über das Feld.

um

eben solch

zur Bildsäule.

(Fortsetzung folgt.)

- Druck und Derlag: Brühl'sche UniveriitätS-Duch. und Steindruckerei. K Lange. Dieben.

Derautwortiich: 0r. tzan« Thyriot.

aus dem Herzen tragen, mich damit schmücken werde wenn ich doch sie wird vielleicht künstig von mir hören! Lebt wohl, lebt wohl, ihr meine lieben, wackern Gesellen!" Damit rannte Konrad unaufhaltsam fort

Reinhold sprach:Es ist was Besonderes mit diesem Jüngling, wir können seine Tat gar nicht abwägen oder abmessen nach gewöhnlichem Maßstab. Vielleicht erschließt sich künftig das Geheimnis, das aus seiner Brust lastete."

So lustig es sonst in Meister Martins Werkstatt herging, so traurig war es jetzt geworden. Reinhold, zur Arbeit unfähig, blieb ins einer Kammer eingeschlossen, Martin, den wunden Arm in der Binde, schimpfte und schmälte unaufhörlich auf den Ungeschick des bösen Hemden Gesellen Rosa selbst Frau Marthe mit ihren Knaben, scheuten den Tummelplatz des tollen Beginnens, und so tönte dumpf und hohl wie im einsamen Walde zur Winterszeit der Holzschlag, Friedrichs Arbeit, der nun da» große Faß allein mühsam genug fördern mußte.

Tiefe Traurigkeit erfüllte bald Friedrichs ganzes Gemüt denn nun glaubte er deutlich zu gewahren, was er längst gefürchtet. Er trug keinen Zweifel, daß Rosa Reinhold liebe. Richt allein, daß alle Freundlichkeit, manches süße Wort schon sonst Reinhold allein zugewende wurde so mar es jetzt ja schon Beweises genug, daß Rosa, da Remhold nicht hinaus konnte zur Werkstatt, ebenfalls nicht mehr daran dachte heraus- zugehen und lieber im Hause blieb, wohl gar um den Geliebten recht sorglich zu hegen und zu pflegen. Sonntags, als alles luftig hinauszog, als Meister Martin von seiner Wunde ziemlich genesen, ihn einlud, mit ihm und Rosa nach der Allerwiese zu wandeln, da lief er, die Einladung ablehnend, ganz vernichtet von Schmerz und banger Liebesnot, einsam heraus nach dem Dorfe, nach dem Hügel, wo er zuerst nut Reinhold zusammengetrosfen. Er warf sich nieder in das hohe blumichte Gras und als er gedachte, wie der schöne Hoffnungsstern der 'hm vorgeleuchtet au seinem ganzen Wege nach der Heimat, nun am Ziel plötzlich in tiefer Rächt verschwunden, wie nun sein ganzes Beginnen dem trostlosen Muhen d s Träumers gleiche, der die sehnsüchtigen Arme ausstrecke nach leeren Luft- qebilden, da stürzten ihm die Tränen aus den Augen und herab aus die Blumen die ihre kleinen Häupter neigten, wie klagend um des jungen Gesellen herbes Leid. Selbst wußte Friedrich nicht, wie es geschah, daß die tiefen Seufzer, die der gedrückten Brust entquollen, zu Worten, zu Tönen wurden. Er sang folgendes Lied:

Wo bist du hin, Mein Hoffnungsstern? Ach mir so fern, Bist mit süßem Prangen Andern auf gegangen!

Erhebt euch, rauschende Abendwinde, Schlagt an die Brust, Weckt alle tötende Lust, Allen Todesschmerz, Daß das Herz,

Getränkt von blut'gen Tränen, Brech' in trostlosem Sehnen! Was lispelt ihr so linde, So traulich, ihr dunklen Bäume? Was blickt ihr goldn« Himmelssäume So freundlich hinab?

Zeigt mir mein Grab! Das ist mein Hoffnungshasen, Werd' unten ruhig schlafen."

Wie es sich denn wohl begibt, daß die tiesste Traurigkeit, findet sie nur Tränen und Worte, sich auslöst in mildes, schmerzliches Weh, ja daß bann wohl ein linder Hoffnungsschimme. durch die Seele leuchtet, ' so fühlt sich auch Friedrich, als er das Lied ge(u "en, wunderbar gestärkt und ausgerichtet. Die Abendwinde, die dunklen Bäume, die er im Liede angerufen, rauschten und lispelten wie mit tröstenden Stimmen, und wie süße Träume von ferner Herrlichkeit, von fernem Gluck zogen goldne Streifen herauf am büftern Himmel. Friedrich erhob sich und stieg den ' Hügel herab nach dem Dorse zu. Da war'es, als schritte Reinhold wie damals, als er ihn zuerst gefunden, neben ihm her. Alle Worte, tue Reinhold gesprochen, tarnen ihm wieder in den Sinn. Als er nun aber der Erzählung Reinholds von dem Wettkampf der beiden befreundeten Maler gedachte, da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Es war ja ganz gewiß, daß Reinhold Rosa schon früher gesehen und geliebt haben mußte Rur diese Liebe trieb ihn nach Nürnberg in Meister Martins Haus und mit dem Wettstreit der beiden Maler meinte er nichts anders als beider, Reinholds und Friedrichs, Bewerbung um die schone Roch. . Friedrich hörte aufs neue die Worte, die Reinhold damals sprach:

Wacker ohne allen tückischen Hinterhalt um gleichen Preis ringen, mutz wahre Freunde recht aus der Tiefe des Herzens einigen, statt sie zu ent­zweien' in edlen Gemütern kann niemals kleinlicher Neid, hämischer Hatz stattfinden." -Ja", rief Friedrich laut ,,,ja du Herzensfreund, an dich selbst will ich mich wenden ohne allen Rückhalt, du selbst sollst nur es feigen, ob jede Hoffnung für mich verschwunden ist.' Es mar schon hoher Morgen, als Friedrich an Reinholds Kammer klopfte. Da alles still drinnen blieb, drückte er die Tiir, die nicht wie sonst verschloßen war auf und trat hinein. Aber in demselben Augenblick erstarrte er auch

für den Bischof von Bamberg gebaut werden lo^e, ferttg^geworden und 1 nWfo nicht^ich^bin^es'ja' nicht - ich tonnte nicht anders:

Das nenn' ich mir ein Stück Arbeit, das ^dein Faßlein. mied) . 8 h J. ^us, (ei)t mich nicht wieder! - Grüßt die holde Roa die noch keines gefertigt, mein Meisterstück ausgenommen! ®a b v | ic_, 0 über die Maßen liebe! sagt ihr, daß ich ihre Blumen zeitlebens nun die drei Gesellen und trieben die Bande auf die gesugten L>auve , I traaen. mich damit schmucken werde, wenn ich doch

dok! alles vom lauten Getöse der Schlägel wiederhallte. Der alte Valentin e schabte emsig mit dem Krummesser, und Frau Marthe, die beiden kleinsten Kinder auf dem Schoße, saß dicht hinter Konrad, wahrens die anderen muntern Vben schreiend und lärmend sich mit den Reifen herum- ' tummelten und jagten. Das gab eine lustige Wirtschaft, so daß man kaum den alten Herrn Johannes Holzschuer bemerkte, der zur Werkstatt hineintrat Meister Martin schritt ihm entgegen und fragte höflich nach feinem Begehren.Ei", erwiderte Holzschuer,ich wollte einmal meinen lieben Friedrich wiederschauen, der dort so wacker arbeitet. Aber bann, lieber Meister Martin, tut in meinem Weinkeller em tüchtiges Faß not, dessen Fertigung ich Euch bitten wollte. Seht nur, dort wirb ja

eßen solch ein Faß errichtet, wie ich es brauche, bas könnt Ihr mir ja überlassen, Ihr bürst mir nur ben Preis sagen." Reinhold, der ermüdet einiae Minuten in der Werkstatt geruht hatte und nun wieder zum Gerüst berauffteigen wollte, hörte Holzschuers Worte und sprach, den Kopf nach ihm wendend:Ei, lieber Herr Holzschuer, die Lust nach unferm Fäßlein laßt Euch nur vergehen, das arbeiten rorr für ben hockwürdigen Herrn Bischof vom Bamberg! Meister Martin, die Anne über den Rücken zusammengeschlagen ben Unken Fuß "°rgesetztz ; ben Kovf in ben Racken geworfen, blinzelte nach dem Fatz Yin uno ; sprach bann mit stolzem Ton:Mein lieber Meister, schon an dem aus- j gesuchten Holz an ber Sauberkeit ber Arbeit hättet A)r bemerken können, baß solch ein Meisterstück bem fürstlichen Keller ziemt. Mein Geselle Rechold hat richtig gesprochen, nach solchem Werk laßt Euch die Lust vergehn: wenn die Weinlese vorüber, werd ich Euch ein tüchtiges schlichtes Fäßlein fertigen lassen, wie es sich für Eueren Keller schickt. Der alte Holzschuer, aufgebracht über Meister Martins Stolz, meinte dagegen daß seine Goldstücke gerade so viel wogen als dre des Bischofs von ^Bamberg, und daß er anderswo auch wohl für fein bares Geld oute wirbelt au bekommen hoffe. Meister Martin, uberwallt von Aorn, < hielt mühjE an sich er dunste den alten, vom Rat von allen Burgern hochverehiten Herrn Holzschuer wohl nicht beleidigen. Aber '"dem Augen­blick schlug Konrad immer gewaltiger mit dem Schlägel zu, dgß alles dröhnte und krachte. Da sprudelte Meister MarUn den lNnern Zorn aus und schrie mit" heftiger Lrne:Konrad, du Tölpel was schlägst duJo blind und toll zu, willst du nur das Faß zerschlagen? 90. ries

Konrad, indem er mit trotzigem Blick Umschau^ nach dem Meisterho ho, du komisches Meisterlein, warum denn nicht? Und damit schlug er 5 (0 entsetzlich auf das Faß los, daß klirrend das ftartfte Band des Fasses prang und ben Remhold hinab warf vom schmalen Brette des Gerüstes während man am hohlen Rachtlange wohl vernahm daß auch eine Daube gesprungen jein müßte. Uebermannt von Zorn unb Wut, sprang Meister Martin hinzu, riß dem Valentin den Stab, an dem et schabte, aus der Hand und versetzte, laut schreiend:Verfluchter Hund! bem Konrad einen tüchtigen Schlag über den Rücken. Sowie Konrad den Schlag fühlte, drehte er sich rasch um und stand da einen Augenblick wie sinnlos, dann aber flammten die Augen vor wilder Wut, er knirschte mit den Zahnen, er heulte:Geschlagen?" Dann war er mit einem Sprung herab vom Gerüst, hatte schnell das aus bem Boden liegende Lenkbeil ergriffen unb führte einen gewaltigen Schlag gegen ben Meister, ber ihm den Kopf gespalten haben würde, hätte Friedrich nicht den Meister beiseite genflen, sa daß das Beil nur den Arm jtreifte, aus dem aber das Blut sogleich hinausströmte. Martin, dick und unbeholfen, wie er mar, verlor das Gleichgewicht und stürzte über die Fugbank, wo eben bet Lehrbursche arbeitete, nieber zur Erbe. Alles warf sich nun bem wütenden Konrad entgegen der das blutige Lenkbeil in den Lüften schwang und mit ent­setzlicher Stimme heulte und kreischte:Zur Hölle muß er fahren zur Hölle!" Mit Riesenkraft schleuderte er alle von sich, er holte aus zum zweiten Schlage, der ohne Zweifel dem armen Meister, der auf dem Boden keuchte und stöhnte, das Garaus gemacht haben wurde, da erschien aber, vor Schrecken bleich wie der Tod, Roia in der Ture der SBeriftatt. Sowie Konrad Rosa gewahrte, blieb er mit bem hochgeschwungnen Belle stehen wie zur toten Bilbsäule erstarrt. Dann warf er bas Bell weit von sich, jchlug die beiben Hände zusammen vor der Brust, rief mit.einer Stimme, die jedem durch das Innerste drang:O du gerechter Gott tm Himmel, was habe ich denn getan!" und stürzte aus der Werkstatt heraus ins Freie. Niemand gedachte ihn zu verfolgen.

Nun wurde der arme Meister Martin mit vieler Muhe ausgerichtet, es fand sich indessen gleich, daß das Beil nur ins dicke Fleisch des Armes gedrungen und die Wunde durchaus nicht bedeutend zu nennen war. Den alten Herrn Holzschuer, den Martin im Fall niedergerisen 30g man nun auch unter den Holzspänen hervor und beruhigte soviel als möglich ber Frau Marthe Kinder, die unaushörlich um den guten Baier Martin schrieen und heulten. Der war ganz verblüfft unb meinte, hatte ber Teufel von bösem Gesellen nur nicht bas schöne Faß verborben, aus ber Wunbe mache er sich nicht so viel. , , ,

Man brachte Tragsessel herbei für bie alten Herren, benn auch Holz­schuer hatte sich im Fall ziemlich zerschlagen Er schmälte °uf e,n Hand- werk, bem solche Morbinstrumente zu Gebote standen, und beschwor Friedrich, je eher desto lieber sich wieder zu der schonen Bildgießerei, zu den edlen Metallen zu wenden. . .

Friedrich und mit ihm Reinhold, den der Reif hart getroffen und der sich an allen Gliedern wie gelähmt fühlte, schlichen, als schon tiefe Däm­merung den Himmel umzog, unmutig nach der totabt zurück. Da horten sie hinter einer Hecke ein leises Aechzen und Seufzen. Sie biteben stehen, unb es erhob sich alsbalb eine lange Gestalt vom »oben, tue sie augen­blicklich für Konrad erkannten unb scheu zuruckprallten.Ach ihr heben Gesellen , rief Konrad mit weinerlicher Stimme,entsetzet euch doch nur