sie nicht zu fürchten, man kann ihr gefahrlos durch einen Schlag mit einem Stecken das Rückgrat brechen, aber es gehört ein sehr scharfes Auge dazu, um das Reptil auf dem Boden zu bemerken, es patzt sich in seiner Färbung so der Umgebung an, datz man es nicht von den Blättern, den Gräsern und Aesten unterscheiden kann. Die Lanzenschlangen machen sich durch einen eklen schwachen Moschusduft bemerkbar. Wer nie diesen Geruch eingeatmet und nicht die toddrohende. boshafte Pupille der
Meine Tiere.
Bon S o f ie v. U h d c.
Gedenke ich der schönen Zeit, in der ich Tiere halten konnte, somcl ich wollte, so habe ich augenblicks die Empfindung eines freundlichen, aber unbeschreiblichen Kraches, und aus diesem Lärm kristallisieren sich zwei weihe Foxterriers, ein langschweifiger dunkler Araber-Wallach, fünf kleine schwarze Pudel und ein silbergrauer Angorakater. Das freute sich seines Daseins rings um mich herum, stritt sich und vertrug sich wieder, liebte und litt, stiftete Unfug und war anständig und treu — und lärmte sinnbetörend durch Garten und Haus. ,
Wie oft, wenn ich mit Gästen in der ebenerdigen Diele saß, kam? trab trab vom Garten herein, und Hamil, der Araber, verlangte scharrend und schnaubend seinen Teil vom Kuchen. Hatte er ihn erhalten, so rieb er seine weichen Rüstern ein wenig an meinem Gesicht, und trab, trav ging's wieder hinaus auf die Wiese — sehr zur Erleichterung der Gaste. Aber meistens nahm er sich nicht die Zeit, anständig das Haus zu verlassen, sondern begann seinen Galopp noch innerhalb der Diele, datz der rote Ziegclboden Funken sprühte und die ganze Meute johlend hinter ihm drein in den Garten stob. .
Aber ernsthaft und treu blieb Pan, der Pudelvater, neben mir sitzen, Pan, die große Liebe meines Lebens. Als er zwei Stunden alt war, griff ich ihn aus einem Rest voll kleiner schwarzer Wollknäule, taufte ihn feierlich nach dem slötenspielenden Hirtengott und gab ihn seiner ängstlich bellenden Mutter zurück. Aber drei Monate später hielt er, geschoren und frisiert wie ein Großer, korrekt, ängstlich und klein, seinen Einzug m mein Haus. Und mit ihm kamen Liebe, Treue und gute Gesinnung sur lange Jahre. n,,
Er machte alle meine Reisen mit, wurde seekrank, daß es eine -an hatte, biß sich mit allen Hunden des Kontinents herum, aus die eine frisierte und beschleifte Erscheinung demagogisch wirkte, und saß dazwischen hin und wieder einen Tag in der Box einer Hundeausstellung, schön un gelangweilt, und beschnüffelte ohne Achtung seine Ehrenpreise, die um ihn aufgebaut waren. Bor allem aber war er Tag und Nacht um m* er schlief nicht und nahm keine Nahrung, wenn ich fort war, und kam ich zurück, fo stand in seinen dunklen Augen eine Freude, die mir noax jetzt das Herz erwärmt.
Das Ewigweibliche zieht durchaus nicht immer hinan: diese Erfahrung blieb Pan nicht erspart. Da ich gerne lebe und leben lasse, so erfreute w
Schlange auf sich gerichtet gesehen hat, der begreift nicht das lähmende Entsetzen, das auch den Tapfersten erschauern läßt. Man findet kaum den Mut, sich gegen den Stich zu wehren oder zu flüchten. Die Zunge der Lanzenschlange zuckt im pfellsörrnigen Kopf, und unter der grau-blauen Regenbogenhaut starrt das Opfer die Tücke der Holle an.
Neben den Giftschlangen werden die Sandslöhe, die sich unter der Haut der Fußnägel eingraben, die Zecken, die sich ins Fleisch einsaugen, und schließlich die Myriaden von Mosquitos zur Dual, die den Menschen blut- aieria überfallen, aber die herrliche Natur, die Fruchtbarkeit und tfullc entschädigen für alle liebst, und man fühlt sich bald wie in einem Tempel Gottes, den er sich weit ab vom Trudel der Welt aus einer Symphonie von Farben geschaffen hat. _
UeberaU in Paraguay finden wir Orangen-, Zitronen- und Pomeranzenhaine, überladen mit den herrlichsten Fruchten. Sie sind zum Teil herrenlos und gleichen nicht den gepflegten Pslunzungen in Italien ober Spanien, sie ähneln eher mittleren Eichenwäldchen. Niemand hindert die Rudel von Affen daran, wenn sie die Laune dazu treibt, mit den Früchten Ball zu spielen. Paraguay exportiert Schisssladungen von Orangen nach Buenos Aires, aber im Lande selbst haben sie kaum einen Geldwert, auch nimmt man sich nicht die Mühe, eine Frucht zu toa^n, sondern preßt sich, wenn man Durst hat, den Saft in den Mund. Am Abend wenn die Sonne, ebensoschnell wie sie emporgetaucht ist, wieder hinter 'dem Horizont verschwindet, wenn der Ochsenfrosch sein plumpes Brüllen ertönen läht, der Eisenbahnkäfer pfeift und die Feuerfliegen rote kleine elektrische Blitze durch die schwüle Lust fliegen, bann fammeln sich in ben Orangenhainen farbenprächtige Falter, die jeden Sammler entzücken und die teilweise nur in Paraguay vorkommen. ___
Bon Barancarita nach dem Provinzstadtchen San-Pedro fahrt wenn der Fluß genügend Wasser führt, ein kleiner Dampfer. Er bleibt aber manchmal auf Untiefen stecken und muh dann von den Passagieren gestoßen werden. Doch solche kleine Abenteuer erhöhen den Reiz einer Fahrt im tropischen Südamerika. Bon Son-Pedro kann die Kolonie Neu- Germanien in wenigen Stunden zu Pferde ober per Ochsenkarren erreicht
I Die Nachkriegswirren und das Nachkriegselend haben einen neuen Strom von deutschen Auswanderern nach Paraguay verschlagen. Es wird gerodet, gepflanzt und gebaut, aber es fällt bitter schwer, sich eine Existenz zu gründen wenn nicht besondere Glückumstände helfen, und mancher Auswanderer wird die Erfahrung machen, daß, wenn er in der Heimat dieselbe Energie und Entbehrungsfreudigkeit wie in Südamerika bewiesen hätte, sein Leben sich leichter und erfolgreicher als in der Fremde gestaltet I hätte. Paraguay schlummert noch ein wenig den Dornröschenschlaf, das Lebenstempo ist langsam, die Arbeit wird schlecht bezahlt und der Kreole und Indianer begnügen sich mit dem, was ihnen die Natur in Fülle uns Fruchtbarkeit bietet. Trotzdem Paraguay an Ausdehnung großer als das Deutsche Reich ist, hat es kaum eine Million Einwohner. Asuncion entwickelt sich nur langsam zur Großstadt. Wenn die Dunkelheit hereinbricht, hört der Verkehr auf, nur aus den Gärten, unter Orangenbäumen und Palmen klingt das Klimpern von Gitarren und irgendein sehnsüchtiger Gesang. Am Ufer des breiten Stroms plätschern die Wellen ans Land, aber es ist so still, datz auch das Wasser einzuschlafen scheint. Am Marktplatz träumen, nur in ihre Bettlaken gehüllt, schwarzäugige Jndianer- mädchen, die dicke, selbstgewickelte Zigarre im Munde vor ihnen lagern Berge von Blumen und Früchten, im Schatten der Paraisobaume aber wartet verstohlen das Abenteuer...
- würde man es wohl heute wieder tun. So bleibt nur die noch viel illusorischere Hoffnung auf einen Massenbeitrttt von -Einzelpersonen Be- < Hörden, Gemeinden, Körperschaften aller Länder zu der Gesellschaft der . Freunde des Nietzsche-Archivs, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Bestand • des Nietzsche-Archivs zu sichern. . . , . „ .
Das wäre ein Geburtstagsgeschenk für die alte Kämpferin in Weimar und zugleich eine Huldigung vor dem tapfersten Genius Deutschlands! —
Land der Orangen, Falter und Schlangen.
vom Deutschtum in Paraguay.
Don E. v. Ungern-Sternberg.
In Paraguay, im deutschesten der südamerikanischen Staaten, wurde in diesen Wochen der Palast der „Banco Qermamco de la America del Sur“ eröffnet. Zur Einweihungsfeier der Deutschen Bank waren neben anderen Gästen der Präsident der Republik, Dr. G u g g i a r i, der Hinanz- minister Dr. Riart und der Erzbischof von Paraguay erschienen. Die Vertreter der Regierung betonten in warmen Worten die Bedeutung des Deutschtums für die Entwicklung und den Werdegang des Landes und j hießen jeden Deutschen, der fick) in Paraguay durch Arbeit und Können I eine neue Heimat schaffen wolle, herzlich willkommen. Die fönst so ruhige ! Hauptstadt Asuncion erlebte anlätzlick) der Einweihungsfeier einen deutschen $^Seü 50 Jahren ist Paraguay für viele deutsche Auswanderer das I Land der Sehnsucht und für manche das Land der Erfüllung geworden. Die älteste deutsche Kolonie San-Bernardino liegt nur eine Stunde Bahnfahrt von Aluncion entfernt an einer herrlichen Lagune mit tiefblauem Wasser. Wohlhabende Asuncioner haben dort ihre Sommervillen, aber San-Bernardino weist nicht mehr das Treiben einer werdenden Kolonie auf, man sieht keine abenteurenben Gestatten, die im fernen Südamerika ! ein neues Dorado zu entdecken hofften, die, von Jndianergeschichten 1 berauscht, sich wundern, datz die Guarani-Peone nicht mehr mit Giftpfeilen hantieren und keine Bemalung tragen, sondern, datz sie vielmehr sich ganz gut in Lohnfragen auskennen, sich wie die eingewanderten Europäer benehmen und sich der Sitten ihrer Urvorfahren nur erinnern, wenn sie etwas zu viel vom selbstgebrannten Zuckerrohrschnaps genossen Haden. Auch die wilden Tiere des Urwaldes, die übrigens in Paraguay recht rar sind, schleichen kaum um diese gesitteten, wohlhabenden Kolonien herum, I in denen alles wichtig ist, was im Sdjatfen des Kirchturms geschieht, und in denen das Außergewöhnliche. Verdacht und Mißtrauen erregt. Dafür I ist man aber um so besser über das Leben und Treiben der lieben Mit- I kolonisten unterrichtet. Wohl gibt es in der Lagune einige Jakares, I amerikanische Krokodile, die das Baden verleiden, in den Bächen mögen I Zitteraale auf dem Grunde lauern und Pferde ober Menschen durch ihre I elektrische Enklabung betäuben; vielleicht verirrt sich auch eine Wilbkatze I ober gar ein Puma auf die hohen Lapachobäume, er ist aber den Menschen nicht "gefährlich und reiht im schlimmsten Falle ein verirrtes Rind. Aber das Paraguay der undurchdringlichen Urwälder, in denen die Indianer noch ihre Pfeile vergiften, in die es keine Wege gibt, liegt fast nebenan. Der Chaco am rechten Ufer des Paraguaystromes ist kaum erforscht, und der Einwanderer, der sich in die Wildnis wagt, um zu roden und um zu kämpfen, steht weit hinter den Kulissen der Zivilisation und kann noch manches Lederstrumpf-Abenteuer erleben.
In Paraguay hat Dr. F ö r ft e r, der Schwager Nietzsches, im Jahre 1886, in einem Gebiet, das an Ausdehnung einem deittichen Fürstentum gleichkommt, dieKolonieNeu-Germanien gegründet. Dort hat die Schwester des deutschen Philosophen durch einige Jahre einen liebenswürdigen Hof gehalten. Ihr kleines, wenn auch mit Maisstroh gedecktes Häuschen am Eingänge in die Kolonie war das einzige steinerne Gebäude und konnte mit seiner europäischen Einrichtung einem Palazzo verglichen werden. Dort auf der Veranda, umgeben von hohen Bananenstauden und Ananasbeeten, versammelten sich häusig die Familie des Baron Malzahn, der in der Nähe aus seiner Estancia ein kleines Paradies geschaffen hatte, und einige bevorzugte Kolonisten und Gäste, um sich von der freundlichen Frau Elisabeth bewirten zu lassen und um von der Wett zu reden, die durch Tausende von Meilen getrennt in der Heimat zurückgeblieben war, und die doch so tief im Herzen aller wurzelte. Wenn man aus der Hauptstadt Asuncion die Fahrt nach Neu-Germanien antritt, so wird man nach einer Nachtfahrt auf dem Stromdampser nach der brasilianischen Provinz Motto Grosso im Morgengrauen mitten im Zaubergarten des tropischen Südamerika in Barancarita, am Ausfluß des Peghui, gelandet. Die Sonne hebt sich plötzlich am östlichen Himmel empor und taucht alles in Gold und Purpur. Kolibris schwirre» um blühende Büsche, Scharen von Papageien, Coros und Arrhas flattern um die Palmen, Volker von Schmetterlingen und Insekten suchen die Blumen, und die Lust ist erfüllt von tausend Duften. Peone, barfuß mit angeschnallten Sporen, den Poncho über die Schulter geworfen und den Huk tief ins Gesicht gedrückt, entzünden am Ufer ein Feuer, lassen in einem Kessel das Wasser sieden und gießen es über den Paraguay-Tee in der Bomdilla, ohne den kein Südamerikaner auszukommen vermag. Die Mate schmeckt bitter, aber gewürzig und erfrischend, dazu wird ein süßlich schwerer Tabak geraucht, den' man von einer gepreßten Rolle abschabt und in Maisblätter wickelt, etwas übel riechendes, in Streifen geschnittenes, in der Sonne gedorrtes Fleisch wird genossen, und nun kann an den Ausbruch gedacht werden.
Nur zu oft macht sich die Plage Südamerikas, die Brut der Giftschlangen, bemerkbar. Ein unheimliches Klappern tönt aus dem nahen Guayavengebüsch. Eine Klapperschlange ist in ihrer Ruhe gestört worden und hält sich für den Angriff bereit. Wer eine Giftschlange sieht, braucht


