Ausgabe 
9.10.1931
 
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und sang:

Sie fuhren davon.

*

Das

: Vruhl'sche Universitäts-Duck- und Steindruckerei. Ä. Lange, Gieben.

Das heraus.

vor ihr Den

mit das die

Die Marie hat den Verstand verloren!'

Der Meister Allerhand kam herein und ging auf seine Frau zu.

Da fuhr sie in die Höhe und schrie:

Du sekündlicher Mensch, du hast mich ins Unglück gebraut! , Gleich darauf bewegte sie die Arme, als ob sie ein Kind wiegte

Hündchen hat den Mann gebissen, Hat der Frau ihr Kleid zerrissen. Sternlein stehn am Himmelszelt, Hörst-du wie das Hündchen bellt? Schlaf, Bübchen schlaf!"

x,us eine Mal schaute sie zur Stubendecke hinaus das andere Mal hielt sie die Hände auf die Augen gepreßt, als wollte sie die Bilder, Die ' ausstiegen, gewaltsam verdrängen.

Nachbarinnen wurde es schwül ums Herz. Sie flüsterten ein-

Bubenpossen!"

Nee, Teufelhaftigkeit!"

No und das Jaköbchen?" . .

Gehappt wie gesprungen. Vorn hat s ein schon Gesicht gemacht und

6»ul. ton« »ich, ottes tu». 61. «ter»

1,1 /ItoJa tob d) en Hoti' kein Ade. von 'toller »nb Mutter."

,',Kind bleibt Kind. Eins gerät nicht wie das andre.

Die Leut sind schrecklich zu bedauern. Nu hatten sie den Jung so weit' und kommt auf die Art um."

Wie alt war er dann?"

Elf."

"Der könnt pexieren, was er wollt, die Marie deckt s zu.

"Unb der Meister Allerhand ist alsfort unterwegs."

,',Da liegt der Hund begraben!"

Wo ist er dann heut?"

In Strebendorf." ,, ... , .

Zwei aus der Gefreundfchaft des Meisters machten sich auf und gingen ihm entgegen. Am Wetterberg, der hart an der Ortschaft lag, trafen |te Wie er die Unglücksbotschaft vernahm, schlug er die Fäuste gegen die

Stirn und stöhnte:

Ach, du großer Gott!" . . . ~

(£r weinte es mocht einen Stein erbarmen. In seiner Trostlosigkeit überfiel ihn die Angst: würde seine Frau den Schlag überstehen?

Er rannte vorwärts, daß ihm die Männer kaum folgten konnten.

Das Jaköbchen hatte man in feine Kammer geschafft. Um die Schaess- lersmarie, die in tiefer Ohnmacht lag, waren die Nachbarinnen bemüht. Sie lockerten ihr den Mutzen, wuschen ihr die Stirn mit Essig. Der Bewußtlosen bleiche Lippen färbten sich rot, sie atmete t,ef ganz allmäh­lich erholte sie sich. Doch siel ihr verstörter Gesichtsausdruck auf.

Eine Zeitlang faß sie regungslos da und starrte vor sich hin.

Auf einmal hob sie zu sprechen an:

Ich hab aus dem Wildfrauborn getrunken. Das kost' ein Himmel- heidenaeld. Dadrauf hab ich das Jaköbchen gekriegt. Ich dacht, das Gebälk tät auf mich brechen. Lauter feine Ware! Keine Butterpfennige, funkel­neues Gold! Eil dich, eil dich, ehe die Tür zufallt. Gelt, ein Päckchen Zichorie, Gritt? Ja freilich, ihr seid unferm Herrgott sein Garnichts. Ja­köbchen, was slatterft du bann?"

brachte sie in abgerissenen Sätzen mit heiserer, bumpfer Stimme

Seit bem Schreckenstag war eine Woche vergangen. In seinem Gaben- stützchen saß ber Meister Allerhanb, von Weh und Kümmernis nieder- gebeugt. Er war um Jahre gealtert. In sein Gesicht hatten sich tiefe Furchen eingegraben, fein Blick war glanzlos und matt.Du mußt den Kops oben behalten!" hatte ihm die Gefreundschaft ans Herz gelegt. Sein Kopf war krank. Manchmal meinte er, er würde von schwerem Traum gequält, ein Alp säße ihm auf der Brust. So meinte er Aber ans Meinen band man kein Pferd. Es war kein Traum, kein Nachtgeist, der ihn beklemmte, es war hellichter Tag um ihn her und grausame Wirklichkeit. , t . ..

Vierundzwanzig Stunden später, nachdem feine Frau m die Irren­anstalt gebracht worden war, hatten sie das Jaköbchen in den Grund versenkt. Noch klang ihm das Auserstehungslied im Ohr das die Schul­kinder am Grad gesungen hatten. Noch hörte er des Pfarrers Predigt. Das A und O der Rede war:Vor jedem Menschen, jedem christlichen Haus liegt der Weg, der durch Leiden zur Vollkommenheit fuhrt. Unter dem Kreuz ist Gottes Gnade verborgen/' Ihm, dem Meister, wollten die Worte nicht in den Sinn. Er glaubte an den allmächtigen Gott droben ' im Himmel. Er war ein fleißiger Kirchengänger, darum war er vorwärts gekommen, darum hatte der Segen Gottes auf feiner Aroett geruht. Gott belohnte bas Gut« und strafte das Böse. Warum hatte ihn dies Unglück getroffen? Soviel er sich auch den Hirnkasten zerriß, er war sich keiner Schuld bewußt. ~

Nach ber Beerdigung des Jaköbchens hatte es im Hause von Trauer­leuten gewimmelt, von Kirtorf und Maulbach waren die Leidtragenden gekommen Di« große Teilnahme tat ihm wohl. Der Kodes am Wolf-eck sprach- 'S ist mir leid um deine Betrübnis, Meister, aber 's vielleicht am besten so!" Deutsch geredet sollte das heißen:Du bist so oft wegen deinem Bub auf Kohlen gelaufen, hast dich über ihn verkreuzigen muffen. Mär er am Leben geblieben, er hätt dir nur Kummer und Sorgen gemacht!" Ein Quentchen Wahrheit war dabei. Der Jakob war voll Wildernis Aber er hatte die Eierschalen noch hinter den Ohren. Ein junger Baum ließ sich wohl biegen. Er, der Meister, hatte ihm die Schluppstreiche uusgetrieben, hätte ihn schon zurechtgezimmert. Und war s denn nicht sein Fleisch und Blut? Daff er das einzige Kind hatte hergeben müssen, wollte ihm schier das Herz abdrucken.

(Fortsetzung folgt.)

gewann, sich in Sicherheit zu bringen, hatte das Rad ihn erfaßt, ging über ihn hin: er war auf der Stelle tot.

Der Lipps und der Heinrich sahen den Kameraden regungslos mit roeitgeöffneten, verglasten Augen liegen. Sie meinten, die Erde mußt sie verschlingen. Ein paar Augenblicke standen sie wie erstarrt, dann suchten sie, von Grauen und Furcht gepackt, das Weite. .

Eine Stunde später schritt die Kitzelmine, die im Wald Lesholz ge­sammelt hatte, über die Unglücksstätte. Sie war eine robuste Sechzigerin, Die sich so leicht nichts arifedjten liefe. Sie setzte ihren Sack nieder beug e sich über den Toten und drückte ihm die Augen zu. Dann lief sie, so schnell sie konnte, ins Dorf und holte Hilfe.

Das Labenglöckchen bes Meisters Allerhanb bimmelte gegen Abenb immerfort. Frauen tarnen und kauften, was sie für G^n Haushalt brauchten. Obgleich sie mit Glücksgütern gesegnet waren, hatte lebe etwas zu klagen. Einzig die Stechmannsgritt fefelugeine andre Tonart an.

,>')r seid nicht unter den Hecken geboren , sprach sie spitz,habt die Kornböden voll und lamentiert. Was soll bann unsereins ba sagen? Ich bin arm wie eine Kirchenmaus. Dessentwegen denk ich boch, Die guten Tage finb in ber Welt: wer sie sich macht ber hat sie m

Die Schaesflersmarie wog jebem das Seme 3u. Als "uge Geschäfts­frau, die es mit niemand verderben wollte, lieh sie dem Geschnatter ihr Ohr, ohne ihre eigene Meinung zu äußern. , rr

Draußen erhob ber Köter bes Trittchesmachers e,n wutenbes Gebell

Zwei Männer, die eine Bahre trugen, traten durch bte Hmterur tn des Krämers Haus. ,,

Unter den Käuferinnen im Laden tauchte mit einem Male ber Hacke- p'^Marie^', roanbte er sich an bie Krämerssrau,erschreck nicht, 's ist "°^,Dem°Jakob?" schrie sie auf und hielt sich wie schwindlig am Laben-

Die Frauen winkten dem Meister mit den Augen zu. Der taumelte h Noch vor Tagesanbruch spannte ber Schwickertsabam seine Füchse an und holte den Doktor aus Zell. Dieser war Glock sieben tm Dorf. Der Meister erwartete ihn und führte ihn in die Kammer, wo das tote Jakob- chen lag. Dann bat er ihn, nach seiner Frau zu sehen.

Die Nachbarinnen, die bet der Marie gewacht und sie mühsam tm Bett gehalten hatten, verließen die Stube. Der Arzt war mit der Kran­ken allein. Er richtete allerlei Fragen an sie, ohne bah sie ihm Antwort gab. Mit eins fprubelte sie zusammenhanglos eine Flut von Worten her­vor, wobei bie Wenbung wieberkehrte, vom Himmel tropfte Blut auf ihr Bett. Der Doktor beschäftigt« sich lange mit ihr, enbltch rief er bie Frauen herein und begab sich in das Ladenstubchen zum Meister

Herr' Schaeffler", fagte-er voll Mitgefühl,Ihre Frau ist ganz und gar "verwirrt. Man muß Vorsorge treffen, daß sie sich kern Leid antut. Sie darf keinen Augenblick ohne Aufsicht sein. Das wird sich hier schwer durch­führen taffen. Wir wollen uns später keine Vorwürfe machen. Gut, daß wir die Anstalt so nah haben. Sie sind ja ein vernünftiger Mann. Es ist ein Krankenhaus wie jedes andre auch. Wenn Ihre Frau- was ich für unbedingt notwendig hatte zunächst einmal dort beobachtet wirb, haben wir bie Gewißheit, baß sie in sachverständige ärztliche Behand­lung kommt."

Der Meister sank auf einen Stuhl und jammerte:

Womit hab ich das verdient?"

Meines Erachtens haben Sie keinen Grund zu verzweifeln , redete der Doktor ihm zu.Wie lange so ein Zustand dauert, läßt sich nicht vor- ausbeftimmen. Sehr wichtig ist, daß wir die Ursache kennen. Ich habe ähnliche Fälle in meiner Praxis erlebt, bie meist günstig verlaufen sind. Ich glaube, baß Ihre Frau roieber hergestellt wird. Ich selbst mochte sie in die Anstatt bringen. Ich kann dann den Kollegen gleich Auskunft Qcbcn."

Machen Sies, wie's recht ist", sagte ber Meister, noch immer

Im stillen hatte ber Doktor die Möglichkeit erwogen, daß sich die Kranke ihrer Entfernung aus der gewohnten Umgebung widersetzen würde. In seiner ruhigen Art legte er ihr dar, angesichts dessen, was sie erlitten und was ihr Gemüt erschüttert habe, sei es am besten, wenn ste für kurze Zeit bas Haus verlasse unb sich ber Pflege guter Meist chen anvertraue. Er rebete in bie Luft, sie zeigte sich völlig teilnahmslos Sie liefe es geschehen, bafe bie Nachbarinnen sie sonntäglich kleideten. Just, da es zehn läutete, trat sie reisefertig vor die Tür. Ihren Mann, ber ihr Lebewohl sagen wollte, mürbigte sie keines Blickes. Der Wagen stand bereit. Eine stolze Miene annehmend stieg sie ein. Der Doktor folgte.

hid)3a,tbem Jakob. Du mufet dir's nicht so zu Herzen nehmen."

Er stockte und fügte bann tonlos hinzu:

Drüben in ber Stub liegt er!"

Sie stürzte hinaus. , .

In ber Wohnstube waren die Männer eben babei, bas Stroh, dem sie die Leiche bedeckt hatten, zu entfernen. Als die Marie schmerzvoll verzerrte Gesicht ihres Lieblings erblickte, breitete fee Arme aus und brach ohnmächtig zusammem

Vor dem Haus hatte sich das halbe Dorf versammelt Der Stech- mannslipps unb ber Wellersheinrich waren heimgekehrt. Heulenb unb mit fdjlotternben Knien erzählten sie, was sich am Eulenwaldchen zu­getragen. Ihre Eltern nahmen sie beim Schlaffittch, bamit sie bte Der« biente Strafe empfingen.

Rufe bes Unwillens wurden laut.

Das sind zwei Hauptfpeziale!"

Wo die herumschwefeln, ist Polen auf!

ander zu:

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