Ausgabe 
19.7.1929
 
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war das Wort."

Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Sieben.

Verantwortlich: vr. Hans Thyriot.

sammen; dann furchtbares Geschrei und Getümmel die Treppe heran. Um Gottes willen! brennt es?" rief Frau von S. und sank mit dem Gesichte auf den Stuhl. Die Türe ward aufgerissen und herein stürzte die Frau des Juden Aaron, bleich wie der Tod, das Haar wild um den Kopf, von Regen triefend. Sie warf sich vor dem Grtsherrn auf die Knie.Gerechtigkeit!" rief, sie,Gerechtigkeit! mein Mann ist erschlagen! und sank ohnmächtig zusammen.

Es war nur zu wahr, und die nachsolgende Untersuchung bewies, daß der Jude Aaron durch einen Schlag an die Schläfe mit einem stumpfen Instrumente, wahrscheinlich einem Stabe, sein Leben verloren hatte durch einen einzigen Schlag. An der linken Schläfe war der blaue Fleck, stnst keine Verletzung zu finden. Die Aussagen der Jüdin und ihres Knechtes Samuel lauteten so: Aaron war vor drei Tagen am Nachmittage ausge- qangen, um Vieh zu kaufen und hatte dabei gesagt, er werde wohl über Nacht ausbleiben, da noch einige böse Schuldner in B. und S. zu mahnen seien. In diesem Falle werde er in B. beim Schlachter Salo­mon übernachten. Als er am folgenden Tage nicht heimkehrte, war seine Frau sehr besorgt geworden und hatte sich endlich heute um drei Uhr nachmittags in Begleitung ihres Knechtes und des großen Schlacht- Hundes auf den Weg gemacht. Beim Juden Salomon wußte man nichts von Aaron; er war gar nicht dagewesen. Nun waren sie zu allen Bauern gegangen, von denen sie wußten, daß Aaron einen Handel mit

Herr von S. wär auf dem Heimweg verstimmt, die jedesmalige Folge, wenn der Wunsch, seine Popularität aufrechtzuerhalten, ihn bewog, solchen Festen beizuwohnen. Er sah schweigend aus dem Wagen.Was sind denn das für ein paar Figuren?" Er deutete auf zwei dunkle Gestalten, die vor dem Wagen rannten wie Strauße. Nun schlüpften ie ins Schloß. "Auch ein paar selige Schweine aus unserm eigenen Stall!" seufzte Herr von S. Zu Hause angekommen, fand er die Hausflur vom ganzen Dienstpersonal eingenommen, das zwei Klein­knechte umstand, welche sich blaß und atemlos auf der Stiege nieder­gelassen hatten. Sie behaupteten, von des alten Mergels Geist verfolgt worden zu sein, als sie durch das Brederholz heimkehrten. Zuerst hatte es über ihnen an der Höhr gerauscht und geknistert; darauf hoch in der Luft ein Geklapper, wie von einander geschlagenen Stöcken; plötzlich ein gellender Schrei und ganz deutlich die Worte:D weh, meine arme Seele!" hoch von oben herab. Der eine wollte auch glühende Augen durch die Zweige funkeln gesehen haben, und beide waren gelaufen, was ihre Beine vermochten.

Dummes Zeug!" sagte der Gutsherr verdrießlich und trat in die Kammer, sich umzukleiden. Am anderen Morgen wollte die Fontäne im Garten nicht springen, und es fand sich, daß jemand eine Rohre verrückt hatte, augenscheinlich, um nach dem Kopfe eines vor vielen Jahren hier verscharrten Pferdegerippes zu suchen, der für ein bewahr­tes Mittel wider allen Hexen- und Geisterspuk gilt.Hm," sagte der Gutsherr,was die Schelme nicht stehlen, das verderben die Narren." Drei Tage später tobte ein furchtbarer Sturm. Es war Mitternacht, aber alles im Schlosse außer dem Bett. Der Gutsherr stand am Fenster und sah besorgt ins Dunkle, nach seinen Feldern hinüber. An den Scheiben flogen Blätter und Zweige her; mitunter fuhr ein Ziegel hinab und schmetterte auf das Pflaster des Hofes.Furchtbares Wetter!" sagte Herr von S. Seine Frau sah ängstlich aus.Ist das Feuer auch gewiß gut verwahrt?" sagte sie;Gretchen, sieh noch einmal nach, gieß es lieber ganz aus! Kommt, wir wollen das Evangelium Johannis beten.' Alles kniete nieder und die Hausfrau begann:

^Allgemeiner Aufruhr; die Mädchen sprangen zurück, aus Furcht, sich zu beschmutzen, oder stießen den Delinguenten vorwärts. Andere machten Platz sowohl aus Mitleid als Vorsicht. Aber Friedrich trat vor:Lumpen­hund!" rief er; ein paar derbe Maulschellen trafen den geduldigen Schütz­ling; dann stieß er ihn an die Tür und gab ihm einen tüchtigen Fuß­tritt mit auf den Weg. Er kehrte niedergeschlagen zuruck; seine Wurde war verletzt, das allgemeine Gelächter schnitt ihm durch die Seele, ob er sich gleich durch einen tapfern Juchheschrei wieder in den Gang zu brin­gen suchte es wollte nicht mehr recht gehen. Er war ,m Begriff, sich wieder hinter die Bahviole zu flüchten; doch zuvor noch ein Knalleffekt, er zog seine silberne Taschenuhr hervor, zu jener Zeit ein seltener und kostbarer Schmuck.Es ist bald zehn", sagte er.Jetzt den Brautmenuett! Ich will Musik machen." , , . ., , . . _,,

Eine prächtige Uhr!" sagte der Schweinehirt und schob sein Gesicht in ehrfurchtsvoller Neugier vor. . . .. m ,

.Was hat sie gekostet?" rief Wilm Hulsmeyer, Friedrichs Neben­buhler.Willst du sie bezahlen?" fragte Friedrich.Haft du sie bezahlt?" antwortete Wilm. Friedrich warf einen stolzen Bück auf ihn und griff in schweigender Majestät zum Fidelbogen.Nun, nun, sagte Hülsmeyer,dergleichen hat man schon erlebt. Du weißt wohl, der Franz Ebel hatte auch eine schöne Uhr, bis der Jude Aaron sie ihm wieder abnahm." Friedrich antwortete nicht, sondern winkte stolz der ersten Violine, und sie begannen aus Leiskräften zu streichen.

Die Gutsherrschaft war indessen in die Kammer getreten, wo der Braut von den Nachbarfrauen das Zeichen ihres neuen Standes, die weiße Stirnbinde, umgelegt wurde. Das junge Blut weinte sehr, teils, weil es die Sitte so wollte, teils aus wahrer Beklemmung. Sie sollte einem verworrenen Haushalt vorstehen, unter den Augen eines mur= ritten alten Mannes, den sie noch obendrein lieben sollte. Er stand neben ihr, durchaus nicht wie der Bräutigam des hohen Liedes, derin die Kammer tritt wie die Morgensonne".Du hast nun genug geweint, sagte er verdrießlich;bedenk, du bist es nicht, die mich glücklich macht, ich mache dich glücklich!" Sie sah demütig zu ihm auf, und schien zu fühlen, daß er recht habe. Das Geschäft war beendigt; die junge Frau hatte ihrem Manne zugetrunken, junge Spaßvogel hatten durch den Dreifuß geschaut, ob die Binde gerade sitze; und man drängte sich wieder der Tenne zu, von wo unauslöschliches Gelächter und Lärm her­überschallte. Friedrich war nicht mehr dort. Eine große, unerträgliche Schmach hatte ihn getroffen, da der Jude Aaron, ein Schlächter und ge­legentlicher Althändler aus dem nächsten Städtchen, plötzlich erschienen war, und nach einem kurzen, unbesriedigenden Zwiegespräch ihn laut vor allen Leuten um den Betrag von zehn Talern für eine schon um Ostern gelieferte Uhr gemahnt hatte. Friedrich war wie vernichtet fort­gegangen und der Jude ihm gefolgt, immer schreiend.O weh mir! warum habe ich nicht gehört auf vernünftige Leute! Haben sie mir nicht hundertmal gesagt, Ihr hättet all Euer Gut am Leibe und kein Brot im Schranke!" Die Tenne tobte von Gelächter; manche hatten sich auf den Hof nachgedrängt.Packt den Juden! wiegt ihn gegen ein Schwein!" riesen einige; andere waren ernst geworden.Der Friedrich sah so blaß aus wie ein Tuch", sagte eine alte Frau, und die Menge teilte sich, wie der Wagen des Gutsherrn in den Hof lenkte.

ihnen im Auge hatte.

Rur zwei hatten ihn gesehen, und zwar an demselben Tage, au welchem er ausgegangen. Es war darüber sehr spät geworden. -Oie große Angst trieb das Weib nach Haus, wo sie ihren Mann wieder­zufinden eine schwache Hoffnung nährte. So waren sie im Brederholz vom Gewitter überfallen worden und hatten unter einer großen, am Berghange stehenden Buche Schutz gesucht; der Hand hatte unterliefen . auf eine ausfallende Weise umhergestöbert und sich endlich, trotz allem Locken, im Walde verlaufen. Mit einem Male sieht die Frau beim Leuchten des Blitzes etwas Weißes neben sich im Moose. Es ist Der Stab ihres Mannes, und fast im selben Augenblicke bricht der Hund durchs Gebüsch und trägt etwas im Maule: es ist der Schuh ihres Mannes. Nicht lange, so ist in einem mit dürrem Laube gefüllten Graben der Leichnam des Juden gefunden.

Dies war die Angabe des Knechtes, von der Frau nur im allge­meinen unterstützt; ihre übergroße Spannung hatte nachgelassen und sie schien jetzt halb verwirrt oder vielmehr stumpfsinnig.Aug um -äuge, Zahn um Zahn!" dies waren die einzigen Worte, die sie zuweilen yer- vorstieß. ,.

In derselben Nacht noch wurden die Schützen aufgeboten, um Fneo- rtt zu verhaften. Der Anklage bedurfte es nicht, da Herr von S selb Zeuge eines Auftritts gewesen war, der den dringendsten Verdacht auf ihn werfen mußte; zudem die Gespenstergeschichte von jenem Abende, das Aneinanderschlagen der Stäbe im Brederholz, der Schrei aus de Höhe. Da der Amtsschreiber gerade abwesend war, so betrieb yerr von S. selbst alles rascher, als sonst geschehen wäre. Dennoch begann d>- Dämmerung bereits anzubrechen, bevor die Schutzen so gcratwo wie möglich das Haus der armen Margret umstellt hatten. Der Guts­herr selber pochte an; es währte kaum eine Minute, bis geöffnet war und Margret völlig gekleidet in der Türe erschien. Herr von S. M zurück; er hätte fie faft nicht erkannt, so blaß und steinern sah sie aus. Wo ist Friedrich?" fragte er mit unsicherer Stimme.

Sucht ihn", antwortete sie und setzte sich auf einen Stuhl. D« Gutsherr zögerte noch einen Augenblick.

(Fortsetzung folgt.) ___________________

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott Ein furchtbarer Donnerschlag. Alle fuhren zü­chtbares Geschrei und Getümmel die Treppe heran.

Habe, mn einen magischen Akt zu vollenden, Bet tn 60 Iahten vo^ den Augen von Louis Philippe und seiner Familie werde ausgefuhrt werden. Neben der Unterschrift fand sich Cagliostros Siegelabdruck. Darauf entnahm der König ein ebenfalls mit Cagliostros Swgel verschlossenes Paket, in welchem sich die verschwundenen Taschen­tücher vorfanden. _

Der Erfolg war durchschlagend, und der König war sehr befriedigt. Aber Nobert-Houdin hat sein Geheimnis nur zum Teil gelüftet: von seinem Lehrer Torrini hatte er einen Siegelabdruck Cagliostros er­halten und sich danach ein Petschaft Herstellen lassen. Die toetfere Aufklärung verdanken wir Harry Houdinr, der m seinem Buch, The unmasking of Robert-Houdin dessen Künste entzaubert hat. Nobert-Houdin hatte sechs Tage Zeit, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Houdini hat dasselbe Kunststück einmal in Neuhork in zeitgemäß veränderter Aufmachung mit demselben Erfolg wiederholt.

Die Iudenbuche.

Ein Siikengemälde aus dem gebirgigien Westfalen.

Von Annette v. D r o st e - H ü l s h o f f.

(Fortsetzung.)

Jetzt ist es gut!" sagte er endlich und trat schweißtriefend an den Kredenztisch;die gnädigen Herrschaften sollen leben und alle die hoch­adeligen Prinzen und Prinzessinnen, und wer es nicht mittrinktz den will sich an den Ohren schlagen, daß er die Engel singen hort! Em lautes Vivat beantwortete den galanten Toast. Friedrich machte seinen Bück­ling.Nichts für ungut, gnädige Herrschaften; wir sind nur un­gelehrte Bauersleute!" . ,

In diesem Augenblick erhob sich ein Getümmel am Ende der Tenne, Geschrei, Schelten, Gelächter, alles durcheinander.Butterdieb, Butter­dieb!" riefen ein paar Kinder, und heran drängte sich, oder vielmehr ward geschoben, Johannes Niemand, den Kopf zwischen die Schultern ziehend und mit aller Macht nach dem Ausgange strebend.Was ist s? was habt ihr mit unserem Johannes?" rief Friedrich gebieterisch.

Das sollt Ihr früh genug gewahr werden , keuchte em altes Weib mit der Küchenschürze und einem Wischhader in der Hand Schande. Johannes, der arme Teufel, dem zu Hause das Schlechteste gut genug sein mußte, hatte versucht, sich ein halbes Pfundchen Butter für die kommende Dürre zu sichern, und ohne daran zu denken, daß er es, sauber in sein Schnupftuch gewickelt, in der Tasche geborgen, war er ans Küchenfeuer getreten, und nun runn dus Fett schmählich die Rocrschotze