Ausgabe 
24.6.1929
 
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trfunben haben, Jenen ebenso fruchtbaren wie komplizierten Begriff, der sich in Europa nur sehr langsam durch die Araber eingebürgert hat.

Höchstwahrscheinlich war der amerikanische Kuliurkreis ein Glied jenes großen Kulturgürtels, der in für uns prähistorischer Zeit die ganze bewohnte Erde umschlang, indem er sich von Aegypten und Vorder- chjen über China und Indien bis nach Mittelamerika erstreckte und ver­mutlich auch die beiden vorantiken europäischen Welten, die etruskische und die ägäische in sich schloß: eine Hypyothese, die unter dem Namen Panbabylonismus" viel Widerspruch und Anerkennung hervorgerufen j!ut Und in der Tat zeigen die Azteken in ihrem Kalenderwesen, ihrer Bilderschrift und ihrem Gestirnkult eine große Verwandtschaft mit den Babyloniern, während andererseits eine ganze Reihe von Eigentümlich­keiten sehr lebhaft an die Aegypter erinnert: ihre Regierungsform, die eine Verbindung von Gottkönigtum und Priesterherrschaft darstellt; ihr Bureaukratismus, der in der pedantischen Bevormundung der breiten Volksmassen eine Hauptaufgabe der Verwaltung erblickt; das sorgfältig abgezirkelte Zeremoniell ihrer Verkehrsformen; die Fratzenhaftigkeit und Tiergestalt ihrer Götterbildnisse; ihre große Begabung für das natura- listi che Porträt, verbunden mit einem starken Hang zur Stilisierung der höheren Kunstsormen; die verschwenderische Pracht und ausschwei­fende Kolossalität ihrer Bauten.

Am frappantesten sind jedoch die Aehnlichkeiten zwischen der Reli­gion der Mexikaner und dem Christentum. Die Krone ihres Kaisers, der zugleich der höchste Priester war, hatte fast dieselbe Form wie die päpstliche Tiara, ihre Mythologie kannte die Geschichte von Eva und der Schlange, der Sintflut und dem babylonischen Turmbau; sie besaßen in ctroas transformierter Gestalt das Institut der Taufe, der Beichte und des Abendmahls; sie hatten Klöster mit Mönchen, die ihr Leben mit Vigilien, Fasten und Geißelungen verbrachten; sie erblickten im Kreuz ein heiliges Symbol und hatten sogar eine Ahnung von der Dreieinig­keit und der Inkarnation. Einige ihrer Sittengebote zeigen eine saft wört­liche Uebereinstimmung mit der Bibel. Eine ihrer Lehren lautet:Halte Frieden mit allen, ertrage Schmähungen mit Demut: Gott, der alles sieht, wird dich rächen", und eine andere:Wer eine Ehefrau zu auf­merksam ansieht, begeht Ehebruch mit den Augen."

Ihre Religon war jedoch besteckt durch die Sitte der Menschenopfer, die Kriegsgefangenen wurden an bestimmten Festtagen zum Tempel ge­führt wo ein für diesen Dienst bestimmter Priester mit einem scharfen Beinmeffer ihnen die Brust öffnete und das noch rauchende und klopfende Herz herausriß, das bann am Altar des Gottes niedergelegt wurde. Dieser Brauch hat begreiflicherweise den Abscheu der Nachwelt erregt und der Vermutung Raum gegeben, daß die Mexikaner doch nur eine Art Wilde gewesen seien, doch läßt sich zu seiner Entschuldigung einiges anführen. Zunächst war er auf die Azteken beschränkt, die Tolteken übten ihn nicht, und er scheint auch bei jenen im Schwinden gewesen zu sein: wenigstens gab es in Cholula, der' zweitgrößten Stadt Mexikos, einen Tempel des Gottes Quetzalcoatl, dessen Kultus die Menschenopfer durch Vegetationsopser ersetzt wissen wollte. Sodann trug er keineswegs den Charakter der Grausamkeit und Blutgier, sondern war eine, obschon höchst barbarische, religiöse Zeremonie, durch die der Gläubige sich die Gottheit geneigt zu stimmen suchte und die für so wenig entehrend galt, daß sich bisweilen fromme Personen freiwillig dazu erboten: er war eine einfache Frucht der Angst und des Aberglaubens und stand moralisch sicher nicht tiefer als die Autodafes der Christen, deren Motive Fanatis­mus und Rachsucht waren und zweifellos höher als die Glabiatoren- fpiele der Römer, bie ihre Gefangenen zum Vergnügen schlachten ließen.

Eine ber merkwürbigsten Eigentümlichkeiten ber mexikanischen Reli­gion war ber Glaube an bie Rückkehr des soeben erwähnten Gottes Quetzalcoatl, von dem man annahm, daß er vor langer Zeit geherrscht, das Volk in allen möglichen nützlichen Künsten unterrichtet, alle bestehen­den gesellschaftlichen Einrichtungen gestiftet und schließlich in seinem Zauberschisf davongesahren sei, mit dem Versprechen, eines Tages zu- ruckzukehren. Nun hatten gerade um jene Zeit die Priester erklärt, daß die Zeit der Wiederkunst Gottes nahe sei. Er wurde aus dem Osten erwartet und es hieß, daß er sich von den Azteken durch weiße Haut­farbe, blaue Augen und blonden Bart unterscheiden werde. Alle diese Prophezeiungen sollten sich erfüllen, und dieser rührende Glaube, von den Spaniern in der niederträchtigsten Weise ausgenützt, war einer der Gründe für die wunderbare Tatsache, daß es einer hergelaufenen Rotte von analphabetischen Banditen gelungen ist, diese Kulturwelt nicht nur zu unterjochen, sondern völlig zu zertrampeln. Dazu kamen noch andere Ursachen: die geringere physische Energie der Eingeborenen, deren Exi­stenz durch das erschlaffende Tropenklima und das jahrhundertelange Leben in Ruhe und Ueberfluß allmählich etwas Vegetatives, Blumen- haftes angenommen zu haben scheint, die Ausrüstung der Europäer mit Feuergewehren, Pulvergeschützen, Stahlpanzer und Pferden, lauter Dingen, die den Mexikanern völlig unbekannt waren und auf sie neben der physischen Wirkung auch einen ungeheuren moralischen Eindruck machen mußten; die höhere Entwicklungsstufe der spanischen Taktik, bie der aztekischen etwa ebenso überlegen war wie die mazedonische ber persischen; bie innere Uneinigkeit bes Reiches unb der Abfall mächtiger Stämme. Der Hauptgrund dürste aber darin bestanden haben, daß die ganze Mayakultur sich bereits im Stadium der Agonie befand unb es ihr irgenbroie bestimmt gewesen sein muß, unterzugehen. In der ganzen uns bekannten Geschichte können wir ja das Schauspiel verfolgen, daß ältere Kulturen durch jüngere unterworfen werden: die sumerische durch die babylonische, die babylonische durch die assyrisch«, die assyrische durch die persische, die persische durch die griechische, die griechische durch die römisch«, die römische durch die germanische. Aber immer bemerken wir auch, daß die niedrigen Kulturen sich die höheren assimilieren: so übernahmen die Babylonier die sumerisch« Keilschrift, die Perser die chaldäische Sternkunde, die Römer die griechische Kunst und Philosophie, die Germanen die römische Kirche. Aber in Amerika hat sich nichts der- «mchen ereignet: die indianisch« Kultur ist spurlos verschwunden. Dieser 'N ber Weltgeschichte einzig bastehende Fall erklärt sich aber eben burch

die ebenfalls einzig dastehende Tatsache, daß ein ganzes Volk nicht von einem andern Volk, das zwar barbarischer, aber doch auch ein Volk war, unterjocht, sondern von einer ruchlosen Räuberbande ausgeplündert unb ausgemorbet würbe, und während längst versunkene Kulturen wie bie ägyptische und die vorderasiatische, von der griechischen und römischen gar nicht zu reden, noch heute auf geheimnisvolle Weise ihre befruchtend« Wirkung ausüben, ist durch das schändliche Verbrechen der Eonguista die Menschheit um eine hohe unb einmalige Art, bie Welt zu sehen unb damit gewissermaßen um einen Sinn, ärmer geworden

(Erinnerungen an Wilhelm Jordan.

Don PaulWittko.

Der knorrige Wilhelm Jordan war in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also in der Zeit des schwärmerischsten Wagner- Rausches, einer der kaltblütigsten Wagnergegner. Er empfand und erklärte Wagners Kunst als undeutsch, schwül-sinnlich, raffiniert unb theatralisch. Er hatte damals den Mut, der Allenweltsüberzeugung zum Trotz, Wagner nachzusagen, daß er die sittliche Strenge der Nibe- lungensageversodomt" habe, daß Wagners Musik erschlaffend auf Nerven und Sinne wirke. Man beachtete damals diese Jordan sch« Verwerfung Wagners kaum, nur hier und da erhob sich eine höhnische Stimme gegen Jordan, derim Toten Meer ertrinke", während gleich­zeitig Friedrich Stoltze, Frankfurts humorvoller Lokalpoet, dem alten bärbeißigen Nibelungen-Dichter mit den Worten huldigte, daß Frank­furt, wo Jordan seit seiner Teilnahme an dem ersten deutschen Par­lament lebte, nicht am Main, sondern am Jordan liege. Heute teilen bekanntlich nicht gar so wenige Jordans Wagner-Ablehnung.

Als ich im Jahre 1890 in Wiesbaden die erste deutsche Stimm- rechtlerinnen-Zeitschrift herausgab, mit der ich die heranreifende werb­liche Generation zu einer modernen Weltanschauung und vaterländi­schem Gefühl erziehen, obendrein womöglich noch eine Blüte nationaler Frauenpoesie heraufführen wollte, da forderte ich u. a. auch Wilhelm Jordan zur Mitarbeit auf, und er schrieb mir:Auch ein Wochen­blatt vornehmer Tonart wäre nicht unerwünscht zum Frvntmachen gegen die Afterpoeten und Kotrealisten, die sich genial dünken, wenn sie statt Farben, Eiter und Blutwurst selbst auf die Palette nehmen, um Geschwüre an kranken Gliedern der Gesellschaft natur- treu zu malen." In jungen Jahren hatte Jordan in Leipzig die Zeit­schriftDie begriffene Welt" gegründet. Mit ihr wollte er dem Volke eine breite bequeme Straße emporbahnen zu den Höhen der Wissen­schaft und den lebenzeugenden Funken der Erkenntnis herabbringen zu den gewöhnlichen Menschenkindern, allmählich die gesamte Welt der Erscheinungen einem größeren Leserkreise so begreiflich machen, wie sie von den Wissenschaften auf ihrem gegenwärtigen Standpunkt begriffen sind". Er war ein Darwinist vor Darwin, der in einem AufsatzeZur Geschichte der Menschenrassen" vierzehn Jahre vor Darwin den Kern der Darwinschen Lehre ausgesprochen hat.

Als Königsberger Student hatte er Georg Herwegh eigene Dichtungen unb Franz Liszt eigene Tondichtungen öffentlich vortragen hören. So kam er zu der Einsicht, daß Dichtungen ebenso wie Tondichtungen nur durchs Ohr zu höchster Wirkung gelangen könnten. Um vor die Nation hinzutreten aber müsse der Dichter eineHörpoesie" mitbringen, bie tauglich fei, sie in ihrer Gesamtheit zu versammeln. Als geeigneten Stoss solcher Poesie erkannte er den nationalen Sagenschatz. Es entstanden seine Nibelungen". Im 19. Jahrhundert, sagte sich Jordan, haben die Natur­wissenschaften das erreicht, was ber altgermanische Naturmythos ahnungs­voll in Sinnbilbern anbeutete. Also müsse ein neuer Nibelungenbichter in erster Linie naturwissenschaftlich wahr unb klar fein. Diese seltsame Schkuhforberung, bie ihn bazu führte, sich selbst benDichter der wissen­schaftlichen Erkenntnis" zu nennen, belastete seine rauhen Recken der Vor­zeit mit einer lleberfülle wissenschaftlicher unb neuzeitlicher Weltanschau- ungsgebanten. Doch Jordan las auch das allgemeine Menschenschicksal, die ewige Naturempfindung des Menschenherzens aus den Sagen des ger­manischen Altertums heraus, und indem er ihnen bie Gewandung ber Mythe ließ, weckte er in der Seele seiner Helden und Heldinnen edelste Menschenempfindungen, die in ihren Grundtönen immer lebendig bleiben werden. Sein Epos sollte nach seinem grandiosen Plane die Hauptbestand­teile des Gesamtgutes seiner Zeit an geistigem unb seelischem Eigentum bewahren. Daß ihm bas tatsächlich gelungen ist, hat vor wenigen Jahren Ludwig Klages in seiner klugen SchriftMensch unb Erbe" begeistert anerkannt. Zum minbeften könnten heute, wie um bie Wende des sechziger und siebziger Jahrzehntes des vorigen Jahrhunderts, Jordans Nibelungen aufs neue das ihre beitragen zu der jetzt mehr denn je notwendigen Er­haltung und Festigung des vaterländischen Gefühls.

Muller Schulzen.

Erzählung von Ewald Gerhard 6 e e l i g e r.

(Schluß.)

Gottlieb wurde Geselle und richtet« den First manches Hauses in ber Umgegend aus, bis er zum Militär muhte. Mutter Schulzen weinte ein paar ehrliche Tränen unb gab ihm bas Geleite bis zum Hoftor. Hinter dem Dorfe aber fiel ihm Kathrina Krause immer und immer wieder zum letzten Male um ben Hals, daß er Mühe hatte, zur rechten Zeit auf dem Bahnhof zu sein. Zweimal schrieb er aus ber Kaserne an seine Mutter, sie möchte ihm doch etwas Gelb schicken. Mutier Schulzen brachte nach zwei Wochen mühseliger Arbeit endlich ein längeres Schriftstück zustande, legte zwei Zehnpfennigmarken hinein, klebte die dritte aufs Kuvert und schickte es an ihren Gottlieb. Der zog ein schiefes Gesicht, bedankte sich mittelst ber einen Marke und benutzte bie andre, um an Kathrina Krause zu schreiben, die sofort nach Empfang des Briefes aus ihrem Strohsack