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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1931
Hreitag, den 16. Oktober
Nummer 81
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Letzte Begegnung.
(14.3uni 1888.)
Von Theodor Fontane.
König Oskar, vom Mälar kommt er daher. Fährt über den Sund, fährt über das Meer, Nun sieht er die Küste: Deutsches Land, • Heide, Kiefer, märkischen Sand, Und nun Avenuen und Schloß und Alleen — Er kommt, um den sterbenden Kaiser zu sehn.
Dem melden sie's. „König Oskar ist da." Kaiser Friedrich wie suchend um sich sah, Ein leuchtend Bildnis hängt an der Wand, Sein Bildnis von Angelis Meisterhand, Orangeband, Orden, Helmbuschzier, Pasewalker Kürassier,
Er blickt drauf hin, und den Blick sie verstehn: „So soll mich König Oskar sehn."
Und sie legen ihm Koller und Küraß an, Aufrecht noch einmal der sterbende Mann, Aufrecht und hager und todesfahl. König Oskar tritt in den Marmorsaal — Sprechen will er, er kann es nicht, Ein Tränenstrom seinem Aug entbricht. Da steht sein Freund in des Jammers Joch, Gebrochen und doch ein Kaiser noch:
Den Pallasch zur Seite, den Helm in der Hand, Kaiser Friedrich vor König Oskar stand.
„Bild einst von Größe, Schönheit und Glück, Das ist das letzte, das blieb zurück."
Stumm neigt sich der König, und noch einmal. Und nun zum dritten und — läßt den Saal.
Kaiser Friedrich.
Sein Charakterbild nach seinen Tagebüchern.
Zu seinem 10 0. Geburtstage: am 18. Oktober.
Bon Dr. Kurt Haack.
„So erlebten wir den 18. Oktober, und da wir am Abend die Feuer auf unseren Bergen erblickten und das Geprassel der Feuerwerke, begleitet von kräftigen Explosionen, vernahmen, so war mein innigster Wunsch, es möchten dies die verschiedenen Ankündigungen sein, daß uns ein neues Glück in der Ferne bereitet worden. In solchen Augenblicken traf eine Nachricht ein, die uns ganz an das höchste Ziel menschlicher Glückseligkeit versetzte, die Genesung Eurer Königlichen Hoheit und zugleich die frische Belebung des aus alten ehrwürdigen Grundwurzeln immer neu sich verzweigenden Stammes. Wie jenes Zusammentreffen der Epochen und Ereignisse, der gleichsam zufälligen Borbedeutungen und Uebereinstimmung des Erfolges uns angeregt, gerührt und erhoben hat, kann ich nur Höchftdero eigener Empfindung anheim geben, in treuer Mitempfindung des hohen Behagens, das, wie es im gleichen Fall den Geringsten entzückt, nun auch auf den höchsten Stufen menschlicher Zustände waltet."
Also orakelte der alte Goethe, als er der Prinzessin von Preußen, der Weimarer Fürstentochter, deren Erziehung er geleitet hatte, zur Geburt ihres ersten Sohnes Glück wünschte. Weimars Stern- leuchtete über der Wiege des kleinen Erdenbürgers, der als zweiter. Kaiser den Thron des neuen Deutschen Reiches besteigen sollte, und der Geist Weimars rang in seinem Weltbild mit dem Geiste Potsdams, so daß sein Eharakter, nach dem Worte seines Biographen P h i l i p P s o n der lief innerlichen Verschiedenheit der Eltern entsprechend, ein u.oppelgesicht Zeigt: auf der einen Seite aristokratisch-soldatische Neigungen, auf der anderen moderne, bildsame, sreiheitliche Anschauung . Solche Zwiespältigkeit, die das Wesen des auffallend schonen bestechend liebenswürdigen Prinzen durchdrang, hat seinem Bild in der Geschichte etwas Schwankendes verliehen, zumal ihn das tragische Geschick tras, Oa er Mit 57 Jahren zur Herrschaft gelangte, als Todgeweihter nichts von den hohen Hoffnungen erfüllen zu können, die man an seine Negierung ge
knüpft hatte. In einem englischen Werk, das kürzlich die großen „Wenn" der Weltgeschichte behandelte, ist ein leuchtendes Zukunftsbild entworfen worden unter der Voraussetzung, daß Kaiser Friedrich nicht durch den Kehlkopfkrebs so früh gefällt worden wäre, ein Bild, das von unserer trüben Gegenwart sehr absticht. Das ist natürlich eine Spielerei, die nur Zeugnis ablegt von dem Ideal, daß man vielfach in diesen Herrscher erblickte. In Wirklichkeit überwiegen doch bei dem Politiker und Staatsmann die Schattenseiten, die nur durch das warme Leuchten einer edlen Menschlichkeit ausgewogen werden. Das Problematische und Schillernde seiner Natur ist uns erst jetzt ganz enthüllt worden. Durch die Veröffentlichung seiner intimen Tagebücher, von denen vorher nur kurz nach seinem Tode ein Bruchstück aus den Aufzeichnungen während des Deutsch-französischen Krieges bekannt geworden war. Heinrich Otto Meisner hat die Tagebücher von 1848—1866 und das Kriegstagebuch 1870/71 herausgegeben und damit erst die Möglichkeit geboten, in die tieferen Gründe und Hintergründe dieses Charakters einzudringen.
Die Selbstzeugnisse des zweiten deutschen Kaisers reichen von der Kindheit bis kurz vor seinem Tode, und in ihnen spiegelt sich, wie Meisner bemerkt, von der steifen Schulschvift des 11jährigen Prinzen über die schwungvoll steilen „gotischen" Züge des Mannesalters bis zu den letzten Bleistiftnotizen des stumm gewordenen Herrschers, sein Werden, Blühen und Vergehen. Friedrich Wilhelm war, obwohl er der Anregung seiner literarischen, im Goethe-Geist zur Selbstbetrachtung erzogenen Mutter bei seinen regelmäßigen Aufzeichnungen folgte, keine ‘ schriftstellerische Begabung. Mit Reflexionen, schwierigen Denkproblemen : beschäftigte er sich nicht; eine gewisse Unbeholfenheit des Ausdrucks läßt ihn meist feine sinnlichen Wahrnehmungen aneinandereihen, und da er einen starken Sinn für alles Aeußerliche, eine lebhafte Freude an Farbe und Bewegung, an Glanz und Prunk hat, so bietet er am ehesten anschauliche Bilder von Hoffesten und großen Zeremonien, wie der Königsberger Krönung ober der Versailler Kaiserproklamation, in der Art des von ihm hochgeschätzten Anton von Werner. Hier kommt eine gewisse künstlerische Anlage zum Ausdruck, ein verfeinerter Geschmack, dessen Ausbildung wie die rasche Begeisterungsfähigkeit für das Schöne und Gute er [einem Lehrer Ernst Curtius, diesem „letzten Deutsch-Griechen" verdankte. Aber damit war auch eine ausgesprochene Vorliebe für Formalitäten verknüpft, eine Verehrung romantischer Vergangenheit, worin er an den Onkel König Friedrich Wilhelm IV. erinnerte. Sein Eintreten für ein neues deutsches Kaiserreich wurde von solchen Gefühls- momenten bestimmt, wie jene Szene aus dem Krieg von 1870 zeigt, die Gustav F r e y t a g erzählt. Als der Dichter für den Führer des neuen Bundes neben dem königlichen Titel den eines „Herzogs von Deutschland" vorschlug, brach der Kronprinz in die Worte aus: „Nein, er muß Kaiser werden!" Ebenso spielen in feinen Gedanken Orden und Uniformen eine große Rolle, und im Bewußtsein feiner gebietenden Erscheinung, die er in prächtigem Rahmen zu zeigen liebte, gab er viel auf die Volksstimme, verzeichnete jede Begrüßung durch das Publikum und sonnte sich in der Liebe und Verehrung weiter Kreise, die um so größer wurde, je mehr man von dem nur im Schatten des Thrones Stehenden erwartete.
Gewiß hat der Kronprinz glänzende Siege erfochten, und der Lorbeer des Ruhmes, den er 1866 und 1870 pflückte, stand feiner edlen Stirn gut. Diese Stellung des Heerführers entsprach feinem feudalistischen Empfinden, feinem Stolz auf die große Uebertieferung feines Geschlechtes. Aber neben diesem „Geist von Potsdam" stand in feiner Weltanschauung der „Geist von Weimar", und diese Gegensätze brachten besonders in seinen politischen Anschauungen ein bedenkliches Schwanken hervor. Man kann in seinen Tagebüchern verfolgen, wie der junge Prinz, entsetzt über die Revolution von 1848, die er so nahe miterlebte, sich in trengem Gegensatz zu dem bürgerlichen Liberalismus fühlte; erst die karre Reaktion der Folgezeit treibt ihn in das freiheitliche Lager, und eine Heirat mit der englischen Prinzessin vollendet dann diese Entwicklung. Der Kronprinz blieb dabei gewiß Hohenzoller und Preuße durch und durch, aber seine über alles geliebte „Vicky" gewann auf ihn einen starken bestimmten Einfluß, der ihn immer mehr zu dem konservativen Vater in Gegensatz brachte. Es ist rührend, stets von neuem in seinen Aufzeichnungen naive Geständnisse über seine engste Verbundenheit mit seiner Gattin zu lesen: „Frauchen ist mein treuester Ratgeber, meine ganze Stütze, mein unermüdlicher Tröster, wie's keine Worte auszudrücken vermögen." In diesem schönen, sein ganzes Leben unvermindert fortdauernden Verhältnis offenbart sich die Reinheit feiner Natur, die nichts Zweideutiges, Dumpfes, Unsauberes duldete, die Ritterlichkeit und Wärme seines Fühlens, zugleich aber auch die Weichheit und Nachgiebigkeit seines Charakters. Einer seiner Erzieher hatte schon an dem Zwölfjährigen „das schnelle Niedersinken der auflodernden Kraft" beobachtet. Dieses jähe Aufflammen seines Enthusiasmus, das ihn von seiner besten Seite zeigt, ist von einem raschen Erlahmen gefolgt, einer Zeit des Kleinmuts und der Passivität, in der er dann der Führung durch eine starke Hand, wie sie seine Frau besaß, bedurfte.


