Es roar natürlich nicht da ..." - -

Hab's mir gedacht ... hast's versoffen... verloren, verspielt..

Ich hatt's verliehen ... einer ... weiht du, der Apfelsinenverkäufer aus der Golden House Street hatte mir fünf Dollar daraus geliehen ... es fiel mir ein ... wischte mir den Schweiß von der Stirn ... eine Million Dollar, Junge, Junge... also ..."

Was nun ...?"

Was nun? Wie dumm du fragst ... ich los in der Nacht... es war eine dicke gefährliche Nacht mit einem Nebel, wie er hier selten vor- kommt. Während ich renne, höre ich Polizeipfiffe an den Ecken, eine große Uhr schlägt über mir ... oder ist's ein Lautsprecher ...wo wohnt der Apfelsinenverkäufer ...er wohnt in einem Keller ... selbstverständlich ...ich weiß, daß er in einem Keller wohnt ...ich habe ihn ein Dutzend- mal gesehen ... gar nicht weit von der Jetty Street entfernt ... hm ... nun bin ich vorbeigelaufen ...ich laufe im Kreise herum wie ein Zirkus- pferb ... meinst du, ich finde den Keller ...?"

Hmsagt Tom. Er umkrampft wieder das Milchglas.

Dann find da Leute ... eine Menge Menschen. Wo kommen die Menschen zu dieser Nachtzeit her? In meiner Wut spreche ich einen schäbigen kleinen Burschen an, der so aussieht wie der Tom Bürden, du kennst ihn, den gerissenen Knabeir von der Asphalt-Versicherungs- kompagnie. Ich sage scharf:Wie kommt es, daß Sie zu einer Zeit, in der anständige Menschen auf dem Rücken in ihren Betten liegen, hier beschäftigungslos auf der Straße stehen?" Der Kleine ist keineswegs ängstlich, nähert sich mir, faßt mich an einen Westenknopf und hebt sich auf die Zebeu, um mir was ins Ohr zu lagen. Es handelt sich um den buckligen Apfelsinenverkäufer, sagt er..."

Na, der Teufel auch..."

Derselbe, schrei ich, dem ich mein Los geliehen habe? Ich weiß nichts von Ihrem Los, meint der Kleine, es geht mich auch einen Dreck an, aber was den Apfelsinenverkäufer betrifft, so wird er von der Polizei wegen Mordes gesucht. Er hat seine Frau mit einem Beil erschlagen. Sehen Sie, da hinten kommt eine ganze Schar von Schußleuten, sie wollen ihn einkreisen und überrumpeln ... der Kleine dreht sich ab, die Menge schwillt an. Ich denke, er hat sie wegen des Loses erschlagen ... Himmeldonnerwetter..."

Das wird ja immer besser ... aber wo ist das Geld?"

Warte noch ein bißchen. Als ich so unter den Leuten stehe, die murmeln wie eine Anzahl Wasserfälle, schreit einer ... da hinten läuft «r..."

Er lief da wirklich .. .?*

Ich sehe auch jemand laufen, eine kleine bucklige Gestalt ... er ist es ... er kann's nur sein ... ich mache einen mächtigen Satz ... he ... meine Beine hämmern die Straße ... die Häuser fliegen an mir vorbei ...ich werde immer wütender... einmal schlage ich mit der Hand gegen eine Laterne ... dumm ... es blutet ... aber der Buckel rückt uäk>er ... da ... noch einmal ... bautz ... da ... jetzt hab' ich ihn ..."

Du hast ihn wirklich bekommen ...?"

Ich habe ihn wirklich bekommen ... ich schreie ... gib mir das Los, Halunke ... das mit deiner Frau geht mich nichts an ..."

Und die übrigen Menschen, die Polizei...?"

Waren weg ... die Straße leer ... er sagt, ich hab's nicht ... ich bringe dich um, Halunke, schreie ich ... wir packen uns, wir ringen ... er kann mir nicht lange widerstehen ... er ist klein und bucklig ... ich schüttele ihn durch, gebe ihm einen Klaps gegen den Kopf und lege ihn wie ein Paket auf die (Straffe ..."

Teufel noch mal ..."

Hm ... und bann ziehe ich ihm das Los aus der Westentasche ... M war das Los Dreitausendfünfhundertfünfundachtzig..."

Tom fängt an, fürchterlich zu grinsen.

3d, hatte mich geirrt ... Mister Spot hatte sich geirrt..." Aber die ganze Sache ist doch ein Traum, nicht wahr ...?" Natürlich war es ein Traum, Tom... ich erwachte schweißtriefend in meiner Bettstelle ... es war ein Traum, Tom ... aber doch eine sehr, sehr merkwürdige Sache..."

Warum merkwürdig, alter Esel ...?"

Weil das Los Dreitausendfünfhundert sechsundachtzig gewonnen hat. Ich erfuhr es am folgenden Tag aus den Zeitungen, eine Million."

Da bleibt einem die Spuck« weg..."

Der Kellner bringt neue Milch mit Whisky; Tom und Bill reden von enteren Singen, sie betrinken sich langsam.

Unterm Birnbaum.

Don Theodor Fontane.

(Fortsetzung.)

Es war unausbleiblich, daß diese Rechtsertigungsrede zugleich zur An­klage gegen alle diejenigen wurde, die sich in der Hradschecksache so wenig freundnachbarlich benommen und durch allerhand Zuträgereien entweder ihr Uebelwollen ober doch zum mindesten ihre Leichtfertigkeit und Unüber­legtheit gezeigt hatten. Wer in erster Reihe damit gemeint war, konnte nicht zweifelhaft sein, und vieler Augen, nur nicht die der Bauern, die, wie herkömmlich, keine Miene verzogen, richtete sich auf die mitsamt ihrem Lineken" auf der vorletzten Bank sitzende Mutter Jeschke, der Kanzel grab' gegenüber, dicht unter der Orgel. Sine, sonst ein Muster von Nicht- verlegenwerden, wußte doch heute nicht wohin und verwünschte die alte Hexe, neben der sie das Kreuzfeuer so vieler Augen aushalten mußte. Mutter Jeschke selbst aber nickte nur leise mit dem Kopf, wie wenn sie jedes Wort billige, das Eeeelius gesprochen, und fang, als die Predigt aus war, den Schlußvers ruhig mit. Ja, sie blieb selbst unbefangen, als sie draußen, an den zu beiden Seiten des Kirchhofweges stehenden Frauen vorbeihumpelnd, erst die vorwurfsvollen Blicke der Aelteren und dann bas Kichern der Jüngeren über sich ergehen lassen mußte.

Zu Hause sagte Line:Das war eine schöne Geschichte. Mutter Jeschke. Hatte mir die Augen aus dem Kops schämen können."

Bis doch sünnst nicht so."

Ach was, sünnst. Hat er recht oder nicht? Ich meine, der Mr drüben?"

Ick weet nich, Line", beschwichtige die Jeschke.He möt ei jotz werten."

XIII.

He möt et joa werten", hatte die Jeschke gesagt und damit ausge­sprochen, wie sie wirklich zu der Sache stand. Sie mißtraute Hradscheck nach wie vor; aber der Umstand, daß Eeeelius von der Kanzel her eine Rechtfertigungsrede für ihn gehalten hatte, war doch nicht ohne Eindruck auf sie geblieben und veranlaßte sie, sich einigermaßen zweifelvoll gegen ihren eigenen Argwohn zu stellen. Sie hatte Respekt vor Eeeeelius, trotz­dem sie kaum weniger als eine richtige alte Hexe war und die heiligen Handlungen der Kirche ganz nach Art ihrer sympathetischen Kuren ansah. Alles, was in der Welt wirkte, war Sympathie, Bespred)ung, Spuk, aber dieser Spuk hatte doch zwei Quellen, und der weihe Spuk war stärker als der schwarze. Demgemäß unterwarf sie sich auch (und zumal wenn er von Altar oder Kanzel her sprach), dem den weißen Spuk vertretenden Eeeelius, ihm sozusagen die sicherere Bezugsquelle zugestehend. Unter allen Umständen aber suchte sie mit Hradscheck wieder aus einen guten Fuß zu kommen, weil ihr der Wert einer guten Nachbarschaft einleuchtete. Hradscheck seinerseits, statt den Empfindlichen zu spielen, wie manch an­derer getan hätte, kam ihr dabei aus halbem Wege entgegen und war überhaupt von so viel Unbefangenheit, daß, ehe noch die Fastenabendpsann- kuchen gebacken wurden, die ganze Szulskigeschichte so gut wie vergessen war. Nur Sonntag im Kruge kam sie noch dann und wann zur Sprache.

Wenn man wenigstens de Pelz wedder in die Hücht käm ..."

Na, du wührst doch den Pohlfcheu fielt* Pelz nich antrecken wullu?" Nich antrecken? Worümm nich? Dat de Pohlsche drinn wihr, dat deiht em nix. Un mi ook nid). Un wat sünnst noch drin wihr, na, bat wahrtz nu joa lootl rut sinn."

Joa, joa. Dat wahrd nu joa woll rut sinn."

Und dann lachte man und wechselte das Thema.

Solche Scherze bildeten die Regel, und nur selten war es, daß irgend­wer ernsthaft auf den Fall zu sprechen kam und bei der Gelegenheit seine Verwunderung ausdrückte, daß die Leiche noch immer nicht angetrieben sei. Dann aber hieß es,der Tote lieg' im Schlick, und der Schlick gäbe nichts heraus, ober doch erst nach fünfzig Jahren, wenn das ange« schwemmte Vorland Acker geworden sei. Dann würd' er mal beim Pflügen gefunden werden, gerab* so wie der Franzose gefunden wär'".

Ja, gerade so wie der Franzose, der jetzt überhaupt die Hauptsache war, viel mehr als der mit seinem Fuhrwerk verunglückte Reisende, was eigentlich auch nicht wundernehmen konnte. Denn Unglücksfälle wje der Szulskische waren häufig, oder wenigstens nicht selten, während der ver­scharrte Franzos unterm Birnbaum alles Zeug dazu hatte, die Phantasie der Tschechiner in Bewegung zu setzen. Allerlei Geschichten wurden aus« gesponnen, auch Liebesgeschichten, in deren einer es hieß, daß Anno 13 ein in eine hübsche Tschechinerin verliebter Franzose beinah täglich von Küstrin her nach Tschechin gekommen sei, bis ihn ein Nebenbuhler er- fchlagen und verscharrt habe. Diese Geschichte ließen sich auch die Mägde nicht nehmen, trotzdem sich ältere Leute sehr wohl entfannen, daß man einen Chasseur- oder nach anderer Meinung einen Doltigeurkorporal ein­fach wegen zu scharfer Fouragierung beiseite gebracht und still gemacht habe. Diese Besferwissenden drangen aber mit ihrer Prosageschichte nicht durch, und unter allen Umständen blieb der Franzose Held und Mittel­punkt der Unterhaltung.

All das kam unserem Hradscheck zustatten. Aber was ihm noch mehr zustatten kam, war bas, baß er benfelbenFranzosen unterm Birnbaum" nicht bloß zur Wiederherstellung, sondern sogar zu glänzender Aufbesse­rung seiner Reputation zu benutzen verstand.

Und bas tarn so.

Nicht allzu lange nach seiner Entlassung aus der Untersud)ungshaft war in einer Kirchen-Gemeinberatssitzung, der Eeeelius in Person präsi­dierte, davon die Rede gewesen, dem Franzosen auf dem Kirchhof ein christliches Begräbnis zu gönnen.Der Franzose sei zwar," so hatte sich der den Antrag stellende Kunicke geäußert,sehr wahrscheinlich ein Ka- tholscher gewesen, aber man dürfe das so genau nicht nehmen; die Katholschen seien bei Licht besehen auch Christen, und wenn einer schon fo lang in der Erde gelegen habe, bann sei's eigentlich gleich, ob er den gereinigten Glauben gehabt habe ober nicht." Eeeelius hatte dieser echt Kunickschen Rede, wenn auch selbstverständlich unter Lächeln, zugestimmt, und die Sache war schon als angenommen und erledigt betrachtet wor­den, als sich Hradscheck noch im letzten Augenblick zum Worte gemeldet hatte.Wenn der Herr Prediger das Begräbnis auf dem Kirchhofe, der, als ein richtiger christlicher Gottesacker, jedem Christen, evangelisch oder katholisch, etwas durchaus Heiliges sein müsse, für angemessen ober gar für pflichtmäßig halte, so könne es ihm nicht einfallen, ein Wort dagegen jagen zu wollen; wenn es aber nicht ganz so liege, mit anderen Worten, wenn ein Begräbnis daselbst nicht absolut pflichtmäßig sei, so spräch' er hiermit den Wunsch aus, den Franzosen in seinem Garten behalten zu dürfen. Der Franzose sei sozusagen sein Schutzpatron geworden, und kein Tag ginge hin, ohne daß er desselben in Dankbarkeit und Liebe gedenke. Das sei bas, was er nicht umhin gekonnt habe, hier auszusprechen, und er setze nur noch hinzu, daß er, gewünschten Falles, die Stelle mit einem Gitter versehen oder mit einem Buchsbaum umziehen wolle." Die ganze Rede hatte Hradscheck mit bewegter und die Dankbarkeitsstelle sogar mit zitternder Stimme gesprochen, was eine große Wirkung auf die Bauern, gemacht hatte.

Bist ein braver Kerl", hatte der, wie alle Frühstücker, leicht zum Weinen geneigte Kunicke gesagt und eine Viertelstunde später, als er Woytasch und Eeeelius bis vor das Pfarrhaus begleitete, mit Nachdruck hinzugefetzt:Un wenn's noch ein Ruffs wär'! Ader das is ihm alles eins, Ruff ober Franzos. Der Franzos hat ihm geholfen unb nu hilft er ihm wieder und läßt ihn eingittern. Ober doch wenigstens eine Rabatte ziehen. Unb wenn es ein Gitter wird, fo hat er's nicht unter zwanzig Taler. Und da rechne ich noch keinen Anstrich unb keine Vergoldung."