Ausgabe 
9.2.1931
 
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Bescheidenheit, die für ihn typisch war,den größten Dilettanten der I Welt" und gerade sein unbekümnicrter, von allem Zwang freier Dilet- | tanüsmus ließ ihn da Erfolge haben, woProfessionals" sich vergebens anstrengten. . , ...». ...

Das war Angus Stuart und es bleibt noch übrig zu erwähnen, daß er für Jane Campbell starke Sympathien hatte aus einer Zeit, wo er, der nun in fünf Erdteilen Bekannte, in Chiswick zur Schule ge­gangen war. ,

Auch Tom Beckett kannte er noch von damals her er erinnerte sich wenigstens dumpf an einen gutmütigen, nicht sehr energischen Jungen, der sich gern um die Sportspiele herumdrückte.

Jane hatte ihm vor zwei Tagen geschrieben, er war wirklich zu­fällig einmal in London gewesen, und hatte alles stehen und liegen lassen, wie er ihr lachend gestand, während er ihr die Hand schüttelte.

Schön geworden, dachte er dabei. Das Näschen war Immer noch so kurz und frech wie früher aber was für Augen.

Also, nun erzählen Sie", sagte er fünf Minuten spater.

Sie saßen im Arbeitszimmer des Onkels.

Das junge Mädchen starrte vor sich hin.

Noch immer hatte sie den furchtbaren Ausdruck auf dem Gesicht des Polizeiinspektors vor Augen, als er auf Tom plötzlich losfuhr:

Nun geben Sie aber zu, daß Sie es waren Sie verschlimmern Ihre Lage sonst nur!"

Und als Tom, leichenblaß, nur noch etwas von seiner Unschuld stam­meln konnte, hatte er ihn verhaftet und abführen lassen

Ich habe Ihnen die Hauptsachen ja schon geschrieben, Angus sagte sie leise.Zu lieb von Ihnen, daß Sie gleich gekommen sind. Tom ist natürlich so unschuldig wie Sie und ich."

Natürlich", nickte Angus nachgiebig.

Es ist eine unglückliche Verkettung von Umständen , sagte das junge Mädchen erregtEr kam aus London, um Onkel Augustus um Geld zu bitten Der Onkel war gerade an diesem Tage wieder besonders schlechter Laune er hat Tom einen armseligen Herumtreiber genannt einen Lump einen hergelaufenen Strolch. Tom, der jeden Tag elf, zwölf Stunden arbeitet, um hochzukommen, was kann er denn dafür, daß das Geschäft, in dem er Geld hatte, betrügerischen Bankerott macht! Gar nichts." , r

Angus Stuart nickte nur, und sie fuhr fort:Tom war so außer sich daß er Onkel Augustus einen alten Narren nannte, den man hängen sollte, und dann ging Onkel Augustus auf ihn los, und Tom wehrte sich" , m.

indem er ihn am Hals packte", ergänzte Angus Stuart.Wie hat die Szene geendet?"

So, daß der Onkel sich losriß und sagte:Mach, daß du fortkommft «nd komm mir nie wieder ins Haus"

Und Tom ging?"' ,, _ , _,

,3a Er ging ins Hotel, wo er wohnte und packte seine Sachen. Ich hatte einen Spaziergang gemacht, und als ich wiederkam, erzählte mir die Köchin, daß sie einen heftigen Wortwechsel gehört hatte und daß sie sich nicht zu meinem Onkel fjineintraute. Ich klopfte bann an seinem Zimmer und bekam keine Antwort da trat ich einfach ein, und er er lag am Boden, und sein Gesicht war furchtbar verzerrt und bläulich es war schrecklich."

Angus schwieg teilnahmsvoll.

Und nun glaubt die Polizei, daß Tom Onkel Augustus umgebracht hat weil er der Erbe ist" meinte er schließlich.Glatt und einfach. Aber leider sind diese glatten und einfachen Dinge meistens auch die wahren Dinge."

Jane Campbell sprang auf. . .

Angus Sie glauben doch nicht im Ernst Sie wollen doch nicht etwa sagen ..." Ihre Augen funteilen.

Beschwichtigend hob Angus Stuart die Hand.

Ich glaube noch gar nichts 'ich muß erst den Inspektor aufsuchen und Tom. Und jetzt möchte ich das Zimmer sehen, wo es passiert ist.

j)ier nebenan.*

Bitte, lassen Sie mich eine Weile allein."

Es dauerte keine fünf Minuten, als sie ihn rufen horte.

Als sie eintrat, stand er am Schreibtisch und hielt eine winzige Spritze in der Hand.

Wußten Sie, daß Ihr Onkel Morphinist war, Jane?

Das junge Mädchen preßte die Lippen zusammen.

3a, Angus. Schon seit längerer Zeit. Aber er nahm es nur selten, alle zehn ober zwöls Tage."

Das wissen Sie so genau, Jane?

Das junge Mäbchen sah zu Boden. .

Zch überraschte ihn einmal, als er sich gerade dieses Zeug einspritzte er erzählte mir alles, und ich mußte versprechen, niemand etwas davon zu sagen. Ich habe eine schreckliche Zeit hinter nur, Agnus ... wenn er eine Woche kein Morphium genommen hatte, war er un­erträglich. Er quälte alle Menschen, die mit ihm in Berührung kamen, sagte ihnen gemeine Dinge und bekam ganz plötzlich Wutanfälle. Darum hatte er auch so gut wie kerne Freunde."

Angus Stuart hielt bL .ainzige Injektionsspritze mit spitzen Fingern.

Er betrachtete sie. mir ein Kinb ein neues Spielzeug betrachtet.

*

Von der Tätigkeit Angus Stuarts in Chiswick erzählte man sich später die seltsamsten Dinge. . ...

Wahr ist jedenfalls, baß er sich in der Apotheke eine Jniektwns- spritze kaufte, baß er ftunbenlange gemütliche Gespräche mit ber Köchin, mit Herrn Hopkins, beni Nachbarn bes alten Augustus Baldock unb mit Inspektor Priee in Lonbon führte, ber feinen Namen langst kannte, unb ihn mit ber Mischung von Bewunberung unb gutmütiger Herab­lassung behanbelte, bie etwa ein hunbertprozenliger Jnbustneller für einen glänzenden Schauspieler übrig hat.

Priee amüsierte sich über die Bemühungen Stuarts.

(Schluß folgt.)

Winterlieb.

Von 21 uguft Gottfried Bürger.

> Der Winter hat mit kalter Hand Die Pappel abgelaubt Und hat das grüne Maigewand Der armen Flur geraubt;

Hat Blümchen, blau und rot und weiß. Begraben unter Schnee und Eis.

Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht Von mir ein Sterbelied.

Ich weiß ein holdes Angesicht, Wo Schönheit euch erzieht. Blau ist des Au-ensternes Rund, Die Stirne weih und rot der Mund. Was kümmert Amsel mich im Tal, Was Nachtigall im Hain?

Denn Molly trillert hundertmal So hell und silberrein.

Ihr Atem ist wie Frühlingsluft, Erfüllt von Hyazinthendust.

Wann mich ihr Purpurmund begabt, Ach, welch ein Wohlgenntz!

Die Erdbeer' und die Kirsche labt Nicht süßer als ihr Kuß. O Mai, was frag ich viel nach dir! Der Frühling lebt unb webt in ihr.

.Russisch l - .Nichts

fast gar nicht, ber zweite nur mäßig besetzt; es Kops an Kopf gestanben. Als man

^Somar ber Abenb ber Aufführung herangekommen. Ich hatte noch an meinen Büchern zu orbnen unb habe, was geschah, erst spater durch meine Frau unb Heinrich erfahren, welche zugleich mit unserem Vater nach bem Rathaussaale gingen.

Der erste Platz bort war f'f

auf ber Galerie aber hatte es Kopfn .

vor biefem Publikum bas Spiel begonnen, war anfänglich alles in Ord- nung oorgegangen; bie alte Lieschen hatte ihren Part.fest unb ohne Anstoß hingeredet. Dann aber kam das unglückselige Lied! Sie be­mühte sich vergebens, ihrer Stimme einen zarteren Slang zu geben; »te Vater Joseph vorhin gesagt hatte, sie grunzte wirklich in der Tiefe. Plötzlich rief eine Stimme von ber Galerie: Jjoger up, Sropel-Lieschen. Höger up!' Und als sie, diesem Rufe gehorsam, die unene.djbaren Bis- tantiöne zu erklettern strebte, da scholl ein rasendes Gelachter durch den

Pole Poppenspäler.

Erzählung von Theodor Storm.

(Schluß.)

Endlich war der Tag der Aufführung festgefetzt. Es sollte alles mög­lichst reputierlich vor sich gehen; nicht auf dem Schutzenhofe, sondern auf dem Rathaus aale, wo auch die Primaner um Michaelis ihre Rede- Übungen hielten, sollte jetzt ber Schauplatz fein; und als am Samstag. Nachmittage unsere guten Bürger ihr frisches Wochenblattchen ausein- anderfalteten, sprang ihnen in breiten Lettern die Anzeige in bte Äugen.

.Morgen Sonntagabend sieben Uhr auf dem Rathaussaale Ma r i o - netten-Theater des Mechanikus Joseph Tendier hieselbst. Die schöne Susan na", Schauspiel mit Gesang in vier Aufzügen.

Es war aber damals in unserer Stadt nicht mehr bie harmlose, schau- lustige Iugenb aus meinen Kinberjahren: bie Zeiten bes Sojatenminters (ber Winter 181314) lagen dazwischen, ur»J namentlich war unter den Handwerkslehrlingen eine arge Zügellosigkeit eingeriffen; bte früheren Liebhaber unter den Honoratioren aber hatten ihre Gedanken jetzt auf andere Dinge. Dennoch wäre vielleicht alles gut gegangen, wenn nur der schwarze Schmidt und seine Jungen nicht gewesen waren.

Ich fragte Paulsen, wer das fei, denn ich hatte niemals von einem solchen Menschen in unserer Stadt gehört. _ , . ..

Das glaub ich wohl", erwiderte er,der schwarze Schmidt tst schon vor'Jahren im Armenhaus verstorben; damals aber war er Meister gleich mir; nicht ungeschickt, aber lüderlich in seiner Arbeit wie tm Leben; der parfame Verdienst des Tages wurde abends im Tr.unk und Kartenspiel vertan Schon gegen meinen Vater hatte er einen Haß gehabt. Nicht allein'weil dessen Kundschaft die (einige bei weitern überstieg, sondern schon'aus der Jugend her, wo er dessen Nebenlehrling gewesen unb wegen eines schlechten Streiches gegen ihn vorn Meister fortgejagt wor­den war Seit bem Sommer hatte er Gelegenheit gefunden, diese Äd- neigunq in erhöhtem Maße auch auf mich auszudehnen, denn bei ber damals hier neuerrichteten Kattunfabrik war, trotz feiner eifrigen Be­mühung um dieselbe, die Arbeit an den Maschinen allem mir über­tragen worden, infolgedessen er und seine beiden Söhne, die bei dem Vater in Arbeit standen und diesen an wüsten Treiben womöglich über­boten, schon nicht verfehlt hatten, mir ihren Verdruß durch allerlei Neckereien kundzugeben. Ich hatte indessen jetzt keine Gedanken an diese

® Das Spiel auf der Bühne stockte, und zwischen den Kulisien heraus rief bie bebenbe Stimme bes alten Puppenspielers: .Meine rierrschastn i bitt gwogenllich um Ruhe!' Kasperl, den er eben an seinen Drähten in der Hand hielt unb ber mit ber schönen Su anna eine Szene hatte, schlenkerte krampfhaft mit seiner kunstvollen Na e

Neues Gelächter war die Antwort. .Kasperl oll singen! - Schöne Minka, ich muß scheiden!' - Hurra ür Sa perlt doch; Kasperl sein Tochter soll fingen!' .Jawohl, wischt euch s Maul! Die ist Frau Meisterin geworden, die tut's halt nimmermehr!

So ginq's .roch eine Weile durcheinander. Auf einmal flog, m wohl- gezieltem Würtz, ein großer Pflasterstein auf bie Buhne. Er hatte bie