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Kitte Sie," sagte Kowalew, „ein Tanner- oder Bubenstück ist an tn verübt morde. Ich bitte Sie, bekanntzugeben, daß derjenige, der '". z~ f.-.ri f. .„C. -r^.rri ___fptll kann.
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diesen Schuft herbeischafft, einer guten Belohnung gewiß fein rann.
(Fortsetzung folgt.)
ange. sprang
.Gehorsamst nein," erwiderte der Türhüter, „soeben ausgefnhren? ,Da haben roir*sl"
wieder in die Droschke und schrie mit verzweifelter Stimme:
„Marsch, losl"
„Wohin?" fragte der Kutscher.
„Vorwärts, geradeaus!"
„Wie — geradeaus? Hier geht's nicht weiter. Rechts oder
für jemanden, der einen Zweifel, auch bekommen
„Ja," fügte der Türhüter hinzu, „soeben erst. Wären Sie eine Minute früher gekommen, so hätten Sie ihn vielleicht noch troffen."
Kowalew, ohne das Taschentuch vom Gesicht zu nehmen,
Die Nase.
Von Nikolaj W. Gogol.
(Forljetzung.)
Kowalew eilte der Kathedrale zu. Er drängte sich durch di« Reihe der alten Bettlerinnen, deren Gesichter mit Tüchern umwickelt waren, so daß nur zwei Löcher für die Augen frei blieben (früher hatte er oft über sie gelacht), und trat in das Innere der Kirche. Die wenigen Andächtigen, die sich darin befanden, standen in der Nähe des Einganges.
Kowalew fühlte sich so verwirrt, daß er nicht imstande war zu beten. Den Herrn Nase suchte «r in allen Ecken, und schließlich erblickte er ihn ein Stück seitab von den andern Betenden. Die Nase hatte ihr Gesicht ganz in den roten Stehkragen verborgen und betete in andächtiger Haltung. ...
„Wie soll ich an ihn herantreten?" dachte Kowalew. „Gekleidet ist er wie ein Herr und noch dazu als Staatsrat."
Er begar*. neben ihm stehend, sich zu räuspern. Die Nase aber verharrte in ihrer frommen Haltung, betend, von Zeit zu Zeit sich tief verneigend. „ „
„Verehrter Herr," redete, Mut fassend, Kowalew ihn an. „Verehrter Herr..." „ „, _ ,
Was beliebt?" erwiderte die Nase, indem sie sich zu Kowalew
Diese Frage brachte Kowalew wieder zur Besinnung und zwang ihn zum Nachdenken. In seiner Lage schien es ihm das Ratsamste, sich zu allererst an die Polizeiverwaltung zu wenden, — nicht darum, weil seine Angelegenheit in erster Linie die Polizei betraf, als einfach aus dem Grunde, weil alle Anordnungen der Polizei ein schnelleres Tempo hatten als solche, die von anderen Stellen ausgingen. Genugtuung zu suchen bei den vorgesetzten Stellen jenes Ressorts, dem die Nase anzugehören behauptete, erschien verfehlt. Denn wer solche Antworten gab, mußte sicherlich ein Kerl sein, dem nichts in der Welt heilig war. Also konnte sie in dieser Beziehung ebenso gelogen haben wie in der Behauptung, ihm, Kowalew, noch nie im Leben begegnet zu sein. — Schon wollte er dem Kutscher die Weisung geben, nach der Polizeiverwal- tung zu fahren, als ihm wiederum ein neuer Gedanke kam: Dieser Gauner und Betrüger, der schon bei der ersten Begegnung sich so ge- wissenlos benommen halte, konnte sich nur zu leicht den Moment wahrnehmen, irgendwie ganz aus der Stadt hinaus zu entschlüpfen, — und dann würden natürlich alle Nachforschungen vergeblich sein oder doch mindestens sehr zeitraubend, so daß, was Gott verhüten möge, ein Monat darüber hingehen konnte. Schließlich brachte ihn, wie es schien, der Himmel selbst auf den richtigen Einfall. Er beschloß, sich direkt an eine Zeitung zu wenden, um darin rechtzeitig eine genaue Beschiel- bung jenes Herren zu veröffentlichen, damit jeder, der ihm etwa auf der Straße begegnete, ihn sofort anhalten und herbeischaffen oder^ wenn dies nicht möglich wäre, wenigstens angeben könnte, wo der Halunke zu finden sei. Also, an diesem Entschlüsse festhaltend, befahl er dem Kutscher zur Expedition einer bekannten Zeitung zu fahren. Wahrend des ganzen Weges stieß er den Kutscher beständig mit der Faust m den Rücken: „Schneller, du Hund! Schneller, du Schuft! — Der Kutscher antwortete darauf stets nur mit einem „Ach, Herr und schüttelte dazu den Kopf, indem er sein Pferdchen, das langhaarig war wie em Pin - scher, mit dem Zügel antrieb. Endlich hielt die Droschke. Kowalew stürzte atemlos in ein tieines Empfangszimmer, wo ein greifer Beamter in einem alten, abgetragenen Frack, die Brille auf der Nase, am Tisch faß und, die Feder zwischen die Zahne geklemmt, damit beschäftigt war, die eingenommenen Kupfermünzen zu zählen. „Wer nimmt hier Veröffentlichungen entgegen?" schrie Kowalew, „ach, guten Tag!
Ihr Diener", sagte der greise Beamte, indem er den Blick eine Sekunde lang hob, um ihn sofort wieder auf die verschieden geordneten Häuslein seiner Kupfermünzen zu senken.
verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch. und Sleindruckerei, D. Lange, Gießen.
9rCi,J3d) begreife durchaus nichts," erwiderte die Nase, „erklären Sie sich etwas befriedigender, bitte."
.Verehrter Herr," sprach Kowalew nun mit Wurde, „ich weiß wirklich'nicht, wie ich ihre Worte auffassen soll... Die ganze Sache ist, meine ich, vollkommen klar ... oder Sie wollen eben nicht ... Denn Sie sind ja — meine eigene Nase!"
Die Nase blickte den Major scharf an, mit leicht zusammengezogenen aSr°Sie irren, verehrter Herr, ich bin ich selbst. Außerdem kann es zwischen uns gar keine näheren Beziehungen geben. Den Knöpfen Ihres Uniformrockes nach zu urteilen, dienen Sie im Senat oder wenigstens im Justizressort, während meine Karriere die eines Gelehrten ist. Nach diesen Worten wandte die Nase sich ab und setzte ihr Gebet fort.
Kowalew geriet völlig in Verwirrung und Verlegenheit. ,Mas soll ich tun?" dachte er. In diesem Augenblick drang von der Seite her das angenehme Rauschen eleganter Damenröcke an sein Ohr. In die Kirch» trat eine ältere Dame non ziemlich breiten Ausmaßen, lieber und über mit Spitzen behängt, sah sie einem gotischen Bauwerk nicht unähnlich. Ihr zur Seite ging eine schlanke jugendliche Gestalt m einem entzückend gerafften Kleide, ein strohfarbenes Hütchen auf dem Kopf, — das ganze Figürchen leicht wie ein Biskuittörtchen.
Hinter den beiden blieb ein Herr von hoher Gestalt, feine Schnupftabaksdose öffnend, stehen. Ein voller Backenbart ragte aus mehrschichtigem Kragen hervor.
Kowalew näherte sich der Gruppe, zog den batistenen Kragen seines Hemdes sorgfältig hoch, ordnete die Siegelsteine an Jemer Uhrkette, gab seinem Gesicht den Ausdruck liebenswürdigen Lächelns und betrachtete die junge Dame mit Aufmerksamkeit. Sie, zart wie ein Fruh- linqsblümchen, bekreuzigte sich, indem sie ein schimmernd durchsichtiges Händchen an die leicht geneigte Stirn hob. — Das Lächeln auf dem Gesicht Kowalews ging noch mehr in die Breit«, als unter dem strohfarbenen Hut hervor ihr Kinn und ein Stück der Wange sichtbar wurden.— Plötzlich aber prallte er zurück! Denn er besann sich darauf, daß er ja an Stelle der Nase ein Nichts im Gesicht hatte. Und Tranen traten ihm in die Augen. Er wandte sich, um diesem Herrn Nase direkt ins Gesicht zu sagen, daß er den Staatsrat bloß vortausche, daß er ein Schelm und Schuft und in Wirklichkeit weiter nichts sei, als bloß seine, Kowalews, eigene Nass... Aber die Nase war verschwunden, fort, gewiß schon weit voraus, vielleicht, um wieder irgendwo Visiten zu machen. , . , ™ ,,
Kowalew verließ die Kirche. Draußen war das herrlichste Wetter. Die Sonne schien. Der Newski war überaus belebt von allerlei Volk. Damen gab’s in Mengen, ganze Wasserfälle und Kaskaden von Damen. Und da — war das nicht der ihm so wohlbekannte Hofrat, den er stets mit „Herr Oberst" anzureden pflegte, besonders wenn andere ßeilte babet waren, bic es I)orten? llnb hort, jawohl, auch Jaryschkm, Tischvorsteher im Senat, sein großer Freund, der immer verlor, wenn er beim Boston auf acht setzte. Und da und dort, jener andere Major, der seinen Assessortitel wie er im Kaukasus erworben hatte, — er grüßt ihn, er winkt ihm mit der Hand... ,
„Hol's der Teufel!" rief Kowalew. — „Heh, Kutscher! Fahr mich geradeswegs zum Polizeimeister!" ,
Kowalew setzte sich in die Droschke und schrie dem Kutscher immer wieder zu: „Fahr, was du kannst!" t m .*
„Ist der Polizeimeister zu Hause? rief er, in dessen Vorzimmer tretend.
umwandte.
„Es wundert mich, verehrter Herr... es scheint mir ... Sie sollten wissen, wohin Sie gehören. Und plötzlich finde ich Sie, wo? — in der Kirche. Sie werden zugeben ..."
„Ich verstehe nicht, was Sie sagen wollen. Erklären Sie sich.
„Wie ihm dies erklären?" dachte Kowalew, und indem er sich einen Ruck gab, begann er von neuem „Gewiß, ich ... Uebrigens bin ich ... So ohne Nase herumzulaufen, Sie werden zugeben, daß dies für mich nicht dasselbe bedeutet wie etwa für irgendeine alte Händlerin, die auf der Woskressenski-Brücke gereinigte Apfelsinen verkauft, — für die mag es noch angehen, so ohne Nase dazusitzen. Aber £“~ " Gouverneursposten zu erwarten hat und, ohne „ , .
wird ... Ich weiß nicht, verehrter Herr (dabei hob der Major die Schultern), Sie entschuldigen... wenn wir die Sache mal vom Standpunkt der Pflicht und der Ehre betrachten ... Sie werden selber be-
„Jch möchte drucken lassen ... . ,, .
Gestatten Sie, ich bitte, sich ein klein wenig zu gedulden , antwortete der Beamte, indem er mit der rechten Hand eine Zahl auf ein Stück Papier schrieb und zugleich mit den Fingern der linken zwei Knöpfchen seines Zählbrettes weiterrückte. Ein galonierter Diener von ziemlich sauberem Aussehen, was auf feine Zugehörigkeit zu einem aristokratischen Haushalt schließen ließ, stand einen beschriebenen Zettln der Hand am Tisch und fühlte sich offenbar gedrungen, stme gesellschaftlichen Talente leuchten zu lassen: „Wollen Sie es mir 9hüben, mein Herr, das Hündchen ist keine acht Zwanziger wert das heißt, ich würde auch keine acht Groschen dafür geben. Aber d,e ©rafin liebt e« nun mal, weiß Gott, sie liebt es, — und da, wer es findet, bekommt hundert Rubel! Unter uns gesagt, die Geschmäcker sind doch sehr ver- schieden. Nehmen wir zum Beispiel einen Jager so mag er sich m«, ' netroegen einen Jagdhund ober einen Pudel halten, der ihm v elleichl fünfhundert Rubel oder gar tausend wert ist, wenn s nur wirklich em guter Hund ist." .,
Der ehrwürdige Beamte hörte ihm mit wichtiger Miene zu- gleichzeitig die Buchstaben auf dem Zettel zählend. In dem Raum befanben sich außerdem noch eine Menge alter Weiblem, lunger Handlung qehilsen, Dienstboten und Hausdiener, alle mit irgendwelchen Anzeigen. Auf bet einen bot ein Kutscher seine Dienste an, ehrlich und nuch em — auf der andern wurde eine Kalesche angepriesen, wenig gebraucht 1814 aus Paris mitgebracht. Em Dienstmädchen, 19 Jahre alt, Wäschewaschen geschickt und im übrigen zu allen Arbeiten ju gebrnm chen. Ein junges feuriges Pferd, grau geapfelt, 17 Safcre alt. Eine » mit allen Bequemlichkeiten nebst einem Grundstück, geeignet zur an tage eines Birken- oder Fichtenparkes. - Das Zimmer, das diese ganze Gesellschaft vereinigte, war klein, und die Luft war zum Schneien bi ■ Der Kollegien-Assessor Kowalew aber spurte von all den GeruaM nichts, den abgesehen davon, daß er sich das Taschentuch vors Gesich hielt, war ja sein Riechorgan selber, weiß Gott, wo.
„Lieber Herr, ich möchte Sie bitten, die Sache ist für mich W dringend", sagte er schließlich mit Ungeduld.
„Sofort, sofort! ... Zwei Rubel dreiundvierzia Kopeken ... Eine Augenblick! ... Ein Rubel vierundsechzig Kopeken!" murmelte ber gro“, haarige Herr, die verschiedenen Anzeigen in Empfang nehmens. „Womit kann ich dienen?" wandte er sich schließlich an Konmlew.
-------- - jn Gauner- oder Bubenstuck ist an nn


