Die älteste, genauer erkennbare Teilung der Germanen ist die zwischen West- und Ostgermanen. Die Gliederung der Westgermanen in die drei iroßen Gruppen der Herminonen, Ingwäonen und Istwäonen ist mehr f ine kultische als politische. Verschiedene der überlieferten Stammesnamen »oben sicher einen frühen Ursprung.
George Stephenson — der Bater der Eisenbahn.
Zu seinem 150. Geburtslage.
Von Gustav Stange.
Nachdruck verboten.
Eisenbahn und Post, diese beiden lebenswichtigsten Verkehrseinrich- !,ingen, können in diesem Jahre rückblickend zwei Menschen ehrend preisen ds die Bahnbrecher für ihr Werden, Aufsteigen und den Stand, den sie etzt auszumeisen haben. Hat der deutsche Generalpostmeister Heinrich i o n Stephan vor 100 Jahren den ersten Atemzug getan zu einem geben, das nur der Post galt, die er zur Weltmacht erhob, so ist der rsindungsreiche Brite George Stephenson der Mann gewesen, der vor 150 Jahren von einem Höheren zum Wohltäter der Menschheit destellt wurde: Stephenson ist der Vater der Eisenbahnlokomotivenl
In Northeumderland, hart an der schottischen Grenze, bei Newcastle in Ty ne, liegt in der öden Grubengegend ein armseliges Dörfchen Wylam, rnb etwas abseits von diesem Flecken des Elends finden wir sehr bald iin zweistöckiges Häuschen, das äußerlich so dürftig und unansehnlich Die nur möglich hergerichtet ist, drinnen ober in Reinheit und Sauberkeit länzt: hier hat die Wiege des Arbeitersohnes George Stephenson gestanden, der am 9. Juni 1781 geboren wurde. Sein Vater Robert und seine Jiutter Bella, die Tochter des Färbers Carr aus Ovingham, hatten kaum das liebe Brot, hatten weder Geld, die zersprungenen Fensterscheiben «parieren zu lassen, noch stand es in ihrem Vermögen, ihre 'Kinder zur Schule zu schicken: alles, was George Stephenson der Welt wurde, machte ir aus sich selbst.
Schon mit acht Jahren wurde der etwas zum Träumen neigende, t!>er sonst sehr hellhörige und aufgeweckte Junge zum Mitverdienen nigehalten. Bei einer Witwe hütete er für ganze zwei Pence auf dem Aauerngiitchen die Kühe und entlastete nicht unwesentlich damit den elter- l chen Haushalt. Ein Bächlein floß in der Nähe der Viehweide. George deute sich ein primitives Mühlrad und benutzte als bewegende Kraft den Dampf! Durch die hohlen Stengel des Wasserschierlings leitete er den Dampf, den er durch Anzünden von Steinkohlen in möglichst verschlossenem Raum aus Lehm erzeugte, und entpuppte sich in kindlichem Spiel bereits als künftiger Meister der Technik.
Allein, gut Ding will Weile haben: er avancierte äußerst bescheiden wm Hirten zum Pferdeführer beim Pflügen. Hart war diese Arbeit für Jen schwächlichen Knaben, aber sein Gehalt erhöhte sich auf vier Pence! Doch rastlos strebte er weiter und sagte sehr bald dem freien Leben auf lern Lande, wo er nach Herzenslust und mit wahrer Leidenschaft das Sogeöeben in den Nestern belauschte, für immer lebewohl, um an den lästigen Platz zu treten, wo er weltbedeutend werden sollte und wollte.
Ja, auch wollte! Denn der Knabe war trotz aller Bescheidenheit doch hmerlirt) so fest auf fein Lebensziel eingestellt, daß er unbeirrt feinen itorsatz in die Tat zu wandeln bewußt sich mühte.
Born Kohlenfortierer zum Antreiber des „Maschinenpferdes" und »eiter zum Gehilfen seines Vaters stieg er auf; mit 14 Jahren wurde er pleiter Heizer bei einem Taglohn von einem Schilling, etwa einer Mark, und mit 15 Jahren überflügelte er als „Mafchinenbursche" feinen Bater, ls?n „alten Bob", der rasend stolz auf seinen wackeren Sohn war. Zwölf Schillinge Wochenlohn holte er sich von der Zahlstelle, und im Ton Echslen Glücks rief er prophetisch-fubelnd seinen Arbeitskollegen zu: „Nun iin ich für mein ganzes Leben ein gemachter Mann!"
Und er hielt Wort! Nach mancherlei Mühseligkeiten und Widerwärtig- kiten meisterte er das Schicksal. Freilich ging es nicht im Saufeschritt, i- kletterte hübsch bedächtig Sprosse um Sprosse empor; aber als Direktor ter großen Kohlenwerke des Lord Ravensworth bei Darlington durfte ir am Abend seines Daseins von sich sagen: Ich habe es geschafft!
Aus eigenen Kräften konnte er es natürlich nicht, denn so naiv -war er teftimmt nicht wie der Alte Dessauer, der einmal gesagt haben soll: „Ich r ufj eine Eisenbahn haben und wenn sie hundert Taler kostet!" Mit hundert Talern war nichts getan, das wußte der Arbeitersohn ganz genau; «□er auch hier zeigte er eine glückliche Hand: er wußte die Männer zu fmben, die nach und nach Interesse für feine kühnen und kostspieligen S läne zeigten und auch das notwendige Kapital in die Sache zu stecken ragten. Allerdings hat er da manches bittere Wort einstecken und manche kalte Schulter sehen müssen!
Die einzelnen Phasen feines Empordringens mit all den Enttäuschun- ' k!»n, die die Elemente ihm nicht ersparten, und all den trüben Erfahrungen, die er mit Neidern und Ignoranten, sogenannten Fachleuten und zurückhaltenden Kapitalisten, machen mußte, wollen wir überspringen, um damit leuchtender sein Hauptwerk vor uns nicht erst entstehend, son- d rn entstanden zu sehen: es ist seine nicht zusällig ersundene, sondern Planmäßig erdachte und gefertigte Lokomotive.
Am 27. September 1825 wurde die Strecke Stockton bis Darlington eröffnet. Der erste Zug bestand aus einer Lokomotive, sechs kohlen- und Niehlbeladenen Wagen, einem Personenwagen für das Direktorium, 21 Hoffagierwagen und noch sechs Kohlenwagen, insgesamt also 34 Wagen, und durchfuhr die 15 Kilometer lange Strecke in 65 Minuten! Seinen glänzendsten Sieg über Material und Menschen erfocht er aber bei dem p attischen Austrag eines Wettbewerbs auf der zweiten Strecke Man- difter—Liverpool mit „The Rocket“, feiner „Rakete", die mit einer Ttundengeschwindigkeit von 55 Kilometern die gestellten Bedingungen um ein Vielfaches übertraf. Das war eine Großtat, deren enormen Wert wir i«3t erst so richtig zu ermessen vermögen — sie brachte ihm klingenden Lohn und endliche Anerkennung!
Viele Geister haben sich vor ihm mit dem Problem beschäftigt, Zug« auf glatt gewalzten eisernen Schienen dampfgetrieben laufen zu lassen — aber allen, selbst einem an sich hochverdienten James Watt, fehlte es an Beharrlichkeit und Können. Der „Kohlengräber von Killingworth", wie man ihn eine Zeitlang hämisch herabfetzte, der sich die Groschen sauer vom Munde absparte, um erst einmal feinen Namen schreiben zu lernen, der Schuhe und Uhren reparierte und als Damenschneider fungierte, der eine patentierte Sicherheitslampe gegen schlagende Wetter konstruierte, er hatte das tückische Chat-Moor, hatte Ebene und Hügel' bezwungen, er ist der Schöpfer der Eisenbahn geworden!
In seinem Sohne Robert, der ihm am 16. Dezember 1803 zu Wilmington geboren wurde, sand er einen würdigen Erben. hatte ihn studieren lassen, um ihm ein leichteres Fortkommen zu gewährleisten. Der Sohn hat es dem Vater durch die Tat gedankt; er entwickelte sich zu einem Baumeister ersten Ranges: die Tyne- und die Britanniabrücke sind fein Werk und haben ihn berühmt gemacht.
Goethe hat nie eine klare Stellung gegenüber der Eisenbahn eingenommen; er drückte sich recht gewunden und sichtlich ablehnend aus, wenn er Zelter 1825 schrieb: Er sehe in ihr „die Fazilitäten der Kommu-. nitation, worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbieten, zu überbilden und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren". Auch Grillparzer und Justinus Kerner gewannen ihr keinen Geschmack ab; aber wir wissen es jetzt, daß der Mann, der zu Tapton House bei Chesterfield am 12. August 1848 nach einem Leben aufreibender Mühen, aber auch reichen Segens starb, recht behalten hat, wenn er kühn feinen Mitarbeitern bei einem einfachen Mittagessen weissagte: „Die Zeit wird kommen, wo man billiger mit dem Dampfwagen als zu Fuß reifen kann. Ich weiß es wohl, man wird fast unübersteiglichen Hindernissen begegnen, doch was . ich gesagt habe, kommt, so wahr ich lebe!"
Oie Versuchung des Pescara.
Novelle von Conrad Ferdinand Meyer.
(Fortsetzung.)
„Ich konnte den Verräter nicht länger ertragen, Pescara! Mit jeder Miene, jeder Bewegung hat mich der Hochmütige beleidigt! 'Nichts als Hohn! Seine Kälte verachtet mich, und feine Verbeugungen spotten meiner. Ich möchte wissen, woher er das Recht nimmt, auf mich herabzusehen. Ich stehe über ihm, trotz feiner hohen Geburt, denn meine Ehre ist rein, und ich bin ein treuer Knecht meines Königs, den (einigen aber hat er verraten! Er ist gezeichnet, und sein glattes Gesicht garstiger als meine Wunde hier! Doch nicht alle Fürsten verachten mich, es gibt deren, die meinen Wert kennen. So dieser verständige Moncada, mit dem ich gereift bin. Der wenigstens hat mich [elftes Vertrauens gewürdigt."
Pescara wurde sehr ernst. „Leyva", sagte er, „Ihr gebet mir die Genugtuung, daß ich Euch immer für voll genommen habe. Ich frage nicht nach der Geburt, sondern ich nehme den Menschen, wie ich ihn erprobe. Habet Ihr mich je hochmütig gesehen oder kleindenkend erfunden? Du hast nichts gegen mich, Alter", sagte er zutraulich, „wir kennen uns." Er suchte mit den hellen, grauen Augen die des Mitfeldherrn, der sie ihm aber, den Kopf senkend, hartnäckig entzog. „Nichts", murrte Leyva, „außer daß Ihr Freundschaft haltet mit dem andern. Doch ich habe Eile: Erlaucht schickt mir die Instruktionen nach. Ich besitze dergleichen gerne schriftlich. Leyva tut feine Pflicht. Zählt darauf!"
Der Feldherr ließ ihn gehen und streichelte nachdenklich den feinen Kopf feines Windspieles, das ihm denselben in die Hand zu legen gekommen war.
Dann trat er in sein Gemach zurück, wo er Bourbon und Del Guasto in einem aufgeregten Gespräche fand, wohl über den Kanzler, denn sie deutete mit den Blicken in der Richtung der Turmgemächer. Der Feldherr lächelte, „Herrschaften", sagte er, „Ihr habet heute morgen eine wunderbare Rede belauscht, und — noch wunderbarer — diese Rede hat mich nicht verführt, aber Euch, meine Zeugen. Meine Treue blieb fest, und die Eurige wurde erschüttert, wie ich glaube: ein Triumph, den der Kanzler nicht beabsichtigte, der ihm aber schmeicheln darf."
Jetzt wendete er sich mit veränderter Miene gegen Del Guasto: „Don Juan, ich sah Eure Augen habgierig nach Beute flammen. Danket es mir, daß ich Euch nicht zu Worte kommen und Euern Herrn, den Kaiser, verraten ließ. Denn gerade Ihr, Don Juan, müsset der Majestät unverbrüchliche Treue halten, wenn Ihr nicht ein Verbrecher werden wollet. Treue am Fürsten ist die einzige Tugend, deren Ihr zur Not sähig seid, und der letzte Ehrbegriff, der Euch übrigbleibt. Sie wird Eure Unerbittlichkeit adeln, wenn Ihr diese gegen Abfall und Empörung ausübet, und Eure grausamen Triebe werden der irdischen Gerechtigkeit dienen. Nehmet das als meinen wohlgemeinten Rat, und nun gehet und vermeidet heute die Augen Donna Viktorias. Euer Anblick ist ihnen verhaßt, sie können einen Mörder nicht ertragen."
„Einen Mörder?" Don Juan lehnte sich auf.
„Einen Mörder. Kennet Ihr Euer Opfer noch nicht? Ich nenne es Euch: es ist Julia, die Enkelin meines Numa Dati, gestorben in Rom am gebrochenen Herzen, und Ihr seid es, der sie umgebracht hat. Ihr geschah wohl, aber das mindert Euren Frevel nicht im geringsten. Fürchtet nicht, daß sie Euch erscheinen werde, sie ist versenkt in die Ruhe und überläßt Euch den Furien Eurer Seele, zu früher oder später Reue."
Del Guasto erbleichte. Nicht seine Tat erschreckte ihn, aber der furchtbare Richterernst des Feldherrn, dessen vernichtende Strafgewalt von jenseits des Grabes Zu kommen schien. Er entwich bestürzt vor den Blitzen dieses Auges.
„Familienangelegenheiten", bemerkte Bourbon.
„Aber weißt du, Ferdinand, daß der Kanzler mich mehr, als du denkst, begeistert hat? Trotz feiner Schmähungen — er ist der einzige, dem ich nichts übelnehme — war er auf dem Wege, mich völlig zu betören, ober


