n eines Tages mit einer sehr niedlichen, kleinen Frau, Bolle mit Namen, >warz wie ein Teufelchen und sprühend vor Laune. Pan bemerkte diese ngenehme Vergrößerung unseres Kreises mit Vergnügen, und alles ^'Äber" der blinde Zufall, der uns so ost in Schuld und Verwirrungen kürzt, wollte es, daß ich kurze Zeit danach noch zwei Hunde geschenkt !-kam, ein edles, englisches Foxterrierpärchen, Jack und Leni, und kaum taten sie im Hause, so ging der Krakeel los. Pan, dies ehrliche, gerade, ^komplizierte Pudelherz — Pan verfiel in eine unheilvolle Leidenschaft ta die schlanke, weihe Leni, verlor gänzlich den Kopf und schickte sich an, uf den Psaden der Sünde zu wandeln. Und Leni — nun ja, man kennt , die Frauen —, mir graute, wenn ich mir etwaige Folgen dieses Liebes- iundes ausmalte I Würden sie vorne schwarz sein und hinten weih oder imgekehrt?
Aber da kam Jack als Rettung. Er verbat sich jede Belästigung seiner saau aufs energischste, Pan aber verteidigte seine rechtlose Liebe, und « entspannen sich so wüste Schlachten in meinem Hause, daß die Foxeln ^nächst einmal den Stall Hamils als ihr Reich zugewiesen bekamen, wo -2 sich denn auch ganz am Platze fühlten, dicke Freundschaft mit dem i ferd schlossen und auf meinen Ausritt lauerten, denn dann kam ihre 6 tunde.
Aber in das kleine Dasein meines Lieblings Pan war zum ersten Haie Leid und Verwirrung getreten und machte ihn seltsamerweise mit > nem Schlage zum Erwachsenen. War er bisher wie ein Kind neben rir hergelaufen, unfähig, eine Stunde ohne mich zu existieren, fo verlieh Mn dies schmerzliche Erleben plötzliche Selbständigkeit. Er war nach wie iot der Treueste der Treuen, aber es gab nun Dinge in seinem kleinen 6-inn und rings auf der Welt, die außer meiner Person standen — und j) barg denn diese Hundekatastrophe auch für mich ein kleines Leid.
Doch wie benahm sich Pans Bolle? Sie gab sich durchaus den Anschein, lichts gesehen zu haben, sie war reizend liebenswürdig gegen Pan, aber ii) mußte bald bemerken, daß sie zuweilen ganz heimlich und eilig zum b-tall hinüberlief — und Jack sah sie immer gerne kommen. O du infames Leines Frauenzimmer! Pan, als echter Ehemann, merkte natürlich nichts, mb ich machte mir meine Gedanken darüber, wie es bei uns Menschen Icd, fo verdammt ähnlich zugeht.
Noch eine Stunde der Versuchung und die Niederlage durch die Frau t»ar meinem kleinen Pan bestimmt. Er war das Ehrlichste, was man sich tonten konnte, — von Bolle war das ohne gröbliche Verkennung der Wahrheit nicht zu behaupten — ich habe ihn in den schweren Zeiten ler Kriegsrationierung ruhig mit dem Wochenquantum Fleisch allein islalsen, er hat nie etwas angerührt. Nur einmal, ein einziges Mal, Klang es Bolles leichtlebiger Verführung, ihn zu Fall zu bringen.
Eine Nachmittags sollte eine Geburtstagsfeier bei mir fein, ich hatte lochst eigenhändig einen Wunderbau von einem Kuchen fabriziert, der •em duftend in der Diele stand. Als ich nach einiger Zeit aus dem Garten toreintrat, stand ich entgeistert: auf dem Tisch saßen Pan und Bolle, der ii ne rechts, der andere links, schön und korrekt fritiert, mit ihren violetten schleifen, und bissen mit tiefer Andacht in den unglücklichen Kuchen, der |t)on recht klein geworden war. Die schwarzen Schnurrbarte dieser neu= irtigen Fassadenkletterer waren ganz gesprenkelt von Zuckerguß uno Pistazien. Ich sah mir dies lächerliche Werk der Zerstörung eine Weile snssungslos an; aber dann bemerkte mich Bolle — und eins, zwei, drei mar sie weg! Und war einige Stunden unauffindbar. 2-ber Pan blieb iitzen, wie er faß, mit Kuchenkrumeln ganz besät, und sah mir mit einem »lick so hilfloser Scham in die Augen, daß meine Entrüstung schwand, kahr hin, Pistazientorte! Ich nahm seinen kleinen Wollkopf in die Hande nd sagte ein wenig traurig: „Du auch, mein alter Junge. ,...
Ich werde nie vergessen, wie unter meinen Worten seine schonen iwntlen Augen sich mit Tränen füllten, mit großen schweren Tropfen, Se ganz aus der Tiefe feines reinen, kleinen Herzens kamen, er blieb den l«nzen Tag still und gedrückt und sah mich Zuweilen mit einem seltsam menschlichen Blick voll Kummer und Liebe an. Von diesem .rage nb f unsere Freundschaft womöglich noch ein wenig fester und inmger gemor= len, und es blieb die erste und letzte Missetat, die er beging.
Boll tauchte nach einiger Zeit sehr liebenswürdig und etwas b« ont ‘•eifer wieder auf, und ihr ganzes Wesen sagte deutlich, st! hoste nicht
ich so kleinlich sei, die geringfügige Affäre mit dem Kuchen nochrn^ ?n- erwähnen. Pan aber war unangenehm und bissig gegen fee, $ ur noch bestärkte in der Gewißheit, daß sie allein d.e Verführerin wroefen war. . , ,,
Nun ja, wieder mal die alte Geschichte mit dem Apfel.
Dieses schöne Paar erhielt nach einiget Zeit einens ehr r e iz e n d e n l-indersegen, drei kleine, pechschwarze Wollknaule, die von früh bis. ,p ! imnbalierten und mir das Haus auf den Kopf stellten; zwei "eme Toch . Mn einer ganz unverwüstlichen Frechheit und einen S°hn, der s ch bald aus der Kinderstube absonderte und zum Kater hielt, dessen Art und Wesen er aufs lächerlichste kopierte. ii<.6 hip
Pan war von seinem Nachwuchs nicht sondeckichbeges , 6
Eden Zärtlichkeiten der Kleinen mit verlegenem Gesicht über fecfe «'W | -chd entfernte sich jedesmal sehr bald und sehr nachdru ch.• f Meter
«in anderer Hausgenosse entzückt von den schwarzen -L ruf ) "T,' i*r Kater. Und er war auch seltsamerweise der einzige d>e besorg e Mutter Bolle außer mir an die Kleinen liefe. WoUtefie sich entfernen o Mite sie mit Bellen und Schmeicheln Peter zum Korb, der sich.denn auch "ihorsam zu den Kindern legte, ihre frechen Angriffe mck EngAsgedu^d «rtrug und, wenn er glaubte, bafe es nun genug sei, d e darüber mit sorgsamen Pfoten auf einen Haufen vereinte und sich guer darüber , >^gte. Dann schliefen die kleinen Plagegeister ein, und er bewachs s I «inzelnd. Ihre zeitweiligen heftigen Anfragen, ob er aud) fo gut! 11 ild) I "ebe wie Mutter Bolle, lehnte er mit kornisch-verlegenen Bergungen a .
■‘■-am dann Hamil an den Korb und wollte sich die Kleu nderwir schM auch mal besehen, so fuhr Peter hoch wie ein Berserker, und xiamtl, mt ‘Dien Vieren ausschlagend, suchte das Weite.
Es dauerte nicht lange, so entwuchsen die Kleinen Peters Zucht und machten Haus und Garten unsicher. Sie benahmen sich ungebührlich gegen ihre aufbegehrenden Eltern; sie zogen, rückwärts laufend, den schreienden Peter am Schwänze nach; sie beklagten sich kläffend mit den Foxeln, sie jagten unter zustimmendem Gebell aller Anwesenden bas wiehernde und lancierende Pferd — kurz, es ging bei mir zu wie auf einem Hexen- tanzplatz — und ich entfloh mit zugehaltenen Ohren.
Längst ist er verstummt, der fröhliche Lärm — ach leider! — und es will mir recht erscheinen, als sei mit ihm viel Glück dahingegangen...
Juli.
Von Theodor Storm. Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm hemiedersieht, Seine Aehren senkt das Korn, Rote Beere schwillt am Dorn, Schwer von Segen ist die Flur — Junge Frau, was sinnst du nur?
Der Kampf der Tertia.
Erzählung von Wilhelm Speyer.
Alle Rechte beim Rowohlt Verlag, Berlin W 35.
(Fortsetzung.)
Die Tertianer schienen während dieser interessanten Betrachtung von einer förmlichen Zeichentollwut ergriffen worden zu fein. Und in all ihren Mundwinkeln zeigte sich das rätselhafte Lächeln griechischer Göcker- ftatuen. Dieser Mann dort, dem sie eine gewisse Zuneigung entgegenbrachten, weil er gut und kameradschaftlich mit ihnen Fufeball spielte, — weshalb stellte er sich durch unmännliche Reden vor ihnen bloß? Er wußte es so gut wie sie, daß er heute keine Fehlantworten auf seine Fragen erhalten würde, denn gerade im Englischen hatten sich alle, die Schiäser sowohl wie die beiden Ausgebrochenen, noch abends auf das Beste vorbereitet.
Und in der Tat, Mr. Graigs Angriss war nur ein Lustschlag gewesen! Als die Glocke zur Beendigung der Unterrichtsstunde läutete, hatten die Tertianer noch dasselbe Götterlächeln in den Mundwinkeln wie zuvor.
Der Tag bis zur Mittagsmahlzeit verging ohne weitere Ereignilse. Begegnete ein Sekundaner einem Obertertianer, so sah er ihn fragend, streng oder etwas traurig an. Zumal nach dem Mittag standen die Sekundaner in einer Gruppe vor dem Schulhaufe mit groß aufgefchla- genen Augen beisammen, und mit solchen Augen, die von Traurigkeit nicht frei waren, sahen sie zu den Tertianern hin. Von den Ober- sekundanern und von den Primanern ist nichts zu berichten, denn sie kümmerten sich um die Unteren nicht.
Als man sich jedoch zur Feldarbeit vor dem großen Hause oersam- melt hatte, da ging durch die Hand des diensthabenden Lehrers em Zettel an die Leitung im Walde. Aus diesem Zettel hat die Tertia ohne Angabe von Gründen, doch in ehrerbietigen Worten um die Vergünstigung, in dieser und in der nächsten Woche von der Arbeit auf den Feldern und in den Werkstätten befreit zu werden. Die Tertia versprach, sich während der Zeit der Arbeitsstunden eine zwar vorläufig private, späterhin aber das ganze Gemeinwesen fördernde Beschäftigung hinreichend auferlegen zu wollen. Jedoch ließ es ihr Stolz nicht zu, die Art dieser Beschäftigung näher zu bezeichnen. Die Tertia glaubte, eine Bitte wie diese aussprechen zu dürfen, denn die Saaten auf den Aeckern erhoben sich im täglichen Sprießen, ohne der schaffenden Hände der Knaben bedürftig zu sein; der Schwimmteich war gebaut; das Holz war im Winter und im Herbst herbeigeschafft worden, die Arbeit im Walde ruhte; die Fruchtbäume blühten und trugen noch keine zu pflückende Frucht; und auf den Feldern neben den Bauern des Gutes einher-i gehen oder den Pfluggriff selber in die Faust nehmen zu dürfen, dieses oft begehrte Recht war der Tertia trotz häufiger Bitten verwehrt und den beiden Sekunda-Klassen Vorbehalten worden.
Die Voraussicht der Tertianer war richtig gewesen. Während sie auf dem gemeinsamen Marsch mit den andern Klassen zu einem entfernten Acker begriffen war, kam aus dem Eichenwalde die Botschaft, die ein zurückgelassener, nun aber mit Erzengelsfühen einherstürmender Tertianer überbrachte, daß die Leitung im Walde die Bitte der Tertia bewilligt habe.
Der Große Kurfürst meldete sich bei dem Präfekten der Obersekunda ab. Er gab ein lässiges Zeichen mit der Hand, woraufhin Reppert mit einer Stimme kommandierte, welche die fernen Wipfel der Tannen erzittern machte:
„Obertertia kehrt!"
Die Obertertia und ihre Hunde, die sie überall hin, auch in die Unterrichtsstunden begleiteten, schieden sich aus dem allgemeinen Trupp ab. Die Tertianer zeigten keinerlei Triumph über den Sieg, den sie errungen und an dem sie gar nicht gezweifelt hatten. Sie wußten es, daß die Leitung im Walde eine immer geheimnisvolle, sichere Kenntnis von all ihrem Tun und Vorhaben hatte, und bafe dort Verbot und Bewilligung ihrer Wünsche mit Sorgfalt und Gerechtigkeit abgewogen und ausgesprochen wurde.
Vor dem großen Hause, im Angesicht ihrer Schulsenster, wurde ein kurzes Palaver abgehalten, in welchem einem jeden von ihnen sein Amt und seine Tätigkeit zugewiesen wurde.
Nur Daniela war von alledem ausgenommen. Man wußte nichts von ihr und niemand sprach von ihr. Doch glaubten die meisten unter ihnen, daß Daniela die Erlaubnis erhalten habe, in der Werkstücke der Schuhmacher die Anfertigung von Sandalen zu erlernen.
Schräg vor der Front des Schulhaufe.s fielen die Semüjegärten bis zu den unten an der Landstraße gtlegenen Gutsgebäuden ab. Die Rückseite jedoch war gegen einen nun steil ansteigenden, eng bewaldeten


