birge. 3000 bis 4000 mm Regen im Jahre sind keine Seltenheiten; auf Hawaii hat man auf der Gipfelstation Waialeale die größte Menge Regen auf der Erde überhaupt gemeffen, 12 600 mm Regen! Nur die höchsten Gebirge Neuguineas und Hawaiis ragen in trockenere Regionen hinein.

Die Form, in der der Regen fällt, ist in dem ganzen Tropengebiete nicht mit der Art und Weise zu vergleichen, wie wir ihn von der Heimat gewohnt sind. Niemals nieselt es, tagelang milde Dauerregen kommen nicht vor, vielmehr ist der Platzregen die Form, unter der die Niederschläge die Erde treffen. Bor allem die täglichen Regen, die unter den heftigsten Gewittererscheinungen in den Nachmittag- und Abendstunden zur Erde trommeln, sind so heftig, daß selbst die stärksten europäischen Regen dagegen verblassen. Wie ein Schleier verhüllen sie durch ihre nieder­rauschenden Fluten die nächsten Berge und Inseln, bald aber lacht die Sonne wieder oder leuchtet der Sternenhimmel.

Nebel auf dem Meere sind selten; nur auf größeren Inseln breiten sich in den Morgenstunden in Talungen Bodennebel aus, auf den Berges­höhen über 900 Meier dagegen gehören tagelange Nebel zu den regel­mäßigen Erscheinungen. Sie prägen sich deutlich in der Vegetation mit ihrem Moosbehang aus, der Mensch meidet diese Zone.

Die Platzregen kühlen urplötzlich die schwüle Atmosphäre ab, kn die seitliche, aufgelockerte Lust stürzen vom Regengebiet mit Gewalt die Lust- maffen. Ein heftiger Sturm von kurzer Dauer bildet sich aus, der dem Gewitterregen vorangeht; rauscht erst die Regenslut, so ist schon wieder Windstille. Und doch sind diese lokalen Stürme so heftig, daß sie die ftärlften Bäume entwurzeln, Windbrüche durchsetzen den tropischen Urwald trotz seiner Lianenverschnürung. In den meteorologischen Auszeichnungen finden wir diese Stürme nicht angegeben, weil sie so kurz dauernd und zur Zeit der Terminbeobachtung schon abgeflant sind. Sie sind aber für Melanesien typisch.

Aber auch die Geißel der Drehstürme ist den Bewohnern der Südsee nicht erspart; sie bilden sich besonder aus beim Wechsel von Monsun und Passat. Sie sind unter dem Namen Taisune bekannt, sie folgen einzelnen Bahnen, entstehen meistens in der Nähe der Palau-Inseln und ziehen über die Philippinen zur asiatischen Küste. Hier kommen sie vor allem im Herbst regelmäßig tior. Durch besondere Umstände gebildet, können sie auch die ganze übrige Südsee heimsuchen. Je weiter nach Osten, desto seltener werden sie. Auch sind sie südlich des Gleichers meist nicht ver­heerend, Tahiti und Tonga haben die Orkane mehr zu fürchten als Samoa; der Herbst des Süden, der Monat März vor allem ist der Sturmmonat. Für die westliche Südsee meint Augustin Krämer, daß mindestens einmal im Jahrhundert ein Drehsturm die Inseln verwüste.

Mit unwiderstehlicher Gewalt brausen, sie über die niedrigen Inseln, alles vernichtend, die Kokospalmen entblätternd und die Hütten der Ein­geborenen zerstörend. Der Sturm ist verbunden mit einer hohen Wasser­flut, die die Atolle überspült. Die Eingeborenen suchen auf den niedrigen Inseln mit Kindern und Schweinen Schutz in den Bäumen, retten aber nur selten ihr Leben. Zieht der Kern eines Taifuns über eine Insel hinweg, so bläst der Orkan sich stets steigernd mit drohenden jagenden Wolken und hestigen Regengüssen zuerst aus einer Seite der Windrose, plötzlich klärt sich der Himmel auf, Windstille tritt ein, aber sie ist trüge­risch, denn nach wenigen Stunden faucht der Wind in gleicher Stärke aus der entgegengesetzten Richtung.

Nach 48 Stunden ist die Katastrophe vorüber, die vernichteten Kul­turen, gescheiterte Schiffe und Boote, abgedeckte Häuser und Hütten sind an die Stell des lieblichen Südseeparadieses getreten. Diese Katastrophen bringen eine große wirtschaftliche Unsicherheit in alle niedrigen Inseln der Südsee, sowohl für den Eingeborenen als auch für den Europäer. Sie fehlen nicht den höheren Inseln, sind hier aber in ihren Wirkungen nicht so zu besürchten. Es sind aber nur selten wiederkehrende Einzel­erscheinungen, die das sonst so regelmäßige, Wehen der Winde ablösen.

* mit unglaublichem Erfolg.

Wettrennen mit dem Tod.

Von Norbert Jacques.

«n der Kontrollstelle auf der Straße von Lindau nach Wangen bekam ich einen Nagel ins rechte Hinterrad. Zum Teufel! Ich lag der erste beim Rennen um die süddeutscheFünfhundert Kilometer". So rasch wir auch ba^ Rad auswechseln konnten, es mußten gegen vier Minuten verloren gehen. Ein Bursche, der als Neugieriger bei den Kontrollherrn stand, hals mit geschickten Händen mit. Mein Mechaniker drehte auf dem Voll den Wagen hoch, während der Bursche und ich schon das defekte Rad entschraubten. Der Bursche begann ein kleines rasches Gespräch. Er lachte dabei, was mir widersinnig vorkam. Er sagte:

Tressen Sie nur nicht auf den Ambs Xaver mit seinem neuen Motorrad!"

Weshalb nicht?" fragte ich aus den Schraubenhebel gestemmt.

He..." lachte der Bursche,der ist ketzverrückt. Sein Mädel ist ihm ausgesprungen. Da hat er sich ein neues Motorrad gekauft und jagt Ihnen nun Tag und Nacht die Straße lang um die Wette mit ihrem Schatten, scheint es!"

Ich antwortete nicht mehr und arbeitete. In drei Minuten war das Rad ausgewechselt. Das durchlochte schmiß ich hinten in den Wagen. Den zweiten Gang ein, die Kupplung los, und der Wagen sauste weiter. Er prallte über Löcher, die zahlreich die Straße durchsetzten, bis ich heraus- fond, daß der äußerste linke Rand und di« Mitte gut waren und ich eng mit dem linken Rad am Wiesenrand hinfuhr, der wie ein Trottoir längs der Straße lief. Ich konnte so alles Gas geben, und der Wagen kam bald seiner höchsten Schnelligkeit nahe. Die Bäume am Rand schienen rückwärts zu fallen. Der Motor fang in einer geraden starken Kadenz. Da war mir, er finge:

Um die Wette mit...

Hier kam etwas wie eine Cäsur. Gleich weiter: ..... ihrem Schatten,

ihrem Schatten... Stark langhin, sortreißend fang er so. Ich in meinem Innern von der Lust an der harten, losschießenden Fahrt gepackt, warj diese Worte in seinen hinsliegenden, kreisenden Gesang, unzählige Male, ununterbrochen ... wenn es bergan ging, allmählich verlangsamend, bergab, rasch wieder ihr Tempo dem schwingenden Kreisen der jähzornig wachsenden Tourenzahl anpassend.

Ein Dors fing plötzlich mit engen Biegungen die sausende Schnellig­keit auf, und der Rhythmus paßte nicht mehr. Ich fand mich gestört Oben links erhob sich ein Ruinenturm wie der hohle Zahn eines Zyklo­pen. Das Dorf ist lang. Wo Nebenstraßen einmünden, ist überall der blaue Doppelpfeil mit der AnschriftWettrennen des Adae" angebracht und zeigt auf den ersten Blick, daß man geradeaus weiterfahren muß. Mühsam muß die Fahrt auf fünfzig Kilometer abgedämpft werden. Der Motor, ungeduldig, entlockt aber verholen der Fußsohle auf dem Akzelera­tor mehr Gas, verläßt das ganze Dorf mit sechzig in eine gerade Straße hinein. Beiderseits ist sie von Bäumen eingefaßt. Vielleicht zwei, drei Kilometer weit übersichtlich, herrlich in Stand, neu glatt... Um die Wette mit... Ganz weit vor mir, von wo das begeisternde Straßcn- stück herkornrnt, sieht es aus wie ein Torloch aus Bäumen gebildet, und darin erscheint plötzlich etwas, eine Bewegung. Das Auge ist geübt und scharf und erkennt sofort einen Motoradsahrer. Wie rasch er sahren muß. Ein Wölkchen Staub fliegt um ihn.

Um die Wette mit... Seinem Schatten, seinem Schatten! singt mein« Maschine. Ein leises Donnern tönte hinter uns auf. Mein Begleiter wendet sich hastig rückwärts.

Er überholt uns! Wer ist es?" rufe ich.

Der Maybach! Dr.Larß!"

Teufel!" stieß ich aus. Ich wußte, daß ich mein Glück der kurven­reichen, auf und abfinkenden Straße zu verdanken hatte, auf der dieser gefürchtete Gegner sehr unter feinen Schwächen litt. Aber auf dieser glatten Bahn war mir der andere mit der Riesenkraft seines Motors überlegen. Trotzdem versuchte ich aus meinen Zylindern das Letzte heraus­zubekommen, wenn ich auch gewiß war, daß der mächtige Wagen wich allmählich überholen mußte. Ich kam bei günstiger Laune des Motors nicht viel über 110, der Konkurrent erreichte hier im Spiel 120.

Das Motorrad war uns auf einige hundert Meter nahegekommen. Deutlich erkannte ich, daß es mit einer Schnelligkeit von 90, wenn nicht 100 Kilometer fuhr. Mich durchzuckte die Borstellung, daß es meinen Wagen in demselben Augenblick von vorne erreichen könne, wo der hinter mir heranrasende Maybach uns vom Rücken her überholen wollte. Es gab solche Zufälle. Und für drei war die Straße nicht breit genug. Aber ein vom Rausch der Schnelligkeit und des Wetteifers erfaßter Fahrer achtet dann keiner Gefahr. Ich für meinen Teil hatte ja die meiste Aus­sicht, von diesem Zufall in meiner Fahrt nicht betroffen zu werden, da ich, bis das Motorrad mich erreichte, wohl noch vorfuhr und auf der rechten Seite bleiben konnte, auf die hin ich auch allmählich, um nicht eine Spanne Raum überflüssig abzugeben, meinen Wagen steuerte.

Wie weit liegt der Maybach hinter uns?" rief ich meinem Mecha­niker zu.

200!" schrie er zurück. .

Mir war es nun gewiß, daß sich das Motorrad und der Maybach, wenn nicht einer nachgab, genau an der Seite meines Wagens treffen mußten; denn der Motorradfahrer lag noch etwa hundertfünfzig Meter vor mir und raste mit ungebrochener Schnelligkeit heran. Ich duckte mich über das Steuer, verzehrte die Straße mit den Augen. Alles in mir war in Spannung auf den Augenblick, wo das Unvermeidliche üeschsb.^ mußte, alles in einer furchtbar zugespitzten Wehr, dünn und zerbrechlich wie Glas, nicht selber mit in die Katastrophe hineingerissen zu werden Mein Motor lief auf dem Höhepunkt, den er nach meinen Erfahrungen erreichen konnte. Der Tachometer ließ die Nadel steif auf 111lll) meter liegen.

Wie in einem wirbelnden Traum grub sich in meine Borftellung oa gelbe Band eines Seitenweges, der links zwischen zwei Bäumen in tu Straße mündete, zwischen mir und dem Motorrad. ,

Da geschah etwas ganz Unglaubhaftes, etwas, das am heUich" -