Ausgabe 
18.5.1931
 
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Das Geschick des Eroberers Tilly erfüllte sich, als er am 17. September 1631 bei Breitenfeld durch die Schweden vernichtend geschlagen wurde; das protestantische Deutschland sah diese Niederlage als ©träfe des Himmels für die Zerstörung Magdeburgs an. Infolge einer in dem Gefecht bei Rain erlittenen Verwundung starb er am 30. April des nächsten Jahres. Die beiden anderen Männer, deren Namen ebenfalls untrennbar mit Magdeburgs Untergang verbunden sind, Gustav Adolf und Pappenheim, fielen in der für das schwedische Heer siegreichen Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 vor dem Feind.

Fast 90 Jahre vergingen, bis Magdeburg wieder frei war von den Trümmern des Brandes am 20. Mai, der nur den Dom und feine nächste Umgebung dank dem persönlichen Eingreifen Tillys verschont hatte. Auch wirtschaftlich und bevölkerungspolitisch war die Stadt in ihrer Entwicklung um ein Jahrhundert zurllckgeworfen worden durch diese Katastrophe, die in der deutschen Geschichte einzig dasteht; erst in der ersten Hälste des 18. Jahrhunderts begann sie sich zu erholen und langsam wieder auszu­blühen.

Neues von den Katakomben. -

Bon Hugo Webinger, Rom.

Durch die am 11. Februar 1929 abgeschlossenen Lateranverträge ist der Heilige Stuhl und von diesem das päpstliche Institut für christliche Alter­tumswissenschaft mit dem Schutze der Katakomben betraut worden. Da es sich um nicht weniger als ein halbes Hundert über das ganze italie­nische Königreich verstreute unterirdische Begräbnisstätten handelt, wird die systematische Erforschung und Erschließung dieser frühchristlichen Toten­städte, die sich das päpstliche Institut vorgenommen hat, aller Voraussicht nach nicht vor mehreren Jahrzehnten beendet jein. Im Jahre 1930 wurden zunächst die Katakomben von Nola eingehend studiert, doch hat sich im Gange der wissenschaftlichen Arbeiten gezeigt, daß es notwendig fein wird, noch das ganze laufende Jahr i r Erforschung dieser, nebst den Kata­komben von Syrakus zu den ältesten der Welt zählenden christlichen Fried­höfe unter der Erde aufzuwenden. Erst im Jahre 1932 wird der Spaten in Syrakus angefetzt werden, wo es, ganz wie in Rom selbst, mehrere voneinander verschiedene Gruppen von Katakomben gibt. Soviel bis heute feststeht, sind die bedeutendsten jene von San Giovanni, die, ehe sie in eine Nekropole umgewandelt wurden, die Wiege des syrakusianischen Christentums waren. Auffällig ist, daß sich die syrakusischen Katakomben von den römischen in einem sehr wesentlichen Punkte unterscheiden: sie haben bloß ein einziges Geschoß und bestehen aus Jungen, in den Felsen gehauenen und vielfach sich kreuzenden Gängen, doch'konnte bisher keinerlei künstlerischer ober epigraphischer Beleg, der auf die vorkonstantinische Epoche zurückreichen würde, aufgespürt werden. Die kilometerlangen Gänge weisen nur mehr leere Loculi auf, Wandgräber, die im frühen Mittelalter ausgeplündert worden sind. Um so begieriger ist man auf die Ergebnisse, die bei der systematischen Erforschung ans Tageslicht kommen werden.

Am gründlichsten erforscht sind die römischen Katakomben, die fort­während neue Geheimnisse preisgeben. Sie liegen draußen vor den siebzehn Toren der ewigen Stadt und sind zu einer Zeit entstanden, da im kaiser­lichen Rout das üppige, wenn auch schon die ersten Anzeichen des Verfalls tragende Leben am höchsten ging. Der Ursprung der römischen Katakomben ist in den Tagen zu suchen, da Kaiser Titus Jerusalem erobert und zerstört hatte (70 n. Ehr.), während das Ende ihrer Mission bezeichnenderweise in die Zeit nach dem Mailänder Edikt vom Jahre 312 fällt, diesem Reli­gionsduldungsgesetz des Kaisers Konstantin. Merkwürdig ist nun, daß Rom in den Tagen Konstantins eine wahre Fülle kaiserlicher Prachtbauten aufzuweisen hatte, wie elf Riefenbäder, elf mit größtem Luxus ausgestattete Märkte, zehn Basiliken, 26 Bibliotheken, über 30 Triumphbogen, 19 Wasserleitungen, die die Campagna durchguerten, und vor allem eine statt­liche Reihe von prächtigen Tempeln und unzähligen Götter- und Helden­bilder aus Gold, Elfenbein und Marmor.

Je tiefer die Archäologen in die noch immer rätselvolle Welt der Kata­komben einbringen, um so beutlicher zeigt es sich, baß bereits für bie ersten Christen bie Grabesruhe gesetzlich geschützt war. Sie konnten ihre Friebhöfe ungestört anlegen unb in Ehren halten, wie allein schon bie Tatsache zur Genüge beweist, baß bie römischen Katakomben ausnahmslos bicht neben ben großen Konsularftraßen, ber Via Appia, ber Via Latina, der Via Salaria unb ber Via Nomentana vor allem, liegen. Im Laufe der Geschichte ist es sehr selten vorgekommen, daß die Katakomben An­griffen ausgesetzt waren, wie beispielsweise unter Valerian unb Diokletian, bie schließlich nur besfjalb in bie Katakomben einbrangen, weil biefe von ben Gegnern als Deckung benützt worben waren, ba ber geheiligte Platz für unantastbar betrachtet würbe.

Warum gingen bie ersten Christen unter bie Erbe? Die Antwort ist unschwer zu geben: ber Tuffboben um Rom herum eignete sich vorzüglich für unterirbifche Begräbnisstätten. Um ben Gemeindefriebhof auf einer möglichst kleinen Fläche unterzubringen, legte man zunächst einen Stollen an, in besten Wanbnischen bie Toten beigefetzt würben. Das überflüssige Er'breich würbe burch Luftlöcher, bie ßuminaria, hinausgefchasft. So ging es fort, halb seitwärts, halb in bie Tiefe, bis ein solches Netz von Gruft­gängen angelegt war, bah sie, aneinanbergereiht, etwa der Länge der italienischen Halbinsel entsprechen würden. Und das alles im Weichbilde Roms allein. Man bestattete die Toten ohne Sarg, legte den Leichnam in die Höhlung und gab davor eine verkittete Marmorplatte, auf der ge­wöhnlich Inschriften angebracht wurden. Man hat zu unterscheiden zwischen Fachgräbern, die übereinander in die Tusfwände gebrochen wurden, und Nischengräbern, die wie Sarkophage aussehen, und wo die Platte waage­recht zu liegen kam.

Es ist nicht schwer, das Alter dieser altchristlichen Begräbnisstätten zu bestimmen. Zumeist genügt dem Fachmann ein Plick auf die Inschriften, ganz gleichgültig ob diese Jahreszahlen enthalten oder nicht. Die frühesten Inschriften sind nämlich wenig beredt und von schlichter Ausführung. Sie geben häufig nur den Namen des Bestatteten, nicht immer Lebensalter unb Tobestag, sehr selten einen knappen Hinweis auf Stanb unb Beruf. Das darunter stehende Lebewohl ist kurz gehalten:Lebe wohl!",Ruhe

Oie Versuchung des Pescara.

Novelle von Conrad Ferdinand Meyer.

(Fortsetzung.)

Es war nichts", wiederholte dieser,ich bedurfte keinen Beistand. Doch will ich dich, wie gesagt, nicht schelten, jetzt, da wir uns trennen müssen. Ich verliere dich ungern, aber Sohnespslicht geht vor. Und da deine greisen unb siechen Eltern in Tricarico barben, bars ich bich nicht halten. Gehe unb bereite ihnen ein sorgenloses Alter. Als perfekter Bar­dier unb zungenfertiger Schelm, wie ich bich kenne, wirst bu bir Überall zu helfen wissen. Gehe mit Gott, mein Sohn, bu sollst mit mir zusrieben fein." Unb er ergriff bie Feber.

Battista fiel aus ben Wolken. Er verschwor sich mit einer verzweifelten (Bebärbe, biefes Mal ber Wahrheit gemäß, fein Vater fei längst im Himmel unb seine Mutter, bie Caramdaccia, gewerbsam unb ferngefunb unb fett wie ein Aal. Der schreiben!)« Felbherr erwiderte:Du hast recht, Battista, in Potenz« wohnen deine armen Eltern, nicht in Tricarico, doch bas liegt nahe beisammen." Er reichte bem verabschiebeten Diener eine Kassenanweisung.

So niebergeschmettert Battista fein mochte er wußte, ein Wort Pescaras fei unwiberruflich, ließ er boch blitzschnell einen schrägen Blick über bie Ziffer ber Summe gleiten, welche nur eine bescheibene war. Der Feldherr verschwendete weder im großen noch im kleinen, weder bas Gut bes Kaisers noch bas (einige. Auch hütete er sich wohl, ben Bardier durch eine allzu reiche Spende auf die Wichtigkeit des Vorfalles aufmerksam zu machen und in ben Schein zu kommen, als wolle er fein Schweigen erhanbeln, benn er war völlig überzeugt, daß Battista bei erster Gelegenheit (ein Wissen noch teurer verkaufen würbe, dort, wo

in Frieden!",Ruhe im Herrn!",Lebe glücklich in (8oft!* Mehr«nb mehr ist bann von Gottes Willen bie Rebe, ebenso von ber Erwartung, Wieber- auferftehung zu halten. Der Tob selbst wirb anfangs umschrieben:Er schieb von ber Welt",Er ging zu Gott",Er ging voraus zum Frieben", Er warb vollenbet",Er befahl feine Seele in ber Engel Hänbe". Finben wir jeboch auf biefen Grabinschriften bereits so etwas wie eine Sittennote ober boch ben Ausdruck von Trauer unb Liebe, fo können wir sicher fein, baß es sich um Begräbnisstätten aus bem 3., spätestens aus bem 4. Jahr- hunbert hanbelt. Die Inschriften aus biefer Zeit bringen bereits Worte wie Der treuesten unb keuschesten Gattin",Dem unvergeßlichen, hochver- bienten Ehegemahl",Dem liebevollsten Vater". Im 5. Jahrhunbert setzen bie Fürbitten ein, z. B. bie:Bitte für bie Deinen",Gebenke Deiner Kinber".

Christliche Blutzeugen werben nicht ausbrücklich als solche genannt. Finben wir aber bei unseren Katakombenwanberungen einmal bas Wort Martyr", so können wir sicher (ein, daß es erst in späterer Zeit, boch niemals von ben Zeitgenosten bes Toten selbst hinzugefügt worben ist. Ost hanbelt es sich sogar nachweisbar um Fälschungen, bie ben Zweck verfolgen sollten, gewisse Vorfahren nachträglich bejonberer Verehrung teilhaftig werben zu lassen. Solcher Fälle gibt es nicht wenige. So wenig wie bie Märtyrer werben Sklaven auf ben Grabinschriften genannt. Daraus erhellt, baß innerhalb ber christlichen Urgemeinbe Roms von allem Anbeginn an Sklaven kaum gehalten würben.

Eine weitere Merkwürbigkeit ber römischen Katakomben ist bie, baß bis in bie Mitte des 3. Jahrhunderts sehr häufig die griechische Sprache verwendet wurde, bie bis zum Jahre 250 amtliche Sprache ber Kirche war, wöhrenb bas Lateinische, wenn, es bereits bei Grabinschriften gebraucht würbe, zumeist so abgefaßt ist, wie es bie unteren Stänbe der damaligen römischen Gesellschaft sprachen und schrieben.

lieber bie Wanbkritzeleien, bie wir häufig aus ben Katakombenwänben antreffen, herrschen vielfach unrichtige Meinungen. Sie finb keineswegs als ursprüngliche Elemente anzusehen, stammen vielmehr von späteren Besuchern her, zumeist von solchen aus bem 6. Jahrhunbert, ba bie Katakomben nicht mehr als Begräbnisstätten verwenbet würben, nicht selten von Goten, Langobarben unb Sachsen. Doch steht einmanbfrei fest, baß bas Spottkreuz, bas ein kaiserlicher Page einem christlichen Gefährten in bie Wanb ritzte, biefes Kruzifix, auf bem Christus mit einem Tierkopf am Kreuz unb barunter ein christlicher Page bargestellt ist, mit bem Text: Alexamenos betet seinen Gott an", einer früheren Zeit angehört. Großes Erstaunen lösen gewöhnlich bie kleinen Glasfläschchen mit rotem Nieber- schlag aus, weil man lange geglaubt hat, es hanble sich um einen Rest von Märtyrerblut. In der Tat gingen bie Gebeine ber betreffenben Gräber gewöhnlich als Reliquien in bie Welt hinaus. Nun hat jeboch bie wissen­schaftliche Untersuchung biefes Bobensatzes ergeben, baß es sich roeber um Blut, noch um roten Äbenbmahlswein Hande» vielmehr um Eifenoxyb, entftanben burch bie allmähliche Zersetzung bes Glases selbst. Wozu bienten diese Gläser, bie man neben bie Toten hinstellte? Vermutlich für Weih­wasser unb Wohlgerüche.

Heute, ba bie Katcuomben zu ben verehrungswürbigsten Stätten Roms zählenrfen, mag es befremben, wenn wir erfahren, baß schon im frühen Mittelalter ber Verfall ber Katakomben allgemein war. In ber zweiten Hälfte bes 8. Jahrhunberts klagte Papst Paul I. bitterüber bas Vieh an ben geweihten Stätten, namentlich bie Schafpferche in ben Katakomben". Er war es, ber ben Boben bereitete für bie Wxgschaffung ber Gebeine in bie Stabt. Ganze Wagenlabungen von Gebeinen roanberten nach Rom, unb Papst Paschalis I. ließ im Jahre 817 nicht weniger als 2300 Toten­gerippe aus ben Katakomben nach ber Kirche St. Prassebe bringen. Das Äuffpüren von Reliquien setzte im 17. Jahrhunbert aufs neue ein. Glück­licherweise war aber bereits ber größte Teil ber Katakomben unzugänglich geworben, so baß ber wissenschaftlichen Erforschung noch ein sehr weites Felb offenliegt.

Nicht alle Katakombengänger wissen jeboch, baß bie ersten christlichen Gräber in jübischen Katakomben lagen. Wer bie an ber Via Appia Pigna- telli gemachten Funbe kennt, ist freilich besser belehrt. Denn bort erscheinen neben bem fiebenarmigen Leuchter bie typischen frühchristlichen Symbole: bie Taube mit bem Oelzweig im Schnabel, als Symbol bes Heiligen Geistes, unb der Pfau als Symbol ber Unsterblichkeit.