Ausgabe 
20.9.1929
 
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Zreitag, den 20. September

Jahrgang 1929

Rümmer 75

hier. Gluck

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Die Menge ist ein einziges großes Auge, das von ihr zu ihm, von ihm zu ihr starrt, ein großer, in Selbstvergessenheit geöffneter Mund. Dieidee fixe" herrscht im Saal. In tiefen Schauern, weltenfern den Alltagsgefühlchen, begreifen die, die sonst in der italienischen Oper zu bett Melodien des flötensüßen Rossini flirten, lachen, in Seichtigkeit pllit- Ophelias Sehn-

Oie Götter.

Von Friedrich Hölderlin.

Du stiller Aether! immer bewahrst du schön Die Seele mir im Schmerz, und es adelt sich Zur Tapferkeit vor deinen Strahlen, Helios! ost die empörte Brust mir.

Ihr guten Götter! arm ist, wer euch nicht kennt, Im rohen Busen ruhet der Zwist ihm nie, Und Nacht ist ihm die Welt, und keine Freude gedeihet und kein Gesang ihm.

Nur ihr, mit eurer ewigen Jugend, nährt In Herzen, die euch lieben, den Kindersinn, Und laßt in Sorgen und in Irren Nimnwr den Genius sich vertrauern.

Siebener Samilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

__________ ___ flötensüßen Rossini flirten, lachen, schern, daß man um einen Traum zu sterben vermag. . , suchtsantlitz wird auch ihnen für den Augenblick Symbol.

Herrischer Wink des Dirigentenstabes: die Kontrabässe, vierfach ge­teilt, reißen, drohend, kurze Akkorde: da hinein flattert, wild, erregend, die Pauke. Schleichend nahen sich, pianissimo, die Hörner, steigern sich mit dem vollen Orchester zu vernichtendem Fortissimo-Blitzschlag. Düster, feierlich, im Hochglanz der Instrumentation, schreitet der Marsch, den Hinrichtungszug begleitend. Lärmende Ausbrüche! Abgemessene, dumpfe Schritte. Der Marsch steht! Am Ziel. Todbringend, totbereit, schick­salsgewaltig, erscheint noch einmal dieid£e fixe", das Leitmotiv ein letzter, lebenbeschwörender Liebesgedankel Der Schlag des Beils oer«

Armer Berlioz, der nur Paris erobern will! Victor Hugo, der Dich­ter, der unter seinen künstlerischen Genossen, den Jungfranzosen, bett vaillants de trente-ans" sitzt, nimmt sich vor, benfabelhaften" Diri­genten zu malen, die Weste unter dem dreieckig ausgeschnittenen Frack mit weißem Krepplack. Hat nicht Goethe gezeichnet und gemalt und wohl durch solche Beschäftigung die Plastik der Linien in seiner Dichtung er­reicht? Alle diese jungen Dichter malen und die Maler dichten. Die Musiker tun beides. Vereinigung aller Künste ist ihr Ideal. In den Köp­fen der Maler Ary Scheffer und Daumier, die Shakespeare, Byron und Theodor Amandeus Hofmann gelesen haben, dämmern blutrünstige Verse auf. Sieht der Mann, der heute die Ideale der Stürmer und Dränger zum Siege führen wird, nicht aus, als wäre er der Hölle verfallen oder als müsse der Tod, der geduckt und lauernd in der hintersten Ecke des Saales fitzt, jeden Augenblick über Raum und Menge hinweg nach ihm langen? Doch nein es ist nicht der Tod, es ist nur einGe­storbener", der dort sitzt. Sieht aus wie der arme Lazarus, der drei Tags bereits die Schauer und Einsamkeiten des Grabes erfahren!

Und nun weint er gar, weint bittere Tränen, als im zweite« Satze der Symphonie dieidee fixe" mitten auf dem Ball erscheint, so daß die Walzermelodien der Streicher vor Schreck und sehnsüchtiger Glut in hilfloser Geberde erstarren, weint, fassungslos als der dritte Satz das Schalmeienmotiv der beiden Hirten bringt; denn er weiß Berlioz hat ihm Auszüge aus dem Werk vorgespielt er weiß: der unschuldig-selige Klang muß verstummen. Geheimnisvoll wirb bieidee fixe ihn ermorden, unter rollendem Nahen des Ungewitters, in schwef­liger Luft ...

Viertes Bild:Der Gang zum Hochgericht". Die Menge lieft:Nach­dem er bie gewisse Uebergeugung erlangt hat,, daß seine Liebe verschmäht ist, vergiftet sich der Künstler mit Opium. Zu schwach, ihn zu töten, ver­senkt ihn die narkotische Dosis nur in einen Schlaf voll fürchterlicher Visionen. Er träumt, er habe seine Geliebte getötet, fei deshalb zum Tods verurteilt, werde jetzt zum Richtplatz geführt und wohne feiner eigene« Hinrichtung bei."

Die Eingeweihten, bie Jungfranzosen, flüstern sich's zu, wie Vogel­flug jagt es burch den Saal: Dies ist alles ein einziges großes Oual- und Selbstbekenntnis! Er hat sich wirklich einmal mit Opium vergiftet, vorihren" entsetzten, leidenschaftlichen, unerbittlichen Augen! Doch er lebt! Immer noch sehnsüchtig entsagend? Ist die Begleitung von Mutter und Schwester, bieOphelia" sich in die Loge mübrächte, nicht nur Komödie der Komödiantin?

sehr eigenwilligen Herrschertum. Hat man, wenn seine erfolgarmen Werke" aufgeführt wurden, ihn nicht immer bisher nur an der großen Pauke tätig gesehen? Was weiß man von ihm, als daß er feit vielen Jahren vergeblich um Ophelia" schmachtet und daß er um jeden Preis Aufsehen in Paris erregen will, so, wenn er mitten in den Konzerten desconservatoire" wie ein Toller vor Entzücken aufspringt und in den Lärm des Orchesters hineinruft:Bravo Bravo!" Oder:Wer wagt es hier. Gluck zu verbessern?" Oder:Die Posaunen sind nicht gekommen! Es ist abscheulich!" Oder laut weint ober lacht! Will er Paris er­obern mit dieser Melodienarmut, mit diesen musikalischenBildern", bie basProgramm", erläutert? Wendet er sich nicht gegen allen Geschmack? DasProgramm", das geschriebene Wort, das er ben Hörern in die Hände steckt, beweist am besten, daß feine Musik nichts zu sagen hat!

Der junge Liszt mit den dämonisch blitzenden Schwarmaugen lehnt lang, schlank, an einer Säule im Hintergründe des halbdunklen Saales, Sein Kopf glüht. Er macht mit fliegender Hand Notizen. Hier ist Neues! Unerhörtes! Welch' eine Charakteristik des Klanges in den einzelnen In­strumenten! Selbst ein Beethoven fand sie nicht in dem differenzierten Maße! Er, Liszt, wirb diese Klangdifferenzierungen auf sein Instrument übertragen, ein ganzes Orchester daraus machen, eineKlavierparti­tur" derPhantastischen" schreiben! Und sie, wandernd, in ganz.Europa bekannt machen! l

Die Menge, wandlungsfähig, hämisch wie Mephisto, ist e großes, erschrecktes Ohr, der <5aa( erfüllt von taufend Frage- rufungszeichen, vom Schlage erregter Herzen, von der Negation höhni­schen Lächelns. Die schlanken Kontrabässe und Cellisten, bie in ihren eng anliegenben modischen Fräcken mit anschmiegsamem Sammettragen, arbeiten weit vornübergebeugt. In ihren Augen steht ein greller Licht­punkt, starr, wie in den Augen Hypnotisierter. Aber er scheint nur ber Abglanz des harten Lichtes, das aus den Augen des Dirigenten sticht: die fixe Idee. Sie hat die dunkle Iris aufgezogen und brennt be­grenzt, vereinsamt, in einer ungeheuren Weiße und Weite. Es ist, als ob der Tod Augen bekommen hätte? fürchterliche Augen! Und als müsse man vor Entsetzen laut ausschreien, käme der Mann da vorn mit diesen Augen auf einen zu! Er sieht aus wie ein ungeheurer dunkler Uhu, steht auf langen, dürren Beinen. Die Nase gleicht einem großen, krummen Schnabel. Eine wüste Haarmähne starrt über der Stirn empor, wie ein Wald von Federn, lieber bie Ohren, bis tief hinein in die Backen fallen seitlich groteske Eulenohrpuscheln. So steht er und dirigiert, bald die linke Hand seitlich in bie Hüfte gestemmt, bald mit ausgebreiteten Armen, und ein jeder Luftschwung seines Führerstabes scheint ein sich Wegwerfen bis zur Selbstaufgabe. Aber es scheint auch nur so. Der anscheinend so locker« Stab gehorcht einem eisernen Zielbewußtsein, einem

phantastische Symphonie."

Eine Berlioz-Novelle.

Von Sophie Lederer-Eben.

Trunken schwirren die Geigen. Die Harfen erbeben unter schmeich­lerischen Händen in klingender Glut. Denn bieidee fixe" ist plötzlich im Saal: auf ahnungsvoll erregten Wogen klangseligerTräume und Leidenschaften" schwebte sie im Orchester empor, taumelnder Nacht­schmetterling, in betörendem Sechsachtel-Flattertanz, gerade in dem Augenblick, als die wunderzarte Verkörperung dieses klanglichen Ge­bildes, die englische Schauspielerin Harriet Smithson, die gerade wieder einmal als idealeOphelia" undJulia" in Paris bejubelt wird, die hellerleuchtete Orchesterloge der großensalle du conservatoire" betritt Der Saal hat plötzlich tausend Augen. Im Antlitz des Dirigenten« Komponisten flammt es auf. Sie hat die ihr zugeschickte Karte von ihm angenommen ...! In toller Frage saugen sich seine Blicke fest an diesem Antlitz, das in der betörend gegensätzlichen Mischung von Leidenschafts­ausdruck in den dunkel-erregenden großen Augen und süßer Schüchtern­heit um die feinen Linien des Mundes für ihn zum erschütternden Sym­bol jahrelangen Seelenmartyriums geworden ist, wie das Antlitz auf dem Tuche der heiligen Veronica einmal zum Symbol der Leichen eines Ge­kreuzigten ward. Gewährung? Kann sie stumm versprechen? Flatterte da nicht ein weißer Vogel in der Loge auf? Rein es war Ophelias Hand. Die machte eine kurze abwehrende, gebieterische Bewegung. Es sah aus, als wolle sie das Orchester, als wolle sie ben Saal beschwören.

Die weiten Mündungen eines Regimentes von Trompeten und Po­saunen, wie man sie in solcher Menge noch in keinem Orchester sah, stöhnen plötzlich Klänge wie um Jericho. Sie wollen sich nicht gebieten lassen von einer weißen Hand! Die Celli und Kontrabässe, entgegen ihrer dunklen, gesetzten Natur, kreischen in tollen Sprüngen; die Geigen klet­tern entsetzt empor, wie in rasender Flucht. Dieidee fixe" jagt hinter ihnen her. Jetzt kein taumelnder Nachtschmetterling mehr, nein, in der Maske des Verfolgungswahnsinns. Immer wilder ist sie den In­strumenten auf ben Fersen, bie sich immer toller geberben. DasAllegro agitato e appassionato" hat bas Orchester überflutet.