Es würbe Morgen; aus dichten bschungelarklgen Wipfeln glitten Fregattvögel zum Strand hinunter. Ihr rechter Arm war blau und ganz zerkratzt. Sie weinte.
„Ich liebe dich, Frau," sagte Danna. Sie sah, daß das Messer noch in seinem Gurt steckte. Leicht neigte sie den Kopf. Er begriff, dah es die Zustimmung zu seinen Worten toor.
Er ging voran und brach mit seinem Messer einen Weg durch das Dschungelgestrüpp. Auf einer Lichtung stand ein Haus, aus Mocken gebaut. Sie traten ein.
'„Trau uns, Mister Dennet," schrie der Koch den verwahrlosten und stoppelbärtigen Mann an. Mit einer zerschlissenen Bibel in der Hand tat er es. Danna war glücklich. Die Gräfin war wie gelähmt. Don draußen rauschte das Meer herein, und ein unbekanntes Tier schrie.
Danna flüsterte der Tahlor zu, dah er Hier, auf dieser Strafinsel, em Der steck habe, in dem ex viele Perlen gesammelt hätte. Er schenke sie ihr zum Tage ihrer Hochzeit. Sie glühte ihn an, lächelnd, erregt. „2a. ja, hole sie, ich liebe Perlen, du machst mich glücklich damit ..."
Er sah sie nicht mehr. Er kehrte zurück und die Perlen quollen über die Schalen seiner zusammengelegten Hände hinaus. Dann und wann fiel eine aus feiner Hand. Er beachtete es nicht.
Die Tahlor war durch das Dschungel gebrochen. Ein großes Schiff kam, als sie das freie Meer sah, langsam an die Insel herangedampft. Sie schoß in die Luft und ritz den Aermel ihrer Bluse ab, womit sie winkte. Sie pfiffen als Antwort mit einer schrillen Pfeife.
Als es Abend wurde, lag sie in einer Kajüte. Ein Doh rieb ihr die Schläfen und Pulsstellen der Hände mit einem scharfen Essig ein ...
Geschichten von alten Zauberkünstlern.
Von Graf Carl Klinckowstroem.
Saltarino (H. Otto) hat die Geschichte der Taschenspielkunst in drei Abschnitte eingeteilt: von den Anfängen des ägyptischen Priestertums bis zum Beginn des Mittelalters reicht jene erste Epoche, in der die wirkliche Erzeugung scheinbar übernatürlicher Vorgänge nüt dem Anspruch höherer (magischer) Kräfte austritt. Zu der zweiten Epoche gehören die Gaukler des Mittelalters und der Neuzeit bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts, die meistens zugestehen, daß, es bei ihren Zauberkünsten mit natürlichen Dingen zugehe. Der dritte Abschnitt endlich datiert vom Beginn des 19. Jahrhunderts, mit welchem die Taschenspieler ohne marktschreierische Pose auf der Bühne austreten.
Den Aebergang von der zweiten zur dritten Epoche bezeichnet der zu seiner Zest neben Philadelphia berühmteste Taschenspieler Joseph Pinetti (1750—1800), „Professeur de physique amüsante", der große Geschicklichkeit mit Erfindungsgeist paarte und zwei Jahrzehnte lang mit großem Erfolg die Hauptstädte Europas bereiste. Er nahm es aber gewastig übel, wenn jemand es wagte, seine Geheimnisse zu entschleiern, deren Undurchsichtigkeit allein ihm volle Kassen schaffen konnte. Dies geschah ihm zuerst 1784 in Paris durch H. Decremps, in dessen Buch „La Magie blanche devoilee“, sodann 1769 in Berlin durch den Professor I. W. A. Kosmann. Hier war Pinetti durch die Gräfin L i ch t e n a u, die Mätresse Friedrich Wilhelms IL, dazu herangezvgen worden, den mystischen Dingen geneigten König für ihre dunklen Zwecke auszunutzen. Der König ernannte den Zauberkünstler sogar zu seinem Hofphysikus und schenkte ihm für seine Darstellungen das ehemalige Döbbelinsche Theater in der Behrenstraße. Als nun der Italiener den Professor Kosmann mit einem Dolche bedrohte, da hatte seine Stunde geschlagen: er wurde ausgewiesen.
Einen sehr üblen Streich spielte er noch in demselben Lahre in Neapel einem dort als Arzt tätigen französischen Grafen Edmond de G r i s h (geb. 1769), der als Amateur eine glühende Begeisterung für die Taschenspielkunst gefaßt hatte und Pinettis Dorführungen, die er genau studiert hatte, im Privatkreise mit großem Geschick nachahmte. Pinetti witterte Konkurrenz. Er suchte heimtückisch de Grisys Freundschaft und bewog ihn schließlich, zu einem öffentlichen Auftreten mit Pinettis Apparaten, wobei ihm auch seine Gehilfen zu den üblichen Dienstleistungen zur Verfügung stehen sollten. Bei dieser Vorstellung, die zu einem gesellschaftlichen Ereignis wurde, war auch der König von Neapel anwesend. Pinetti wußte es nun so einzurichten, dah der König gelegentlich eines Kartenkunststücks eine Karte zog, auf welcher eine beleidigende Aeuherung stand, und die Vorstellung endete vorzeitig mit einem großen Skandal, der dem verzweifelten Amateur nicht einmal Zeit ließ, sich zu rechtfertigen: Grish muhte Hals über Kopf Neapel verlassen. Aber nun sann der Graf auf Räche und wurde wirklich zum Konkurrenten Pinettis. Er zog sich ein halbes Jahr in die Einsamkeit zurück und bereitete sich sorgfältig auf die Laufbahn als Berufstaschenspieler vor. In dem Bewußtsein, seinen Gegner mit seinem Können weit übertrumpfen zu können, zog Grisy unter dem Künstlernamen T o r r i n i stets dieselbe Straße wie Pinetti, mit dem Erfolg, dah der letztere leere Häuser hatte. Pinetti ging nach Nußland und starb dort im Jahre 1880 offenbar in Armut.
Grish-Torrini wußte seinen Ruf als hervorragender Magiker, den er schnell gewann, insbesondere durch ein Kunststück zu festigen, das er in Rom dem Papst Pius VII. und seinen Ka.rdinälen vvrführte und wobei ihm der Zufall zu Hilfe kam. Jedenfalls verstand er es ausgezeichnet, die Situation auszunutzen. Am Tage vor der Vorstellung im Vatikan befand sich Torrini bei einem Ahr- macher, als gerade ein Diener des Kardinals B. Nachfragen kam, ob d>e Ahr Seiner Eminenz bereits repariert fei. Erst am Abend, lautete der Bescheid des Ährmachers. Dieser zeigte darauf die einzigartige Taschenuhr, ein Meisterstück Breguets, seinem Besucher
Md sagte ihm, daß der Kardlnal sie für dn Unikum hielte. Mer, so erzählte der geschwätzige Ahrmacher weiter, gerade vor zwei Tagen sei ein junger Mann bei ihm gewesen und habe ihm eine völlig gleiche Ahr desselben Meisters zum Kaufe angeboten. Sofort beschloß Torrini, Die günstige Gelegenheit auszunutzen; er kaufte diese Dublette für 1200 Franken und lieh von dem Ahrmacher das Wappen des Kardinals nach dem Original daraufgravieren.
Am Schluß seiner Vorstellung im Vatikan bat sich andern Tags Torrini einen hesvnders wertvollen, möglichst eigenartigen Gegenstand aus, um dem Verdacht vvrzubeugen, dah er bei, dem nun folgenden Kunststück den entliehenen Gegenstand gegen einen ähnlichen austausche. Zögernd -reichte ihm der Kardinal T. seine Ahr, nachdem Torrini wohlweislich eine Anzahl anderer Gegenstände als nicht einzigartig genug zurückgewiesen hatte. Run lieh sich der Zauberkünstlar einen Mörser geben und zerstampfte darin vor aller Augen die unersetzliche Ahr des davon wenig erbauten Kardinals. Der arme Besitzer muhte in den Resten seiner zertrümmerten Ahr sein Eigentum erkennen. Er erklärte, da es sich um ein Unituni handle, könne von einer Vertauschung nicht die Rede sein. Natürlich hatte To.vrini aber das längst vertauschte Pendant zertrümmert. Diesen dramatischen Augenblick wuhte er geschickt dazu zu benützen, um das Original heimlich in die Tasche des Papstes gleiten zu lassen, der sich erhoben hatte, um die Äebevreste der zerstörten Ahr im Mörser zu besichtigen. Als sich die Erregung ein wenig gelegt hatte, bat Torrini, ihm «ine Person zu bezeichnen, die gewih nicht im Verdacht stehe, mit ihm im Einvernehmen zu arbeiten. Er wolle die Ahr in deren Tasche zaubern. Der Papst bot sich lächelnd selbst dazu an. Nach einigen magischen Bewegungen und Sprüchen forderte der Zauberkünstler Seine Heiligkeit auf, die Ahr aus seiner Tasche hervorzuholen. Zweifelnd griff der Papst hinein und brachte in der Tat zum allgemeinen Erstaunen die völlig unversehrte Ahr zum Vorschein, die er dem beglückten Besitzer einhändigte. Torrini hat die Kosten, die ihm dieser Scherz verursachte, nicht bereut. Eine bessere Reklame hätte er nicht machen können.
Ein anderer feiner Tricks, den er auf seinen Gastreisen durch die ganze Welt häufig vvrführte, bestand darin, dah er einen der Zuschauer ein Gewehr auf seinen kleinen Sohn, der einen Apfel zwischen den Zähnen hielt, abschiehen lieh. Er nannte diese Vorführung Den Tell-Schuh. Der Knabe blieb unverletzt, und Torrini zog das Geschoß aus dem Apfel. Es war ein Vertauschungstrick; die in das Gewehr geladene Kugel bestand aus einer Weichen Masse von Bleifarbe, die beim Verlassen des Laufes sofort zerstäubte. Das Anglück wollte es, dah einmal versehentlich eine echte Bleikugel in den Kasten mit den präparierten Trickkugeln geriet, und der Knabe fand bei der Vorführung den Tod. Torrini verlor saft den Verstand über diesen Verlust, er wurde trübsinnig und muhte zudem noch auf ein halbes Jahr ins Gefängnis wandern. Von da ab war sein Stern erloschen. Mit einem für seine besonderen Zwecke gebauten Künstlerwagen zog er von Markt zu Markt. Da las er einmal in Südfrankreich einen jungen Menschen auf, den er ohnmächtig auf der Landstraße fand. Er nahm ihn mit sich und pflegte den Schwerkranken gesund. Hier hat der Zufall wieder einmal seine Hand im Spiele gehabt und menschliches Schicksal wunderlich gelenkt. Dieser Jüngling war der Ahrmachergehilfe und Mechaniker Jean-Eugene Robert, der bereits als Knabe ein unstillbares Interesse für Zauberkünste gehabt hatte, und aus dem später der berühmteste Taschenspieler des 19. Jahrhunderts wurde: Rvbert-Houdin (1805 bis 1871). Etwa zwei Jahre blieb der junge Robert bei Torrini und wurde von ihm in alle seine Geheimnisse eingeweiht.
Robert-Houdin hat wechselvolle Schicksale erlebt, die er in seinen Memoiren sehr lebendig beschreibt, ehe er seinerseits der erfolgreiche Magiker wurde.
Einen Höhepunkt in seiner Laufbahn bildete für Robert-Houdin eine Privatvorstellung im Schlosse von St. Cloud vor König Louis Philippe und der königlichen Familie. Hier gelang auch ihm ein verblüffendes Experiment, das er durch die geschickte Aufmachung geradezu zu einer Sensation zu gestalten wuhte. Das war im Jahre 1846. Inmitten seines übrigen Programms, zu dem auch die Vorführung seines kleinen Sohnes als „Hellseher" gehörte — ein von Rvbert-Houdin sehr geschickt ausgebauter Trick mit verabredeten Geheimsignalen — ließ er sich von seinen hohen Zuschauern sechs Taschentücher reichen, machte daraus ein Paket und legte sie auf den Tisch. Darauf lieh er von verschiedenen Anwesenden auf besonderen Karten je einen Wunsch schreiben, wohin er die Tücher unsichtbar verschwinden lassen solle. Aus diesen Karten lieh er den König die Auswahl treffen. Dieser entschloß sich für eine Karte, auf welcher der Kasten bezeichnet war, in dem ein Orangenbaum am rechten Ende eines Parkweges eingepflanzt war. Robert-Houdin war damit einverstanden. Er ließ die Taschentücher unter Zauberformeln „verschwinden", und sogleich begaben sich mehrere von der Gesellschaft zu dem bezeichneten Orangenbaum, um die Nachsuche zu überwachen. Ein Gärtner grub in der Erde der angegebenen Kiste nach und förderte eine verrostete Eisenkassette zutage, die alsbald dem König, von 6er anhaftenden Erde schnell gesäubert, überreicht wurde. Der König fragte den Zauberkünstler zweifelnd, ob er wirklich glaube, daß sich die verschwundenen Tücher in dieser alten Kassette finden würden. „Gewih, Sire," meinte dieser, „sie sind seit 60 Jahren darin". And er forderte den erstaunten König auf, das Kästchen zu öffnen. „Ohne Schlüssel?" „Es liegt nur an Ihnen, Sire, den Schlüssel in Empfang zu nehmen. Bitte, ihn vom Halse dieser Turteltaube zu nehmen, die ihn Ihnen soeben bringt." Louis Philippe löste einen kleinen, rostigen Schlüssel von dem roten Bande, das die Taube um den Hals trug, öffnete unter allgemeiner Spannung die Kassette. Zunächst fiel ihm ein Pergamentstreifen in die Hand, auf welchem in alter Schrift zu lesen stand, dah Dalsamo, Graf von Cagliostro, am 6. Juni 1786 diese sechs Taschentücher in dieser Kassette verschlossen


