um ihr zu zeigen, daß wahrhaftig der erste Mukkepukker lebendig aus der Luft heimkehrte, die doch sonst gewiß nur die Windischen, Vögel und Schwanewitten befahren hatten.

Nein, Burremann hat sich bis zur Nacht mit kaum einem einzigen seiner Freunde unterhalten, so lange nicht, bis er das Geheimnis des neuen Wagens in- und auswendig im Kopf hatte. Nur einmal hat er flink der Frau zugeschrien, sie solle sich im Schuppen eine neue Wohnung suchen, sie zögen um, sie zögen sofort um.

Erst als es stockdunkel war, ist er vom Flugzeug herabgekrochen und hat den andern mit heißem Kopf erzählt, wie die Fahrt gewesen wäre, von seiner Eifersucht hat er natürlich kein Wort mehr gesagt. Er hat nur getan, als wenn er aus lauter Mut und Neugier in den neuen Nogel eingestiegen sei, und hat geprahlt und so entsetzlich von seiner Er­findung geredet, daß die meisten Freunde ihn schließlich haben stehen lassen, sie konnten die Prahlerei nicht mehr anhören.

Nur die Frau ist ihm treu geblieben. Sie hatte noch über Nacht eilig einen kleinen Teerwinkel im Flugzeugschuppen ausgesucht, hat da bis Mitternacht eine Wohnung hergerichtet, und dann haben Burremann und sein Weib die sieben kleinen Kinder aus dem Wagen, in dem sie bisher gewohnt hatten, Huckepack herausgeholt und in die neue Kammer hinübergeschleppt, das achte, das noch die Flasche bekam, haben sie nicht finden können, aber sie haben das dumme Ding in ihrer Aufregung auch ganz und gar vergessen. Denn noch in der gleichen Nacht hat Burremann seine sieben Aeltesten hergenommen und ist bis zum Morgengrauen auf dem Flugzeug herumgekrochen und hat ihnen alle Geheimnisse gezeigt. Und die sieben sind gleich auf die anderen Maschinen gesprungen und es ist wahrhaftig so gekommen, daß über Burremanns abscheuliche Eifersucht, von der er heute gar nichts mehr wissen will, er und die Seinen vom Wagen, der nur über Landstraßen fährt, gerade­wegs zu den großen neuen Vögeln übergesiedelt sind. Und seine Söhne haben gleich geheiratet, weil sie nun ihre eigene Wohnung hatten, und haben wieder Kinder bekommen, und

Ja, und es ist gut für uns Menschen, daß es so gekommen ist, denn diese kleinen geheimen Knechte helfen uns in vielem, und erst seitdem die Burrer sich in die Flugzeuge eingenistet haben, ist es den Menschen gelungen, sich ganz sicher ihren Weg durch die Luft zu bahnen. Denn der Verstand allein und das Auge und der menschliche Arm genügen nicht, es muß auch ein guter Geist in den Maschinen wachsen und wachsen, sonst ist tausendmal vergeblich, was wir wähnen und zu hohen Sielen bauen.

Wiener Damen vor 200 Zähren.

Von Dr. Helene Busch-Elsner.

Uns verbinden sich mit dem Typ der echten Wienerin die Attribute lustig, fesch und hübsch. Sie hat das Wiener Blut in den Adern und ist darum, ohne leichtsinnig zu sein, leichten Sinns, hat stets ein Lied auf den Lippen, einen Walzer in den Füßchen und den goldenen Wiener Harnur' im Herzen. Sie ist frisch und natürlich mit einer leichten Regung zum Sentimentalen, frei von Ziererei und auch dann, wenn sie Nicht ausgesprochen schön ist, hübsch und anmutig, weil sie es versteht, die ihr verliehenen Reize ins rechte Licht zu setzen, sich graziös zu be­wegen und weil sie außerdem das Talent besitzt, sich mit geringen Mit- teln stets geschmackvoll und vorteilhaft zu kleiden. Sie ist nicht ohne Verständnis für materielle Genüsse, und ihr Ruf als gute Köchin geht durch alle Lande. a

Wie nun sieht ein Vertreter des starken Geschlechtes, ein Baron von Pöllnitz, der auf seinen Reisen durch ganz Europa Länder und Menschen kennen lernte und seine Eindrücke in später gedruckten Briefen wiedergab, vor gerade zwei Jahrhunderten die Wienerin?

Uebrigens muß ich annoch verschiedenes, so ich überhaupt von denen Oesterreichern angemercket habe, gebenden," schreibt er,und will ich von dem Frauenzimmer den Anfang machen, und dasselbe nach der Freyheit eines Soldaten, welcher die Wahrheit fein teutsch heraus zu sagen pfleget, beschreiben." Wir sehen also schon, daß es ihm nicht um Galanterien und Komplimente zu tun ist, wie sie die Wienerinnen von ihren Kava- lleren zu hören gewohnt sind. Dazu muß noch in Betracht gezogen wer­den, daß Baron von Pöllnitz sich nicht in Wiener Bürgerkreisen, sondern hauptsächlich am kaiserlichen Hofe bewegte.Es gibt in Wien," heißt es m feiner Schilderung,wie überall schöne und häßliche Frauen; im allgemeinen sind sie hier mehr schön als angenehm, denn in allen Wiener Schönheiten steckt fast gar kein Leben. Sie sind meist groß und wohl-

J?etoen auch einen ganz netten Gang, haben aber eine so schlechte Manier zu grüßen, daß man glauben könnte, es wurde ihnen bey einem gemachten Reverenz" der Rücken zerbrechen. Sie sind mehr kostbar als entmutig gekleidet bis auf wenige Ausnahmen pflegt sich nie- U>and rot, geschweige denn weiß zu schminken, und auch die Schönheits­pflästerchen (Schönflecklein") sind hier wenig im Gebrauch; es ist mit einem Worte nichts an ihnen zu finden, so ein äußerlich-verliebtes Wesen andeutet. In dieser Beurteilung macht sich deutlich der Vergleich mit der Pariserin fühlbar, die damals wohl schon ebenso tonangebend war wie heute. War doch selbst die Sprache der Gebildeten in Deutschland und Oesterreich die französische. Auch die Briefe des deutschen Herrn von Polln itz wurden erst in der zweiten Auslage aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt.

. I» seinen weiteren Ausführungen berichtet er, daß man die Wiene­rinnen für aufrichtig halte, doch machten sie sich nickst leicht mit jemand bekannt und seien auch sonst von Natur aus zu Hochmut und Kcckt- fmmgkeit geneigt,wie unser teutsches Frauenzimmer mit einander"; im übrigen hielten sie bei weitem nicht so viel auf anmutigen und liebenswürdigen Umgang als auf Spiel, Uebermut und Pracht.Gleich- w>e sie zum Müßiggang geneigt, also bekümmern sie sich das Mindeste Nicht um ihr Haußwesen, und stellen sich nicht anderst an, als ob sie fremd in ihren eigenen Häusern wären." Bücher, behauptet er, kennten sie flUßer ihrem Gebetbuch nicht viele; sie seien außerordentlich leichtgläubig und zeigten sich nach außen sehr devot. Dadurch sei der Umgang mit

ihnen durchaus nicht der angenehmste, und wenn es sich nicht um Liebesangelegenheiten handelte, redeten sie oftmals von nichts anderem als vom Wetter. Für ihre Geburtsstadt seien sie .wenn nicht mehr, o doch ebenso stark eingenommen wie die Pariser und meinten, außer Wien sei kein Glück zu finden. Alle diese kleinen Fehler aber würden durch eine ausgesprochene Großmütigkeit wettgemacht; sie seien außer­ordentlich verläßlich in der Freundschaft, und wenn sie jemand lieb ge­wännen, geschehe es von Herzen, ja, es gebe Fälle, wo Damen ihre Liebhaber, statt sie um das Ihrige zu bringen, reich gemacht hätten.

Nach dieser Charakteristik der Wiener Damen erzählt Herr von Pöllnitz auch noch davon, wie sie ihre Zeit verbringen. Er sagt:Des Alorgens stehen sie ziemlich spät auf, und Haden sie kaum die Augen offen, so verlangen sie schon nach Chocolate, schicken darauf zu ihren Männern, um zu wissen, wen sie zur Taffet gebeten, und ob die Stel­len daran alle besetzt. Ist die Gesellschaft nicht nach dem Sinn der Dame, schicket sie nach einer ihrer guten Freundinnen und Kiffet sie wissen, daß sie bey ihr zu Mittag speisen wolle; oder wann noch einige Plätze leer sind, wie denn ein Mann, welcher höflich feijn will, allemahl einige dem freyen Willen seiner Frau Überläßt, schicket sie hin und bittet 3» sich wer ihr beliebet. Nach diesem kleidet sie sich an, gehet in die Messe, denn es pflegen hier Dames, die auch sonst nicht eben gar zu devot sein wollen, wenigstens des Tages eine Messe zu hören; nach der Messe reden sie ordinaire (= in der Regel) eine Vierthel Stunde in der Kirche miteinander, statten nachhero einen ober ben anbern Besuch bei) guten Freunben ab, ober nehmen dergleichen von anbern an. Wäh- renb dieses Besuches erzehlet man, was neues in Wien paffiret, und haben inzwischen die Dames alle mit einander kleine laquirte Kistlein Iauf dem Schooß, worauf sie, biß es Mittags-Zeit ist, Goldfaden auszu­ziehen pflegen. Nach der Taffel trinken sie Lalle, und spielen selb fünfftes biß an ben Abend, da sie sich nach Hoff begeben. So bald sie von der Kayserin weggehen, finden sie sich in einer Assamblee ein, woselbst Piguet oder Quadrille gespielet wird, darauf sie sich nach Hauß begeben, und nachdem sie ausgekleidet, in einer kleiner geschloffenen Gesellschaft! die Abendmahlzeit einnehmen. Endlich legen sie sich zur Ruhe, und seynd von Hertzen vergnügt, daß sie ihren Tag so in Sorglosigkeit und ohne alle Geschäfte zugebracht haben."

Ein Wort widmet unser Gewährsmann dann noch demFrauen­zimmer von der zweiten Ordnung", wozu erdie Adeliche Weiber" rech- Inet, die keinen weiteren Titel haben, desgleichenderAssessoren, Refe- renbarien unb Hoff-Agenten Weiber", inbem er ihr Wohlleben in allen Stücken betont. Ihre Häuser seien kostbar möbliert unb bie Tafel über bis Maßen herrlich, ja, es bürfe niemanb einen Bissen haben, ber beütater sei als bei einem Referendario, unb es werbe baher immer bas Beste für sie angefchafft.Ueberhaupt ist bie Taffel dasjenige," fährt Herr von Pöllnitz fort,wovor die Defterreidjer am allermeisten besorgt sind, und müssen allerhand Getränke dabey im Uebersluß, sonsten auch die Schüsseln alle sehr reichlich angefüllek seyn; wie sie dann zu dergleichen Uebersluß in Speisen solchermaßen gewöhnet sind, daß ich etliche junge Oesterreicher gekandt habe, welche behaupten wollen, daß man in Franckreich keines­wegs wohl tractiret werde, weilen man niemahls allda zwey Kalbs- Biertel in einer Schüssel vorgesetzt bekäme. Gleichermaßen sind auch die vielerlei) Sorten von Wein sehr bey den Mahlzeiten im Gebrauch. Der Bürgersmann und andere Leute geringem Standes thun es dem Adel, so viel möglich nach, und kan man wohl sagen, daß keine Leute in der Welt weniger im Haußwesen zu sparen wissen, als bie in biefer Stabt."

Wenn Baron von Pöllnitz heute bie Wiener Stabt besuchen könnte, fönbe er viele, allzuviele sehr sparsame Bürgersleute, unb auch bie Damen, bie ihren Tag in voller Sorglosigkeit und ohne alle Geschäfte zubringen, suchte er heute vergebens.

Raubtier-Schule.

Von Paul E i p p e r.

Vor knapp vierzig Jahren kannte man nur eine Art von Dressur unb bas war Tierquälerei.

Man machte bie armen Löwen, Bären, Panther auf schänbliche Weise ungefährlich, inbem man ihnen die Krallen abzwickte und die Spitzen der j Eckzähne stumpf feilte. Dann ging derheldenhafte Bändiger" in den niedrigen Vorführungswagen, die eine Hand hielt eine fürchterliche Peitsche, die andere eine brennende Pechfadel oder einen glühenden Eisen- stad. Der Mann brüllte aus Leibeskräften und trieb die verängstigten Bestien" über Hindernisse und durch Reifen, von einer Ede des Käfigs in die andere.

Das war die wilde Dressur und noch immer foltert mich von Zeit zu Zeit wie ein Alpdruck der Traum, daß ich wieder ein Kind fei und eine solche Vorführung anfehe.

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Man weiß, daß Carl H a g e n b e d und sein Bruder Wilhelm in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts damit begonnen haben, Raubtiere auf humane Weife abzurichten, sie nicht als verprügelte Feiglinge, son­dern in ihrer ganzen Herrlichkeit und Kraft vorzuführen, Freundschaft mit den gefährlichen Gesellen zu schließen. Diese Art hat sich in der ganzen Welt Bahn gebrochen, und nur noch selten begegnet man Roh­lingen, die sich nicht anders zu helfen wissen, als ihre Tiere dadurch zum Fauchen zu reizen- daß sie ihnen die Nasen blutig schlagen.

3m vorigen Jahr trat in Berlin ein junger Mann auf mit einem offenen klaren Gesicht und gutmütigen Augen. Er schwenkte feinen Cowboyhut, schloß das Gitter vor der weiten Manege hinter sich ab und empfing ohne Stock, Peitsche oder Revolver ein Dutzend ausge­wachsener Königstiger, ließ sie springen, klettern, aufsitzen, das ganze Programm durcharbeiten, lediglich gelenkt von seiner Stimme.

Wie kam dieser Dompteur zu solchem Wagemut? Ein englischer Theateragent hatte ihn abends zuvor gesehen, wie er den größten seiner Tiger mit der Holzyabel abfing, in die sich das Tier brüllend verbiß. Ich würde Sie sofort für London verpflichten, denn Ihre Dressur ist gut und die Tiere find außergewöhnlich schön", sagte der Agent,aber Sie