Ausgabe 
2.2.1931
 
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feiner

li

uni) mehr/'

Ein gutes Geschäft.

Erzählung von Anton Tschechow.

verfchnsfen können."

Das schon ..."

Trinken Sie doch, bitte!" . ,

Die Heiratsvermittlerin führte das Glas mit einer gewohnheits­mäßigen Bewegung an den Mund und leerte es, ohne eine Diiene Zu

Beim Zugführer Nikolai Nikolajewitfch Stütfchkin saß an emem dienstft7ien Tage Frau Ljubow Grigorjewna Kirjakow eine korpulente Dame unbestimmten Alters, die sich mit che,ra s°erm, ung be aht^

Stütfchkin, etwas verlegen, aber ernst, fest und streng wie in,, aina im wimmer auf und ab, rauchte eine Zigarre und sagte.

9 9Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen. Semion Iwanowitsch hat' Sie mir empfohlen. Ich wünfche Ihre Hilfe >n einer delikaten, sehr wicktiaen Angelegenheit, bei der es sich um das ©tuet meines Lebens hudelt. Ich bin schon zweiundsünfzig Jahre alt, Ljubow Grigorjewna, I alio in einem Alter in dem viele Leute bereits erwachsene Binder haben. Ich habe eine schöne Stellung als Staatsbeamter. Mein Gehalt ist nicht übermäßig groß, aber es genügt doch, um ein geliebtes Wesen und einige Kinderchen anständig zu ernähren. Unter dem Siegel der Berschwiegen- fieit- abgesehen von meinem Gehalt besitze ich noch Gelder aus der Bank, die ich durch meine foiide Lebensweise erspart habe. Ja) bin ein gesetzter, nüchterner Mann und führe einen ordentlichen, geregelten Lebenswandel rn xnc, niete an mir ein Beifpiel nehmen könnten. Nur eins fehlt nir ein eigener häusllcher HeVd und eine Lebensgefährtin. Ich komme mir' vor mie ein unstet umherziehender Zigeuner, bald hier, bald dort, Sme innere Zufriedenheit. Ich habe niemand, nut dem ich mich aus- fprcchen kann, und wenn ich krank bin, >st keiner da, der mir muck) einen Schluck Wasser reicht. Außerdem, Ljubow Grigoriewna genießt e,n Ehe- mann in der Gesellschaft immer ein ganz anderes Ansehen «ls ein Jung­geselle. Und daher ist es mein sehnlichster Wunsch, mich durch Hymens Bande fesseln zu lassen, das heißt, mit einer anständigen, ehrbaren Person in den heiligen Stand der Ehe zu treten."

Sehr richtig!" bemerkte die Heiratsvermittlerin mit einem oenfjer.

"Aber wohin", fuhr der Zugführer fort,foll ich gehen, an wen soll ich mich weichen, wenn ich doch so zurückgezogen lebe unb niemand hier in der Stadt kenne? Aus diesem Grunde also riet mir Semion Iwano­witsch, mich an eine Frau zu wenden, deren Beruf.es ist, das Gluck ihrer Mitmenschen zu begründen. Und darum bitte ich Sie, Ljubow Gri­gorjewna, bitte ich Sie inständigst, mir mit Ihrem bewahrten Ra z helfen. Sie kennen alle weiblichen Personen im heiratsfähigen Alter hier in der Stadt und Sie werden auch mir mit Leichtigkeit etwas Pustendes

Ick hätte me geglaubt, daß mit solchen Geschäften so viel zu verdienen 'ist. Fünfzig Rubel! Mancher Mann hat nicht so viel. Trinken 6ieDk^eirat5nermiüterin leerte wieder das Glas. Stütfchkin betrachtete fie machtlechÄndert Rubel im Jahr , . Drin-

w g ..... Willen Sie Ljubow Grigorjewna, bet solchen &ÄÄÄ Ä.» "ch< Ser1!.««.,!°- kW M°.» 3U ^Jär"mich?" lachte die Heiratsvermittlerin, ^ich bin ja schon etnc aüC Durchaus nicht ...Wit Ihrer stattlichen. Figur ... und Ihrem vollen. . "efc Stütfchkin war ebenfalls ver.

Ie9enSien6tönneVe1,nenmeSlann noch sehr gut gefallen", sagte er.Wenn S-e"einen gefetzten, ehrbaren, fparfamen Mann bekommen, können 6t., ihm bei seinem Gehalt und Ihrem Verdtenst wgar sehr gut gefallen Sott, was Sie nicht alles reden, Nikolai Nikolajewitfch ...

E?fckg?eine^urze Pause. Stütfchkin schneuzte sich geräuschvoll. Die Heiratsvermittlerin errötete, sah ihn verschamt an und sragte.

| Wieviel Gehalt haben Sie denn, Nikolai Rikolajewitsck) "d Fünsundfiebzig Rubel, abgesehen von den Gratifikationen.

Außerdem haben wir noch Einnahmen von den Stearinkerzen u Hasen." . Q

I Gehen Sie denn auf Die Jagd?

I "Nein Halen heißen bei uns die blinden Passagiere. , ,

Abermals' Schweigen. Stütfchkin stand auf und ging r ..

w».,.

t,tite@tie Heiratsvermittlerin und verbarg ihr blutrotes Gesicht im

^"^Waslst da noch lange zu überlegen? Sie entsprechen völlig meinem

»*

ftatteu Sie mir, I!,||,N ausrinanderzuschen, was i>ir ein

, ... c;:r ,:ne Lebensweise ich von Ihnen erwarte ... Ich bin ein einfter, SSÄsBS.eSSSÄ E? rieb sich verV die Hände und murmelte halblaut vor sich hin:. And die Provstion habe ich auf diese Weise auch gespart.

verziehen.schon", tDieberl)oIte jie.Aber was für eine Braut möchten Sie I denn Haden, Nikolai Nikolajewitsch?"

.Wie das Schicksal will." , .

'Natürlich, wie das Schicksal will, aber jeder hat doch seinen eigenen I Geschmack. Der eine mag mehr die Blondinen, der andere die Bru- I netten I

Sehen Sie, Ljubow Grigorjewna", entgegnete'Stütschkin mit einem I schweren Seufzer,ich bin ein solider Mann mit gefestigtem Charakter. | Schönheit, überhaupt das Aeußere kommt für mich erst in zweiter Lime: I denn sagen Sie selbst, was hat man von so einem Lärvchen? Jrn Gegen- I teil mit einer schönen Frau kann es allerlei Aergerlichkeiken geben oui mich ist bei einer Frau nicht das, was draußen ,st die Haupljache sondern was drinnen ist, das heißt, sie muh eine schone Seele und onstitze gute Eigenschaften haben. Trinken Sie doch, bitte .. Natürlich ist es ja I sehr angenehm, wenn die Frau so ein bißchen voll und runN«^ i^t,.aber I für ein harmonisches Zusammenleben ist das kein wesentliches Ersorder- I nis; die Hauptsache ist doch immer der Verstand. Uebrigens ossen ge- I standen, braucht die Frau auch keinen Verstand. Eine Frau mit Verstand I bildet sich leicht einen zu hohen Begriff"voni ihrereigenen.Person und hängt allerlei phantastifchen Idealen nach. Ohne Bildung geht s ]n heut- I zutage nicht, das ist sicher, aber es gibt doch verschiedene Arten von Bil­dung Es ist schön, wenn die Frau französisch und deutsch sprechen kann, Sprachkenntnisse sind ja immer sehr angenehm, aber was nutzt nur das^ wenn sie mir, sagen wir mal, nicht einen Knopf annahen kann. Ich gehöre zur Klaffe der Gebildeten, aber ich besitze trotzdem einen durchaus schlichten Charakter. Ich möchte ein ganz einfaches Mädchen haben Dw Hauptfache ist, daß sie mich hochachtet und sich stets bewußt ist, daß ich I sie glücklich mache."

Selbstverständlich." , .... ., ...

Nun, also jetzt das Materielle . . Eine Reiche mochte ich nicht. Ich bin "kein Lump, daß ich auf eine Geldheirat ausgehe. Ich wünsche nicht, das Brot meiner Frau zu essen, sondern umgekehrt sie soll das meinige essen und es keinen Augenblick vergessen. Aber andererseits, eine Arme möchte ich auch nicht. Ich bin zwar, wie ich bereits erwähnte, nicht mittel- | los und heirate nicht des Geldes wegen, sondern aus Liebe, aber eine Arme kann ich trotzdem nicht nehmen. Sie wissen >a selbst, wie teuer heutzutage alles ist, und wenn noch Kinderchen kommen

Mau kann auch eine mit Geld haben", sagte die Heiratsvermittlerin.

"Trinken Sie doch, bitte! Und erlauben Sie mir jetzt die Frage: wie­viel" nehmen Sie für Ihre Bemühungen um Beschaffung einer Braut?

Nicht viel. Fünfundzwanzig Rubel und Stoss zum Kleid. Das i|t so die Tare .. Für die Mitgift natürlich extra."

Stütfchkin kreuzte die Arme über der Brust und dachte angestrengt nach, dann seufzte er und sagte: *

Das ist ober doch sehr teuer ..." ,

Ganz und gar nicht teuer. Nikolai Nikolajewitschi Früher, als es noch mehr Hochzeiten gab, machten wir's bisweilen billiger. Aber heut­zutage was ist da viel zu verdienen? Wenn man in einem Monat sünfzig Rudel einnimmt, kann man froh sein.

Hm ... Fünfzig Rubel nennen Sie wemg?

,/5cht wenig! früheren kamen n)$t aus fyunoert JtubGl

Mie tt>irb man Erft«der?

BZuch bei Mihaly, dem Erfinder des Fernsehens nnd Fernkinos.

Von A.K. von Hübbenet.

mJnn fnnn Verschiedenes erfinden: technische Neuerungen und medi­zinische Präparate, Reklameartikel und modische Belanglosigkeiten, wisten- schö ttiche Theorien und Methoden, die Menschheit zu foppen Im Archiv des Reichspatentamtes kann man die «^fallensten Sachen nben auf die Patente ausgegeben wurden. Manches davon ist genial und ha her Entwicklung der Zivilisation neue Wege gewiesen; vieles, vielleicht sn.- wellte ist so unwesentlich, so belanglos, daß man es gar Nicht al Ersindung", sondern mehr als Witz ansprechen mochte; manches wieder 'ist so merkwürdig und phantastisch, daß es wie Spuk Eutet.

Dementivrechend gibt es auch verschiedene Erfinder-Typen. C- fdion vorgekommen, daß irgendeinem harmlosen Erdenbürger Öan3 bu ch Siifall ein erleuchtender Gedanke kam, eineErfindung , die 'hm unver- h°s t Tausende tinbrachte. Ich erinnere mich, in meiner Schulbubenzeit wurde gerade der Bleistift mit dem Radiergummi hintendran große Mode Auf unerklärliche Weise verstand es dieses unbegueme Ding, sich allenthalben unentbehrlich zu machen. Die Nachricht, daß der Erfinder mit diesem lächerlichen Patent ungeheure SiMiinen verdient haben sollte ließ uns Jungens nicht schlafen. Wir zerbrachen uns die Kopfe, wie wir auch io eine Erfindung" machen könnten, um auf diese Weise rasch Mi Geld und zu einem Auto zu kommen. Neben solchen Zusalls-Crfin- dern gibt es Leute, die sich das Erfinden zum Beruf auserkoren Haden die sich die verschiedensten und merkwürdigsten Dinge patentieren lassen unb in der steten Hoffnung leben, spätestens übermorgen »ft, Geld und Rvhm zu gelangen. Arme Teufel, die sich von der Welt mißverstanden

i "^Schließlich bebrüte Art der Erfinder: das find Wissenschaftler For­scher Techniker mit eminentem Wissen unb Können und t»oM non Natur zum Erfinden prädestiniert. Das sind die Genies, die nut hellseherischem Scharfblick und in zielbewußter, konstruktiver Forschungsarbeit neue Wege erfinden unb entdecken. Einer von den Glücklichen, die sich ver­hältnismäßig rafch durchfetzen, ist Denes von Mihaly. ^an glaubt es

I kaum, wenn man diesem jungen, eleganten Menschen gegenubersteht, daß er einer der produktivsten unb erfolgreichsten modernen Erfinder ist. Seine letzte Erfindung, der Fernsehapparat, hak seinen Namen tn der ganzen Welt berühmt gemacht. '

Das erste, was Mihaly tut, nachdem wir uns begrüßt haben, ist, mir eine Zigarette anzubieten. Er ist ein starker Raucher, ich habe in fernem Arbeitszimmer allein achtzehn Aschenbecher gezahlt und das will schon etwas heißen. Das .Heim des Erfinders, der mit feiner jungen Gattin