Ausgabe 
20.4.1931
 
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unb zu gießen im feinsten Silber, aber bas ist sa ein kinbisches Beginnen, boch bu! bu! wie sie so halb, so in süßem Prangen aller Schönheit bich anlüchelt! ach Reinholb Reinholb, bu überglücklicher Mensch! ja! wie bu bamals es aussprachst, so begibt es sich nun wirklich! wir hab ,i beibe gerungen, bu hast gesiegt, bu mußtest siegen, aber ich bleibe bein mit ganzer Seele. Doch verlassen muß ich bas Haus, bie Heimat, ich kann es ja nicht ertragen, ich müßte ja vergehen, wenn ich nun Rosa wiebersehen sollte. Verzeih' bas mir, mein lieber, lieber, hochherrlicher Freunb. Noch heute in diesem Augenblick fliehe ich fort fort in die weite Welt, wohin mein Liebesgram, mein trostloses Elend mich treibt! Damit wollte Friebrich zur Stube hinaus, aber Reinholb hielt ihn fest, inbem er sanft sprach:Du sollst nicht von hinnen, denn ganz anbers wie bu meinst, kann sich alles noch fügen. Es ist nun an ber Zeit, bah ich dir alles sage, was ich bis jetzt verschwieg. Daß ich kein Küper, sondern ein Maler bin, wirst bu nun wohl wissen, unb, wie ich hoffe, an bem Bilbe gewahren, daß ich mich nicht zu den geringen Künstlern rechnen darf. In früher Jugend bin ich nach Italien gezogen, dem Lande der Kunst; dort gelang es mir, baß hohe Meister sich meiner annahmen unb j den Funken, ber in mir glühte, nährten mit ledenbigem Feuer. So kam es, daß Ich mich bald aufschwang, daß meine Bilder berühmt wurden in ganz Italien, unb der mächtige Herzog von Florenz mich an seinen Hof zog. Damals wollte ich nichts wissen von deutscher Kunst, und schwatzte, ohne eure Bilder gesehen zu haben, viel von der Trockenheit, von der schlechten Zeichnung, von der Härte eurer Dürer, eurer Cranache. Da brachte aber einst ein Bilderhändler ein Madonnenbildchen von dem Albrecht (Albrecht Dürer hat mehrere Madonnenbilder geschaffen; es ist unsicher, an welches Hoffmann gedacht haben könnte) in die Galerie des Herzogs, welches auf wunderbare Weife mein Innerstes durchdrang, so daß ich meinen Sinn ganz abwandte von der Ueppigkeit ber italischen Bilder unb zur Stunde beschloß, in dem heimatlichen Deutschland selbst die Meisterwerke zu schauen, auf die nun mein ganzes Trachten ging. Ich kam hierher nach Nürnberg, und als ich Rosa erblickte, war es mir, als wandle jene Maria, die so wunderbar in mein Inneres geleuchtet, leibhaftig auf Erden. Mir ging es so wie dir, lieber Friedrich, mein ganzes Wesen loderte auf in hellen Liebesflammen. Nur Rosa schaute, dachte ich, alles übrige war aus meinem Sinn verschwunden und selbst die Kunst mir nur deshalb was wert, weil ich hundertmal immer wieder unb wieder Rosa zeichnen, malen konnte. Ich gedachte mich der Jungfrau zu nahen nach kecker italischer Weise; all mein Mühen deshalb blieb aber vergebens. Es gab kein Mittel, sich in Meister Martins Hause bekannt zu machen auf unverfängliche Weise. Ich gedachte endlich geradezu mich irm Rosa als Freier zu bewerben, da vernahm ich, baß Meister Martin beschlossen, seine Tochter nur einem tüchtigen Küpermeister zu geben. Da faßte Ich ben abenteuerlichen Entschluß, in Straßburg das Kllperhand- werk zu erlernen und mich dann in Meister Martins Werkstatt zu begeben. Das übrige überließ ich der Fügung des Himmels. Wie ich meinen Ent­schluß ausgeführt, weißt du, aber erfahren mußt du noch, daß Meister Martin mir vor einigen Tagen gesagt hat, ich würd' ein tüchtiger Kuper werden unb solle ihm als Eidam recht lieb und wert sein, denn er merke wohl, daß ich mich um Rosas Gunst bemühe und sie mich gern habe." Kann es denn wohl anders fein?" rief Friedrich in heftigem Schmerz, ja, ja, dein wird Rosa werden, wie konnte auch ich Aermster auf solch ein Glück nur hoffen?"Du vergißt", sprach Reinhold weiter,du vergißt, mein Bruder, daß Rosa selbst noch gar nicht das bestätigt hat, was der schlaue Meister Martin bemerkt haben will. Es ist wahr, daß Rosa sich bis jetzt gar anmutig unb freundlich betrug, aber anders verrät sich ein liebendes Herz! Versprich mir, mein Bruder, dich noch drei Tage ruhig zu verhalten und in der Wertstatt zu arbeiten wie sonst. Ich < könnte nun schon auch wieder arbeiten, aber seit ich emsiger an diesem t Bilde gemalt, ekelt mich das schnöbe Hanbwerk da draußen unbeschreiblich ! an. Ich kann fürder keinen Schlägel mehr in die Hand nehmen, mag es auch nun kommen, wie es will. Am dritten Tage will ich dir offen sagen, wie es mit mir und Rosa steht, toottte ich wirklich der Glücklichere sein, dem Rosa in Liebe sich zugewandk, so magst du fortziehen und erfahren, daß bie Zeit auch die tiefsten Wunden heilt!" Friedrich versprach, sein Schicksal abzuwarten.

Am dritten Tage (sorglich hatte Friedrich Rosas Anblick vermieden) bebte ihm das Herz vor Furcht unb banger Erwartung. Er schlich wie träumenb in der Werkstatt umher, und wohl mochte sein Ungeschick bem Meister Martin gerechten Anlaß geben, mürrisch zu schelten, wie es sonst gar nicht seine Art war. Ueberhaupt schien bem Meister etwas begegnet zu sein, bas ihm alle Lust benommen. Er sprach viel von schnöber List unb Unbantbarfeit, ohne sich beutlicher zu erklären, was er bamit meine. Als es endlich Abenb geworben unb Friebrich zurückging nach der Stadt, kam ihm unfern des Tors ein Reiter entgegen, den er für Reinholb erkannte. Sowie Reinholb Friebrich ansichtig würbe, rief er:Ha, ba treffe ich bich ja, wie ich wollte." Darauf sprang er vom Pferbe herab, schlang die Zügel um ben Arm unb faßte ben Freund bei der Hand. Laß uns", sprach er,laß uns eine Strecke miteinander fortwandeln! Nun kann ich dir sagen, wie es mit meiner Liebe sich gewandt hak." Friedrich bemerkte, daß Reinholb bieselben Kleider, die er beim ersten Zusammentreffen trug, angelegt unb mit einem Mantelsack bepackt hatte. Er sah blaß unb verstört aus.Glück auf", rief Reinholb,Glück auf, Bruderherz, du kannst nun tüchtig loshämmern auf deine Fässer, ich räume dir ben Platz, eben habe ich Abschied genommen von ber schönen Rosa unb dem würdigen Meister Martin."Wie", sprach Friedrich, dem es durch alle Glieder fuhr wie ein elektrischer Strahl,wie, du willst fort, da Meister Martin bich zum Eidam haben will unb Rosa dich liebt?" Das, lieber Bruder", erwiderte Reinhold,hat dir deine Eifersucht nur vorgeblenbet. Es liegt nun am Tage, baß Rosa mich genommen hätte zum Mann aus lauter Frömmigkeit unb Gehorsam, aber kein Funke von Liebe glüht in ihrem eiskalten Herzen. Ha, ha! ich hätte ein tüchtiger Küper werben können. Wochentags mit den Jungen Bände geschabt und Dauben behobelt, Sonntags mit der ehrbaren Hausfrau

nach St. Katharina ober St. Sebald unb abends auf die Allerwiese gewandelt, lahraus, jahrein."Spotte nicht", unterbrach Friedrich den laut auflachenden Reinhold,spotte nicht über das einfache, harmlose Leben des tüchtigen Bürgers. Liebt dich Rosa wirklich nicht, so ist es ja nicht ihre Schuld."Du hast recht", sprach Reinhold,es ist auch nur meine dumme Art, daß ich, fühle ich mich verletzt, lärme wie ein verzogenes Kind. Du kannst denken, daß ich mit Rosa von meiner Liebe unb von bem guten Willen des Vaters sprach. Da stürzten ihr die Tranen aus den Augen, ihre Hand zitterte in der meinigen. Mit abgewandtem Gesicht lispelte sie: ,Jch muh mich ja in des Vaters Willen fügen!' Ich hatte genug. Mein seltsamer Aerger muß dich, lieber Friedrich, recht in mein Inneres blicken lassen, du mußt gewahren, daß das Ringen nach Rosas Besitz eine Täuschung war, die mein irrer Sinn sich bereitet. Als ich Rosas Bild vollendet, ward es in meinem Innern ruhig, und oft war freilich auf ganz verwunderliche Art mir so zu Mute, als fei Rosa nun das Bild, das Bild aber die wirkliche Rosa geworden. Das schnöde Hand­werk wurde mir abscheulich, unb wie mir bas gemeine Leben so recht auf ben Hals trat, mit Meisterwerben unb Heirat, ba tarn es mir vor, als solle ich ins Gefängnis gesperrt unb an den Block festgekettet werden. Wie kann auch nur das Himmelskind, wie ich es im Herzen trage, mein Weib werden? Nein! in ewiger Jugend, Anmut unb Schönheit soll sie in Meisterwerken prangen, die mein reger Geist schaffen wird. Ha, wie sehne ich mich darnach! Wie könnt' ich auch nur der göttlichen Kunst abtrünnig werden? Bald werd' ich mich wieder baden in deinen glühenden Düsten, herrliches Land, du Heimat aller Kunst!" Die Freunde waren an den Ort gekommen, wo der Weg, den Reinhold zu nehmen gedachte, links sich abschieb.Hier wollen wir uns trennen", rief Reinhold, drückte Friedrich heftig unb lange an seine Brust, schwang sich aufs Pferd und jagte davon. Sprachlos starrte ihm Friedrich nach unb schlich bann, von ben seltsamsten Gefühlen bestürmt, nach Hause.

*

Anbern Tages arbeitete Meister Martin in mürrischem Stillschweigen an bem großen Fasse für ben Bischof von Bamberg, unb auch Friedrich, der nun erst Reinholds Scheiden recht bitter fühlte, vermochte kein Wort, viel weniger ein Lied herauszubringen. Endlich warf Martin den Schlägel beiseite, schlug die Arme übereinander unb sprach mit gesenkter Stimme: Der Reinhold ist nun auch fort es war ein vornehmer Maler und hat mich zum Narren gehalten mit seiner Küperei. Hält' ich das nur ahnen können, als er mit dir in mein Haus kam und so anstellig tat, wie hätte ich ihm die Tür weisen wollen! Solch ein offenes, ehrliches Gesicht, und voll Lug und Trug im Innern! Nun, er ist fort, unb nun wirst bu mit Treue unb Redlichkeit an mir unb am Hanbwerk halten. Wer weiß, auf welche Weise du mir noch näher trittst. Wenn du ein tüchtiger Meister geworden unb Rosa bich mag nun, du verstehst mich und darfst dich mühen um Rosas Gunst." Damit nahm er den Schlägel wieder zur Hand unb arbeitete emsig weiter. Selbst wußte Friedrich nicht, wie es kam, baß Martins Worte seine Brust zerschnitten, daß eine seltsame Angst in ihm aufstieg unb jeben Hoffnungsschimmer uerbüfterte. Rosa erschien nach langer Zeit zum erstenmal wieder in der Werkstatt, aber tief in sich gekehrt und, wie Friedrich zu seinem Gram bemerkte, mit rotverweinten Augen.Sie hat um ihn gemeint, sie liebt ihn doch wohl", so sprach es in feinem Innern, und er vermochte nicht den Blick aufzuheben zu der, die er fo unaussprechlich liebte.

Das große Faß war fertig geworden, und nun erst wurde Meister Martin, als er das wohlgelungene Stück Arbeit betrachtete, wieder lustig und guter Dinge.Ja, mein Sohn", sprach er, indem er Friedrich auf die Schuster klopfte,ja, mein Sohn, es bleibt dabei, gelingt es dir, Rosas Gunst zu erwerben, und fertigst du ein tüchtiges Meisterstück, fo wirst du mein Eidam. Und zur edlen Zunft der Meistersinger kannst du dann auch treten und dir große Ehre gewinnen."

Meister Martins Arbeit häufte sich nun über alle Maßen, so daß er zwei Gesellen annehmen mußte, tüchtige Arbeiter, aber rohe Bursche, ganz entartet auf langer Wanderschaft. Statt manches anmutig luftigen Gesprächs hörte man jetzt in Meister Martins Werkstatt gemeine Späße, statt ber lieblichen Gesänge Reinholbs und Friedrichs häßliche Zotenlieder. Rosa vermied die Werkstatt, so daß Friedrich sie nur selten und flüchtig sah. Wenn er dann in trüber Sehnsucht sie anschaute, wenn er seufzte: Ach, liebe Rosa, wenn ich doch nur wieder mit Euch reden könnte, wenn Ihr wieder so freundlich wäret als zu ber Zeit, ba Reinholb noch bei uns war!" da schlug sie verschämt die Augen nieder und lispelte: Habt Ihr mir denn was zu sagen, lieber Friedrich?" Starr, keines Wortes mächtig, stand Friedrich dann ba, unb der schöne Augenblick war schnell entflohen, wie ein Blitz, der aufleuchtet im Abendrot und ver­schwindet, als man ihn kaum gewahrt.

Meister Martin bestand nun darauf, daß Friedrich sein Meisterstück beginnen sollte. Er hatte selbst das schönste, reinste Eichenholz, ohne die mindesten Adern und Streifen, das schon über fünf Jahre im Holzvorrat gelegen, ausgesucht, unb niemand sollte Friedrichen zur Hand gehen als ber alte Valentin. War indessen bem armen Friebrich durch die Schuld der rohen Gesellen das Handwerk immer mehr und mehr verleidet worden, so schnürte es ihm jetzt die Kehle zu, wenn er daran dachte, daß nun das Meisterstück auf immer über fein Leben entscheiden solle. Jene seltsame Angst, die in ihm ausstieg, als Meister Martin seine treue Anhänglichkeit an das Handwerk rühmte, gestattete sich nun auf furchtbare Weife immer deutlicher und deutlicher. Er wußte es nun, daß er untergehen werde in Schmach bei einem Handwerk, das seinem von der Kunst ganz erfüllten Gemüt von Grund aus widerstrebte. Reinhold, Rosas Gemälde kam ihm nicht aus bem Sinn. Aber seine Kunst erschien ihm auch wieber in voller Glorie. Oft, wenn bas zerreißende Gefühl feines erbärmlichen Treibens ihn während der Arbeit übermannen wollte, rannte er, Krankheit vor- schützend, fort unb hin nach St. Sebatb. Da betrachtete er ftunbenlang Peter Vischers wunbervolles Monument und rief bann wie verzückt: 0 Gott im Himmel, solch ein Werk zu denken auszuführen, gibt es denn auf Erden Herrlicheres noch?" (Schluß folgt.)

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