Ausgabe 
7.8.1931
 
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folqenben Tage an die Stelle zurück und fand einen zerschmettert. Auf seiner Oberfläche bemerkte er eine

rachen. Das wäre zwar eine andere Art Nachruhm, als sich das harmlose c e Fräulein vorgestellt hat, aber gewiß kein schlechter. Denn Humor b-ibt eine wesentliche deutsche Angelegenheit, und der unfreiwillige ist r-lleicht der allerbeste.

Launen des Blitzes.

Von Dr. Karl Erich Krack.

Aus einer der letzten Statistiken des Wetterbüros in Washington geht hievor, daß in den Vereinigten Staaten jährlich etwa 500 Menschen vom Kitz getötet oder tödlich verletzt und noch reichlich ebensoviel mehr o'er weniger schwer durch die Himmelselektrizität an ihrer Gesund- Iit geschädigt werden. Die Vorsicht und die besonderen Erfindungen, ,rd) sich der Mensch vor dem zuckenden Himmelsftrahl zu schützen sucht, 6 unvollkommen und werden es wohl immer bleiben. Die Erforschung 7 atmosphärischen Elektrizität, ihres Ursprunges und ihrer Verände- vngen ist eins der wichtigsten, aber auch der liickenhastesten Kapitel der tätigen Kunde von den Eigenschaften des Luftmeeres, und ehe dieses ipitel nicht vollständig geschrieben ist, wird sich auch der Gang der S Witter und damit der Eintritt der Blitzerscheinungen und ihrer Folgen Acht enträtseln lassen.

Franxois A r a g o , der berühmteste französische Physiker der ersten Hlste des 19. Jahrhunderts, hat es versucht, die Blitzerscheinungen einzu- trlen, und seine Gruppierung hat bis auf den heutigen Tag eine gewisse Lltung behalten. Er unterscheidet Linienblitze, Flächenblitze uid Kugelblitze. Zwischen den ersten beiden Arten ist allerdings eine Kennung unmöglich, weil ein Flächenblitz, der von uns nicht als Strahl Iiirhrgenommen wird, sondern eine größere Fläche des Himmels gleich- Dißig erhellt, nichts anderes sein kann als ein Linienblitz, dessen eigent- lihe Bahn entweder durch Wolken oder durch eine zu große Entfernung mserem Auge unsichtbar gemacht wird. Der Zickzackblitz, die Form, in k- der Linienblitz noch immer symbolisch in der Hand alter und neuer r Sitter dargestellt wird, ist eine Fabel, da es in Wirklichkeit einem Blitz- sliulste nur selten und lange nicht in der früher vorgestellten Regelmäßig- lit einsallen wird, eine Zickzacklinie zu beschreiben. Dieser Irrtum ist niwiderleglich aufgeklärt worden, seitdem die photographische Platte das . Blb von Blitzen in vollenbeter Klarheit verewigt hat. Aus ben Blitz-

piotogcaphien wissen wir, baß ber Blitzstrahl wohl niemals aus einer ein- jiicn Lichtlinie besteht, sonbern baß er ein System vieler, oft mannigfach »irästelter Linien barstellt, bie im wesentlichen einen gekrümmten Ver- nif nehmen. Die Photographie eines Blitzes kann am ehesten mit bem Silbe eines Fluhsystems verglichen werben.

In berElectrical World ist unlängst die ausführliche Beschreibung ei- es Blitzes gegeben worden, der unweit Philadelphia von einem Land- h«us aus photographiert worden war. Die photographische Platte, die irr einige Sekunden belichtet wurde, zeigte einen Blitz, der aus vierzehn

Dtnetnanber getrennten Strahlen bestand. Die Beleuchtung der Landschaft dirch die elektrische Entladung war so groß, daß die Umrisse der Bäume Ad Gebäude auf der Platte scharf erkennbar abgebildet waren, obwohl tis Gewitter in dunkelster Nacht niederging. Aus allen beobachteten Be- kgungen war die Folgerung zu ziehen, daß die vierzehn Blitzstrahlen nt)t gleichzeitig, sondern in kurzen Zeitabständen hintereinander nieder- jqangen waren. Solche verwickelten Blitzerscheinungen dürften gar nicht sc selten sein.

Eine ganz eigenartige Blitzsorm ist zweimal von Professor R i g g e n - t: ch aus Basel beobachtet worden, die deshalb eine Erwähnung ver- ii nt, weil sie die Zusammensetzung eines Blitzes aufklärt. Auf der betref- i 'eiben Photographie war neben einigen gewöhnlichen Blitzen auch ein crahl zu sehen, der in lauter Punkte aufgelöst schien, so daß er das Missehen einer weitläufigen Perlenschnur hatte. Da, wo bie Lichtpunkte ; tif bem Bilbe am weitesten auseinanberlagen, betrug ber Abstanb ziem- ,Hli^ genau ein Millimeter, unb wenn bie Entfernung bes Blitzes vom HStanborte bes photographischen Apparates auf einen Kilometer geschätzt Iiii rbe, so hätten die einzelnen Blitzfunken einen wirklichen Abstand von |itöa 8 Meter gegeneinander besessen. Solche Perlenschnurblitze irb öfter beobachtet worden, und sie stellen wohl gewissermaßen die Ur- Min des Blitzes bar, ber eigentlich aus einer dichten Folge einzelner hinten entstanden zu denken ist. ,

Noch wunderbarer in ihrer Erscheinung unb in ihren folgen ftnb die ^Selblitze, die eigentlich überhaupt die unheirnllchste Naturerscheinung ic,'stellen, die aus dem Bereiche der Atmosphäre bekannt ist. Mit den iirienblitzen haben sie so wenig gemein, daß es überhaupt fraglich erschei- "ei kann, ob man sie noch als Blitze bezeichnen soll. Es sollen hier einige |H beglaubigte Beobachtungen von Kugelblitzen wiedergegeben werden, üii merkwürdiger Kugelblitz ist vor zwei Jahren von der Physikalischen Seilschaft in Genf beschrieben worden. Die Beobachtung stammte von fiimgen Offizieren, die am Abend eines ungewöhnlich schwülen August- b-es durch das Broyetal geritten waren. Sie bemerkten Blitze am ^rizont und hörten das Rollen des Donners. Nach einigen warmen 8mdstößen fiel der Regen in Strömen nieder, Blitz und Donner naher- j ft sich, und bald befanden sich die Reiter mitten im heftigsten Gewitter. Nichts von der Straße zog sich ein Metalldroht von ziemlicher -Lide, der Uf Uebertragunq elektrischer Kraft diente. Plötzlich würbe bie Aufmerk- :Mikeit bes einen Oifiziers burch ben Glanz einer stark leuchtenben Kugel ' aizezogen, bie burch die Luft auf den Draht zuzuschweben schien. Er i bannte, da er von der Erscheinung der Kugelblitze gehört hatte, sofort ssif Gefahr und brachte durch Zurufe die Pferde seiner Begleiter zum Mlehen. In bem selben Augenblicke hatte bie Feuerkugel ben -i ragt ffs'-icht, unb nun stob ein Regen von Funken von bem Draht aus na-y |R metallischen Gegenstänben: auf bie Säbelscheiben, ben Befcistag ber s M'kchirre, bie Steigbügel usw., worauf eine heftige Detonation erfolgte. [ verspürten eine sehr starke Aufregung, wahrscheinlich infolge ber i (! ktrizität, vielleicht auch nur aus nervöser Erschütterung. Drei von ihnen ^zten vom Pferb, konnten aber bald wieder auffteigen Einer der 4»3iete kehrte am folgenden Tage an die Stelle zuruck und fanb

ir' Leitungspfähh. zerschmettert. Auf seiner Ooerflache bemerkte er eine

schraubenförmige Furche mit Spuren von Verlochlung unb großen aus- gerissenen Splittern. Am Fuß bes Pfahles zog sich ein Graben hin, ben der Regen zu einem Strom angescywellt hatte, unb biefem Umftanbe hatten es wahrscheinlich bie Männer zu verbanken gehabt, baß bie elek­trische Entlobung sie nicht mit größerer Gewalt getroffen hatte. Die Physiker haben oerfchiebentlich versucht, Kugelblitze künstlich zu erzeugen, unb sind auch zu anerkennenswerten Ergebnissen gelangt.

Die ZeitschriftElectricity brachte unlängst eine Mitteilung unter der UeberschristDie Odyssee eines Blitzstrahles" und berichtete batin über ein Ereignis, von bem ein Oebäube in Kalifornien betroffen worben war. Dort schliig ein Blitz zunächst in einen hohen Baum auf bem Gehöft ein, sprang bann auf bas Dach bes Hauses über unb schmolz bie Nägel im Gebälk. Von bort ging er an bem Fensterrahmen ber Dachstube hinunter, zersplitterte besten Holz unb brang in fünf kleinen Löchern, bie ausfafjen, als ob sie von Gewehrkugeln herrührten, burch ben Mörtel ber Wand unb bas Mauerwerk ins Innere. Dann steckte ber Blitz bie Fenstervorhänge bes Zimmers unb ein barin befinbliches Bett in Branb. Dann teilte sich der Blitz. Der eine Strahl beschädigte bie Fensterläben, riß bie Tünche von ben Wänben herunter, schmolz einige Nägel oberhalb bes Türrahmens unb ben Draht einer Portiere unb ging bann unter ber Vorbertreppe in ben Boben. Der anbere Strahl verboppelte sich noch­mals. Der eine Teil riß einen Fensterrahmen ganz heraus, verfolgte bann bie Weißblechbekleibung eines Torweges abwärts, riß in biefem bas Pflaster unb einige Latten auf unb ging enblich in ben Boden. Der andere Teil vergnügte sich unterboten noch in einem Wanbschranke, wo er einige Mester unb Gabeln anfchmolz unb sie, soweit sie aufeinanber lagen, fast miteinanber verlötete. Schließlich sprang er auf die Ecke des Hauses über unb zerstörte bort noch bas Gebälk.

Von all ben gesammelten Beobachtungen über ben Verlauf von Blitz­schlägen sind einige besonbers beachtenswert. Man unterfcheibet bekannt­lich im allgemeinenkalte" unbwarme" Schläge, aber biefc Praxis ist wahrscheinlich ebenso wertlos wie unbegrünbet. Unmittelbar zünbet ein Blitz vermutlich überhaupt nicht, selbst nicht in ganz leicht entzünbbareu Stossen wie z. B. in trockenem Holz. Die Entzünbung geht vielmehr, wenn sie erfolgt, von solchen Stoffen aus, bie burch bie starke Hitzewirkung bes Blitzes zur Rotglut ober zum Schmelzen gebracht werben. Daraus ergibt sich bie Lehre, baß Holzbächer nicht mit Eisenteilen versehen, noch weniger Strohbächor burch Anwenbung von Draht befestigt werben sollen.

Außerbem ist noch ein anderer Irrtum zu bekämpfen, nämlich die verbreitete Ansicht, daß sich der Blitz immer die höchstgelegenen Punkte suche. Dies ist im Gegenteil selbst bann nicht immer ber Fall, wenn biefe Punkte reichlich mit Metall ausgeftattet sinb. Die größte Anziehungskraft übt vielmehr nach ber bisherigen Erfahrung ber wasserreiche Boben aus, namentlich wenn er außerbem eisenhaltig ober mit einem Netz von eiser­nen Röhren burchzogen ist. Ein Haus, bas auf wasserarmem Boben steht, wo ber Grunbwasserspiegel wenigstens 20 Meter tief liegt, ist am besten ganz ohne Blitzableiter zu lasten, zum minbesten muh bie Leitung bis in bas Grunbwasser hinuntergeleitet werben. Finbet der Blitz keine große Verschiedenheit in der Wasterverteilung, so wird er allerdings wohl meist den höchsten Punkt zuerst treffen.

Oer Kampf der Tertia.

Erzählung von Wilhelm Speyer.

Alle Rechte beim Rowohlt Verlag, Berlin W 35.

(Fortsetzung.)

Der Große Kurfürst, der mit einem Bleistift spielte und in ziemlich nachlässiger Haltung auf seinem Präsidentenstuhl saß, fing fein Verhör folgendermaßen an:

Wir wollen jetzt deutsch mit dir reden, lieber Borst.

',Ja", erwiderte Borst bescheiden.

Der Große Kurfürst sah seine Beisitzer erstaunt an..

Was sagtest du eben?" .

Ich sagte: Ja. Ich wollte auch bitten, daß ihr Deutsch mit nur redet, weil ich Französisch ober Englisch so schwer verstehe Ich bin ja erst kurze Zeit hier, unb in ber Staatsschule haben wir Griechisch unb Latein Se^3ft ber Kerl eigentlich so bumm ober tut er nur so?" fragte der Große Kurfürst ganz verwundert.

Borst schlug beschämt die Augen nieder.

Er ist so", entgegnete er leise.

Aergerlich warf der Große Kurfürst den Bleistift auf den Tisch. Der Tisch war etwas mit Vogelschmutz verunziert, denn er stand zu jeder Jahreszeit festgenagelt unter der Birke.

Wir können hier in unserm Gericht auch Leute wegen Schwachsinns bestrafen oder wir können die Leitung im Walde bitten, Schwachsinnige auf bie ' Schulen für geistig Zurückgebliebene zu schicken, wohin sie gehören." Der Große Kurfürst setzte sich ganz steif unb richterlich in feinem Sitz auf.Dein Schwachsinn, mein Junge, ist. ein trüber Wein, ben bu uns zu trinken gibst, unb ein elenber Tobak."

Borst war jetzt gerabezu entrüstet.

Ihr glaubt wohl auch, baß ich Wein getrunken unb geraucht habe, weil ich bas bem Wachtmeister gesagt Habel Ich bin doch mit bei ter Bande gewesen, bis wir den Wagen abgerollt haben! Wie kann ich denn da in der Zwischenzeit betrunken geworden sein?"

Borst war in feinem gerechten Zorn so unehrerbietig, die Arme empört in die Seiten zu stemmen. Er sah vor dem Richtertisch wie ein rebellisch gewordener Pilz aus, der da unten irgendwo an den Fußen bes Tisches aus bem Walbboben heroorftieß unb gebeihen wollte.

Der Große Kurfürst unb alle Richter sahen ihm scharf ins Gesicht.

Du bist boch in ben Unterrichtsstunden gar nicht so idiotisch , sagte Hornbostel plötzlich. , .

Wir lassen uns doch von dir nicht dumm machen , rief Luders mit Zornesadern auf der Stirn, und er hieb mit der Faust auf den Tisch.