Jahrgang |95(
Montag, -en u Mai
Nummer 37
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Oie beiden Flöten.
Von Li Tai Po.
Durch die Blütenluft, Durch der Blätter Duft
Trug des Frühlings letzter Abendhauch Einen Flötenton,
Ferner Flöte Ton, mir zitternd zu.
Weiß nicht, wie es kam — Einen Zweig ich nahm, Flöte schnitt ich mir vom Weidenstrai-ch Bebte feucht und bang
Leisen Widerklang dem fernen Du.
Nacht seitdem um Nacht
Hören, halberwacht,
Bögel ein Gespräch nach Vogelbrauch!
ZwillingSzwitscherkaut
Sucht sich süßvertraut und immerzu.
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Degen und Fiedel.
Von Paul A l v e r d e s.
Einige Jahre vor dem Krieg, um Ostern, zog ein Trupp Wandervögel durch die Waldgebirge, die den oberen Laus der Weser begleiten. Es waren ihrer sechs oder sieben, halb Knaben noch und halb Jünglinge. Nach den Satzungen ihres Bundes lebten sie karg; sie verabscheuten Wirtshäuser und bereiteten ihre Mahlzeiten am offenen Feuer selbst. Die Nächte verbrachten sie im Freien, unter dem Zelt, das sie mit sich sllhrten; oder allenfalls einmal in der Scheuer eines gastfreundlichen Bauern, bei Karren und Pflügen, auf einer Schütte Stroh in der Tenne, oder auf dem Heuboden, halb unter Dach und halb im Wind. Damals war es noch kalt. In den Täleren wollte nur spärliches Grün sich zeigen und auf den Höhen schneite es in mancher Nacht. Oft, gegen die dritte Stunde des Morgens, in welcher sich nicht nur um diese Jahreszeit, häufig ein eisiger * Wind erhebt, zwang sie die Kälte aus ihren dürftigen Decken, vom kargen, vorjährigen Gras oder Reisig empor, und sie machten sich schweigend und schaudernd fertig, brachen das Zelt ab und zogen durch das Dunkel davon. Dann erschreckte sie wohl das Wild, das aus dem noch winterlichen Holze brach, und das Jammern der Käuze erfüllte sie mit ängstlicher Ahnung; oder es wollte einer etwas wie einen großen Hund gesehen haben, der unheimlich um das Lager gestrichen war, oder den Wind von unsichtbaren Fittichen um seine Stirne spüren, und sie rückten dichter auf, Hand in Händen hintereinander herzutappen. Die Augen brannten ihnen von Schlaf, Kälte beizte ihnen die Wangen, oft schwankten sie wie im T^aum; dennoch war es eine schaurige Lust.
So lagerten sie auch in der Nacht vor dem Fest auf dem Kamm des Gebirges. Auf allen Gipfeln rings umher sahen sie die Osterfeuer brennen, manche ganz in der Nähe, daß sie den Qualm rochen und die Burschen fingen und lärmen hörten und andere weit draußen, rötlich flackernd, wie sinkende Sterne. Nach Mitternacht aber zog es wie Schneegewölk herauf, ein plötzlicher Sturm riß ihnen das Zelt auseinander, und es wurde bitter kalt Da packten sie auf und stiegen beim Schein einer Laterne, die der Führer trug, durch Wälder zu Tal; sie hofften auf einen freundlicheren Morgen, den sie am Ufer der Weser zu verliegen gedachten. Nun befanden sich unter den Gefährten zweie von der gegensätzlichen Art, die sich immer wieder aneinander rieben, ja deren entschiedene Feindschaft das Glück der abenteuerlichen Fahrt für alle am Ende zerstört haben würde, hätte sich nicht nach eben dieser Nacht alles zum Guten gewendet. Den einen dieser beiden, wie es bei ihnen der Brauch war, sich nicht bet Namen zu nennen, mit denen die Schullehrer sie auch aufrufen mochten hießen sie „Degen", einen Jüngling, dessen Vater als Hauptmann wahrend eines Aufstandes in den afrikanischen Kolonien des Reiches gefallen war. Seine Leidenschaft war das Soldatische schlechthin. Zwar daß er genugsam, ausdauernd, kameradschaftlich, daß er tapfer und verwegen war, verstand sich. Allein er wollte auch in seinem ganzen Gebühren, bis auf seine Kleidung und Ausrüstung, Soldaten-Wesen Ertönt und auvgedruckt haben. Er trug eine hochgeknüpfte, grüne Jacke im Schnitt eines Waffenrockes, einen Leibriemen mit einem Messingschloß und eine schwarze Halsbinde, wie sie in der preußischen Armee damals üblich waren, dazu eine
Art von blauen Reithosen, Ledergamaschen und harte, beschlagene Schuhe. Einen Hut verschmähte er wie alle andern, doch pflegte er das grobe, weißblonde Haar jeden Morgen genau zu scheiteln und mit Pomade sest- zulegen. Einen kleinen Spiegel, Kamm, Bürste und die Pomadestang« führte er in einem eigenen Behälter mit sich, wie er überhaupt in seinem Rucksack auf peinlichste Ordnung hielt. Es gab da Beutel und Büchsen für allen möglichen Bedarf, Striegel für Haare und Kleider, und nicht zuletzt für das Schuhzeug, das er in Stand und Sauberkeit zu halten wußte, wie kein anderer. War das Rudel bei einem Bauern in Quartier gelegen, so verließ er die Scheune als letzter, nicht ehe er das zerlegens Heu mit der Forke aufgelockert und gewendet, die Tenns gekehrt und alles in Ordnung befunden hatte. Auf den Märschen pflegte er, straff aufgerichtet, soldatischen Schrittes, dahinstapfend, «inen derben Stock aus Eichenholz wie einen Degen zu tragen, den Griff vor dem Koppelschloß, die Zwinge über der rechten Schulter; zuweilen hängte er ihn auch am Leibriemen ein. Das habe ihm den Namen Degen eingetragen. Er hörte sich gerne so nennen.
Sein Widerspiel war ein Knabe von zartem und schönem, fast üppigem Gesicht und Gliedern. Er führte eine Geige mit sich, den Marschierenden aufzuspielen oder des Abends am Feuer, vor dem nächtigen Wald, unter Wolken und Gestirnen den Gesang zu führen oder zu begleiten. Datum nannten sie ihn Fiedel. Er war von schwärmerischer und leidenschaftlicher Gemütsart; vor einer Landschaft nach seinem Herzen wollte er mit Singen und Träumen ganze Tage verlieren, und der endliche Aufbruch der Horde, die er mit den inständigsten Vorhaltungen nicht zu bewegen vermochte, um Flüsse oder Hügel willen ein vorgesetztes Ziel aufzugeben, verdroß ihn häufig bis zum Zorn. Dazu war er mit einem feurigen Verstand begabt, er sprühte von schnurrigen Einfällen und obwohl er nicht eigentlich boshaft war, so verführte ihn doch di« Lust am geschärften Wort und an der ungemeinen Wendung sehr häufig zu der losesten Art des Umgangs mit den schwerfälligeren Gefährten. So war ihr Verhalten zu ihm, wie er ihrer jeden einmal willentlich oder unwillentlich, aber doch unvergeßlich mochte getroffen haben, aus bewundernder Verliebtheit und heimlichem Groll sonderbar gemischt.
Die Feindschaft zwischen ihm und Degen begann damit, daß dieser ihm eines Tages, nicht lange nachdem er sich dem Bunde gesellt hatte, seinen Auszug kurzerhand hatte verbieten wollen. Fiedel nämlich, dem reiches braunes Haar sehr lang in den Nacken hing, liebte es, eine lose Jacke aus himmelblauer Leinwand zu tragen, die er mit einem breiten, weihen Kragen schmückte; dazu ging er in kurzen weiten Hosen aus braunem Samt einher, die das Knie frei ließen, in Strümpfen aus lichter Wolle und in halben Schuhen. Zwar drang Degen mit feinem zornigen Einspruch gegen solchen Aufzug, den er einzig eines Hanswurst oder eines Weiberaffen für würdig erklärte, bei den andern nicht durch; doch begann er von da an, ihn feine Verachtung bei jeder Gelegenheit fühlen zu lasten. Wollte Fiedel ein Lied nach feinem Sinn angestimmt wissen, als:
„Auf dieser Welt hab ich kein Freud, Hab einen Schatz und der ist weit," ...
oder: „Den Ring und den ich hab von dir" ..., so begann Degen schon mit unerbittlicher Stimme fein Leiblied:
„Brüder uns ist alles gleich, Ist auch Frankreich ..." - .
und Fiedel mußte aufspielen. Seinen Vorschlägen, den Reiseweg betreffend, etwa man solle getrost ein Stück auf einem Rollwagen oder auf einem Last-Schiff fahren, begegnete er mit dem abschätzigsten Lächeln und dem Bemerken, daß nur Schlappheit und Verweichlichung sich dergleichen beifallen ließen. Auch zieh er ihn der Lüderlichkeit, untreuer Dienste, wo er konnte; er wusch, traf Fiedel das Reinigen der Kochgeschirre, das (Bereinigte nach, suchte ihn zu geputzten Schuhen, gestriegeltem Haar, gebürsteten Kleidern unermüdlich zu erziehen, und Fiedel, der dem Hoch- gewachsenen, in strenger Zucht Gestählten körperlich unterlegen war, wäre am Ende völlig wehrlos gegen ihn gewesen, hätte ihm nicht das Geschick die tödlichste Wafse in die Hand gegeben.
Degen nämlich litt an einer Störung seiner Sprachwerkzeuge von Kindheit an. Er war häufig nicht imstande, zu sprechen, ohne vor jedem Wort oder Satz mit Verzerren des Mundes und verheißendem Blick der Augen, mit zartem und gewissermaßen probeweisem Anschlag einiger unzusammenhängender Silben die lächerlichsten Umstände gemacht zu haben. Unter diesem Uebel, dessen er sich wie eines Lasters schämte, litt er unsäglich; dachte er doch daran, über wenig Jahre vor der Front einer . Kompanie zu stehen und wußte nicht, wie er sich helfen und heilen sollte. Die Redensarten, mit denen Fiedel, gerieten sie aneinander, nach seinem soldatischen Gehaben zielte, vermochten ihn nicht zu treffen; allein aufs äußerste gereizt oder in die Enge getrieben, nahm Fiedel, der die Gabe der Nachahmung besaß, zuweilen plötzlich die Redeweise seines Gegners an und verantwortete sich in vorzüglich gespielter Harmlosigkeit mit Einkneifen der Augenlider, mit dem erbarmungswürdigsten Verzerren der
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger


