Pserdekopf.
Knochenschnitzerei aus Mas d’Äzil.
Junges Mammut.
Felszeichnung aus der Höhle Les Combrelles (Dordogne).
roieqt auch das Wildpserd in seinen beiden diluvialen äktenjo findet sich daneben der Löwe in einem eindrucksvollen Kopsbilde, das Mammut un vielleicht auch ein Bild-des Menschen (oder Assen?). Erne Besonderheit hat die Höhle von Font de Gaume, köstliche Bilder von Mammutkalbern in kugelrunder Unbeholfenheit. Ein fruchtbarer Boden für die K emgraphik war die Knochenindustrie der ausgehenden Diluvialzeit. Es gibt kaum ei besseres Knochengeröt dieser Stufe, das nicht irgendwie durch Gravierung verziert wäre, von einfacher linearer Einfassung der Ränder bis zu v ausgeführten Bildern. Unter ihnen ragen zwei turmhoch .Herons und reihen sich den besten Graphikern der antiken Kunst an: ein M nut - I von La Madeleine und das Renntier von Thaingen. Mit ub .gener ■, Technik und genialer Sicherheit sind hier die Linien gezogen, ist W entliches 1 von Nebensächlichem geschieden. Für diese begnadeten Künstler barg nicht einmal die perspektivische Ueberschneidung des Geweihes und der Beme eine Schwierigkeit. Unter den graphischen Bildern von Menschen erreiche;
nur ganz wenige die Höhe der naturalistischen Tierbilder gleicher Te ) -
ist die kunstvolle Figur um so sorgfältiger ausgefuhrt. Die Zahl der nackten Frauenfigürchen aus den älteren Abschnitten der jun^nluvialen Zeit ist sehr hoch ihr Kunstwert ebenso verschieden wie ihre Große.
' Die Frauenstatuetten verschwinden gegen das Ende dieses Abschnitte--, und die Plastik wird vertreten durch Knochenschnitzercien kunstgewerblicher Art vorwiegend Dolchgrisfe in Gestalt von Tieren. Der glanzende Naturalismus der Menschensiguren mußte hier einem Kompromiß Zwilchen Naturtreue und Zweckmäßigkeit Platz machen, die stdoch meist >n geradezu meisterhafter Weise vereinigt sind. Im einzelnen waren Zugeständnisse technischer Art unvermeidlich; wenn es etwa darauf ankam em dünnes Gehörn darzustcllen, das man naturgemäß nicht frei schnitzen konnte stellte man das Tier in gestrecktem Laufe mit an den Rucken gelegtem Geweih dar.
Wo man ein Bildwerk aus dem anstehenden Felsen: herausarbeltete mußte ganz von selbst das Relief entstehen, das in der Tat bereits unter den frühesten Arbeiten mit hervorragenden Stucken vertreten ist. Erne
Auch die Kunst dient magischen, also ebenfalls religiösen Zwecken, i,t noch nicht Selbstzweck wie die höherer Kulturlagen. Hier, scheint es, besitzen wir wirklich die ersten Anfänge: das gesamte ältere Diluvium ist nicht kunstarm sondern vollkommen kunstleer, und erst mit dem Beginn des I jüngeren'Abschnittes erscheinen die ersten Kunstwerke. Auch die primitive Kunst ist keine Funktion des Instinktes allein, sondern des Geistes. Jede I Reproduktion, gleichgültig in welcher I Kunstart oder Technik, setzt schon ein be- I stimmtes Maß von Abstraktion voraus, I und es wäre nur diejenige, die zu einer I Wiedergabe in verkleinertem Maßstabs I führt. Nehmen wir die vorauszusetzende I Stärke der Abstraktion als grundlegend I für die Beurteilung der frühesten Kunst an so muß die Plastik die älteste und ursprüngliche Kunstgattung sein, da sie die dreidiinensionale Vorlage immerhin noch in der gleichen Dimensionalität wieder- gibt, während die Zeichnung diese bereits um einen Dimensionswert verringert. Da wir nicht mehr den geringsten Anhalts- ] punkt dafür haben, ob die Plastiken der Diluvialkunst einstmals farbig bemalt wären, können wir nicht mehr wissen, ob oder wann die Abstraktion von der Farbe stattgesunden hat. Der Befund innerhalb der Eiszeitkunst entspricht nun vollkommen dieser theoretischen Abfolge der Kunstarten.
Die ersten Kunstwerke in der Geschichte der Menschheit treten uns nidjt
in relativer sondern gleich in absoluter Vollendung entgegen in einem Naturalismus, der nicht mehr zu übersteigern ist. Es find aus weichem Stein, fossilem Elfenbein und anderen Stossen geschnitzte Statuetten nackter Frauen Am bekanntesten ist die „Venus von Willendorf" in Niederoster- r»id» der in Westdeutschland (Mainz) und Frankreich (vor allem in Brassempouy) völlig gleichartige an die Seite treten. Keine Idole zur Verehrung sondern Idealbilder des Weibes, nicht so sehr wie es wirklich war, sondern wie es der Mann wünschte, daß es fei. Die technische Beherrschung in der Wiedergabe aller Einzelheiten des Körpers ist verblüffend. Das Schönheitsideal ist noch ganz animalisch-fleischlich, das Gesicht, der Spiegel der Seele, ist als glatte, ungegliederte Flache gegeben. Dagegen
Bogenschützen. Felsbilder aus Vallorta (Spanien).
ganze Gruppe monumentaler Relicfbilder fand sich bei Laussel in Drank- rei* mehrere nackte Frauen gleichen Typs wie die von Willendorf em boqe'nschießender (?) Mann und ein Rudel Wildpserde in ungemein lebensvoller Wiedergabe. Allem Anschein nach waren diese Bilder ursprünglich mit Farbe angelegt. Reliefbilder sind auch die schon -erwähnten Wisent- figüren aus der Kulthöhle von Tue d’Audubert, doch hier find es freie Reliefs deren Rückseite unausgearbeitet bleiben konnte, weil ste an die Felswand gelehnt und unsichtbar war Der eigenartige Kultur-.und Formenkreis der SolutrSen, der seinen Ausgangspunkt in Sudosteuropa hatte hat auch in der Kunst Sonderformen hervorgebracht: kleine ausgeschnittene Flachreliefs aus verschiedenen Stoffen, die keinen praktischen, sondern eher wohl magischen Zwecken dienen sollten und auf irgendeinen Untergrund gelegt zu denken sind. Zu ihnen gehört ein vielbewundertes Meisterwerk: der kleine Pferdekops aus Mas d’Azil, dem in der Tat nur die allerbesten Tierplastiken an die Seite gestellt werden dürfen Ihre glänzendste Höhe erreichte die diluviale Reliefkunst aber erst, als sie mit der Malerei zu einem Gesamtkunstwerk verschmolz.
Zahlenmäßig sind unter den eiszeitlichen Kunstwerken die Zeichnungen am stärksten vertreten, vor allem in der Kleinkunst, wenn sie auch m der monumentalen Kunst durchaus nicht fehlen. Es ist hier m»erster Lime die Höhle von Combarelles, die eine unerschöpfliche Fülle prachtvollster Zeichnungen enthält und sich auch durch den Reichtum an Motiven aus der Mehrzahl der anderen Bilderhöhlen vorteilhaft heraushebt. Ueber-
Ausbrecherwerkzeugen, weil er immer fluchivcrdächtig erschien trotz seiner guten Führung Und immer hatte er den Brief ber sich behalten. Jetzt führte er nur seinen Auftrag aus, den sein Kamerad Klaus ihm gegeben.
Onkel Andreas verstand von alledem nichts mehr. Auf dem Brief papier stand deutlich genug, daß sein Kloos in zwei fahren kommen wurde. ' Der Legionär Baumgartner hatte sich auf em Wiederseh n aekreut mit dem Kameraden, den er langst in der Heimat glaubte. Den Brief hatte er nur für alle Fälle aufbewahrt. Er hatte den Kameraden wiederfinden wollen und wurde statt dessen vierzehn Tage an^ ieon dem verrückten Menscheii ausgehalten, daß sich seine fahle Farbe nn. Gesicht verlor Die Frau mußte alle gute Sack)en herbringen und Onkel Andrea^ packte den Legionär mit in die Wirtschaften, damit er Zeugnis geben füllte. In zwei Jahren kommt der Kloos heim. Das hat er uns geschrieben Der da hat den Brief gebracht!" Der Kloos war doch nicht tot wie die Narren alle glaubten. Dem entlassenen Gefangenen gefiel das Leben so aus die Dauer nicht. Er lief davon, mitten in der Nacht einmal. Onkel Andreas wurde heißer vom vielen Spruchemachen. Der Schnauzbart blieb hängen, aber der zahnlückige Mund sprudelte die Weisheit immer Hoss- I »ungsfreudiger heraus. „In zwei Jahren kommt der .Kloo->. Er hat e. uns geschrieben. Und der Baumgartner hat den Brief gebracht I
Die Frau machte am Anfang ein besorgtes Gesicht zu all den Dingen. I Dann ließ sie den Verrückten gewähren. Und heute laßt sie ihn noch tun, I was er will. Er füttert keine Tauben mehr, aber leben Tag sitzt er vor I dem Zeuget und schaut den Wiesenweg hinab, wo der Kloos herauf- I kommen muß einmal. . . I
In zwei Jahren. Anderes weiß er nicht. Der Kloos kommt in zwei Jahren Er ist dann vielleicht wieder frech gegen seinen Vater haut auf seine Mutter und ißt, bis er lappig und fett wird. Aber er kommt, er soll kommen. In zwei Jahren.
Jetz werden die zwei Jahre bald zum brittennmt herum fein. Dntel Andreas hat seinen einzigen Buben, ben verpäppelten Erben, nicht vergessen Das Haus verwahrlost, bie Felber verunkrauten und schon lange hat Onkel Andreas sein Bandmaß nicht mehr aus der Hülle genommen. Die Frau im Hause werkt, soviel sie kann. Aber in em paar Zähren werden sie gehen müssen vom Zeugel. Cs reicht nicht mehr zum Leben so, und eine Schuld nach der andern kommt aufs Haus
Die Leute wißen auch ohne Doktor, daß der Andreas verrückt ist. Er ist nicht bös; drum lassen sie ihn gehen und warten auf das Ende der zwei Jahre, bie niemals ablaufen werben. Sie lachen vielleicht über ihn, weil er ben Brief aus Marokko überall herumtragt. Weil keiner es selbst eingestehen will, baß aud) er so einen Brief aus Marokko herumtragt irgendwo ganz versteckt. Daß auch er auf bie zwei Jahre wartet, bie nicht ablaufen bürfen.
Oie Kunst der Eiszeit.
Von Univerfitätsprofesfor Friedrick) Behn.
Der vierte Band der Propyläen-Weltgeschichte trügt den Titel „Das Erwachen der Menschheit" und enthüll unter den bisher vorliegenden vielleicht das meiste Neue und Unbekannte. Bis auf 20 000 Jahre v. Ehr. kann man jetzt zurückschauen, während bisher die Geschichtsbetrachtung meist erst 5000 v. Ehr. einzusetzen pflegte. Mit Erlaubnis des Propyläen-Berlages veröffentlichen wir aus dem neuen Bande diesen Aufsatz:
(6
o


