Ausgabe 
6.2.1931
 
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Da merkte ich's denn wohl, der alte Puppenspieler ließ ihm keine he! sein Freund, der gute Heinrich, genügte ihm.nicht mehr als Publi-

wohl erzählen! nur

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2 erantw örtlich: l)r. HanSThyriot. Druck und Berlag: Brüh I sche Universität »'-Buch« und Eteindruckerei. Lange, Sieben»

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Paulsen stand auf, und wir gingen aus den Spazierweg hinaus, der auch hier hinter den Gärten der Stadt entlang sührt Nur wenige Leute kamen uns entgegen; denn es war schon um die Vesperzeit.

Siehst du" begann Paulsen seine Erzählung wiederder alte Teniler war derzeit mit unserem Versprach gar wohl zufrieden; er gemachte meiner Ettern, die er einst gekannt hatte, und er faßte auch zu inir Vertrauen. Ueberdies war er des Wanderns müde; sa, seit es ihn in die Gefahr gebracht hatte, mit den verworfensten Vagabunden verwechselt zu werden, war in ihm die Sehnsucht nach einer festen Heimat immer mehr heraufgewachsen. Meine gute Meisterin zwar zeigte sich nicht so einverstanden; sie fürchtete, bei allem guten Willen möge doch das Kind des umherziehenden Puppenspielers nicht die rechte Frau für einen seß­haften Handwerksmann abgeben. Nun, sie ist seit lange schon bekehrt werden!

--Und so war ich denn nach kaum acht Tagen wieder hier, von den Bergen an die Nordseeküste, in unserer alten Vaterstadt. Ich nahm

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Ruhe; sein Freund, v«.» «,«»*»*»

(um, er mußte einmal wieder öffentlich vor versammeltem Volke seine

* Münzen mit einem Drittel Silbermischung aus den alten Silberberg­werken im Harz.

Kremnitz ist eine ungarische Stadt mit Gold- und Silberbergwerken.

übereingekommen, feine dahinzlelenden stehen; für die Frau eines Bürgers und Hand- das denn doch nicht ziemen.

gerade, wer das Lisei ift"

Das ist die Frau Paulsen!" erwiderte ich.Als ob ich das nicht längst gemerkt hätte! Sie sagt sa noch immernit" und hat auch noch die schwarzen Augen unter den fein gepinselten Augenbrauen "

Mein Freund lachte, während ich mir im stillen vornahm, die Frau aen, wenn wir ins Haus zurückkämen, doch einmal recht daraus ehen, ob noch das Puppenspieler-Lisei in ihr zu erkennen sei. Aber", fragte ich,wo ist denn der alte Tendier hingekommen?" Mein liebes Kind", erwiderte mein Freund,wohin wir schließlich alle kommen. Drüben auf dem grünen Kirchhof ruht er neben unserem alten Heinrich; aber es ist noch einer mehr in sein Grab mit hineinge­kommen, der andere kleine Freund aus meiner Kinderzeit. Ich will dir's laß uns ein wenig hinaucgehen; meine Frau könnte tach uns sehen wollen, und sie soll die Geschichte doch

Stücke aufführen.

Ich suchte es ihm auszureden; aber er kam immer wieder darauf zurück. Ich sprach mit Lisei, und am Ende konnten wir nicht umhin, ihm nachzugeben. Am liebsten hätte nun freilich der alte Mann gesehen, wann Lisei wie vor unserer Verheiratung die Frauenrollen in seinen Stücken gesprochen hätte; aber wir waren übereingekommen, feine dahinzielenden Anspielungen nicht zu verstehen; für die Frau eines Bürgers und Hand­werksmeisters wollte sich das denn doch nicht ziemen.

Zum Glück oder, wie man will, zum Unglück war derzeit ein ganz reputierliches Frauenzimmer in der Stadt, die einst bei einer Schau­spielertruppe als Souffleuse gedient hatte und daher in derlei Dingen nicht unbewandert war. Diese Kröpcl-Lieschen nannten sie die Leute von wegen ihrer Kreuzlahmheit ging sofort auf unser Anerbieten ein, und bald entwickelte sich am Feierabend und an den Sonntagnachmittagen die lebhafteste Tätigkeit in Vater Josephs Stübchen. Während vor dem einen Fenster der alte Heinrich an den Gerüststücken des Theaters zim­merte, stand vor dem anderen zwischen frisch angemalten Kulissen, die von der Zimmerdecke herunterhingen, der alte Puppenspieler und exerzierte mit Kröpel-Lieschen eine Szene nach der anderen. (Schluß folgt.)

Pole Poppenspäler.

Erzählung von Theodor Storm.

(Fortlegung.,

--Und Lisei hatte mir ihren treuen Tochteraugen recht gesehen. Als kaum die beiden in einem kleinen Gasthause untetgevracht waren und der Alte schon seine Pläne zur Weitetfahrt entwarf denn hier wollte er jetzt nicht vor die Leute treten, da zwang ihn ein Fieber, im Bett zu bleiben! Bald mußten wir einen Arzt holen, und es entwickelte sich ein längeres Krankenlager. In Besorgnis, daß sie dadurch in Not geraten könnten, bot ich Si|et meine Gettmittel zur Hilfe an; aber sie sagte: ,J nimm's ja gern von dir, doch sorg' nur nit, wir sind nit gar so karg.' Da blieb mir denn nichts anderes zu tun, als in der Nachtwache mit ihr zu wechseln ober, als es dem Kranken besser ging, am Feierabend ein Stündchen an seinem Bett zu plaudern.

So war die Zeit meiner Abreise herangenaht, und mir wurde das Herz immer schwerer. Es tat mir fast weh, das Lisei anzusehen; denn bald fuhr es ja auch mit seinem Vater von hier wieder in die weite Welt hinaus. Wenn sie nur eine Heimat gehabt hätten! Aber wo waren sie zu finden, wenn ich Gruß und Nachricht zu ihnen senden wollte. Ich dachte an die zwölf Jahre seit unfern: ersten Abschied; sollte wieder so lange Zeit vergehen oder am Ende gar das ganze Leben?

,Und grüß mir aa dein Vaterhaus, wenn du heimkommst!' sagte Lisei, da sie am letzten Abend mich an die Haustür begleitet hatte. .Ich seh's mit mein Augen, das Bänkerl vor der Tür, die Lind' im Gart'l; ach, i vergiß es nimmer, so lieb hab' ich's nit wieder g'funden in der Welt!'

Als sie das sagte, war es mir, als leuchte aus dunkler Tiefe meine Heimat zu mir auf, ich sah die zärtüchen Augen meiner Mutter, das feste, ehrliche Antlitz meines Vaters. ,Ach, Lisei', sagte ich, ,wo ist denn jetzt mein Vaterhaus! es ist ja alles öd' und leer.

Lisei antwortete nicht; sie gab mir nur die Hand und blickte mich mit ihren guten Augen an.

Da war mir, als hörte ich die Stimme meiner Mutter sagen: .Halte diese Hand fest und kehre mit ihr zurück, so hast du deine Heimat wieder!' und ich hielt die Hand fest und sagte: .Kehr' du mit mir zurück. Lisei, und laß uns zusammen versuchen, ein neues Leben in das leere Haus zu bringen, ein so gutes, wie es die geführt haben, die ja auch dir einst lieb gewesen sind!'

.Paul', ries sie, .was meinst du? I versteh' di nit.1

Ader ihre Hand zitterte heftig in der meinen, und ich bat nur: ,Ach, Lisei, versteh' mich doch!'

Sie schwieg einen Augenblick. .Paul', sagte sie bann, ,i kann nit von meim Vater! gehen.'

.Der muß ja mit uns, Lisei! Jrn Htnterhause, die beiden Stübchen, die jetzt leer stehen, da kann er wohnen und wirtschaften; der alte Hein­rich hat sein Kämmerchen dicht daneben.'

Lisei nickte. .Aber, Paul, wir sind landfahrende Leut'. Was werden sie sagen bei dir daheim?'

.Sie werden mächtig reden, Lisei!'

.Und du hast nit Furcht davor?'

Ich lachte nur dazu

.Nun', sagte Lisei, und wie ein Glockenlaut schlug es aus ihrer Stimme, .wenn d u sie hast, i hab schon die Kuraschi!'

.Aber tust bus denn auch gern?'

.Ja ul. wenn i's nit gern töt, und sie schüttelte ihr braunes Köpfchen g.gen mich ,gel, da tät is nimmermehr!'

Und mein Junge", unterbrach sich hier der Erzähler, .wie einen bei solchen Worten ein Paar schwarze Mäi.chenaugen ansehen, das sollst du nun noch lernen, wenn du erst ein Stieg (Stieg = 20 Stück) Jahre weiter bist!"

Ja, ja", dachte ich,zumal so ein Paar Augen, die einen See aus» brennen können!"

Und nicht wahr", begann Paulsen wieder,nun weißt du auch nach-

mft Heinrich die Geschäfte rüstig in die Hand und richtete zugleich die beiden leerstehenden Rimmer im Hinterhause für den Vater Joseph ein. Vierzehn Tage weiter es strichen eben die Düfte der ersten Früh­lingsblumen über die Gärten da kam es die Straße herausgebimmelt. .Meister Meister', rief der alte Heinrich, .sie kommen, sie kommen!' Und da hielt schon das Wägelchen mit den zwei hohen Kisten vor unserer Tür. Das Lisei war da. der Vater Joseph war da beide mit munteren Augen und roten Wangen; und auch das ganze Puppenspiel zog mit ihnen ein; denn ausdrückliche Bedingung war es, daß dies den Vater Joseph aus sein Altenteil begleiten solle. Das kleine Fuhrwerk wurde in den nächsten Tagen schon verkauft.

Dann hielten wir die Hochzeit; ganz in der Stille; denn Blutsfreunde hatten wir weiter nicht am Ort; nur der Hafenmeister, mein alter Schul­kamerad, war als Trauzeuge mit zugegen.

Am Hochzeitsmorgen legte Vater Joseph zwei Beutel vor mir auf den Tisch, einen größeren mit alten Harzdritteln', einen kleinen voll Krem- nltzer Dukaten'.

,Du hast nit danach fragt, Paul!' jagte er. .Aber so völlig arm is doch mein Lisei dir nit zubracht. Nimm's! i brauch's allfurt nit mehr.'

Das war der Sparpfennig, von dem mein Vater einst gesprochen, und er tarn jetzt seinem Sohne beim Neubcginn seines Geschäfts zu ganz ge­legener Zeit. Freilich hatte Liseis Vater damit fein ganzes Vermögen hingegeben und sich selbst der Fürsorge seiner Kinder anvertraut; aber er war dabei nicht müßig, er suchte seine Schnltzmesser wieder hervor und wußte sich bei den Arbeiten In der Werkstatt nützlich zu machen.

Die Puppen nebst dem Theaterapparat waren in einem Verschlage auf dem Boden des Nebenhauses untergebracht. Nur an Sonntagnachmittagen holte er bald die eine, bald die andere in sein Stübchen herunter, reol- feierte die Drähte und Gelenke und putzte oder besserte dies und jenes an denselben. Der alte Heinrich stand dann mit seiner kurzen Pfeife neben ihm und ließ sich die Schicksale der Puppen erzählen, von denen fast jede ihre eigene Geschichte hatte; ja, wie es jetzt herauskam, der so wirkungs­voll geschnitzte Kaspar hatte einst für seinen jungen Verfertiger sogar den Brautwerber um Liseis Mutter abgegeben. Mitunter wurden zur besseren Veranschaulichung der einen oder anderen Szene auch wohl die Drähte in Bewegung gesetzt; Lisei und ich haben oftmals draußen an den Fen- ftern gestanden, die schon aus grünem Weinkaub gar traulich auf den Hof hinausschauien; aber die alten Kinder brm waren meist so in ihr Spiel vertieft, daß ihnen erst durch unser Beifallklatschen die Gegenwart der Zuschauer bemerklich wurde. Als das Jahr weiter rückte, sand Vater Joseph eine andere Beschäftigung; er nahm den Garten unter seine Obhut, er pflanzte und erntete, und am Sonntage wandelte er, sauber angetan, zwischen den Rabatten auf und ab, putzte an den Rosenbüschen oder band Nelken und Levkolen an seine, selbstgefchnitzie Stäbchen.

So lebten wir einig und zufrieden; mein Geschäft hob sich mehr und mehr, lieber meine Heirat hatte unsere gute Stadt sich ein paar Wochen lebhaft ausgesprochen; da aber fast alle über die Unvernunft meiner Handlungsweise einig waren und dem Gespräche so die gedeihliche Nah­rung des Widerspruches vorenthalten blieb, so hatte es sich bald selber ausgehungert.

Als es bann abermals Winter würbe, holte Vater Joseph an ben Sonntagen auch roieber die Puppen aus ihrem Verschlage herunter, und ich dachte nicht anbers, als baß in solchem stillen Wechsel ber Beschäf­tigung ihm auch läuft g die Jahre hingehen würden. Da trat er eines Morgens mit gar ernsthaftem Gesichte zu mir in die Wohnstube, wo ich eben allein an meinem Frühstück saß. .Schwiegersohn', sagte er, nachdem er sich wie verlegen ein paarmal mit der Hand durch seine weißen Haar- spießchen gefahren war, .ich tanns doch nit länger ansehen, daß ich alle­weil so das Gnadenbrot an Enerm Tisch soll essen.'

Ich wußte nicht, wo das hinaussollte, aber ich fragte ihn, wie er auf solche Gedanken komme; er schaffe ja mit in der Werkstatt, und wenn mein Geschäft jetzt einen größeren Gewinn abwerse, so sei dies wesentlich der Zins seines eigenen Vermögens, das er an unserem Hochzeitsmorgen in meine Hand gelegt habe.

Er schüttelte den Kopf. Das reiche alles nicht; aber eben jenes kleine Vermögen habe er zum Teil einst in unserer Stadt gewonnen; bas Theater sei ja noch vorhanben, unb bie Stücke habe er auch alle noch