Licht geholt, in nichts. Traum-
tnit den warben, die ständig wechselten, den Figuren, die sich beroegten. Massiges Gebirge, in seiner Verbindung zur Erde von einem weißen ■ Dunstschleier getrennt schwebte fern und hoch in den Wolken wie ein Gruß aus dem Wettall, dem Auge nahe gerückt. Ach, ich glaube, unsere ; Dichter sollten in solchen Augenblicken auch Spiegelei essen Sie wurden ;
die Synthese von Geist und Materie leichter und selbstverständlicher ;
finben Vereinten sich nicht im Anblick dieser Landschaft und dieses v>ruh- stücks Gefühl und Geschmack zu einem einzigen bescheidenen, einfachen , und daher aufrichtigen Dankgebet für alle gutenGaben dieser Erde? Unten, in mattsilbernem Dunst der Vierwalosllitter See, ein blinber Tbeaterspiegel auf dem gewaltigen Toilettentisch der heroischen Bergprimadonnen, die, eben erwacht, ihre ?°unengluhenden GUeder reckten und zarte weihe Wölkchen in die Luft gähnten. Auf den Almen die breit ausladenden Häuser, hölzern, behäbig von bürgerlicher braver Ruhe Wieder mußte ich an unseren Schwyzer Zollbeamten denken. Er und die Häuser waren eins. Die hohe Beamtenmütze war nur Verkleidung, eine Piepe gehörte in sein braungebranntes Gesicht, eine Axt in feine Hand um einen Gartenzaun zu reparieren. Hier war die Froheit des Himmels, der Stolz der Berge, hier konnte sich niemand knechtisch neigen. In diesen Gehöften hatte jeder seinen eigenen Thron bäuerischer Gelassenheit gegen die Welt ausgerichtet. Die Fremden mochten kommen und daran teilhaben, für acht oder zehn, fünfzehn oder fünfundzwanzig kranken pro Tag. An den Stationen hinter den Bahndämmen standen höflich die freundlichen Schweizer Gasthäuser. Weiße Laken wehten gleich Serviertücher aus den Fenstern, und wenn man genau hinsah, machten die Dächer einen einladenden Bückling. Fluelen ist die letzte Station, bevor die Bahn von den offenen Mäulern der Tunnels gefressen wird. Fluelen? Das war doch auch ein Ort aus „Wilhelm Teil! Ich sah aus dem Fenster: Richtig, da stand „Bertha von Bruneck mit wehendem Reiseschleier, den zierlichen Reisekoffer in der Hand auf dem Bahnsteig, während „Rudenz" mit grünem Jüaerhütchen und in großen Nagelstiefeln träumerisch an ihrem hohen Gepackkoffer lehnte.
..Vierundsechzig Tunnels müssen Sie im ganzen durchfahren", erklärte der Schlafwagenschaffner, der auf der ganzen Reise immer o ver- qnügt ausfah, als führe der Zug nur jemetroegen m den Tessin. Er kannte die Strecke, wie er sagte, seit fünf Jahren und gab daher selbstbewußt allen Bergen einen falschen Namen. Aber inzwischen hatte er sorglich seines eigentlichen Amtes gewaltet und die schmale Schlafstube in einen kleinen Salon verwandelt. Da saßen wir nun auf dem langen weichen Sofa und machten die Türe zum Nebenabteil auf in dem sich unsere Freunde befanden. Der Maler kam hinzu und erzählte daß em kleiner Schlafgenosse vor lauter Aufregung mitten m der Nacht Nasenbluten bekommen habe. So ist das Schicksal. Immer hat es emen Nasenstüber bereit, wenn wir zu hoch hinaus wollen. Es gönnt uns nicht einmal ein Oberbett. Der Zug kletterte und kletterte. Im gewaltigen Anstieg der Serpentinen wurde die Luft dünner. In den Ohren begann em kleines Sauses, der Kopf war unter eine enge Glasglocke gefetzt. Das offene Fenster im Gang gab die Befreiung, kalt und rem die Atmosphäre der Höhe, durch keinen Rauch, durch kem Stäubchen verdorben. Die Nase trank gierig Luft um Luft. Zwischen steilen Abgründen schäumten die Gebirgswäsfer wie Sekt in grünem Glase. Die mächtigen Berge kühlten darin ihre breiten, grauen Pranken. In den Biegungen des Schienenweges wurden die braunen elektrischen Lokomotiven sichtbar Die Räder drehten sich wie toll. Beinahe komisch sah ihre Eile aus, als tarnen sie nun erst recht nicht vom Fleck. Und doch wanden wir uns schlank und elegant um die Berge, deren Hange mit Schnee bedeckt waren, der bis in die Täler hinab reichte. Die Sicht wechselte, als wurde gezaubert. Einmal stand eine Kirche hoch am steilen Abhang und m der Tiefe, ganz, ganz unten fischte ein Angler auf einem weißen Stein, mitten im rauschenden Gebirgsbach. Nach stmf Minuten schwn der Analer oben zu stehen und die Kirche war nach unten gerutscht. Vor der Einfahrt in den Gotthardt hielt der Zug wie vor einem besonderen Ereignis. Scharfe Luft zerschnitt das Gesicht. D,e Baume froren in der Sonne. Da oben, wo jetzt die Autos wie Spielzeuge bergan schnurrten, waren einst unsere Vorfahren Über den Gotthard geklettert, mit roter Nase, Frostbeulen an den Zehen, Eiszapfen im blonden Meld art, Sehnsucht im Herzen. Und wir, wir fuhren auf glitzernden Schienen mitten durch den Fuß des hohen Berges, in fünfzehn Minuten, nachdem acht Jahre für seinen Durchbruch nötig gewesen waren.
Dann aber erlebten wir wie sie das große Frühlingswunder, von dem wir in so vielen Büchern guter und schlechter Poeten gelesen hatten. Plötzlich streichelte die Luft wie eine zarte weiche Hand die Backe, und die Sonne glich einem gewaltigen glühenden Ofen, den man tm Handumdrehen dicht an den Zug herangeschoben hatte. In den tief grünen Wiesen knallten die gelben Büschel der Primeln, über das silberne Grau der Vaumäste waren grüne Schleier geworfen. Ich sah beseligi zum Gotthard zurück und erblickte in Gedanken die Vorfahren, rote sie vom Berge herunterkamen, torkelnd, schreiend vor Freude, das hebe, alte naive Urvolk. Mit animalischer Lust senkten sie die Nasen in die Fruh- linqswunder der ersten Kräuter und Blumen. Die Eiszapfen schmolzen aus den Metbärten, und es war nicht festzustellen, ob das die Tranen der Rührung oder die Sonne vollbracht hatten. Aria Azura! Arme deutsche Sprache. Das kannst du nicht sagen. In diesen beiden Worten weht himmlische Luft, klingen ferne Zimbeln. Aria Azura! In dich gehüllt fuhren wir ein in den heiteren glücklichen Tessin. Ristorante an Ristorante an den Straßen. Vor den Haustüren Kinder und Lämmer, kleine Maulesel vor niedrigen, zweirädrigen Karren in den Laubengängen der Weinäcker Arbeiter mit den blitzenden sichelförmigen Messern auf dem Rücken. Geruhsame Leute überall. In diesem Lande kannte man keine Eile. Das Leben ging ja so schnell dahin. Welche Torheit, seinen Ablauf zu beschleunigen. War nicht jede Stunde ein Geschenk? Sollte man nicht in jeder mindestens einen Schluck roten Weines trinken, ein Stück weißen Brotes essen, eine Zigarette rauchen, ein paar Minuten nach der Sonne, nach dem Himmel, den Weinreben und den "lumen Ausschau halten?
Die Sintflut.
Ihre wissenschaftliche Betätigung.
Von Dr Emil Carthaus.
Eine wirklich überraschende Bestätigung hat der Sintflutbericht des ersten Buches Moses durch die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse der vom Field-Museum in Oxford veranstalteten 2t u s g r a bu njg e n m Mesopotamien gesunden. Hat man doch bei den biblischen Ur in Chaldäa inmitten von Sand- und Erdablagerungen, die reich an Kulturresten sumerischen Ursprungs (nachweislich aus der Zeit von 4000 bis 3000 v. Ehr.) sind, zwei durchlaufende Tonschichten gesunden, Die nur einige Tonscherben, aber erstaunlich viele Reste von Fischen und anderen Wassertieren einschließen. Diese legen also ein beredtes Zeugnis von einer über alles gewohnte Maß hinausgehenden Ueberslutung des Euphrai- qcbietcs an. Der Leiter der englischen Expedition, Prof. Langdon, sich diese als die biblische Sintflut an, von der ,a auch Ueberlieferungen ander der assyrisch-babylonischen vorausgegangenen akkadisch-sumeriichsn Kulturepoche berichten. Nun findet aber auch die Erklärung der Sintflut durch unseren Landsmann Franz von Schwarz eine ungeahnte ^^ Vom'russsichen^Gene^ralstab mit erdmagnetischen Messungen betraut, führte F. v. Schwarz im Jahre 1880 Untersuchungen in dem Gebiete von Zentralasien aus, wo westlich vom Balkaschsee em Ausläufer des himmelhoch aufragenden Tianschangebirges mit dem Dschungarischen Alatau zusammenstößt. Dort stand unter dem Namen Kaptagai aus den Karten eine angebliche Ruinenstadt verzeichnet. Noch in geringer Ent- fernunq täuschten die wie gewaltige Bastionen sich austurmenden Fels- masse/versallene Mauern und Zinnen einer Stadt vor, als aber Schwarz diese erstieg, sah er sich am Eingang einer riesenhaften, von senkrechten, kolossalen Felsgebilden eingeschlossenen Talmulde, die er in feinem Sud) Sintflut und Völkerwanderungen" so beschreibt: „Diese Talmulde ist te Originellste, was ich je gesehen habe. Die Felswände waren zu beiden Seiten bis an den oberen Rand in einer Weise zerrissen und ausg- waschen, wie ich es niemals in einem Flußtale bemerkt habe und « es nur an felsigen Meeresufern mit ganz besonders starker Brandung vorkommt." — Noch etwas anderes sah der Forscher von einem nahe gelegenen sehr hohen Gebirgskamm aus: „Das erste, was ich wahr- nahm " schreibt er, „war das eigentümliche Aussehen des sich zu meinen Füßen ausbreitenben Gebirges, welches nach der von m>r zuer t -- tretenen breiten Talmulde hin wie nut Schmirgel abgeschliffen ersch n (o daß es die Sonnenstrahlen wie ein Spiegel zuruckwarf. Jm unei eröffnete sich der ungeheure Talkessel der Dschungare,, zu meiner ^ fen ober die genannte breite Talmulde. An dem mir gegenubert egenben Tianfchangebirge bemerkte ich, soweit ich sehen konnte, °>ne eigentuml qe, durchaus auf gleicher Hohe bleibende Linie, die das Gebirge in ) streng geschiedene Teile teilte. Die unter dieser liegende GebirgsM war stellenweise so stark ausgewaschen, daß der mjd) beg!eitenbe mW. unwillkürlich ausrief: „Da kann man sehen, rote roett bie Sintflut gemq hat." Eine ähnliche, auf gleicher Hohe liegende Wassermarke konnte q auf dem hinter mir liegenden Alataugebirge verfolgen. Die Felsen ° sog. Ruinen von Kaptagai lagen unterhalb dieser Wassermarke. Ich w« mir der Tragweite dieser meiner Beobachtungen sofort klar, die an N Abhängen des Alatau und Tianschan hervortretenden Marken onn» nur Wassermarken sein, und die ganze Dschungarei und °ie mit in Verbindung stehende Mongolei, Wüste Gobi und das Tor A mußten folglich bis zur Hohe dieser Marke einmal vom Meer oe gewesen sein. Das Vorhandensein nur e i n e r scharf ausgepng Marke beweist, daß das Meer nicht langsam ausgetrotfnet, sondern pu 1 lieh abqeslossen sein und sich über die Balkaschebene ergossen haben ° . Dieser Abfluß hat offenbar durch die erwähnte ausgewaschene . stattgefiinden und die ungeheuren Wassermassen, welche das ganze i lere Asien bedeckt, sind mit rasender Geschwindigkeit als ein_ ®en ; 25 Kilometer breiter Strom über und durch das Kaptagaigebirg g i - und haben dieses, da es sich dem Strome wie ein unterseeische ü
riff entgegenstellte, überall abgeschliffen". . nUirf, [Anette
Dieser ungeheure Wasserdurchbruch und die außerordentlich l - Entleerung des einstigen mittelasiatischen Binnenmeeres, das o chinesische Sprache mit dem Worte Han-hai als trackengew bezeichnet, muh zu einer Flutkatastrophe ohnegleichen g l t{ on Bedeckte das Binnenmeer doch einen dem Mittelländische
Größe mindestens gleichkommenden Flächenraum, und es mup i
In der Ferne zwischen Felsen eine kleine blaue Platte, der erste Zipfel vom Luganer See. Immer breiter wurde die Flache, mächtiger stiegen die Berge an, Palazzi, hohe weiße Häuser, winzige daneben, Gärten und Villen im Florentiner Stil. Als der Zug im hochgelegenen Bahnhof von Lugano, außerhalb des Stationsgebäudes hielt, sah ich einen Gepäckträger, einen Fakino, auf dem Bahnsteig stehen Seine Gestalt überschnitt die Fläche des Sees, die scharfe Kappe auf dem schwarzen Kräuselhaar verdeckte ein halbes Bergmassiv auf dem gegenüberliegenden Ufer. Aus seinem braunen, bartstoppeligen, pfiffigen Gesicht glühten ein paar kohlschwarze Augen. Sie blaue bequeme Leinenjacke hielt am Hals ein knallrotes Tuch zusammen. Am liebsten hatte ich ihm gleich zehn Franken geschenkt. Für nichts und gar nichts. Er hatte sie sicher gelassen eingesteckt, in der Meinung, ich sei em Millionär oder ein Dummkopf. Wir fliegen in ein Auto. Die Sonne brannte heiß, überall waren Knospen am Aufbrechen. Der See leuchtete und gleißte. Wir waren noch berauscht von der Fahrt im Zug und schon drang neuer Rausch auf uns ein. So mochte Pflanzen zumute fern, bie tn einem Keller überwintert hatten und nun, ganz plötzlich ans L-ch* g-wi warme Erde gesetzt wurden. Wir sahen alles und sahen nichts.
haft flogen liebliche Hügel, hohe Felsen, glanzvolle Besitzungen, üppige Gärten vorüber. Wir bogen schließlich in ein schönes Haus ein, wie in das letzte Bild eines höchst umfangreichen, vielfältigen und aufregenden Panorama-Guckkastens.


