Ausgabe 
11.12.1931
 
Einzelbild herunterladen

Caspar David Friedrich.

(Ein Meister der romantischen Malerei.

Von Carl Georg v. M a a tz e n.

Bei dem Brande des Münchner Glaspalastes gingen neun Bilder des 1774 zu Greifswald geborenen, in Dresden tätigen Malers Caspar David Friedrich zugrunde. Eine erschreckend hohe Zahl in Hinsicht auf die nicht allzuvielen, die uns von ihm bekannt sind. Schmerzt uns auch der Untergang der sechs schönen Schwind schen Werke, so haben wir doch bei all den andern Malern, mit Ausnahme von Joseph Anton Koch, von dem ebenfalls neun Bilder verbrannten, keine so zahlreichen Berluste zu verzeichnen. Bon Runge verbrannten nur drei, von Kersting nur ein Werk. Aber gerade diese verlorenen neun Friedrichschen Bilder wer­den seine Freunde, und diese sind im Laufe der letzten Jahre immer zahl­reicher geworden, niemals verschmerzen können.

Friedrich, von so manchen seiner romantischen Zeitgenossen bewun­dert und verehrt, wurde schon bald nach seinem 1840 erfolgten Tode ver­gessen. Es lag lange, bereits 35 Jahre zurück, daß ein Friedrichsches Gemälde preisgekrönt worden war, und daß sich Goethe zwei Land- schastszeichnungen von ihm gekauft hatte. Noch im Juli 1816 hatte fich Goethe bei Louise S e i d l e r nach ihm erkundigt, mit der Bitte um Wolkenstudien, und ihn schönstens grühen lassen; aber bald war es um den Maler stiller und stiller geworden, schon zu seinen Lebzeiten mußte er das Schicksal so mancher Großen erleben, übersehen zu werden bis zur völligen Nichtachtung.

Neuentdeckt wurde er erst vor kaum 30 Jahren durch denKunst- wart", der damals der künstlerische Erzieher für unzählige aufstrebende Talente war. Im September 1902 überraschte er seine Leser mit der Wiedergabe zweier der schönsten Friedrichschen Bilder, und als er ein Jahr später ein paar weitere brachte, schrieb die Redaktion dazu, daß die ersten beiden ersten Reproduktionen ein viel größeres Interesse er­regt hätten, als sie selbst je annehmen konnten, nicht nur bei dem brei­teren Publikum, sondern auch bei Künstlern, Kunstgelehrten, ja sogar bei den Kunsthändlern. Im Laufe der Zeit brachte derKunstwort" noch mehr Bilder dieses einzigartigen Malers. Es waren wohl Ludwig Rich­tersLebenserinnerungen" gewesen, durch die er auf Caspar David Friedrich aufmerksam geworden, denn Richter gehörte mit noch andern jungen, aufstrebenden Talenten zu Friedrichs enthusiastischsten Bewun­derern. Zu ihm sprachen dieseganz originellen, poetisch gedachten und tief melancholischen Landschaften" auf eigene Weise, und während die älteren Professoren über dieseKetzereien oder Narrheiten" lächelten, begannen die von ihm begeisterten Jungen ihn nach Kräften nachzuahmen. Ludwig Richter suchte sich eine Zeitlang, wie er sich ausdrückte,einzu­reden daß das Höchste für die Landschaftsmalerei in solchen symboli­sierenden Naturbildern erreicht sei, welche abstrakte Gedanken durch Land­schaften versinnbildlichen", aber all seine eigenen Versuche auf diesem Gebiete mißlangen, so daß er,obwohl mit einiger Verzweiflung .wie­der auf seinen alten Weg zurückkehrte. Er erklärte das aber für em Gluck. , Denn", sagte er,jene dämmernde, mystizierende Richtung war mir nur durch Reflexion angeflogen und nicht meiner innersten Natur entsprun­gen." Wir Heutigen wissen es, daß dieser nordische Romantiker Caspar David Friedrich nicht nur ein Einzelgänger, sondern überhaupt em Ein­ziger »war, der an Feinfühligkeit und Tiefe alle, die sich aus fein Gebiet wagen wollten, weit überragen mußte. ...

Ungemein fesselnd berichtet auch Wilhelm v. K u g e l g en in seinen weitverbreitetenJugenderinnerungen eines alten Mannes" über ihn. Auch Kügelgen hält ihn für ein Genie und meint, daß dergleichen Bilder früher nicht gewesen und schwerlich je wiederkommen wurden. Er nenn ie sonderbares Zeug", denn einfach, ärmlich, ernst und schwermutsvoll- glichen diese Phantasien Ossians Liedern, deren Stoff Nichts st, als Nebel Bergeshähe und Heide. Unter ollen ihm bekannten Friedrichschen Bildern hatte Kügelgen ein Lieblingsstäck, das ein junges Kiesernböum- chen im wirbelnden Schneetreiben darstellte:Dichter Schnee lag oben­drauf und fußhoch darum herum. Darunter aber, im Schutz des Nadel­daches, war es sehr heimlich. Da war der Schnee nicht ^gelangt, da schliefen die Kinder des vergangenen sommers Heidekraut und welke Halme und ein paar zufammengekrochene schneckenhanschen im hegten ^'ätber trotz feinen Bewunderern in der Künftlerschaft hatte Friedrich nur ein sehr kleines Publikum, er blieb unverstanden vielleicht nur des- hold. weil er das liebte, was die meisten Menschen fliehen nam'ich die Einsamkeit War er doch selbst ein Einsiedler, fast menschenscheu. Zurück­gezogen lebte er in größter Dürftigkeit. Er war em^eigenarttger Mensch, fdion in der äußeren Erscheinung. Von stattlicher tfigur trug er einen ungeheuren Kosakenbart und hatte große dunkle Augen. Dabei war ihm °ln zarter kindlicher Sinn eigen und eine unendlich- Gute, »ein Atelier konnte was Einfachheit betraf, nicht übertroffen werden: eine Staffelei, ein Stuhl ein Tisch, über dem als einziger Wandschmuck eine einsame Reißschiene hing, van welcher niemand begreifen konnte, wie sie zu der Ehre kam Selbst die Malutensilien befanden sich in einem ^.enrnu- benn der Künstler war der Ansicht, daß alle äußeren Gegenstände die Bilderwelt im Innern störe. Bei der Arbeit trug er einen langen grauen N^tenwntel der bezweifeln ließ, ob sonst noch etwas darunter sei, und stineFreundewuKn. daß dies nicht der Fall war. Das alles berichtet

Auch der"Romantiker Isidoras Orientalin, unter welchem Pseudonym ®raf Otto Heinrich v. Soeben schrieb, hat sich einmal an sthr ver­steckter Stelle über Friedrich geäußert. Er gehörte ß.uden^g Dresdner Wasserpoeten", zusammen mit Friedrich Kind, Theodor H eil, -n ° . ft i h Moisburg u. a., und schrieb neben wenigen lalerüoo.len allerlei krauses verworrems Zeug. E. T. A. Hofsmann macht »einmal über ihn lustig, weil Soeben die Bezeichnung der Klarmette daher ab- leitete daß s>- klar und nett sei. Das steht tatsächlich in dieses Dichters Sotosbfötter." (Bafiberg 1817), und in eben diesem Buche findet sich 'auch eL? Bemerkung übe°r Caspar David Friedrich, nusncchinsweise gor nicht so unrichtig ist. Soeben sogt:In des Malers Friedrich Werstn

sehen wir die Landschaften Betrachtungen des inneren Lebens werden, eilt allgemeines Streben aUegorifieren, und bedeutsame Bewahrer einer ge­heimnisvolleren Runenschrift der Natur fein. Sie schließen sich der Poesie näher an. Ihr innerstes Wort ist nicht Freude und Frohgefühl, sondern Sehnsucht und tiefsinniger Ernst. Es ist, als sprächen sie: Einst blühte die Kunst und der Mensch. Wir eilen und sterben, und der verklärte Scheide­blick sagt das Geheimnis des Lebens, das wir gelebt, und die Hoffnung, die sich in uns roiebergebiert. Bald weicht der Tod, und das Labyrinth ist durchwandert, und nicht fern ist die Heimat."

Nicht weniger unbekannt als dieser Ausspruch Loedens mag eine Er­innerung sein, die der Romantiker Friedrich Baron de la Motte F o u g u k in feiner kleinen SchriftGoethe und einer feiner Bewun­derer" (Berlin 1840), die viel Biographisches enthält, aufgezeichnet hat. Im Jahre 1822 hatte Fougus den Maler Friedrich in seinem Atelier besucht, und Fougus bemerkt bescheiden, daß der Künstler ihnwürdigte", ihn darin herumzuführen. Dabei fragte jener den Dichter:Finden Sie mich denn auch fo einförmig? Man sagt, ich könne durchaus nichts malen als Mondschein, Abendrot, Morgenrot, Meer und Meeresstrand, Schnee­landschaften, Kirchhöfe, wüste Heiden, Waldströme, Klippentäler und ähn­liches. Was meinen Sie dazu?"Ich meine", antwortete FouguL, daß man unermeßlich vieles in dergleichen Gegenständen malt, wenn man denkt und malt wie Sie."Von Ihnen", sagte Friedrich darauf, sprechen die Leute ja auch. Sie könnten von nichts anderem fingen als von Religion, Rittertun und Minne. Wollen Sie denn aber von was anberm fingen?"Nein, gewiß nicht", entgegnete Fougus.Nun also!" meinte mit tiefer Befriebigung in ber Stimme der Maler freundlich.

Zwei wollen zum Theater.

Roman von Hans-Cafpar von Zabeltitz.

Copyright 1930 by Carl Duncker-Verlag, Berlin.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Aber in Goethes Haus mußte sie gleich: die Treppe hinauf ins Junozimmer ins Arbeitszimmer. Dann stand sie an der kleinen Tür, fah hinein in den kleinen Raum, in dem er entschlafen.

Ja Goethe verpflichtet. Wieder dachte sie es.

Und nun überfiel es sie: die Pflicht rief ja. Wie spät mochte es fein? Wirklich schon nach elf. Wo war nur die Zeit geblieben im Weimarträumen, im Goetheerinnern?

Sie eilte zum Hotel. Sie wollte sich noch umziehen. Sie mußte doch niedlich fein, wenn sie zu Fleischmann ging, zu ihrem Herrn Direktor.

Dann wurde alles voller Enttäuschungen.

Fleischmanns Bureau war ein Loch, ein winziger Raum, den ein Schreibtisch, ein Schrank und zwei Stühle fast restlos füllten: dazu ein Raum von einer Nüchternheit, die alle Illusionen erschlug. Und Gertie, sonst selbst nüchtern, hatte heute Illusionen.

Fleischmann hatte keine Zeit. Gertie hatte auf etwas gerechnet, was mit dem Begriff:Empfang" verwandt war, auf irgend etwas Feier­liches, Außergewöhnliches. Statt besten mußte sie erst eine halbe Stunde auf einem zugigen Flur warten, nachdem ihr der Theaterbiener erklärt hatte, bah ihm ber NameGertie Rose" gar nichts sage. Dann fah Fleischmann, als sie endlich bet ihm eintrat, kaum auf.Sie sind da, Fräulein", sagte er wie beiläufig,schön schön, freut mich." Sie stand da, wußte nichts zu erwidern, schwieg. Da erhob er sich doch ein I wenig und streckte ihr die Rechte entgegen.Willkommen also. Hosfent- ijch werben Sie sich in Weimar wohlfühlen. Haben Sie schon Quartier?" IIch bin noch im Prinzenhof."Prinzenhof", wieberholte er mechanisch, .sehr schön". Er sah schon roieber.Kann ich Ihnen noch mit irgenb etwas bienen?" fragte er, unb Gertie fühlte, baß diese Frage völlig belanglos unb maschinenmäßig herauskam. Sie faßte trotzbem Mut.Herr Doktor Büchner sagte mir, Herr Direktor, daß Sie mich für eine bestimmte Rolle ..." Fleischmann hob noch einmal den Kopf. Ach so aber natürlich", unb bann schrie er:Querholz!" und noch einmal:Querholz!"

Eine Tapetentür öffnete fich. Ein hagerer Mensch trat ein: das schüttere Haar langsträhnig, bas blasse Gesicht verfallet, bie schmalen Schultern vorgebogen: -rS)err Direktor?"

,2)05 ist Fräulein Rose, Querholz. Geben Sie ihr ein Exemplar von ,Man nennt sie Bebe". Er fah zu Gertie auf.Die Bede werben Sie spielen. Hoffentlich können Sie's ouch. Wann bie ersten Proben sind, steht am Brett." Wieber erhob er sich etwas.'Morsen!"

! Gertie wußte nun: sie war hier entlassen. So folgte sie dem Schmal- schultrigen durch die Tapetentür und kam in einen zweiten Raum, der zwar etwas größer, aber gleich nüchtern war. Hier saß eine Dame an einer Schreibmaschine.

Fräulein Markert", machte Querholz mit einer Handbewegung : bekannt, worauf bie Dame aufftanb. Gertie ging auf sie zu, gab ihr die Hand.Gertie Rose", sagte sie.Angenehm", erwiderte bas Frau­lein unb bann:Qh, ich weiß!" Was sie wußte, war aber Gertie nicht gleich klar. .

Herr Querholz war an seinen Schreibtisch getreten.Ach, Fraulem Rose", meinte er,das Buch kann ich Ihnen erst morgen geben. Wir haben keine Exemplare mehr hier, bie finb noch in Arbeit. Aber sogen Sie es bem Herrn Direktor nicht. Er ist sowieso schon so schlechter Laune. Und allzu sehr wird's Ihnen ja nicht pressieren. Es hat noch gute Weile mit den Proben."

Also: kein Empfang, keine Rolle unb mit Proben hatte cs noch Zett.

Mit hängendem Kopf verlieh Gertie bas Theater. Sie hatte eigent­lich um ein Billett für heute abenb bitten wollen, aber ber Mut zur Bitte war ihr in ber Umgebung versunken.

Unb ihr Mut sank noch tiefer, als sie auf der Wohnungssuche von einem Haus zum andern gehen mußte. Entweder waren die Zimmer, die ihr angeboten wurden, muffelig und düster, ober die Wirtinnen machten Ausflüchte, sowie sie hörten, bah Gertie vom Theater sei.