verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Brühl',che Universitäts^Duch« und Steindruckerei. X Lange, Dieben.

Köslin, Stokp und namentlich Danzig Bedeutung für die Bernsteinver. arbeitung, und besonders Danzig hat im 17. und 18.Jahrhundert, die man als dieklassische Periode" der künstlerischen Verarbeitung des Bernsteins bezeichnen kann, in dieser hochentwickelten Technik unbedingt die Führung gehabt.

Es ist wohl anzunehmen, daß ein« beträchtliche Zahl der sehr kost- baren Kunstwerke, die zum Teil ganz aus Bernstein bestehen, zum Teil aber auch sehr bemerkenswerte Einlagen aus Elfenbein enthalten, von Danzig und später auch von Königsberg aus in die Kunstsammlungen verschiedener Höfe gelangt sind, welcl)e diese bedeutsamen Erzeugngse der deutschen Kunstfleihes mit Recht besonders sorgfältig gehütet haben. Ist doch der Bernstein wegen seiner verhältnismäßigen Weichheit sehr leicht zu bearbeiten, während er anderseits infolge seiner Sprödigkeit leicht zer- bricht Der große Reiz, der die Bernsteinarbeiten des 17. und 18. Jahr­hunderts auszeichnet, besteht, abgesehen von der künstlerischen Form, in der Bielfarbigkeit dieses Stosses, der übrigens, wie ja allgemein bekannt sein dürfte, kein eigentlicher Stein, sondern das Harz einer vorweltlichen ikicfernart ist. Man kennt vom fast weißen, undurchsichtigen, knochen- ähnlichen Bernstein «ine ganze Farbenskala über gelb, rötlich, braun bi» zu tief dunkelbraunen, fast schwarzen Tönen, und hat als besondere Seltenheit auch grünlich und bläulich schimmernde Stucke gefunden. Einen besonderen Geschmack entwickelten die Künstler der klassischen Bernstein, kunst übrigens in der Zusammenstellung verschledensarblger und ver- schieden durchsichtiger Stücke, aus denen Kassetten, Gefäße, Schalen und Schüsseln, Dosen, Puderfiaschen, figürliche und Relief-Plastiken hergestellt wurden In vielen Museen befinden sich noch zahlreiä^ hervorragend« Stücke von Bernsteingegenständen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die auch beute nicht nur durch die Kunstfertigkeit der Schnitzerewn, sondern gerade durch das herrliche Farbenspiel das Auge des Beschauers ent- zücken. Als organische Verbindung unterliegen Gegenstände aus Bern- stein übrigens mit der Zeit auch gewissen Farbveränderungen im Lichte. Derartige Nachdunklungen vermag man jetzt auch künstlich aus physi­kalischem und chemischem Wege herbeizuführen, und gerade hierdurch hat in den letzten Jahren die Bernsteinschmuckindustrie, die wenigstens in Europa zeitweise etwas ins Hintertreffen geraten war, einen neuen Impuls erhalten. Nicht unerwähnt dürfen aber auch die Bestrebungen bleiben, den Bernstein der eigentlichen Technik zugänglich zu machen. In dieser Hinsicht haben besonders die Staatlichen JBernftemroerte tn Königsberg i. Pr., die heute den weitaus größten Teil des in der Welt gewonnenen Bernsteins verarbeiten, wertvolle Pionierarbeit geleistet. So hat man nicht nur in Ostpreußen die Gewinnung des Bernsteins in dem einzigart gen Tagcbaubetrieb in Palmniken an der samlandischen West- küste weitgehend modernisiert, sondern auch eine befiere Ausnutzung der gewonnenen Bernsteinmengen herbeigefnhrt, die sich nicht zur Herstel lung von irgendwelck>en Gegenständen eignen. D,e früher als Abfall bezeichneten Mengen werden jetzt fein gemahlen und bei höherer Tempe ratur unter Druck zu Stangen und Tafeln gepreßt, aus denen dann ebenfalls Gegenstände, wie Zigarettenspitzen, Perlen und andere Schmuck­stücke hergestellt werden. Der weitaus größte Teil der weniger wertvollen Bernsteiilsorten wird ferner in der chemischen Fabrik Zu Palmni eni einer trockenen Destillation unterworsen. Es entweichen dann fluchtige Bel ang teile, wie B e r n ft e i n s ä u r e und Bernstein o ,. und es bleibt als Haupterzeugnis sogenannter geschmolzener Bernstein zurück. Dieser schwarze Bernstein unterscheidet sich nun von dem Rohmaterial wesenill-h dadurch, daß er in vielen organischen Lösungsmitteln löslich ist und daher zur Herstellung von Lacken, und zwar namentlich von Fußboden- und Schisftbodenlacken, dienen kann. Außerdem findet geschmolzener Bern stein noch in der Isolierstoff, und Wachstuchfabrikation Anwendung.

Das Bernsteinöl dient zum Teil ebenfalls zur Herstellung von Lacken, ferner aber wird es auch als Holzkonservierungsmittel, als Pflanzen- schutzmittel zur Bekämpfung von Baumschädlingen, als Kernol für Eifen- qießereien verwendet, und endlich dient es auch bisweilen zur Erzeugung von Seifen und Badesalzen und zu einigen medizinischen Zwecken.

Die Bernsteinsäure, «ine feste, weiße, kristallisierte Substanz wird gleichfalls zur Herstellung von verschiedenen Arzneimitteln und Deslnset- tionsmitteln benutzt. Ferner dient sie zur Herstellung der leuchtenden Rhodaminsarbstosfe, die in der Baumwoll- und Seidenfarberel ein größere Rolle spielen, und neuerdings verwendet man die Bernsteinsaure auch in größeren Mengen zur Herstellung der in der Elektrotechnik als Jsoliermittel viel benutzten Glyptalharze.

Für die Elektrotechnik von Bedeutung ist ferner auch der aus hoch­wertigen Bernsteinsorten hergestellte Preßbernstein geworden. M eignet sich besonders als Isolationsmaterial und weist gegenüber andere» Stoffen wie Quarz, Paraffin und Schellack, erhebliche Vorzüge auf, die ihn zur Verwendung für elektrostatische Meßinstrumente besonders geeig­net erscheinen lasten. .

Endlich hat man auch aus Preßbernstein neuerdings Gefäße, wie Schalen, Gläser und Flaschen hergestellt, die zur Aufbewahrung stark ätzender Lösungen dienen können. Die Versuche über die Anwendung»- fäh'mkeit dieser chemischen Geräte sind allerdings noch nicht völlig abgr- schlossen. Endlich sei noch aus eine merkwürdige Eigenschaft von Bernstein- gefäßen bingewiesen, welche von medizinischem Interesse erscheint. Cs hak sich nämlich erwiesen, daß Blut in Bernsteingefäßen erheblich langsamer gerinnt als in anderen Bebältern, und diese Tatsache dürfte z. B. bei Transfusionsversuchen von Wichsigkeit werden.

Es ist in weiteren Kreisen viel zu wenig bekannt, daß der Bernstein fast ausschließlich in Deutschland in größeren Mengen gefunden wird (c» werden jetzt jährlich etwa 500 000 kg hauptsächlich aus der sogenannte^, blauen Erde im Tagebau in Palmnicken gewonnen) und daß ungesaM 75 d. H der deutschen Gesamterzeugung an Bernsteinwaren ins Auslano geht. Amerika und die orientalischen Länder, aber auch Mittelafrika beziehen dauernd erhebliche Mengen, und zwar in Formen, die für jedes Land verschieden sind.

Fröhlichkeit und ihrem Kappenden Augendeckel, mit ihren gebogenen s Fingern und ihrem wackelnden Leib, ins Stadicheu hinein, wie eines der Häuser, wie die Gassen unterm Schnee. Es war dieselbe schlafende Unbekümmertheit, die vor der Welt versunkene Sorglosigkeit, das unbe- wußte, absonderliche Lachen in der liefe des alten verschrumpelten Her­zens unter dem deckenden Schnee der weißen Haare.

Aber auf einmal bäumte sich das Leid aus aus dieser rumpelnden Fröhlichkeit. Sie hatte von ihrem Mann erzählt, einem alten Küfer, und einemsaumäßig" lustigen Kerl, der sich zu ihr ins Haus ein- geheiratet hatte. Er war vor zehn Jahren gestorben, das war eine natürliche Begebenheit gewesen. Aber dann fragte einer von uns, ob sie denn keine Kinder hätte... . nr ...

Da fiel der linke Augendeckel reglos nieder. Das andere Auge vlin- zelte rasch, der Mund rieb die weichen ölten Lippen übereinander. Tranen sprangen in die Augen, und die krummen Finger druckten in der Erre­gung zitternd die Brotkrümchen auf, die verstreut auf dem Tisch lagen und pickten sie schnell mit ihren Spitzen an die Lippen, die hin und hergingen und die Krümchen vergeblich zu erhaschen suchten. Die Hande wischten vorbei. Die Krümchen fielen immer wieder aus den Tisch, dazroi- scheu Tränen ... und einige Male wischten die aufgeregten Finger ein Tränchen auf und drückten es an den Mund. Aber der alte Mund merkte nicht, was Brot und was Träne war.

Einen Sohn!" sagte er nach langer Zeit.

Und die Lippen zermürbten die Worte, als sie hinzufugte:Er war dreißig Jahre alt, als er starb." , ..... .

Es war für uns ausgemacht, daß sie an besten Grab täglich ging und daß das unglückliche Ereignis sie erst vor kurzem getrosten haben mochte. Vielleicht war er im Krieg gefallen. Wir schauten zu den Fenstern hinaus und suchten nach Trostworten. ,

Sie sagte plötzlich nach einem langen Schweigen, in dem sie viele Krümchen und viele Tränen aufpickte:Den hielt einmal im Winter, als der Schnee lag, wie heut, das Städtchen nimmer. Da ist er in die Fremde gezogen und ist gleich nach Afrika gekommen, wo immer Sommer ist. Und da haben die Sauhunde ihn in die Fremdenlegion genommen. Und er dachte immer an seine arme Mutter. Da kam er ins Bett und starb am heißen Fieber und liegt da unten im Wüstensand. ,

Grinsten nicht die alten hohen Dächer zu den Fenstern herein? Der Wächterturm über ihnen schloß die Augen, rote damals, als der Bursche zum verschneiten Städtchen hinaus in die selig ungewisse Fremd« zog.

... Sie sind verdorben, gestorben...

Und noch einmal fällt es aus dem zahnlosen, unruhigen Mund:Jetzt zu Mariä Lichtmeß werden es fünfundzwanzig Jahre!"

Da standen mir die Haare zu Berg... Ein Vierteljahrhundert ver­wahrt sich das Leid so nah unterm Schnee. Kalt wie ein Klumpen Eis liegt es in dem verschneiten Städtchen, und wenn rundum die Sonne allen Frost aufleckt, der Klumpen Eis bleibt hart und kalt.

Wir gingen. Sie krummen Finger der Alten umschlossen unsere wollenen, städtisch gesprengelten Handschuhe mit einem lebenslustigen Druck Der Augendeckel Napperte wie ein Star im Frühjahr. Am nächsten Tag fanden mir sie wieder droben am Grabe stehend, das fein Grab war, sondern nur ein Symbol von der Unerreichbarkeit der heißen Wüste 2l^yber eines Tages strich der Südwind vom Flutztal her über Stadt und Berghänge. Der Schnee schmolz.

Am letzten Tag. an dem wir rodelten, trieb die Lust uns schon allent­halben aus den schwarzen Tannenwäldern in schweren warmen Stößen zu. Sie schien voll heimlichen Dranges furchtbar geworden zu fein. Die Sädjer wurden wieder rot. Der See deckte sich auf aus der grauen, wüstenhaften Dunkelheit. Die Luft fnannte sich hoch und dünn. Die Berge drängten tn brauner, glänzender Kraft auf und im Tal erschienen die Alpen In kahler Größe, weit und wild, mit zerhackten Rücken den Himmel erobernd. Drunten in der Stadt wurde eine neue Kugel und ein neues Kreuz auf die Kirche gesetzt. Die Kugel strotzte dickleibig von Gold, und die Turmarbeiter schwebten wie schwarze und große, an die Kugel gefesselte Vögel auf den Gerüsten umher. Zwischen Himmel und Erde...

Oer Bernstein.

Von Professor Dr. Hermann Großmann, Berlin.

Der Bernstein, der bereits in vorgeschichtlicher Zeit zur Herstellung von einfachen Schmuckstücken Verwendung gefunden hat, weist sowohl in künstlerischer wie In technisch-wirtschaftlicher Hinsicht eine so eigenartige Geschichte auf, wie sie kaum bei einem anderen Material zu finden ist. Während in alten Zeiten der in den Ostseegebieten gewonnene Bernstein zu den kostbarsten Stoffen gehörte und auch in der römisck)en Kaiserzeit höher als Gold bewertet wurde, ist in den Zelten der Völkerwanderung und des frühen Mittelalters nur wenig über Bernstein bekannt geworden. Erft die Eroberung des Weichsellandes durch den deutschen Ritterorden führte im 13. Jahrhundert zu einem neuen Aufschwung der Bernstein­gewinnung und -Verarbeitung, die allerdings merkwürdigerweise nicht an den eigentlichen Gewinnungsorten, den Stranden der späteren Pro­vinzen West- und Ostpreußen erfolgte, sondern in Brügge und Lübeck, wo sich zuerst besondere Zünfte, die sogenannten Paternostermacher bil­deten, welche aus Bernstein die Kugeln und Perlen für Rosenkränze her- stellten. Aber auch der Verkehr mit dem Orient hat trotz der Schwierig- feiten der Transportverhältnisse schon im 13. und 14. Jahrhundert wegen der Kostbarkeit des Materials eine nicht geringe wirtschaftliche Bedeutung gehabt, und lange Zeit hindurch bis in die Neuzeit hat auch Stonftantinopel eine gewisse Rolle in der Bernsteinverarbeitung zu Schmuckstücken aller Art gespielt.

Mit dem Niedergang des Deutschen Ordens gewannen aber auch die den eigentlichen Gewinnungsorten näher gelegenen Städte, wie Solberg,