der Mitte zwischen Grootfontein und Otarvi. Seine ungefähr rechteckige Oberfläche mißt 2,7 X 2,9 Meter, seine Dicke wechselt von 0,9 bis 1,2 Meter, und sein Gewicht beträgt 50 bis 70 Tonnen. Zusammengesetzt ist er aus 81,2 v.H. Eisen und 17,4 v. H. Nickel.
Der gewaltigste in der Vorzeit auf die Erde niedergestürzte Meteorit, gewissermaßen ein kleiner Weltkörper, ruht in der Wüste von Arizona, nah« dem Canon Diablo, wo er sich tief in das Gestein einbohrte und den, einem kleinen Mond-Ringgebirge täuschend ähnlichen, riesigen Meteorkrater erzeugte. Obwohl der kreisförmige Wall naturgemäß schon sehr lange bekannt ist, erstreckt sich die wissenchaft- liche Untersuchung doch auch hier nur über die letzten zwei Jahrzehnte. Da eine vulkanische Entstehung in der völlig unvulkanischen Gegend, einer Sandsteinwüste, ausgeschlossen war, konnte nur ein Meteor den Krater erzeugt haben, und diese Annahme wurde zur Gewißheit, als man die ganze Umgebung bis zu 10 Kilometer Abstand von Nickeleisen- Meteortrümmern übersät fand. Die 1300 Meter im Durchmesser, d. i. eine Wanderstunde im Umsang, besitzende Wallerhebung ragt über die Umgebung 50 Meter empor, während ihr Inneres 150 Meter unter dem Niveau der Umgebung, also 200 Meter unter dem Kraterrande, liegt. Auf 200 Millionen Tonnen schätzt man die Steinmassen, die der ungeheure Eisen-Nickel-Körper durch seinen Aufschlag in Bewegung setzte; Blöcke bis zu 7 Tonnen Gewicht wurden weit umhergeschleudert. Di« 18 Jahre lang wiederholt fortgesetzten Bohrungen endeten unter Förderung von viel Nickel-Eisen-Schlamm schließlich in 430 Meter Tiefe am Widerstand einer unangreifbar harten Masse — vielleicht des Meteorits selbst. Als Gewicht des Körpers ergeben sich bei Zugrundelegung eines, sicher zu kleinen, Durchmessers von 100 Meter mehr als eine Million Tonnen!
Von den in neuerer Zeit vorgekommenen Meteorfällen steht der am 30. Juni 1908 in der Taiga, dem Urwalde Zentralsibiriens, geschehene sowohl in bezug auf das Gewicht der ihm angehörenden Körper als auch und ganz besonders auf das Ausmaß feiner Verwüstungen vollkommen vereinzelt da. Niemals in historischer Zeit ist eine so außerordentliche Meteorkatastrophe beobachtet worden, wie die am Oberläufe der Podkamennaja Tunguska, der steinigen Tunguska, einem rechten Nebenflüsse des Jenissei. Einigermaßen bekannt geworden ist das Ereignis erst 1928, also zwanzig Jahre nach seiner Zeit, doch waren die damals verbreiteten Nachrichten teils ungenau, teils widersprachen sie sich. Die erste auf authentischer Grundlage beruhende, erschöpfende Darstellung des tungusischen Meteorfalls brachte vor kurzem die Zeitschrift „Das Weltall". Danach unternahm Professor L. A. Kulik im Auftrage der Akademie der Wissenschaften in Leningrad bisher drei Expeditionen zur Erforschung des Meteorsturzes. Die erste, 1921, hatte wegen der Unzulänglichkeit des Fallgebiets nur den Erfolg der ungefähren Ermittlung des Fallortes, die zweite, 1927, führte Professor Kulik an Ort und Stelle und zeitigte eine Reihe großartiger Ergebnisse, und die dritte, im Februar 1929 begonnene, vortrefflich ausgerüstete Expedition weilt gegnwärtig in dem zwischen den Faktoreien Wanowara im Süden und Streik« im Norden liegenden Fallgebiet, wo sie bis zu II Jahren zu bleiben beabsichtigt. Wie Professor Kulik feststellt, bestand das Meteor aus vielen, teils sehr großen Einzelkörpern, die von einer glühenden Wolke «ingehüllt waren und bei ihrem furchtbaren Aufprall tief in den Boden einschlugen, zahlreiche größere und Heinere Krater erzeugten und den Urwald viele Kilometer weit im Umkreise radienförmig umwarfen und verbrannten, dabei eine Herde von 1500 Remitieren vernichtend.
Noch nicht genauer wissensä)aftlich untersucht ist das vermutlich im Januar 1927 im unbewohnten Teile von Alaska herabgestllrzte Riesenmeteor. Dieses schlug die ganze Seite eines Berges herunter und riß einen Streifen von 90 bis 120 Meter Breite auf eine Entfernung von mehr als drei Kilometer mit sich fort, bevor es sich in die Erde eingrub. Große Felsstücke und Trümmer wurden nach einem 21 Kilometer entfernten Tal geschleudert und ändere bis zu einer Höh« von 300 Meter emporgeworfen, um jenseits des Tales niederzufallen.
Der Sladtpfeifer.
Von Wilhelm Heinrich Riehl.
(Schluß.)
In Paris erging's ihm wunderlich. Für fein Ledersäcklein voll Briefe sagten ihm die vornehmen Pariser mehr Artigkeiten in einer Woche, als die Kölner in fünf Jahren, aber Arbeit wollte ihm kein Mensch verschaffen. Als ein Monat um war, hatte er all fein Geld verzehrt, und er durchsuchte eben den Koffer, ob nicht ein paar Heller unter die schwarze Wäsche geraten seien; da sieht er ganz unten den Brief des Fuhrmanns Müller aus einem zerrissenen Strumpf hervorgucken. Zum erstenmal kommt ihm die Neugierde, die Adresse zu lesen. Der Brief war gerichtet an den ersten Kammerdiener des Königs. Gleich läuft der Maler ins Schloß; der Kammerdiener ist nicht zu sprechen, er lieft eben Sr. Majestät die Zeitung vor. Aber seine Frau ist zu Hause. Statt aus fran- öösisch begrüßt sie den Ueberbringer des Briefes auf kölnisch. Sie ist ja die Tochter des Fuhrmanns Müller. Sie schilt den Maler, daß er »en Brief so spät abgebe. Heiliger Antonius, wie hätte der es ahnen sollen, daß eines Kölner Frachtfuhrmannes Kind auch einmal einen königlichen Kammerdiener in Paris heiraten kann! Als der Kammer- dlener heimkommt, freut er sich mit feiner Frau über den kölnischen fr"adsmann, und nun geht's Schlag auf Schlag. Binnen acht Tagen tztzt die Majestät dem deutschen Maler; das Bild gelingt, Prinzen und Herzöge wollen von ihm gemalt fein, der Mann wird Mode in Paris, uni) als er nach drei Jahren wieder gegen den Rhein zog, da war das Ledersäcklein, worin die Empfehlungsbriefe gewesen, mit Louisdors ge- tullt — alles durch die Protektion des Frachtsuhrmannes hinter der Mariinskirche."
Der Kapuziner hatte kaum das letzte Wort gesprochen, so klopfte Cs Qn die Türe. „Herein!" —
Der Stadtpfeifer stand wie vom Schlage gerührt: — der Fürst selber war es, der eintrat, und hinter ihm Neubauer, so nüchtern als möglich, im ziegelroten Sonntagsrock.
„Ich muß unseren Schützenkönig einmal in seiner hohen Residenz besuchen", rief der Fürst, dem Stadtpfeifer herzlich die Hand schüttelnd. „Daß Er im Schießen ein Wundertäter, habe ich ehvorgeskern gesehen; nun erzählt mir mein neuer Hofkapellmeister Neubauer," — Frau Christine machte gewaltig große Augen bei diesem Wort — „daß Er und sein Friedrich auch in der Musik wahre Wundermenschen seien, daß ihr gleichsam als musikalisches Zwillingspaar Duette geigtet, wie man sie in Wien nicht hören könne. Er nannte euch beide die größte Merkwürdigkeit, die gegenwärtig in Weilburg existiere. So bin ich denn alsbald auf Euern Turm gestiegen, damit man mir nicht nachsage, ich suche das Schönste in der Ferne, während ich es doch in meinem eigenen Schlosse habe."
Der Stadtpfeifer stand regungslos wie ein Türpfosten während dieser Anrede — er war ja in Hemdärmeln! Außer dem Staatsrock, worin der neue Hofkapellmeister prangte, befaß er nur noch ein ganzes und ein zerrissenes Kamisol, beide für die Werktage bestimmt, und ein Kamisol konnte er doch nicht eigens zu Ehren des fürstlichen Besuches anziehen!
Christine hatte schon zweimal Neubauer am Aerrnek gezupft, ihn bittend und beschwörend, daß er in die Seitenkammer gehen und ihrem Manne den roten Rock ausliefern möge. Vergebens! Er blieb taub!
Der Fürst ließ Friedrich herbeirufen und unterhielt sich eine Weile freundlich mit dem Jungen. „Nun zu den Geigen", rief er dann mit erhobener Stimme. „Ich möchte auch eines von den schönen Duetten hören, Stadtpfeifer, und bitte meines Vetters, des Herrn Schützenkönigs Liebden, mit rechtem empressement um diese Gunst."
Der Stadtpfeifer blieb regungslos und schweigend wie vorher und gab nur zuweilen durch tiefe Verbeugungen ein Lebenszeichen von sich. Während der Fürst mit Friedrich sprach, hatte er gegen Neubauer halblaut hinübergerufen: „Gebt mir meinen Rock! Hört! Meinen Rock! Den Rock, oder ich schlage Euch nachher Arm und Beine entzwei!"
Der Fürst blickte den versteinerten Stadtpfeifer staunend an. Da trat Neubauer mit zierlicher Verbeugung vor und sprach: „Ich erzählte Euer Durchlaucht schon, daß mein Freund die Grille hat, nur bei verschlossener Türe zu geigen, daß er nur im Duett ein Meister ist, keineswegs aber, wenn er allein spielt. Ich vergaß noch eine andere Eigenheit. Er kann nur in Hemdärmeln so vortrefflich spielen; sobald er den Rock anzieht, wird die Geigenhaltung unsicher, der Bogenstrich steif. Ich bitte darum meinen gnädigsten Herrn in meines Freundes Namen, ihm für die Ablegung der ersten Probe feiner Kunst vor einem fo hohen Kenner zu dem übrigen auch noch die Hemdärmel nachzusehen."
Der Fürst lachte herzlich. „Die Bitte ist gewährt! Was doch so einem Musiker für Ratten durch den Kopf laufen! Aber flugs zu den Geigen! Stadtpfeifer, ich verlange viel von einem Duett in Hemdärmeln!"
Als nun Vater und Sohn ihre Instrumente richteten, war es seltsam zu sehen, wie gewandt, fein und doch so bescheiden Friedrich sich zu benehmen wußte, während der Alte so hölzern war, als seien die Hemdärmel eine Eisenrüftung, und vor dem Fürsten scheu die Augen niederschlug, dem neugebackenen Hofkapellmeister aber Blicke tödlicher Wut zuwarf. Frau Christine verlor ganz den Kopf über die Vermessenheit ihres Mannes, Duett vor den durchlauchtigen Ohren des Fürsten und den kritischen Neubauers zu spiele«. Der Kapuziner hatte.sich auf ihre Bitte davongeschlichen, um unten im Schlosse beim Küchenmeister einen Rock zu borgen.
Das Duett klang anfangs etwas rauh und steif. Der Stadtpfeifer gedachte noch mehr der Hemdärmel als der Musik. Doch, da er dem Sohne wieder Äug' in Auge sah, schwanden ihm diese Gedanken. Es klang allmählich wie sonst; die Zuhörer waren vergessen. Friedrich blickt« voll kindlicher Unbefangenheit aufwärts; der Alte sah herab mit Blicken, die so hell glänzten, daß man nicht wußte, ob von Tränen oder vor Freude. Ja, das war ein Duett! Es war das allerschöNste, welches jemals in der Pfeiferstube gegeigt worden ist. Wer's auch nur mit angehört hätte! Zuerst mußte der Stadtpfeifer die Hemdärmel vergessen; jetzt sah aber auch der Fürst die Hemdärmel nicht mehr. Die Wände hallten wider von dem lauten Lobe; doch diejenigen, denen es galt, hörten es kaum, so tief waren sie ergriffen von dem eigenen Spiel.
„Hört", sprach der Fürst und faßte den Stadtpfeifer bei der Hand. „Euer Sohn muh nach Wien, nach Italien, daß er ein ganzer Meister wird. Rüste Er allmählich seine Abreise. Was zur Ausstattung fehlt, kaffe Er bei mir fordern; die Reise- und Lehrkosten bezahle ich, und nach der Rückkehr wird sich ja wohl ein Platz in Unserer Hofkapelle für den jungen Hexenmeister finden."
Der Stadtpfeifer hieß den Pflegesohn sorkgehen, legte feine Geige nieder und sprach: „Ich würde in Freuden Dank sagen meinem gnädigsten Herrn, wenn mir die Tränen nicht zu nahe stünden. Ich glaube, heute hab' ich zum letztenmal gegeigt. Sehen Eure Durchlaucht, ich bin eigentlich ein schlechter Musikant. Immer habe ich mich geplagt und konnte doch nichts zuwege bringen. Da ist mir dieser Bub vom Himmel herabgeschickt worden. Ost habe ich bei mir gedacht, ob Friedrich nicht mehr fei als ein bloßes Findelkind, fo ein — wie soll ich sagen — cherubimischer Genius der Musik, der einmal inenschlicherweise hier unten geigen wollte, statt droben im Konzert der Engel die Harfe zu spielen. Dann wies ich aber meine Gedanken allezeit streng zurecht und sprach zu mir: Kullmann, sei nicht närrisch! Allein, wenn mir der liebe Gott am selben Abend das Geld für einen Laib Brot auf die Straße legte, warum soll er nicht auch eigens dieses Kind für mich dorthin gelegt haben, damit ich bei ihm ein Brot der Erquickung für meinen inwendigen Menschen fände? Als ich den Buben um Gottes willen aufzog, da ward ich inne, daß mir’s wenigstens gegeben sei, in einem


