Wa!
bem5'©elfte "dienen und an Geister nicht glauben — es ist ja doch nichts Besseres gelehrt worden, seitdem diese Erde sich dreht.
730 Tage ohne Regen.
Das Land der trockenen Iltisse.
Von Norbert Jacques.
In dem kleinen Ort De Aar in der Kap-Kolonie geht die Abzweigung von der südafrikanischen Bahn nach dem ehemaligen Deutschen Sudwest- asrika ab. Zu deutscher Zeit bestand diese Verbindung noch nicht. Damals endigte die Bahn aus deutscher Seite in Kalkfontein. Der Krieg hat sie,erst gebaut. Sie ermöglichte General Botha, die 5000 Deutschen mit seinen 60 000 Soldaten rasch einzudecken und den Krieg ziemlich unblutig an Menschen- ober gewaltig an Geldopsern zu Ende zu bringen
Diese Bahn bringt mich durch die Hintertür in das frühere deutsche Schutzgebiet. Sie ist wie alle afrikanischen Bahnen schmalspurig, und w>- überall in Afrika kann man in jedem Wagen der dre, Klassen nachts die Banke zu Betten umwandeln. In dem kleinen Speisewagen aber trisn sich im Verlauf der Reise, die zwei Nächte und zwei Tage dauert, alles, was rnitsährt. Gleich hört man deutsch sprechen. Die Stewards antworten deutsch. Das „Afrikaonsch" der Buren, ein verbastardetes Holländisch, und weniger häufig Englisch mischen sich mit ein, und am Tisch V1™ immer Menschen der drei Sprachen bereit zur Unterhaltung und 3um
Frobenius hat seine Zimbabwe-Forschungen beendet. Einer seiner Mitarbeiter reift mit mir. Er hat fronbierjmb den Meister verlassen, bessen Arbeitsweise ihm allzu kühn mit Jahriausenben unb Kombinationen spielte. Zwei junge Buren, nette Burschen, nach Winbhuk fahrenb, teilen ben Tisch mit uns. Der bänische Konsul aus B. ist unser fünfter Mann. Man sieht ja an ben Kosterzetteln, woher unb wohin, ist rasch bekanm, unb ber Konsul, ein Mann von Bilbung und Welt, von fließend leichten Manieren, schleppt mir aus dem Zug alles herbei, wovon er glaubt, es habe mir etwas zu sagen. Durch seine deutsche Frau hat er viele -oe Ziehungen zu Deutschland. , , ,
Wir haben in Upfnngton uns mit Pfirsichen unb Trauben beloben, bie bort aus einem vorn Oranjefluh genähten Boden reifen, und käme einige Stunden später an einem Schild vorbei, das schon in ber WM steht: „Boundaries, Cape Colony, South West Africa“. Die alte deutsty Grenze, jetzt bie bes Manbatsgebietes Sübwestasrikas, bas ber Subotru irischen Union überlassen würbe. <•(
Nakop, bie Grenzstation, ohne Formalitäten unb ohne Uniform, » > um zu bekräftigen, was S in u t s einmal sagte: „Manbat, da-s ist v selbe wie Annexion!"
Das Wort erregt noch heute die Südwest-Deutschen.
200 Grad Kälte ...
3n der Hexenküche der modernen Wissenschaft.
Bon Jlles K a c z e r.
Nach einem kurzen Spaziergang durch diese Hexenküche, das Laboratorium eines grohen wissenschaftlichen Institutes in Dahlem bei Berlin, führt mich der erste Assistent bes Prosessors, Dr. Springer, in sein Arbeitszimmer. „ , ,
Wir haben schmutzige Hänbe bekommen , sagt er lachelnb, „mochten Sie" sich waschen? Wasser ist leiber nicht ba, aber hier ist etwa; in ber Flasche, was bie Hänbe noch besser reinigt." .
Er nimmt eine Thermosflasche vom Regal, gieht zuerst über seine Hänbe unb bann auch über meine. Komisches Wasser. Ich fühle es kaum. Meine Hänbe sind gar nicht nah geworben, nur auf dem Boden rollen einige Silberkllgelchen dampfend und zischend auseinander. Wie ich genauer hinsehe, ist auch der Boden nicht nah. '
, Was für ein sonderbares Wasser hoben Sie über meine Hande gegossen, Herr Doktor? Man spürt nichts, man sieht nichts, es ist weder kalt noch warm." - , „
Der Chemiker lacht laut auf: „Weder kalt noch warm? Ich kann Ihnen versichern, daß es kalt ist. Eine solche Kälte haben Sie in ihrem ganzen Leden noch nicht gespürt."
„Minus 40 Grad?" frage ich erstaunt.
„Mehr!"
„Fünfzig?"
„Noch mehr!
„Hundert?" v
Er winkt ab: „Noch viel mehr. Erraten werden Sie das aber nie. Wenn Sie Interesse daran haben, kann ich Ihnen die Temperatur mit einem Spiritusthermometer vormessen. Ein Ouecksilberthermometer würde hier vollkommen versagen, denn Quecksilber friert zwischen minus 40 bis minus 50 Grad. Diese Flüssigkeit, die Sie jetzt Gelegenheit hatten kennenzulernen, hat eine Kälte von bald 200 Grad. Genauer gesagt, etwas mehr als 190 Grad."
„Gestatten Sie die naive Frage: So kalt und nicht gefroren?
„Wenn es gefroren wäre, wäre es noch viel kälter."
„Ja, was ist es dann für ein ungewöhnlicher Stoff?"
„Es ist kein ungewöhnlicher Stoff. Ohne ihn könnten Sie gar nicht leben." .
Ich zerbreche mir den Kops. Was soll das sein? Ohne was soll ich nicht leben können? Ich denke an Blutstoffe, Eiweiß, Plasma, Eisen, Hydrate.
Der Doktor lächelt: „Strengen Sie sich nicht an. So werden Sie nie daraus kommen. Das, was Sie hier gesehen haben ist nichts anderes als flüssige Lust."
Ich bin sprachlos.
„Natürlich, richtige flüssige Lust. Wir verwenden sie hier bei hunderten von Vorgängen unb Versuchen. Sie ist uns säst unentbehrlich, benn wenn man etwas gründlich kühlen will, greift man nur zu dieser Thermosflasche. Da ist ja Kälte genug. Sehen Sie bitte, hier haben wir flüssigen Chlor. Das alte Laboratorium gab sich große Mühe, dieses Element slüssig herzustellen, denn es bedarf dazu großer Kältegrade. Wir sammeln einfach die Chlorgase bei diesen großen Kältegraden unb bas Chlor schlägt sich als Flüssigkeit nieber. Unb bei Hunderten von anberen Experimenten, wo man mit Eisbeuteln ober Ammoniak nicht zuwege kommt, greift man einfach zu diesem Mittel. Es ist bereits in allen größeren Laboratorien zum Hausmittel geworden, denn Lust braucht man nicht von irgendwo zu bestellen, Lust ift überall vorhanden."
Jetzt werde ich erst recht neugierig. Wie kommt die Lust in die Thermosflasche?
„Das ist sehr einfach, sie wird hineingefüllt. Sie wollen aber wohl wissen, wie sie flüssig wird. Genau so einfach. Wir pressen die Lust so lange bis sie schließlich zu Wasser wird."
Der Doktor führt mich in den Keller, wo große Maschinen surren unb brummen. Ein Maschinist steht vor zwei Tanks unb erklärt mir sreund-
Dann würde er ein zweites Mal nicht abfütlen. Ueber die Hande genössen geht es noch. Das ist ein harmloser Witz des Chemikers. In desi Poren liegt eine warme Luftschicht, die die Gefahr der Verbrennung ausschließt. Aber ein Schluck durch die Kehle, das wäre nicht zu empfehlen. Ein ganzes Leben lang schlucken wir Lust und wenn wir einmal nicht mehr schlucken, dann ist es aus mit uns. Aber diese flüssige Lust zu schlucken wäre unfehlbarer Tod. Stellen Sie sich vor, der menschliche Körper hat eine Temperatur von plus 37 Grad. 3/ zu 190, das wäre ein Unterschieb von 227 Grab. Die Revolte, bie beim Anpassen ber beiden Temperaturen entstünde, könnte kein einziges Lebewesen aushalten.
Nun führt mir Dr. Springer einige kleine Experimente mit diesem Lustwasser vor. Er giesst eine Glasschale damit voll. Man sieht ^ine nierb würdige bläuliche Flüssigkeit. Aber nur im ersten Airgenblick, denn schon nach wenigen Augenblicken beginnt die volle Schale rapid abzunehmen Bald ist nur noch die Hälste da, ein Drittel. Als noch etwa ein Fünftel übrig ist, sagt Dr. Springer: „Jetzt passen Sie auf, bas ist nur noch reiner Sauerstoff." Er nimmt die brennende Zigarette aus dem Mund und hält sie an die Flüssigkeit. Die Zigarette flammt auf rote eine Fackel. Die Schale platzt. Das Sauerftosswaffer rollt rote rasend über ben Tisch "H^tTgtufelt einem in bie,er Hexenküche. Kommt bas durch die magischen Attraktionen des Chemikers? Dr. Springer zeigt lächelnd auf das Zimmerthermometer. Die Temperatur hat sich von 20 Grad auf 10 ©rod abge- kühlt. Er macht das Fenster auf. Warme Luft, diesmal nicht fluffig, strömt herein.
Jetzt werden wir das Quecksilber beftrafen, weck es im Thermometer (o gefallen ist." Er nimmt von einem Regal eine Flasck)« mit Quecksilber und gießt etwas von dem dickflüssigen Metall in eine Schale. Darüber tröpfelt er etwas Luftwasser, holt eine Zange und zieht damit das stem- hart gefrorene Quecksilber heraus. r „
Ich fasse das gefrorene Metall an unb denke an die grausigen Geschichten aus dem zaristischen Rußland. Was ich jetzt vor mir habe hoben bisher nur bie zu Zwangsarbeit Verurteilten in ben sibirischen Quecksilber- Bergwerken erlebt und auch da nur an den kältesten Tagen der strengsten Winter. Da konnten sie bas Quecksilber mit ber Hacke losschlagen.
Nun erklärt mir Dr. Springer die Einzelheiten über die Erzeugung der flüssigen Lust. Die Luft wird einsach aus dem Roum herausgesaugt, aus dem Keller ober wo bie Maschine gerabe steht. Natürlich muß man barauf achten, baß Fenster offen finb, sonst bekommt ber Mafchinift Atembeschwerben, ba ber Raum infolge bes starken Saugens sosort luftleerer wird. Ein Unglück könnte freilich auch dadurch nicht entstehen, denn die Fenster würden sosort platzen. Ein Vacuum, bas heißt ein luftleerer Roum kann in einem geschlossenen Zimmer mit flachen Scheiben praktisch gar nicht entstehen. Die Lust von außen würbe sofort wie eine kräftige Faust bie Scheiben einbrütfen. . o
Wozu biefe flüssige Luft sonst noch verwanbt wirb? Zum Sprengen von Felsen, ©ebäuben, alten Mauern, Schornsteinen usw. Wie mm versichert wirb, ist diese Art der Sprengung viel wirksamer und gefahrloser als die Sprengung mit Ecrasit oder Dynamit. Bei Ecrasit oder Dynamit besteht die Gefahr, daß unverbrauchte Patronen Zurückbleiben, die bei den Ausräumungsarbeiten explodieren und großes Unheil anrichten können. Bei ber flüssigen Luft ist bas vollkommen ausgeschlossen, ba sie bie Tendenz hat, sich ber Atmosphäre sofort anzupaffen. Sie perbampft schon nach wenigen Sekunben und keine Spur bleibt mehr übrig...
den Deitstänzern und heulenden Derwischen irgendwelcher Bekenntnisse! ihr sein, einsach sein, milden Herzens sein, heiter und gelassen bleiben Leiden und Gefahr, das Leben lieben unb ben Tob nicht furchten,
lich bie ganze Anlage.
„In biesem großen Tank sammeln wir die gepreßte Lust, in dem kleinen die flüssige. Die Preßluft wird in großen Eisenflaschen ausbewahrt und verschickt, die flüssige Luft in Jfolierkannen."
Der Doktor läßt eine Kanne bringen unb stellt sie unter ben Hahn des kleinen Tanks. Zischend fließt die eiskalte Flüssigkeit („wir haben keinen anderen Vergleichsausdruck für diese Kälte", sagte Dr. Springer) in bie Kanne. Der Mann, der vor ber Kanne steht unb ber Chemiker werben ganz von weißem Dampf umhüllt. Als bie Kanne zugeschraubt wird, ist der Nebel im Nu verschwunden.
„Das kommt von dem großen Temperaturunterschied. Hier im Keller haben wir etwa 20 Grad, der Unterschied beträgt also 210 Grad."
Der Chemiker läßt die Kanne hinaus ins große Laboratorium bringen. Drei Chemiestudenten kommen mit ihren Thermosflaschen. Sie brauchen gerade etwas Lustwasser. Man steckt eine Glasröhre, die an dem einen Ende gegabelt ist, in die Kanne. Ueber die beiden Gabelenden werden Guminischläuche gezogen. Dann bläst der eine Student durch den einen Schlauch unb ber anbere hält feine Thermosflasche unter bas zweite Enbe. Im Nu ist seine Flasche gefüllt. Er kann zu feinen Apparaten gehen unb weiter arbeiten. Für biefe Leute ist ber ganze Vorgang etwas Alltägliches. Für mich ein großes Wunber.
„Könnte der junge Mann nicht etwas verschlucken?" frage ich vorsichtig.
„Ausgeschlossen, das läßt die Konstruktion der Pumpe nicht zu.
„Unb wenn es boch einmal der Fall wäre?"


