Ausgabe 
9.10.1931
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang

Freitag, den 9. Oktober

Nummer 79

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bei Luther, erschüttert nicht wie eine dämonische Leidenschaft die Grund­festen seines Seins, sondern in diesem harmonischen, stets aufs Praktische gerichteten Geist ist es eine ruhige Auseinandersetzung mit Gründen und Gegengrunden, ein planmäßiges Erforschen, sorgfältiges Begründen, bedächtiges Vorgehen, und dann wird das, was mit freudiger Gewißheit als wahr erkannt ist, mit eisernem Pflichtbewußtsein und außerordent­licher Tatkraft verfolgt, hartnäckig, ja eigensinnig; wenn es durch die Ueberzeugungskraft des Wortes nicht gelingt, auch mit Gewalt, mit Feuer und Schwert bis zum tragischen Ende. Das sind die Eigenschaften eines großen Charakters, die hohe Tugend eines Musterbllrgers, nicht die Kennzeichen eines Genies. So war denn auch Zwingli kein so über­wältigender und universeller Genius wie Luther. Ms Humanist schrieb er besser lateinisch als deutsch, fein Stil ist etwas farblos; obwohl er einige Lieder geschaffen hat, darunter das viel gesungene kräftige Kappeler Lied st-Herr, nun heb' den Wagen selbst"), war er kein Dichter; obwohl er die Musik liebte und einberühmter Meister" aus der Laute war auch ein Heller und starker Klang sein Wesen durchtönt, war er doch nicht so von Melodie erfüllt wie dieWittenbergische Nachtigall". Sein Witz ist mehr satirisch, sein Pathos mehr rhetorisch, und so hat er am stärksten in der Predigt gewirkt und in der Disputation, in denen die überlegene Sicher­heit und Klarheit seiner Natur zum Ausdruck kam.

Dieser stattliche Mann,nach Leibesform eine schöne, tapfere Person, ziemlicher Länge, sein Antlitz freundlich und rotfarb'", war die beste Ver­körperung feines Landes und seiner Art, und so war auch der Glaube, den er predigte, innerlich und einfach, nüchtern und konsequent. Geistliches und Weltliches, Seelisches und Leibliches in einer frommen Harmonie vereinend. Dabei löste er sich rücksichtsloser und stärker als Luther von der alten Kirche, weih er nicht so tief in ihrer Ueberlieferung wurzelte, und begann mit einer Periode des stürmfichen Niederreißens, in der nicht nur Klöster und Wallfahrten, Ablaß und Messe, sondern Altäre und Bilder, Reliquien und Ornate ausgerottet wurden: nur das unsichtbare Wort Gottes und seine alles durchströmende Energie blieb in dieser lichten, schlichten Kirche. Aus dem felsenfesten Glauben, als auserwähltes Werkzeug des Höchsten zum Kampf für das Gute und Wahre bestimmt zu fein, erwuchs das stolze Selbstbewußtsein und die heitere Zuversicht des bescheidenen und stillen Reformators. So wird der Gedanke der Erwählung durch Gottes Gnade, durch Paulus und Augustin in ihm erweckt, zum Mittelpunkt seines Seins und feiner Lehre. In der von der Gnade bewirkten Erkenntnis der Sünden wird der Glaube geboren als Hingabe an das Göttliche, und fo offenbart sich auch die' Sünde als von Gott gewollt, um die Erwählten auf den Pfad der Seligkeit zu führen, bei den Verstockten aber durch ihre Bestrahlung die Gerechtigkeit der Höchsten zu erweisen. Luthers Teufelsglaube ist bei ihm durch eine innerliche Auffassung des Bösen ersetzt. Der begeisterte Humanist glaubte sogar an die Erleuchtung der Großen des Altertums und hoffte,im Himmel den Sokrates, Aristides, die Scipionen und andere fromme Heiden zu finden". Die Gnade, die Auswirkung der göttlichen Allkraft ist, durchflutet als ein unbegreifliches Wunder alle Dinge, und so ist Gott die einzige wirkliche Realität.

Diese Ausfassung der Gottheit als derabsoluten Tätigkeit", die von einem Hauch der Renaissance-Philosophie umwoben ist und an den Gott- Schöpfer Michelangelos in der Sixtlna gemahnt, entsprach so recht dem Wesen dieses Mannes, das selbst unermüdliche, unerschütterliche Tat­kraft war. Es ist ebenfalls der große Willensmenfch Zwingli, der allein in die Willenshandlungen der Christen den Aufbau der Welt des Heils verlegt; das Wort des Herrn schafft das Reich eines innerlichen, unsicht­baren Glaubens in den fchmucklo en Gotteshäusern durch den Willen, durch die Tat jedes einzelnen. Die e grandiose und heldenhafte Anschau­ung, die Calvin noch verschärfte, hat einer langen Reihe heroischer Gestalten bis zu Cromwell Kraft zur Tat verliehen. Denn der christ­liche Wille Zwinglis war nicht nur auf das Innere des Menschen, son­dern zugleich auf die Gestaltung der menschlichen Gesellschaft gerichtet. Dem Schweizer Patrioten kam das Vaterländische und Ethische gleich nach dem Religiösen, ja, es war ihm darin enthalten, denn das Gesetz, die staatliche Ordnung ist der Ausdruck des göttlichen Wesens und also ein Teil des Evangeliums. Nur. der wahre Christ verwaltet ein Amt richtig; ohne Gottesfurcht wird die Obrigkeit zur Gewalt- und Willkür­herrschaft. Deshalb erscheint ihm Absetzung der Tyrannen als ein wohl­gefälliges Werk, und die Freiheitsliebe verklärt sein sonst auf so strenger Zucht aufgebautes Staatsideal, in dem das Vorbild der altchristlichen Apostelgemeinden mit der schweizerischen Verfassung eigenartig verknüpft ist. Der staatspolitische Charakter der Zwinglischen Lehre, von Calvin fortgebildet, hat in Europa fast zwei Jahrhunderte fortgewirkt; die Selbst­regierung des christlichen Volkes war noch Cromwells Ziel, und diese Energie in der Gestaltung der menschlichen Gesellschaft tritt noch jetzt in der angelsächsischen Welt hervor, soll sogar nach der Anschauung Max Webers die Entstehung des Kapitalismus hervorgerufen haben.

Zwingli selbst freilich ging an seiner heftigen Verfolgung politischer

Deformation.

Von Gottfried Keller.

Im Bauch der Pyramide tief begraben In einer Mumie schwarzer Totenhand War's, daß man alte Weizenkörner fand. Die dort Jahrtausende geschlummert haben.

Und prüfend nahm man diese seltnen Gaben Und warf sie in lebendig Ackerland, Und siehe da! Die goldne Saat erstand. Des Volkes Herz und Auge zu erlaben!

So blüht die Frucht dem späten Nachweltskinde, Die mit den Ahnen schlief in Grabes Schoß; Das Sterben ist ein endlos Auferstehn.

Wer hindert nun, daß wieder man entwinde Der Kirche Mumienhand, was sie verschloß, Das Korn des Wortes, neu es auszufän?

Huldreich Zwingli.

Zum 400. Todestage des schweizerischen Reformators.

Von Dr. Georg Kuhn.

Die sinkende Sonne glänzte ihm in das noch feste und friedliche Itntlilj; sie schien ihm zu bezeugen, daß er schließlich doch recht getan und fein Amt als ein Held verwaltet habe. Wie die große goldene Welthostie les gereinigten Abendmahles schwebte das Gestirn einen letzten Augen- illck über der Erde und lockte das Auge des barnieberliegenben Mannes <n den Himmel hinüber ..."

So verklärt Gottfrieb Keller in seiner NovelleUrsula" ben tapfe- :en Tod des Schweizer Reformators auf dem Schlachtfeld von Kappel, do er in dem heiligen Pflichtgefühl, für die erkannte Wahrheit auch las Leben einfetzen zu müssen, treu bei dem ZürcherPanner" gestanden;' sber er verschweigt uns das grausige Nachspiel, wie der rohe Haufe über iem Leichnam ein Kriegsgericht hielt und den Leib des Verräters der kidgenoffenfchaft vierteilte, dann als den eines Ketzers zu Asche ver- Irannte. Alschristlicher Ritter", wie ihn Erasmus geschildert und üürer furchtlos zwischen Tod und Teufel gezeichnet, ist Huldreich .Iwingli dahlngegangen, wahrhaft und energisch in Wort und Tat, I» wie er als blutjunger Pfarrer von Glarus mit dem Landespanner in iie Mailänder Feldzüge bis zum blutigen Unglückstag von Marignano gezogen war und gesungen hatte:

Wol hin, dem Zapfern hilft das Glück; will es bann nit unb zeigt fein Tück, ist es boch gnug in großer Tat, baß einer Fleiß gebrauchet hat. Wann ehrlich niemand hinnen ruckt, dann der in tapfrer Tat verzückt!"

Als eine solche männlich-gesunde, lichte, klare Persönlichkeit, wie sie Dilhelm Schäfer in einem feiner schönen Lebensbilder gestaltet, steht Sroingli vor uns, ein Sohn der Berge und der Freiheit, ein Mann des feinen Enthusiasmus unb Hellen Verstanbes.Die bewegliche Sprache Steiftet Ulrichs", so führt ihn Keller ein,war bie Blüte bes frischen i'ib unbefangenen Wesens des Gebirgskinbes, bas hoch unter Felfen- lstuptern und Firnen geboren, mit gelenker Kraft ins Leben hernieder- Qfprungen ist und Überall den Glanz im Auge zu tragen und die wehende lergluft auf den Wangen zu fühlen scheint." Aus wohlhabender Familie in loggenburg entsprossen, früh dem Humanismus gewonnen und auf de heilige Schrift als einzige Quelle des Glaubens hingewiefen, ist er als LSjähriger schon im Pfarramt, betätigt sich politisch und versenkt sich, tin Erasmus von Rotterdam geleitet, in die griechische Sprache, ins Seue Testament. Als er 1519 mit 35 Jahren zum Leutpriester am Zuri- efer Großmünster gewählt wird und nun in seinen eigentlichen Gebens« unb Wirkungskreis eintritt, da ist er entschlossen, den Glauben von allem Menschlichen "Tand zu befreien und in feiner ursprünglichen Reinheit zu ledigen. Mit seinem Erscheinen auf der Kanzel des Großmunsters beginnt d« schweizerische Resormationsgeschichte. .

Ganz anders verläuft der äußere und innere Werdegang -^rvinglis als der des anderen und größeren Reformators. Nicht wie L u t h e r als Donch tief verstrickt in die alte Kirche, nicht aus Mystik und Seelenqual nit vulkanischer Gewalt zur Erkenntnis und Erlösung durchbrechend, imbern als Pfarrer eng mit dem Leben der Gemeinde verwachsen, weni- 9r im Himmel als auf der Erde zu Haufe, der Reitern Sinnenwelt durch dm Humanismus zugewandt ein Schweizer Patriot und tudjtiger Bürger fo begann er fein Werk der religiösen und sittlichen ^rneue- stng. Das religiöse Erlebnis ist auch bei ihm Grundlage der Persönlich fit, aber es wühlt nicht die dunklen Tiefen des Unbewußten auf wie

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