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von Borneo. Darin heitzt es:So braucht man also die Fata morgana nicht zu fürchten, ruhig muß man bleiben, und vor allem nicht schießen! Denn durch den Schuß werden die schwarzen Kreuzspinnen aus ihren Verstecken gelockt und finden sofort den Weg zu Mensch und Tier. Und so sie gebissen haben, da tritt sofort der Tod ein. Wer deshalb in der Schlucht von der Spinne überrascht wird, der laufe, so schnell er kann und befehle seine Seele unserem Herren und Vater im Himmel!"

Dessen aber bin ich gewiß, daß Sascha Wassiljewitsch in der Schlucht geschossen hat.

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Bom Palast der Medici.

Von Prof. Dr. Walter Bombe.

Jeber Besucher von Florenz kennt den prächtigen Palast der Medici, den sich Cosimo der Alte an der Via Larga, der Breiten Straße, heute Via Martelli, um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts durch

seinen Hausarchitekten Michelozzo erbauen ließ. Jeder Baukünstler und jeder Kunsthistoriker bewundert in ihm bas unübertroffene Muster­beispiel eines monumentalen Wohnhauses der Renaissance. Die Loggia an der Ecke, der prächtige Hof mit feinen Säulenhallen, die klare und übersichtliche Verteilung sämtlicher Räume auf gleicher Höhe, die Groß­räumigkeit des Ganzen und die wundervolle Ausstattung des Inneren erregten Bewunderung bei den Zeitgenossen und späteren Geschlechtern. Hier hat Michelozzo zuerst die Abstufung der Rustika in den einzelnen Stockwerken zur Anwendung gebracht. Während im Erdgeschoß die Qua­dern nur an den Kanten bearbeitet, sonst aber roh belassen sind, zeigt das erste Stockwerk bearbeitete Blöcke, deren Fugen tief einschneiden, und der Oberstock nur noch in den vertieften Fugen einen Anschein von Rustika. Das Gleiche ist bei den Gurtgesimsen der Fall, bereit oberes feiner und zarter gebildet ist als das untere, und diese stufenweise Ver­feinerung des Baustoffes nach oben wird auf das wirksamste unterstützt durch die allmählich abnehmende Stockwerkshöhe. Ein vielfach nachge­ahmtes, prachtvolles, vielleicht nur zu schweres Kranzgesims schließt den Bau nach oben ob. Die kleinen, hoch gelegenen Fenster im Erdgeschoß und ein Kranz von Zinnen nebst Wehrgang an der Gartenmauer gaben dem Bau in seinen unteren Teilen den ernsten, feftungsartigen Charakter. Die Spuren dieses Zinnenkranzes sind jetzt, nach den Wiederherstellungs- arbeiten, deutlich zu erkennen. In der Mitte des Säulenhofes stand einst der Bronzedavid Donatellos, und in der Mitte des anschließenden Gartens ein Zierbrunnen, den Donatellos Gruppe der Judith mit Holo­fernes krönte. Donatello hat vielleicht auch die schönen Medaillonreliefs über den Säulenhallen des Hofes, nach antiken geschnittenen Steinen entworfen.

Eine breite Treppe führt hinauf zu der berühmten Hauskapelle, deren Farbenpracht nach einer sorgfältigen Reinigung wieder in der ursprüng­lichen Frische erstrahlt. Die Reise der heiligen drei Könige nach Bethlehem zieht auf einem Bildteppich in einer prachtvollen Reiterprozession an uns vorüber, mit den Bildnissen der Medici, des Malers Benozzo Gozzoli selbst und mit dem ganzen reichen Gefolge einer italienischen Fürstenreise der Renaissance. In weniger als zwei Jahren hat der rasch schaffende Benozzo diese Fresken bei künstlicher Beleuchtung gemalt, und nur bei Kerzenschein entrollte sich den Zeitgenossen die Pracht des völlig fensterlosen Raumes. Das einzige kleine Fenster der Hauskapelle wurde erst 1659 eingebrochen, als der neue Besitzer des Hauses, Francesco Riccardi, die neue Treppenanlage Herstellen ließ, der die Kapelle beinahe zum Opfer gefallen wäre. Von der Sakristei, die man für spurlos verschwunden hielt, ist während der Wiederherstellungsarbeiten der obere Teil mit einem schönen Friese zum Vorschein gekommen. Das Altarbild mit der Anbetung des Kindes von Fra Filippo Lippi befindet sich jetzt im Berliner Kaiser-Friedrich-Museum.

In den mit auserlesenen Kunstwerken geschmückten Räumen des neuen Palastes hauste Cosimo, derPater Patriae", während der lebten zwölf Jahre seines Lebens, nach ihm sein Sohn Piero, und später hielt Cosimos Enkel, Lorenzo il Magnifico, hier sein glänzendes Haus, das er und seine Vorfahren mit einem märchenhaften Reichtum an .Minst- mcrten aller Art geschmückt hatten. Piero der Jüngere, Lorenzos Sohn, fügte den ererbten Kunstschätzen neue hinzu, aber als König Karl VIII. von Frankreich in Florenz einzog, stürmte der Pöbel den stolzen Palast, und der König selbst raubte unter dem Vorwande, die Medici seien ihm große Summen schuldig, Kunstwerke und Juwelen im Werte von 100 000 Scudi, nach heutigem Geldwert melr als zwei Millionen Mark. So wurde an einem Tage der kostbare Kunstbesitz zerstreut, an dem die größten Künstler jener Zeit geschaffen hatten. Alles, was die späteren Großherzöge aus dem Hause Medici an Kunstwerken aufhäuften, erreicht kaum an Wert die Sammlung erlesener Stücke, die der Herrscherwille des Magnifico in einem Leben zusammengebracht hat, das nur dreiund­vierzig Jahre zählte.

Aks nach der elfmonatlichen Belagerung durch die Truppen Kaiser Karls V. die Stadt sich am 12. August 1530 ergab, wurde Alessandro bei Medici erblicher Herzog und der Palazzo Medici feine Residenz, aber die Herrschaft des zügellosen jungen Fürsten sollte nicht von langer Dauer sein. Lorenzino, der Genosse des leichtsinnigen Alessandro bei manchem Liebeshandel, ermordete ihn 1537 in einem Zimmer seines Hauses, das mit dem Palast in Verbindung stand. Die Leiche des Her­zogs wurde heimlich in die alte Sakristei von San Lorenzo gebracht und dort in aller Eile bestattet. Statt des unbeliebten Lorenzino wählte der Florentiner Senat den Sohn des Giovanni delle Bande Stere, des ruhm­vollen Anführers derschwarzen Banden", Cosimo bei Medici 3um Herzog, der mit Hilfe spanischer Truppen den Aufstand der Flo- J-fntiner Republikaner bekämpfte und den Bau Michelozzos zu seiner Residenz machte.

Dann kam die Zeit, als Cosimos Gemahlin die bleiche, stolze E1 eo - Nora da Toledo, den Palast bezog und spanisches Zeremoniell und steife Eleganz am Florentiner Fürstenhof einführte. Aber bald wurde ihr der Palazzo Medici zu eng, und darum siedelte sie zuerst in den Palazzo Recchio und später, 1549, in den Palazzo Pitti über, den Ammanati

für sie ausbauen mußte. Das schöne Haus in der Via Larga aber blieb unbewohnt, und im Jahre 1659 verkaufte es Großherzog Ferdi­nand II. für 41 000 tocubi an den Marchese Gabriel!» Riccardi der es einem Umbau im barocken Geschmacke der Zeit unterzog, wöbe! ein Teil der Sakristei, der Hauskapelle und die Treppe der Medici zer­stört wurden. Im Jahre 1715 wurde der Palast nach Norden um sieben Fenster vergrößert, ein Marstall und eine mit Büsten geschmückte Terrasse wurden hinzugefügt. Einen durch den Neubau gewonnenen großen Saal schmückte Luca Giordano mit Fresken, welche die Mediceer als Lichtgottheiten darstellten, und mehr als fünfzig Statuen wurden an den Wänden aufgestellt. Aus dem alten väulenhofe Michelozzos aber mach­ten die Riccardi ein Museum, indem sie antike Büsten, Bruchstücke von Reliefs und Inschriften an den Wänden anbrachten.

Mit der Erwerbung des Palastes durch den Staat im Jahre 1814 beginnt eine neue Phase in der Geschichte des Palastes, die unrühmlichste von allen. In barbarischer Weise wurden die bunten Balkendecken weiß übertüncht, Zwischenstockwerke eingebaut und kleine Räumlichkeiten ge­schaffen, die teils zu Schreibstuben, teils zu Schlafkammern für über zweihundertGuardie", teils zu Gefängnissen dienten.

Das Verdienst, diesen unwürdigen Zuständen ein Ende bereitet zu haben, gebührt Professor Arturo Lina k er, der Jahrzehnte lang die Werbearbeit für die Wiederherstellung mit bewunderungswürdiger Aus­dauer betrieb. Man begann damit, das erste Stockwerk wiederherzustellen und mit Bildteppichen zu schmücken; aber erst, nachdem die Gelasse des Erdgeschosses geräumt waren, konnten Restaurierungsarbeiten größeren Stiles beginnen. Sie führten zur Wiederauffindung der alten Eckloggia, die 1530, vielleicht aus statischen Gründen, geschlossen wurde. Die als­dann hier angebrachtenKniefenster", die ersten ihrer Art in Florenz, hat kein Geringerer als Michelangelo geschaffen. Leider wurden in späteren Zeiten die Deckenmalereien des Giovanni da Udine, eines Schülers Raffaels, und die Lünetten Safaris, als man das alte Kreuzgewölbe der Loggia in ein Kappengewölbe verwandelte, zerstört. Eine zweite Loggia an der Rückseite des Palastes blickte in den Garten. Hier sind die alten Kompositsäulen unter späteren Stuckdekorationen zum Vorschein gekommen. Außer diesen beiden Loggien sind vier große Säle des Erdgeschosses zu neuem Glanze auferstanden.

In diesen vier großen Hallen hat das M e d i c i - M u s e u m eine würdige Stätte gesunden. Dieses jüngste unter den Florentiner Mu­seen enthält die Bildnisse der Mediceer und Abbildungen ihrer Stabt« Paläste, Landschlösser und der Villen draußen, vor der Stadt. Durch drei Jahrhunderte, vom Beginn des 15. Jahrhunderts bis zu ihrem Er­löschen 1737 hat diese Herrscherfamilie eine überaus rege und groß­zügige Bautätigkeit ausgeübt. Wir sehen Bildnisse Cosimos des Alten, seinen Sohn Piero und seines Enkels Lorenzo, den berühmten Anführer derSchwarzen Banden", Giovanni delle Bande Nere, dessen Sohn Cosimo, den ersten Großherzog von Toskana, Katharina Me­dici, die Gemahlin König Heinrichs II. von Frankreich, Maria, die Heinrich IV. von Frankreich heiratete, den kunstsinnigen Sammler Ippolito und den Papst Leo X. Aber es fehlen auch nicht die letzten, schon ein wenig degenerierten Großherzöge, von denen Gastone, fett und kurz von Atem, in seiner Allongeperücke ein echter Typ der genuß- frohen Rokokozeit ist. Dagegen fehlen noch die Bildwerke, die einst den Hof und Garten schmückten, darunter die vor dem Palazzo Vecchio ganz sinnwidrig aufgestellte Bronzegruppe Judith und Holosemes von Dona­tello, der Bronzedavid Donatellos, der einst in der Mitte des Säulenhofes stand, ferner der Orpheus und der Laokoon B a n d i n e 11 i s, zur Rech­ten und zur Linken der wiederhergestellten Statue Herzog Alessandros von Bandinelli, des weiteren zu beiden Seiten des Portals der Garten­seite die antiken Marmorfiguren des Marsyas, die als monumentale Tür­hüter gedient haben. Hoffen wir, daß der Tag nicht mehr fern fei, an dem wenigstens einige der jetzt in Museen, Palästen und Gärten der Stadt zerstreuten Kunstschätze wieder in dieses Haus zurückkehren.

Sidonie Beeskow.

Novelle von E. A. G r e e v e n.

Copyright by Carl Sünder Verlag, Berlin W 62.

(Fortsetzung.)

Während er mit mir spricht, fährt er in feiner Arbeit unbekümmert fort und nickt vergnügt vor sich hin, wenn wieder ein Teilchen des komplizierten Gehäuses blitzblank und funkelnd im Licht der Sonne spielt. Plötzlich richtet er sich auf und schaut über den Zaun auf den Weg, der zwischen Wiesen an kleinen Häuschen und Villen vorbei zur Stadt führt.

Heute früh" sagt Onkel Josuawar schon Besuch bei mir, ein merkwürdiger Besuch, die Fremde aus dem Löwen!"

Ueberrascht schaue ich ihn an.

Jawohl, die Fremde. Sie fragte, ob bei mir vielleicht Zimmer zu mieten wären. Sie sucht eine ruhige Wohnung für längere Zeit. Senn sie will sich hier niederlassen."

Ich spüre, wie etwas Fremdes sich nähert und an den Kreis unseres Lebens pocht; ich höre ihre Füße in nächtlicher Einsamkeit tasten und sehe in die dunkle Verlorenheit ihres Lebens. Wer von alledem sage ich nichts.

Wollen Sie denn vermieten, Onkel Josua?"

Ich könnte sehr wohl zwei Zimmer abgeben", antwortete er nach­denklich.Ich habe schon oft daran gedacht, auch der Einnahme wegen. Aber ich möchte nicht gern an die Fremde vermieten!"

Und warum nicht, Onkel Josua?"

Onkel Josua nimmt ein weiches Tuch zur Hand und reibt vorsichtig über den Planetenbogen seiner Sonnenuhr, wie wenn er meine Frage überhört hätte; er steckt voll solcher kleinen Eigentümlichkeiten. Aber auch ich kann warten mir eilt es durchaus nicht! Senn ich möchte wohl wissen, warum er an Siöonie Beeskow nicht vermieten will. Rach einer Weile legt er das Tuch zur Seite und steht mich ruhig an.