- Druck und Verlag: Brühl'fche AniversitStz-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Giehen.
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Darüber kann kein Zweifel mehr walten, da» wir in bezug auf den zukünftigen Luftverkehr vor großen Ereignisfen stehen. Bereits m nächster Zeit dürste der Kampf zwischen Luftschiff und Flugzeug zum Austrag kommen. Auf beiden Seiten unerhörte Anstrengungen, aus beiden «eiten Indienststellung aller Fortschritte der Technik. Nachdem der Zeppelins ug über den Atlantischen Ozean die Widerstandskraft des Luftschiffes auch im Sturm glänzend erwiesen hat, läßt es der Flugzeugbau an Bemühungen nicht fehlen, gleiches oder vielleicht noch mehr zu leisten. Andererseits aber ist das Vertrauen zum Luftschiff gestiegen. Neues, Großes bereitet sich vor, ist bereits im Werden, teilweise sogar der Vollendung nahe. Ein noch nie dagewesener Aufwand von Scharfsinn, von Ideen, von technischem Können zeigt sich in beiden Lagern Allenthalben wird gerüstet, gearbeitet, abgeändert, das gestern für gut Befundene heute durch Besseres überholt. Ein Wettkampf hat eingesetzt, der in der Geschichte der Technik einzig dasteht. . t .___..
Was mit dem Zeppelin geschehen wird, hat Dr. Eckener bereitv klar ausgesprochen. Der Einbau stärkerer Motoren wird ihn vor neue Aufgaben stellen und wird ihm die Möglichkeit geben, sie zu erfüllen. In England aber werden zwei riesige Luftschisse gebaut. Sie sollen in bezuq auf Aufnahmefähigkeit und vor allem auf Geschwindigkeit ganz Besonderes leisten. Große Räume werden den Fahrgästen zur Verfügung stehen Weitgehende Bequemlichkeiten werden geboten werden. Gewaltig sind die Strecken, die man mit diesen Schiffen zuräckzulegen gedenkt. Das was man über die voraussichtliche Geschwindigkeit vernimmt, mutet geradezu wie ein Märchen an, liegt aber technisch durchaus im Bereich der Möglichkeit. Wie nun die Motoren und die Bauart zusammenarbeiten werden, und ob man tatsächlich auf die außerordentliche «chnAligkeit kommt, die man anstrebt und den bisherigen Berechnungen nach auch erreichen sollte, muß natürlich abgewartet werden. Hier können erst die Flüge selbst die Entscheidung bringen. Fällt diese Ent,cheidung aber so aus, wie man es wünscht, so ist die Erde in diesem Sinne erheblich kleiner geworden. Die Entfernungen sind zusammengeschrumpft. Der Verkehr wird sich schon um der Ersparnis an Zeit willen der Luft zu-
weiiden. Besonders dann, wenn es sich um die Zurücklegung großer Strecken handelt.
Wenn Deutschland mit feinem Zeppelin die Eroberung dieses 11«» Verkehrsgebietes beabsichtigt, wenn England in der gleichen Richtung tätig ist, so kann Amerika natürlich nicht zurückstehen. Auch in den Vereinigten Staaten baut man ein neues großes Luftschiff, das in Detroit auf Stapel gelegt wurde. Da es für die Marine hergestellt wird, so ist bei ihm vieles mit dem Schleier des Geheimnisses umgeben. Man dars einen Leistungen um so mehr mit besonderer Spannung entgegenseheii, als bei ihm eine ganz neue technische Grundlage zur Anwendung kommt. Der Luftkreuzer wird ein Metallschisf jein. Wie die Zeppeline, so birgt er im Innern ein Gerüst. Die Außenhaut besteht aber aus Metall, und zwar aus Duralumnium. Die einzelnen Bleche, aus Denen sie zusammengesetzt wird, sind von außerordentlicher Feinheit. Ihre Dicke belauft sich auf Tausendstel eines Millimeters. Da es sich hier nur um einen Versuch, um den ersten Versuch des metallischen Luftschiffes handelt, so wurden dis Abmessungen noch nicht sehr groß gewählt. Erst dann, wenn es sich bewährt hat, wird man daran gehen, größere Schiffe dieser Art zu bauen, die voraussichtlich dem allgemeinen Herkehr dienen dürften. Die Herstellung dieser Schiffe wird rasch erfolgen können, hat man doch zum Zu- fammenfügen der feinen Metallbleche, die die Außenhaut des Schiffes bilden, eine besondere Nietmaschine gebaut. Diese Maschine vermag an einem Arbeitstag 40 000 Nieten herzustellen. Sie ist auf einer Art von Drehbühne aufmontiert und rollt auf ihr um das Schiff herum. Dabei legt sie Schicht an Schicht, so daß die Außenhaut sehr rasch um das Gerippe herum wächst. Die Form des neuen amerikanischen Metallschisfes dürfte ungefähr der der deutschen Zeppeline entsprechen, die sich ja bisher ganz vorzüglich bewährt hat.
Daß in Anbetracht dieser Anstrengungen die Erbauer von Flugzeugen nicht müßig bleiben können, versteht sich von selbst. Sie sind infofern begünstigt, als die Versuche zur Herstellung neuer Flugzeuge erheblich weniger Mittel erfordern als der Bau von Luftschiffen. Während man bei den Luftschiffen immer noch mit den Füßen gewissermaßen aus der Erde bleibt, d. h. in Höhen zu fliegen gedenkt, Die nicht allzugrotz sind, hat man beim Flugzeug neue Ziele gefunden. Je tiefer man fliegt, desto dichter ist die Luft, desto größer wird der Widerstand, den sie dem Vorwürtskommen entgegensetzt. Je höher man emporsteigt, desto dünner wird sie, desto mehr nimmt der Widerstand ab, desto weniger Brennstosf wird man verbrauchen. Bei geringstem Aufwand an Brennstoff wird also das Flugzeug Die verhältnismäßig größte GefchwinDigkeit erzielen, das am höchsten fliegt. Deshalb gehen die Bestrebungen augenblicklich dahin, Flugzeuge zu bauen, Die in ganz gewaltigen Höhen ihrem Bestimmungsort entgegenstreben. Dabei ergeben sich aber allerlei Schwierigkeiten. Wo Die Lust sehr Dünn ist, können Die Menschen nicht atmen, die Motoren nicht oDer nur sehr schwer arbeiten. Führt man Sauerstoff mit sich, um Atmungsmöglichkeiten für Die Menschen und Arbeitsmöglichkeiten für Die Motoren zu schaffen, so wird das Flugzeug durch die Stahlflaschen belastet, in denen Der nötige Vorrat aufbewahrt wird. Bis zu einem gewissen Grade hat man diese und eine Reihe weiterer Schwierigkeiten aber bereits überwunden. Höhen von mehr als 14 Kilometer über Der Erde sind bereits erreicht worden. Die Rüstungen, noch höher, sogar beträchtlich höher zu kommen, dürften nicht lange auf sich warten lasse».
Soll das Flugzeug Den Wettbewerb mit den Luftschiffen aufnehmen, so muß es wie Diese Länder und Weltmeere überfliegen können. Bisher unterschied man zwischen Land- und Wasserflugzeugen. Dieser Unterschied muß verschwinden. Das Flugzeug muß imstande sein, sowohl auf festem Boden wie auf dem Wasser niederzugehen. Verschiedentlich sind deshalb schon Flugzeuge gebaut worden, Die diesen Ansprüchen genügen. Eins besonders eigenartige Konstruktion dieser Art wurde jetzt in Amerika Durchgebildet und vom Marineamt Der Vereinigten Staaten übernommen. Das Flugzeug zeigt die Merkmale eines LanDflugzeugs, ist jedoch mit drei Ballons ausgestattet. Die aus gas- und wasserdichtem Stoff her- gestellt sind. Zwei dieser Ballons liegen zusammengefaltet am vorderen Teil, einer am Hinteren Des Flugzeugs. Ihre Form ist so gewählt, daß sie beim Aufblasen eine bootsförmige Gestalt amtehmen, auch ein Siel ist vorgesehen. Ist nun das Flugzeug genötigt, auf Dem Wasser niederzugehen, so roirD Das Ventil einer Stahlflasche geöffnet. Die verdichtetes Gas, am besten Wasserstoff oder Helium, enthält. Die Bauart Des Ventils sowie Die Anordnung Der zu Den Schwimmballons führenden Leitungen bewirkt. Daß diese in außerordentlich kurzer Zeit aufgeblasen sind. Damit schwimmt das Flugzeug ohne weiteres. Infolge der bootsförmigen Gestalt feiner Schwimmkörper kann es sich mit Hilfe Der Propeller ans Dem Wasser vorwärts bewegen. Eine andere Ausführung Des gleichen Gedankens macht Die Betätigung Des Ventils überflüssig.
Weitere Bemühungen zielen Darauf ab, Das starke _Ttotorenger<ui|n) abzudämpfen, das in vielen Fällen sehr störend wirkt. Ein neuer Dampfer besteht aus einem Rohr, das unter Dem Flugzeug entlangtäuft und tn Dem sich in eigenartiger Anordnung eine Metallspirale befindet. Dam» sollen vorzügliche Ergebnisse erzielt worden fein. Ebenso hat sich emt Anordnung bewahrt, bei Der Die Auspuffgase Des Motors in den tim' ström Des Propellers eingeführt werden. Vielleicht lost Die Vereinigung Dieser beiden Abdämpfungsarten Die Frage Des geräuschlosen Fluges- Außerdem aber werden verschiedentlich Versuche zur Herstellung jcham Dichter Abteile für Die Fahrgäste gemacht, in. Denen diese ruhen u»° schlafen können, ohne Durch Den Motor gestört zu werden.
Wo sich ein Flugverkehr über lange Strecken entwickelt, Da brau«) man nicht nur auf Dem Land, sondern auch auf dem Wasser Flughafen- Deren gibt es bereits verschiedene. Ein neuer ist in Montreal in Kanam entstanden. Der sich Durch eine eigenartige technische Einrichtung au->* zeichnet. Hier wurden im St. Lorenzstrom große Wellenbrecher eilig baut, Die ein ruhiges Niedergehen ermöglichen. Die Flugzeuge lanoe an Der Seite geräumiger im Wasser schwimmender Plattformen, Die Den Fluggästen an Land fahren. In besonderen Fällen ist es auch " > lich, haß Die Flugzeuge unmittelbar auf Den Plattformen meDergei; ■
lieber Alter, Dein Trittenheimer war famos, aber er hat's in sich: ist mir glänzend bekommen, oder besser, er bekommt noch. Doch mir müssen los."
9tur etwa fünfhundert Meter haben wir bis zu den Balzplätzen. Das nächtliche Schwarz am Firmament wandelt sich in lichtes Silbergrau, ein herrlicher Balzmorgen steigt herauf, lieber Dem Rodeland, auf dem Die kleinen, schwarzen Hähne ihre HochzeitslieDer fingen. In einem verblendeten Stubbenloch niste ich mich ein. Freund Wolf fitzt mir gegenüber, etwa achthundert Meter entfernt, am jenseitigen Rande Der Rodung. Hinter mir im Eichenwalde erwacht der Morgenwind. Jetzt habe ich freie Sicht und erkenne nur etwa sechzig Schritte vor mir zwei von den kleinen, schwarzen Rittern, Die fauchend und blasend mit weitgefächertem Spiel und tiefgesenkten Schwingen zum Turnier gegeneinander angehen. Schlohweiß leuchten die weihen Deckfedern unter Dem Spiel, und deutlich sehe ich Die rubinrot strahlenden Rosen um die Lichter. Noch freue ich mich dieses herrlichen Anblicks und zögere darum mit dem Schießen, Da höre ich es drüben bei Freund Wolf ein-, zwei-, dreimal hintereinander knallen. Noch sind die Schüsse nicht verhallt, da sehe ich beide Hähne, die vor mir balzten, in der nahen Fichtenschonung verschwinden. Das war also miß- getan, wer weiß, ob ich nun noch einen Birkhahn zu Schuß bekomme. Lange warte ich und werde reich entschädigt durch die Beobachtung der Geburt eines schönen Frühlingsmorgens.
Da erscheinen, wie auf Der Bühne, von links und rechts je ein Birkhahn, auf dem vor mir liegenden Wechsel. Wild und heiß pulst den kleinen, schwarzen Gesellen das Blut in der Brust. Scharf gehen sie aufeinander los. Fauchend überkugeln sie sich und sangen an, miteinander zu raufen. Doch es ist Zeit, Dampf zu machen, lange dauert die Balz nicht mehr. Den stärksten Hahn nehme ich in die Kimme und laße fahren. Durch das Feuer erkenne ich, daß der Hahn zusammenklappt, und schnell funke ich auf den zweiten, abreitenden Gockel. Auch der kippt, im unsicheren Gleitflug fällt er ein, und ich Darf wohl annehmen, er liegt verendet an Der Einfallstelle. Das ist mir auch noch nicht passiert, eine Doublette auf Birkhähne, — ob da nicht doch Der Trittenheimer ’^fiorfTerfreiit über mein Weidmannsheil, lausche ich dem jetzt ein- setzenden Morgenkonzert der Waldvögel. Mit der Balz scheint es vorbei, schon höre ich die nahenden Schritte des lieben, alten Freundes. Er halt mir einen kapitalen Birkhahn entgegen. „Das ist Nummer eins von deiner Doublette, Der andere Gockel liegt da vorn, ich glaube, der ,st noch stärker, solche Birkhähne schießt man bei mir!" Verwundert frage ich: „Na und du?" Mürrisch antwortet er: „Ach, dreimal habe ich vorbeigewichst, aber das macht bloß Dein verflixter Trittenheimer von gestern abend." Na ja, etwas muh schuld sein am schlechten Schießen, denke ich, und gehe, meinen zweiten Hahn zu holen. Er ist wirklich noch besser als der erste. Doch was ist das, Freund Wolf schießt, ich erkenne eine niedergehende Schnepfe, anscheinend weidwund. Wölfchen ist wie em Wiesel hinterher, na, ob er den weidwund geschossenen ischnepf bekommt? Rach zwei Minuten höre ich sein Horrido. Er zeigt mir die Schnepfe und ruft: „Nun ist wenigstens die Sauschießerei auf den Birkhahn doch etwas aUj$BirtgeDen zurück zum Hünengrab, setzen uns unter Die Wikingeiche und schmauchen eine köstliche Morgenzigarre. Da sagt Freund Wols. .Jetzt wünschte ich doch, wir hätten so eine Trittenheimer von gestern abend hier." Damit hatte ich gerechnet. Aus meinem Wagenkasten hole ich eine vorsorglich eingepackte Pulle, und nun beginnen n»lr nut tarn köstlichen Tropfen das Begräbnis des «chnepfenvogels und bet Birkhahn- doublette.
Flugzeug oder Luftschiff?
Von Dr. Hellmut Th 0 masius.


