Ausgabe 
21.6.1929
 
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Bühnenstar aus Berufsgründen neue Jugend sucht, lächelt man ver­ständnisvoll; wenn aber ein beliebiger Angestellter, dessen Nase nie­manden gefällt, oder den seine Chefs wegen feines verbrauchten Aus­sehens für zu alt halten, vom Chirurgen diese Feh er korrigieren lassen will, beileibe nicht, umschöner" zu werden, sondern lediglich um unauffällig wieder in der großen Masse der Gradnasigen, der Menschen ohne Warzen, der Nichtschielenden, mit einem Worte der Normalen unterzutauchen so stellen sich noch heute alle Krankenversicherungen und Ersatzkosten auf den Standpunkt, ein solches Begehen sei Luxus. Und weshalb soll es einer Frau verwehrt sein, sich die Runzeln und Falten glätten zu lassen, wir sind doch grausam genug, die e galten und Runzeln zu sehen und die Trägerin ihr Alter suhlen zu lassen.

Die bekannte französische Aerztin Dr. A. Noel, e'ne der ersten, welche die korrigierende Chirurgie zu einer besonderen ärztlichen Disziplin ausgebaut haben, erzählt von einer 60jährigen Dame die früher Empfangsdame in Luxus-Modehausern durch den Krieg und durch die Spuren ihres Alters ihre Stellung verloren hatte. Trotz bester Empfehlungen wurde sie nirgends angenommen unb vor dem Nichts stehend, kam sie in ihrer Not zu Frau Noel. Diese operierte sie, nimmt ihr einige Hautstreifen heraus und zieht ihr die Haut wiederglatt. Der Erfolg ist, daß die Frau nicht nur sofort wieder eine Stellung be­kommt, sondern jetzt so beschäftigt ist, daß sie drei Jahre lang keine «eit findet zu einer weiteren Operation, die Frau Noel für notig hau. - Oder ein anderer Fall: Eine 46jährige, früher sehr reiche. Dame verliert ihr Vermögen und muh sich ihren Lebensunterhalt selbst ver­dienen Sie findet Anstellung in einem großen Restaurant als Direk­trice. Aber Sorgen und Gram haben zu rasch ihre Furchen gegraben, und schon nach einem Jahre erklärt ihr die Direktion, B iehe krank und müde aus und rät ihr einige Monate auszuruhen. Sie befurcht^

mit Recht, daß dies die Einleitung zur Entlassung ist und befindet sich

nun in größter Sorge. Einer der Direktoren hat Mille d mit ihr unb empfiehlt ihr zu Frau Noel zu gehen. Diese entfernt ihr die Iranern sacke unter den Augen und die müden Falten um den Mund unb auf

der Stirn, unb als bie Frau nach kurzer Zeit wieder e'nma, be, ,hrer

Direktion vorspricht, gratuliert man ihr zu der schnellen Erholung und fragt gleich, wann sie ihren Dienst wieder ausnehmen könne. Zahllose Beispiele Netzen sich so noch aneinderreihen, die alle beweisen, em wie wichtiges soziales Problem hier vorliegt. Jeder der Aerzte, welche sich mit diesen Dingen beschäftigen, kennt solche Falle.

Ein besonderes Kapitel find auch die seelischen Hemmungen das innere, persönlichste Unglück der mit äußeren Entstellungen und Kvrper- fehlern Behafteten. Gerade in unserer Zeit hat bas altemens sana in corpore sano" der Römer, der Spruch, von dem gesunden G ist, der nur in einem gesunden Körper wohnen könne, einen besonderen Sinn bekommen: die moderne Heilkunde will den ganzen Menschen gesund machen, nicht nur die körperlichen Organe. Wieviele nervöse Erfcheinungen, die zu krankhaften, chronischen Storungen fuhren können, sind nicht di« golae des quälenden Bewußtseins körperlicher Häßlichkeit. Besonders bie Sgrau, bei der Regelmäßigkeit der Formen bis zu einem gewissen Grade Funktionstüchtigkeit der Organe bedeutet, leidet besonders unter Entstellungen. Gegen übermäßigen Fettansatz, den häufigsten Schwiheits fehler der Frau, hilft meist Sport und Massage oder auch Diät, Schlaff beit der Haut, wie sie vor allem der Grund zur Entartung der Büste ist, ober auch übermäßiges Fett an derselben Stelle kann un allgememen nur der Chirurg beseitigen. Hier hat der Frauenarzt ebenso basJffiort wie ber Rassenhygieniker. Schönheit der Form bedeutet hier daß die Muskulatur den Erforbermssen ber Organe, die sie umhüllt und tragt, onaevabt ist- Entartung bildet nicht nur Grund zu dem viele Frauen quälenden Gefühl der Minderwertigkeit, sondern hat auch> unter: Um­ständen beträchtliche körperliche Beschwerden, Kreuzschmerzen, Atemnot, Herzstörungen und mancherlei andere Erscheinungen zur Folge. Und wie sehr muß gerade heute, in unserer körperbewußt gewordenen Zeit, die Frau und das Mädchen unter ber Angst leiben, vor den Kame­radinnen und Kameraden im Sport, ber alle Kvrpersormen schonungslos enthüllt unb erst vor dem geliebten Manne lächerlich und entstellt zu er­scheinen. Der Arzt erst wird häufig durch feinfühlendes Nachforschen entdecken, daß manche nervöse Erkrankungen gerade junger Mädchen ihre letzte Ursache in dem Bewußtsein ber Unvollkommenheit, der Un- ersülltheit ihres jungen Lebens haben.

Die korrigierende Chirurgie ist eine subtile Kunst geworden, die heute schon die erstaunlichsten Leistungen vollbringt. Eine ganze Reihe hervor- raaenöer Aerzte haben sich der Vervollkommnung der Technik dieses Sverialgebietes gewidmet, lieber die ersten Versuche, mit Parafftnein- toritmnqen die Gesichtszüge zu korrigieren, ist man langst hinaus. Der moderne Schönheits"-Chirurg um diesen häufig nutzverstandenen und mißbrauchten Ausdruck zu verwenden, geht />er ur prunglichen cr-orm der Büge unb bes Körpers aus. Er arbeitet fast wie em Künstler, -uerst stellt er fest, durch mannigfache Versuche die Falten einzuklammern und die flaut zu spannen, wo er eingreifen mutz, um die Runzeln zu glätten bann werden bie Hautstücke angezeichnet, welche herausgenE- men werden sollen und schlietzlich werden sie bei Operationen iwi Ge­sicht meist innerhalb der Haargrenze herausgeschmtten und b>e Haut­ränder zusammengezogen. Die übrige Haut wird auf diese Weise gestrafft. Die Narben, welche dabei entstehen, verschwinden entweder unter den Haaren ober sie liegen hinter dem Ohr, unter dem Kinn ober sonst an unauffälligen Stellen und es ist erstaunlich, wie wenig schließlichan Svuren einer solchen Korrektur übrigbleibt Tränensäcke unter den Augen m beseitigen, erfordert einen kunstvollen Ausschnitt eines ijautftudes m Halbmondform. Die Narben, welche beim Verwachsen der Ränder ent­stehen, unterscheiden sich so wenig von den kleinen Fältchen 'welche schlietzlich unter dem Auge jedes älteren Menschen erscheinen, daß der Uneingeweihte sie gar nicht entdecken würde. Eine besonders kunstvolle Methode der ber weiblichen Büste, welche z B. die Heidel-

l berqer Frauenärzte Dr. Amersbach und Frau Br. ® lac sm er aus- nebflbet haben, ermöglicht eine Wiederherstellung verlorener gormen- i sthönheii, wie sie der Laie nicht für möglich hielte. Haut wird gestrafft,

h Spiegel des riesenhaften Sees fast 2000 Meter über dem Weltmeer laa das Wasser aus ihm als ein 1200 bis 1500 Meter tiefer Strom mU unbeschreiblicher Gewalt zunächst in das Gelände um den Balkafchfee und von dort weiter durch das Tiefland bis zum Schwarzen Meer er­hoffen haben. Dieses hochaufstauend, brach sich dann die Riesenflut einen Aq zum Mittelmeere durch die von ihr gesessenen Meeresstraben des Rnsvorus und der Dardanellen. Da aber auch das Mittelländische Meer die Plötzlich eindringende Wassermasse nicht fassen konnte brach sie e.ner- Icits durch die damals erst gebildete Straße von Gibraltar zum Atlanti- dien Ozean, andererseits über die Landenge von Suez zum Roten Meere wd an einer niedrigen Stelle der Küste zum oberen Euphrattale durch. TO drch diesen Durchbruch herbeigeführte Flutkatastrophe nun ist es, ron ber uns die Bibel als einem Zornesausbruch Jehovas genaueren

Ebenso^ uüe' sich die in dem Bibelbericht erwähnten ungewöhnlich arvtzen Regenmengen durch die plötzlich eintretenden meteorologischen Umwälzungen, welche bas Hereinbrechen fo großer Wassermengen zur Ke haben muhte, gut erklären lassen, ist es nicht schwer, den Grund zu crnütteln, der seiner Zeit zum Durchbruch des großen mittelasiatischen Binnenmeeres an feiner Westseite geführt hat Er ist ohne Zweifel in einem ber heftigen tektonischen Erdbeben zu suchen. So richteten noch m allerjünqster Zeit Erderschütterungen bei Aschabad, Firuza und einigen anderen Orten dieses Landes arge Verheerungen an, und bei ben letzten großen Beben von Wernoe soll sich am Westabhang ber Jssikulsee zum ^yKnVlangk mit den Schwarzschen Feststellungen über den Verlauf her Sintflut hat sich die Sage von diesen Naturereigni sen nicht nur bei allen um das mittelasiatische Binnenmeer wohnenden Volkern erhal­ten ionbern auch bei allen Volksstämmen von indogermanischer und seim- tiicher Herkunft. Das erklärt nun der deutsche Forscher sehr gut dadurch, L sich das Klima von ganz Zentralasien durch die Trockenlegung des großen Binnenmeeres fo sehr verschlechtern mutzte daß es mit (einer Umgebung in Wüsteneien und Steppen umgeroanbelt wurde. Die Be­völkerung war dadurch zum Auswandern gezwungen. Hierdurch erklärt sich auch jene große Völkerverschiebung, welche die Jndogermanen vvm nüttelasiatischen Hochland teils nach dem britischen Indien, teils bis zum Lutzersten Westen von Europa führte. Die zum Süden bes asiatischen Festlandes, vordringenden Jndogermanen verdrängten die hier wohnen­den Malaien unb zwangen sie zum Auswandern in das sudastatifche Jn elqebiet. Auch hier haben sich deshalb Ueberlieferungen über bte große Fk>' welche zu ihrer Vertreibung vom asiatischen Festland führte, er­halten. Daß die bei der klimatischen Veränderung aus betn mittleren nach dein nördlichen Asien ausgeroanberten Völker der mongolischen Men­schenrasse Erinnerungen an die Sintflut bewahrt haben, leuchtet ein, daß dieses aber auch bei den Indianern der Fall ist, erklärt sich dadurch, daß mir in ihnen Angehörige derselben Rafse vor uns haben, welche nach­weislich vom Norden Asiens ihren Weg über die Inselkette der Aleuten nach dem amerikanischen Festland genommen haben.

Bisher haben die Feststellungen unseres Landsmannes F. o Schwarz hinsichtlich des Verlaufs der Sintflut die nach seinen Untersuchungen ungefähr in die durch die Ausgrabungen von Ur ermittelte Zeit fallen muß in wissenschaftlichen Kreisen viel zu wenig Beachtung gefunben. Es ist das wohl dem Umstand zuzuschreiben, baß deutsche Gelehrte bie Ursitze der Jndogermanen aus Zentralasien weiter nach dem Westen, ,a sogar nach dem nordwestlichen Europa verlegen zu müssen glauben. Man scheint hierbei über die hohe Entwicklung ber Kultur bet den dunklen Jndogermanen, schon in einer Zeit, als 'hre heller ges°ebten Stammver­wandten nach langer Wanderung bis zum Westen und Norden Europa^ es noch nicht annähernd so weit gebracht hatten, völlig zu übersehen.

Ist Schönheit Luxus?

Zum Problem der korrigierenden Chirurgie.

Von Dr. H. Rebmann.

Der Mensch ist von der Natur eigentlich stiefmütterlich bedacht; kein Tier braucht so lange wie er, um ausgewachsen zu sein und keines wird so rasch alt. Auch die Spuren des Alters sind bei ihm besonderskraß. Ist es da verwunderlich, wenn er mit allen Mitteln seiner Intelligenz gegen die zerstörende Zeit antämpft? Für unsere Epoche hat dieser Kampf noch durch drei Umstände eine besondere Note bekommen, die Medizin ist zu der Erkenntnis gelangt, daß für das reibungslose Funk­tionieren der inneren Organe eine harmonische Korpergestalt nicht - deutungslos ist. Der Satz:Schönheit ist Gesundheitwurde dann von einer interessierten Industrie aufgegriffen unb als Reklameschilb benutzt der Sport, Film unb Theater, kurz eine ungeheure «ßropaganba orgt täglich dafür, baß er allen, die es angeht, täglich von neuem wieder eingehämmert wird. Unsere ästhetischen Anschauungen haben sich Uebereinftimmung mit diesen Tatsachen gleichfalls gewande1 ber gut

gewachsene Körper steht in steigendem Ansehen, und Entstellungen, Abweichungen von ber Norm, alle Erscheinungen des 2leltertöe vomEmbonpoint" bis zu Glatze und Runzeln, welche die vergangene Generation noch als unabwendbare Naturerscheinungen hmnahm, heute mit viel größerer Schärfe als unschön empfunden Nicht Metzt aber hat der verschärfte Kampf um die Arbeitsplätze auch den Kampf 9 9 das Alter heftiger werden lassen und deshalb sollte eigentlich i Zeit, in der allen Ernstes das Problem diskutiert wird, ob der An­gestellte über 40 Jahre noch voll arbeitsfähig sei und in der bei SteUen- bewerbungen die Photographie eine entscheidende Rolle spielt, di F 9 nicht erörtert werden müssen, ob etwa die Beseitigung von R 3 , »der die Korrektur einer schiefen Nase Luxus sei oder nicht.

~ Leider ist aber die soziale Bedeutung geradeder Arbeit. welche die Fachmedizin in dem Kampf gegen Alter unb Häßlichkeit lestte, zh weiten Kreisen nicht anerkannt. Es gilt immer noch als modische Extra­vaganz Reicher, wenn der Chirurg seine Kunst darauf verwendet emem durch Unfall Entstellten sein normales Aussehen wlederzugeben, über die neue Nase bes Boxers Dempfei) schrieben viele Zeitungen, wenn