Ausgabe 
28.1.1929
 
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®enifl Hemmung««, am ei« Ziel zu erreichen, die x>ersSnlichen Anter« ss>en überwiegen die sachlichen, und diese Ehrlichkeit gefällt. Man ist in Rumänien |ebr nah am Vaterlande des Bakschisch! Das soll nicht heißen, hast die Rumänen unehrlich wären, im Gegenteil! Man braucht in den Hotels sein Zimmer nicht zu verschließen, es wird einem nichts ge­stohlen. Der Rumäne ist gastfreundlich und großzügig, und wenn sich gewisse Rumänen im Ausland den Ruf von Gentlemangaunern er- worben haben, wie z. B. der berühmte Manulesku. so scheinen diese Herrschaften Exportware zu sein; in ihrer Heimat begegnet man ihnen nicht. (£s gibt zwar Räuber in der Dobrudscha und in den Karpathen, die sich mit den Gendarmen und der Eeguranza in blutige Kämpfe ein- lassen, aber auch mit ihnen kommt der Reisende nicht in Berührung; Pe sorgen für die Aufrechterhaltung der Balkanromantik.

Jeder weiß, daß Rumänien reiche Petroleumquellen besitzt, die, als der Krieg über das Land tobte, in Brand gesetzt und zerstört wurden. Heute befördert Rumänien wieder 1400 Tonnen Petroleum täglich ins Ausland. Rumänien hat auch Goldgruben, deren Ausbeute 1927 2009 Kilogramm betrug, Silber-, Zink-, Antimon- und Bleibergwerke. Es hat einen reichen Ackerboden und versorgt das Ausland mit Getreide, Mais und mit anderen landwirtschaftlichen Produkten, es ist ein reiches Land, mit dem Deutschland nun nach Abschluß des Handelsvertrages in weit engeren Verkehr, als es bisher der Fall war, treten kann. In Rumänien ist das böse Gespenst aus dem Kriege, der Deutschenhaß, begraben und vergessen, und wenn die Rumänen als Lateiner sich auch gerne von der französischen Kultur beeinflussen lassen, so ist doch auch alles Gute aus dem Reiche ihnen herzlich willkommen. Eine Reise ins Land der Bojaren und ein Besuch ber Hauptstadt Bukarest hak sich für jeden gelohnt. Roch führen dahin keine ausgetretenen Touristenpsade, obwohl die Karpathen als Sommerausenthait in ihrer zerrissenen Wildheit und mit ihren land- schafliichen Schönheiten es nicht verdienen, vergessen zu werden. In Bukarest findet der Reisende neben allen Bequemlichkeiten viele fremd­artige Eindrücke und spürt den Hauch de« Orients, der über das Schwarze Meer herüberwehr. Man ruht in Rumänien aus vom europäischen All- tag, von der Hetze noch Erfolg, von der amerikanischen Schminke, mit der das einst geistig innigere Leben der Länder der Alten Welt im letzten Jahrzehnt übertüncht worden ist. Im Zeitalter der Schnellzüge ist der Weg nach Bukarest nicht weit, und die Fahrt kostet weniger als nach Rom. Es kostet nicht mehr als einen Entschluß und ein Sichhinwegsetzen über das Hergebrachte.

Brider auf SchallplatteM,

Die Zaubereien des Herrn Baird.

Von Frank W a r sch« ite r.

Solange die Erfinder Phantasten waren, haben sie nichts Großes zustande gebracht. Erst als ihnen die moderne Wissenschaft die nüchterne Berechnung ermägUchte und damit ihrer ganzen Tätigkeit eine feste Basis gab, entstanden jene staunenswerten Erfmdungen, die heute das B-ld der äußeren Welt umgcftalten. Erfinder sind jetzt nüchtern und müssen es sein. Von der Mystik der Alchimie des Mittelalters ist heut« nirgends etwas zu spüren. Alles ist kühl, durchdacht, klar bewußt.

Aber gerade auf der Grundlage dieser seelischen Haltung hat sich sine neue Phantastik entwickelt, die dem Menschen immer mehr zum Bewußtsein kommt. Wir wissen heute kaum noch, daß es eine Zeit gab, in der man in der Technik den Inbegriff des Nüchternen, Poefie- Jcjen und Häßlichen erblickte. Dabet ist diese Epoche noch gar Nicht so lange vergangen. Wer damals darauf hinwies, daß etwa die zweck- bestimmte Architektonik einer Eisenbahnbrücke ebensoschön" sei, wie die einer Jahrhunderte alten Skeinbrücke, die malerisch über einen Fluß führt der fand kein Verständnis für seine Anschauung. Heute fühlt man immer deutlicher, daß diese Sachlichkeit alles Technischen gleichzeitig eine neue Phantastik schafft, die jedem zum Bewußtsein kommt, wenn etwa ein Zeppelin-Luftschiff über den Ozean fliegt oder sonst eine großartige Leistung der Flugtechnik vollbracht wird. Und ebenso ist es auch mit dem Rundfunk und mit allem, was damit zusammenhängt.

An den Rundfunk sind wir gewöhnt, das Fernsehen wird morgen bereits zum Alltag der Technik gehören. Aber die Erfindungen, von denen ich hier erzählen will, haben doch: etwas ganz besonders Ser« Muffendes.

Richt etwa, als ob sie nun in ihrer technischen oder wissenschaftlichen Grundlage ein etwas so völlig Einzigartiges und Neues darstellten; jedem der sich mit diesem Spezialgebiet beschäftigt hat, werden die wissen­schaftlichen Grundlagen dabei ohne weiteres verständlich, sogar geläufig fein. Nichtsdestoweniger handelt es sich um eine ganz besonders inter­essante Anwendung vorhandener Prinzipien und Erkenntnisse.

Es gibt Erfinder, die bei" aller mathematischen Sachlichkeit ihrer Spekulationen doch teich! aus das Seltsame und Außerordentliche ge­raten. Zu ihnen gehört der große Edison, und in die gleiche Klasse ist auch, ohne daß man ihn gerade an umfassender Bedeutung mit diesem zu vergleichen braucht, der englische Erfinder Baird einzureihen, dessen Fernsehapparate aus der Londoner Funkausstellung so eindrucksvoll den Fortschritt der Fernsehtechnik demonstrierten. Baird ist Schotte von Geburt und vielleicht als solcher von vornherein besonders dem Seltsamen Zugeneigt, wenn es sich auch jetzt nicht mehr in Sagen und Märchen, sondern in Apparaten und Maschinen ausdrückt.

Und gerade diese Neigung zum Wunderbaren hat diesen englischen Erfinder bei der Masse bis zu einem gewissen Grade populär gemacht, ihm aber gleichzeitig die Antipathie vieler Techniker eingetragen. Er galt lange Zeit in England und ganz gewiß schon im Ausland als ein ge­schickter Charlatan, von dem man behauptete, daß er in erster Linie ver­stehe, von sich überall reden zu- machen, daß aber in Wirklichkeit seine Erfindungen keinen besonderen Wert hätten.

Dazu kam noch ein migewöhnkicher Lebenslauf. Seine Feind«, und er hatte deren viele, behaupteten, er sei eigentlich Strumpfwarensabrikant und in der Technik nicht mehr als ein geschickter Dilettant. Tatsächlich ist dies aber unrichtig. Der Mann hat in seinem Leben viel gesehen und auch verschiedene Berufe gehabt: er war einmal in Ostindien aus einer Zuckerplantage, und dann hat er sich auch einige Zeitlang bemüht, eine von ihm gemachte Eifmduna zur Strumpswarenhelstellung selbst aus­zunutzen das ist richtig. Aber ursprünglich ist er ein durchgebildeter Ingenieur. Uebeigens hat er von seinen anderen Beschäftigungen nicht viel Erfolg gehabt, jo daß er um so lieber zu der reinen Technik zu­rückgekehrt ist. Eine seiner neuesten Erfindungen nun ist die Festhal- tung von sichtbaren Vorgängen aus Schallplatten. Wer das liest, wird zuerst an einen Druckfehler glauben. Man ist ge- wähnt, eine Schallplatte zu hör en: man kann sie auch sehen bekanntlich, aber nicht das, was in ihr ausgezeichnet ist. Das soll nun anders wer­den. In den neuen Apparaten des Herrn Baird dreht sich zwar eine Schallplatte: aber hören tut man nichts. Statt dessen erscheint auf einem kleinen Spiegel, der sich zur Seite des Apparates befindet, ein bewegte» Bild der Vorgänge, die auf zunächst geheimnisvoll erscheinende Weise zu diesem Zweck ausgenommen wurden. Es ist, als hätte man vor sich einen kleinen Filmreproduktionsapparat, in dem ein Film abläuft.

Wie kommt diese Merkwürdigkeit zustande? Die Erfindung hat sich aus den Fernsehexperimenten Bairds mit ziemlicher Leichtigkeit ergeben. Es darf als bekannt.vorausgesetzt werden, in welcher Weise bei den Fernsehversuchen aller Systeme ein Bild in eine Anzahl hellerer und dunklerer Punkte aufgeteft wird, deren Lichtwert in einen elektrische» Wert umgesetzt wird, welch letzterer dann die Sendewelle moduliert. Bei den Experimenten, die Baird anstellte, war das Endziel natürlich, am Empfangsort ans der aufgenommenen Welle wieder die Lichlwert« in den Rhythmus des Sendevorgangs zu gewinnen und daraus bann das bewegte L.cht naturgetreu zujammenzusetzen. Dabei ergab sich aber gleichzeitig ab und zu die Notwendigkeit, in den Empfänger Kopfhörer einzuschalten. In diesen nun mußte naturgemäß die gleiche Umwand­lung statlsinden, die wir von jeher im Rundfunk gewöhnt sind, das heißt die Modulation der Wellen, mochten sie auch an sich von der licht- elektrischen Zelle herrühren, machten sich naturgemäß nicht als Licht, sondern als Ton bemerkbar: man hörte am Empfangs ort wechselnd« Töne, die natürlich nicht gerade immer einen sehr musikalischen Cha­rakter trugen, Brummen, Zischen oder ähnlichen Geräuschen, die man ja vom Empfang her, mehr als einem lieb zu sein pflegt, gewohnt ist.

Die erste interessante Beobachtung, die dabei gemacht wurde, war verblüffend, obwohl sie eigentlich ganz selbstverständlich ist. Es stellte sich nämlich heraus, daß für jedes gesandte Fernblld ein charakteristischer Ton im Kopshörer eiftstand. Wenn also etwa vor dem Sendeapparat Herr X. D. sah und gerade sein Mehr oder Minder schönes Profil in bi« Lichtquelle hielt und den Kopf ein wenig hin- und herbewegte s» entstand im Empfänger ein ganz bestimmter Ton. Setzte sich aber nun Fräulein L. M. vor den Sendeapparat, so war die Folge, daß dort ein anderes Bild abgetastet wurde, das heißt, daß die Sendewelle in anderer Weise moduliert war. Man hörte demgemäß im Empfänger ganz ander« Töne, und es ergab sich, daß jedesmal eine bestimmte Art der Tonver­bindung für das gesandte Fernblld, das heißt für die betreffende Per­son charakterisiert war. Die Journalisten, die bei den Versuchen an­wesend waren, mußten mit Staunen seststellen, daß etwa das Prof I bei Herrn Zi recht unerfreulich klang, während das En-Face-Bilb des Herrn M. bedeutend schönere Musik macht«. Natürlich war das Ganz« nur ein Kontroll- und Zwischenvorgang: Baird konnte ebensogut die am Empfänger anlangenden Zeichen genau wie bei jedem anderen Fern­sehsystem in Lichtpunkte wechselnder Intensität umsetzen, die dann mit großer Geschwindigkeit in der dem Original entsprechenden Weise, auf einer Fläche ungeordnet, das bewegte Bild ergaben.

Aber dieser Zwischenvorgang war so sonderbar und interessant, daß Baird nun einen Schritt weiterging, was technisch ebenfalls keine Merk­würdigkeit darstellt, sondern nur eine Sache des Einfalls ist: er ließ di« sich im Empfänger bildenden Töne und Tongruppen auf einer Schall­platte aufzeichnen. Ließ er nun weiter diese Schallplatten aus einem gewöhnlichen Grammophon spielen, so konnte er die gleichen Tön« reproduzieren, die er vordem hörbar gewacht hatte. Da» war nun an sich nichts Brauchbares, denn es interessiert auf die Dauer keinen Men­schen, wie das Profil des Fräulein Mi L. und das Bild des Herrn Z. brummt und kreischt. Jetzt war aber weiterhin nichts notwendig, um an Stelle der mit einer Membran versehenen Schalldose, welche für gewöhnlich beim Grammophon verwendet wird, jene andere einzu- ctzen, die ja auch jetzt schon allgemein bekannt ist: nämlich die Elekiro- challdose. Diese hat ja genau die umgekehrte E genschaft, die sonst vorher >ei diesem Verfahren angewendet war: sie setzt mechanische Werte, näm­lich die von der auf der Schallplatte liegenden Nadel herrührenden. In elektrische Schwankungen um. Unb um diese elektrischen Schwankungen handelt es sich ja gerade. Denn sie enthielten das vom Fernsehsende- apparat aufgelöste Bild. Dies nun wieder zusammenzusetzen, könnte nicht schwer sein. Es handelte sich um den gleichen Vorgang wie bei jedem Fernsehempfänger: Nämlich die Schwankungen elektrischer Ströme in Lichtschwankungen umzusetzen und diese so anzuordnen, daß sich daraus wiederum das lebende Bild ergibt Das ist denn Baird auch eben!« i wie bei seiner sonstigen Fernsehapparatur gelungen, und so kommt jener merkwürdige Effekt zustande, von dem ich eingangs sprach: daß man bei Ablaufen der Schallplatte in einem seitlich befindlichen Spiegel sicht­bare Vorgänge sieht, dagegen nichts hört.

Ob dieses Verfahren einen praktischen Wert hat, steht noch dahin. Aber möglicherweise wird sich in späterer Zeit der praktische Nutzen dieser Erfindung zeigen. In jedem Fall hat man hier eine der kurioseste« Zaubereien der modernen Technik vor sich.

verantwortlich: Or. Hans Thyrtott Druck und Verlag: Vvühl'fche UniverfItäkS^Buch» und Stein drnckerst, R. Lang«, Dießen.