wartet. Ißt nichts. Kaut Gras. Starrt auf den Schwimmer, daß die Augen brennen, und bis ihn das Dunkel nimmt. Dann geht er wie ein Betrunkener heim. Fluchend! Der sonst so ruhige Quindt!
Morgen ist Sonntag. Morgen kommen die andern. Sie werden, wie immer, am Wehr beginnen. Und dann — wenn es der Zufall will? Nein, sie wissen ja nicht, was los ist. Sie werden mit viel zu schwachem Zeug angeln. Aber sie könnten ihm den Fisch damit vergrämen; Herrgott, jal Der Gedanke beherrschte ihn die ganze Nacht. Er kann wieder nicht schlafen.
Am nächsten Morgen, lange noch ehe die andern am Wasser sein könnten, steht Quindt schon an der Gumpe. Er kommt sich wie ein Verräter vor. Sonst holte er die Kollegen von der Bahn ab. Auf daß man gemeinsam an die Maisach hinunter ginge, im Herzen frohe Erwartung, uni dann nach gut geregeltem Brauch und alter Sitte das Wasser zu bcweidwerken. Ja, er ist wirklich gemein! Denn — er angelt ja nicht! Er hält bloß eine leere Leine ins Wasser, an der er eine Bleiolive befestigt hat. Er will nichts, als seinen Platz behaupten. Hier, zu seinen Füßen steht der Karpfen — hier soll keiner her! Alles andere geht ihn nichts an.
Als die Freunde dann kommen, fröhlich, witzelnd und gar nicht verärgert ob seines unkameradschaftlichen Benehmens, steht er stumm und starr. Bloß: „Ja, guten Tag auch".
Nanu, was er denn habe?
„Nichts, rasende Kopfschmerzen!"
„Au sein!" schreit Kammerloher. „Du — ich habe Pyramidon dal"
„Au sein!" schreit der, wenn der andere Kopfweh hat! Sonst hätte Quindt herzlich darüber lachen müssen. Jetzt knurrt er nur bösartig: »Behalt ihn selber, deinen Dreck, und laß mir meine Ruhe!" Sagt's — und spuckt auf die Angel.
Quindt ist toll geworden! Er, der Abergläubische, spuckt auf die Angel, verjagt die Fische und verdirbt das Heil! Ja, da muß schon etwas Besonderes passiert sein. Etwas ganz schlimmes, sonst wäre er nicht so. Ist er nicht ganz blaß?
Sie packen aus, stecken die Gerten auf und ziehen die Blinker und Köderfische durchs Wasser. Einer fischt mit frischem Brot, und Quindt steht derweilen Höllenqualen aus. Aber es beißt nichts. Gott fei Dank!
Klar! Wenn einer ins Wasser gespuckt hat, ist es vorbei. Verärgert ziehen sie ab.
Abends, nach beendetem Fischzug, trifft man sich immer in der „Post". Quindt kommt nicht. Ein kleines Bauernmädel überbringt dafür die Nachricht: „Herr Quindt läßt sich entschuldigen. Ihm sei nicht wohl, und da es Vollmond sei, wolle er lieber mit dem Blinker auf Hechte angeln. Und er ließe vielmals grüßen."
Na dann nicht! Man denkt sein Teil. Und mit dem üblichen Zuge fahren sie wieder in die Stadt.
Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und — zum Teufel noch mal! — auch der Freitag ging vorbei, ohne daß sich etwas rührte. Wer weiß denn, wie das ist? Da müßte einer schon Quindt heißen, um es ganz verstehen zu können.
Der Fisch beißt einfach nicht! Beißt nicht! Es besteht zwar die Möglichkeit, daß er die Köder angenommen hat. Aber wer kann so etwas bestimmt sagen? Vielleicht war der Fisch nur vorübergehend da? O Gott! ...
Ja, was trieb der Karpfen? Nun, es ging ihm sehr gut, seit mehreren Tagen. Besser als je in seinem Leben. Jeden Morgen, jeden Abend wurden ihm die leckersten Dinge serviert. Erbsklößchen, Kartoffeln, Maden oder gehackte Würmer, in kleine Lehmkugeln verpackt. Auch Teigklößchen, die äußerst angenehm mit Anis verwittert waren. Reizende Sachen! Er fraß auch alles. Bis auf eine Kleinigkeit; die Angel ließ er liegen. Er wußte in diesem Falle zwar nicht bestimmt, ob eine Angel dahinter verborgen war, aber wozu sollte man an das Zweifelhafte rühren, wenn soviel Gutes und absolut Sicheres daneben lag?
Man kannte sich doch aus als alter Karpfen. Und man hatte so seine bestimmten Kniffe: Fällt eine Nahrung ins Wasser, besonders eine so ausfallend gute, dann ist meistens eine Angel dabei. Man bekommt sie sofort heraus, wenn man mit dem Maule das Wasser kräftig darüber stößt. Ein guter, leichter Brocken treibt weg; der, der liegen bleibt, der jchwere, hat den Teufel in sich. Jetzt kann man rundherum alles getrost fressen. Das hindert aber nicht, daß man jeden Bissen, ehe man ihn fchluckt, doch nochmals prüft. Mißtrauen muß man im Blute haben, Mißtrauen macht alt!
Der alte Fisch ist längst nicht mehr so sicher, wie er meint. Er weiß wohl selbst nicht, daß er gestern abend, wo das Futter so lange auf sich warten ließ, mehrere Bissen recht leichtsinnig angenommen hat. Er ahnt wohl gar nicht, daß er schon wieder wartet. Oder ist er nicht deshalb fo unruhig?
Gestern abend hat ihm die Maisach nur wenig serviert. Viel weniger als fönst. Und jetzt buddelt er schon seit einer halben Stunde im Schlamm, saugt ein, stößt aus. Ein fades Gemisch — es schmeckt ihm nicht!
Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Jahrgang
Montag, -en September
Nummer 72
September-Morgen.
Von Eduard M ö r i t e.
Im Nebel ruhet noch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, Den blauen Himmel unverstellt, Herbstkrästig die gedämpfte Well In warmem Golde fließen.
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Herr Tobias Quindt und der alte Wildwaffektaipsen.
Von Otto E h r h a r t, Dachau.
Unter den vier Herren, die das Fifchwasser der Maifach gepachtet hatten, befand sich ein gewisser Herr Tobias Quindt, seines Zeichens Kammermusiker, Cellist eines angesehenen Quartettes.
Quindt war ein großer, hagerer Mensch, wie man solche oft unter den Anglern findet, und konnte eine gewisse Aehnlichkeit mit einem Hecht nicht verleugnen. Sein weitoorgestülpter Mund, die gefährlich lange, nachdenklich überhängende Nase, darüber die kleinen, wasserhellen, hoch in der ilachfliehenden Stirne versteckten Augen berechtigen mich zu diesem, von einen Freunden oft gemachten Vergleich. Quindt war nicht verheiratet und hatte keine andere Leidenschaft als angeln, angeln und wieder angeln.
Sommers um drei, kaum daß es graute, sah man ihn am Wasser stehen, ein halbes Dutzend verschiedener beköderter Angelgerten hinter stch. Abends, wenn ein nvrmalsichtiger Mensch längst die Dämmerung anerkannt hatte, stand er noch am Ufer und spähte nach dem winzigen ffloß seiner Karpfenangel — bereit, anzuhauen, sobald sich der Schwimmer bewegte. >'
Kam er dann endlich in die „Post" zurück, wo seine Kollegen längst bas Abendbrot hinter sich hatten, dann konnte er wohl seufzend sagen: ,Jch weiß nicht, was das ist — mir scheint, die Tage werden schon lieber kürzer". Er hätte gerne vierundzwanzig Stunden am Wasser verbracht und am liebsten mit seinen Angeln in der Hand geschlafen.
Quindt stand also eines Abends, als die Wasser schon nächtlich dunkel- :cn, unterhalb des Staltenwehrs an der großen Gumpe und ließ feine llngel treiben. Er wußte wohl selbst, daß er keine Aussicht mehr hatte, irgendwelche Beute zu machen. Die Karpfenbißzeit war vorbei. Da sahen mn seine nachtscharfen Augen plötzlich eine merkwürdige Masse aus der kstese steigen. Zuerst denkt er, es sei ein Bündel angeschwemmter Gras- ober Wasserpflanzen; aber bald erkennt er, daß er sich getäuscht hat. Es chwimmt träge gegen die Strömung zu ihm her — es ist eine Lebeuesen! Ein breiter, kolossaler Fischrücken! Nie vorher hat Quindt em derartiges Tier gesehen. ... ., ...... .
Reglos steht er und erkennt in dem allmählich na hertreibenden Tier tinen Karpfen. Ein Untier von einem Cypriniden!
Und es durchzuckt ihn sofort: „Oh Gott! Welch unerhörtes Gluck! Das iarfst du keinem Menschen verraten!" Zitternd vor Erregung halt er auf 'einem Platz aus, bis es Nacht und bis der Fisch wieder in der Tiefe i-erschwunden ist. . .
Herr Quindt kann diese Nacht nicht schlafen. Er denkt nur an den Fifd). Er erfindet tausend Köder und Listen, um den Gewaltigen zu fangen. Er verwirft sie wieder alle. Gegen Morgen schläft er kurz und jagt schweißgebadet hoch: ein anderer Sportfischer hat den Karpfen gefangen. 2as darf nicht sein! Das darf nicht fein!
Endlich wird es Tag. #
Quindt genießt gerade seine vierwöchigen Sommerferien 2lcht tage hat er schon au diesem Wasser verbracht, Und urfprunglich war --plant, daß er die letzten vierzehn Tage an einem Forellenwasser im Gebirge verbringe. Nebenbei soll Quindt gehörig üben. Wenn er nicht I tenügenb präpariert, gefährdet er das ganze Programm seines Quar= stttes. Trotz alldem weih er: Er wird nicht eher ins Gebirge fahren, «r wird nicht üben, er wird sein Cello nicht eher anruhren, als bis er d ' ° Eine?ist°dabei ttar: Dieser Fisch ist schlau, sonst hätte er sich nkchst fo Irng« verborgen halten können. Mit den albernen, schwachen Borrichtun <en, mit denen er gestern geangelt hat, kann er ihn nicht fangen. Cr wuß anfüttern, immer wieder anfüttern, und die Koder Große des 1 isches entsprechend steigern, bis er einen anständigen Drilling darunter »rbergen kann. Einen Drilling mit maskiertem Vorfach, das mstande
einen so schweren Fisch zu halten. Die beste, stärkste Huchenleine wird j»™ sch die Portionen. Am Samstag gibt er zum "stennm! richtig Brocken Unb legt die geschickt verborgene Angel dazwischen ein. b zusammen mit einer Grundköderbüchse vorsichtig auf den Grund und


