<R liquienkapseln und Heiligenbilder als Anhänger) die primitiven Er- z.^gnisse niedr.g stehender Bölter, sie alle betonen neben dem ästhetischen Reiz auch die ethische Seite des Schmuckes.
Bon altersher unterschied man Körperschmuck und Gewandschmuck, der Variierung, Teilung und Unterbrechung der Linien des Kleides durch Gürtel, Ketten, Schnallen schuf. Nie^jedoch galt in früheren Zeiten der Schmuck als einzelne Form, ein Ohrgehänge z. B. war ein Teil einer ganzen Schmucktracht, die nach ganz bestimmten Gesetzen kompliziert gestaltet war und ein künstlerisches Ganzes bildete. Allmählich erst mit der Kultivierung des Kleides wurde der Schmuck eine bereichernde Beigabe vo r individueller Wahl. Gerade die Renaissance verstand es, aus Stossen, Steinen und Metallen Farben- und Formschönheiten zu schaffen. Der- milde Schimmer der Perlen, der matte Glanz des Goldes gab köstliche Tönungen zu den warmen glühenden Farben der Samte. Schmuck in weiterem Sinn sind alle Ornate und Abzeichen einer bestimmten Würde, sind die Kriegs- und Kulttrachten wilder Völ'er, Amulette und Zaubermasken, Schmuck ist letzten Endes auch eine Blüte, die durch ihre Farbigkeit eine Trägerin ziert und ihr oftmals einen Charme von Frische und Jugendlichkeit schenkt, den kostbare Perlen und Steine nicht zaubern können. Daneben herrscht das graste Gebiet des reinen Schmuckes, der N nge, Armbänder, Reifen, Halsbänder und Ketten, der Ohrgehänge, Nadeln, Diademe, deren sedes im Laufe der Zeiten im Wandel der einzelnen Stile neben seiner reinen Zweckmäßigkeit eine ganz bestimmte Symbolik erhalten hat.
Die Religion und alle Kulte, die mit ihr zusammenhingen, Gottesdienste und Totenbestattungen waren sichere Förderer des Schmuckwesens, eigentlich danken mir ihnen unsere Kenntnisse der alten Völker und ihrer K'nstzweige. Aus der intensiven Verknüpfung des Religiösen mit dem Mystischen, aus der Fülle von Aberglauben vor- oder nichtchristlicher Völker, sind die vielen astrologiscben Zeichen, die vielen Amulette, die bestimmte Verwendung einzelner Steine zu erklären. Gerade die Edelsteine, die ia einen wesentlichen Bestandteil allen Schmuckes bilden, erhielten durch den Glauben an ihre wunderbaren Kräfte, durch die Fähigkeit, Wunder zu wirken, von altersher eine besondere Bevorzugung. Die Aegyvter, die das führende Volk allen Vökkerschm"ckes waren und in der Vorbildung fast aller Formen auch das Ideen- und kunstreichste geblieben sind sichten der rein schmück-nden Bedeutung schon die allegorischen Beziehungen bei und hatten vor allem bei ihrem ausgepräaten Sternenglauben eine Paralleleinstellung der Tierkreiszeichen mit bestimmten Edelsteinen. llNj^x — Amethntt. Stier — .läyazintb Zwillinge — Ehrysovas, Krebs — Topas, Löwe — Beryll. Junafrau — Chrniol'tb, Wanne — Kcir- N"ol. Skorpion — Onix, Schütze — Smaragd. Steinbock — Ebalzedon, Mnffermnnn — Saphyr, Fische — Iafvis. Denselben Glauben finden wir auch bei den Rropheten des alten Testamentes. Dieser komischen OTeoori= sier"ng tritt dann im Laufe der Jahrhunderte in den mehr auf Aeuster- lichlejten gerichteten Beriab-y der römischen Kaiserzeit, der Renaissanee, in denen Vrnnk, Lebenslust und Feste Lebenssinu wurden, eine mehr äußerliche Au-d-utuna bei. Der Rubin galt als Mittel geaen Gist, das ia osrade in dieser Evache eine so proste, zu feder Minute drohende Ge- f<*fr- war. Der Amethyst schützte aegm Trunkenheit und bannt- böse Gedanken, d->r Topas belänstiate Raserei imh das stürmende Meer, der Türk'« fo^te durch den Wechsel seiner Farbe gar Metternrgnhet sein, das Ze-lnrinoen des Smaragdes aber wurde zum Künder ehelicher Untreue.
Gleicherweise spielten natürlich Amulette eine bedeutende Rolle gegen alle Krankheiten, Gifte und Zufälle. Besonders groß war die Zahl der aus dem Tierreich übernommenen Amulettbestandteile, die dann in kostbaren Tastungen gebracht wurden. Greifenklauen gegen Gift, Korallen gegen Blutsturz, der Searabnus der Aegypter als Zeichen der linsterb- lichke't. tierische Gallen- und Dannsteine, sog. Bezoare, trugen die Frauen tu kostbaren, mit Edelstein besetzten Spangen gegen Unfruchtbarkeit und bösartige Krankheiten.
Der Edelsteinschmuck, der in der ägyptischen und griechischen Zeit in der kunstvollen Technik seiner Behandlung dem Sieinichnitt als Gemmen sdie vertieft geschnittenen Darstellungen) oder als Kameen (mehr oder minder erhabener Reliefschnitts so künstlerische Höhe erreichte, erlebte noch einmal Aufstieg in der römischen Kaiserzeit und der Renaistanee durch eine künstlerische Gesamtkomvosition kostbarer Steine und plastischer Bearbeitung d«s Metalls, Arbeiten, zu denen berühmte Künstler, wie Veroechio, Ghiriandaio. Michelangelo. Cellini. Entwürfe lieferten, ging dann aber einer ständig zunehmenden Verflachung und Veräußerlichung entgegen. Schon im Barock beginnt das Selbständiowerden der Edelstein^ Sucht nach Brunk und Wert der Steine verdränat die hochentwickelte. handwerkliche Formenkunst, das Zeitalter der hemmungslos-n Vorherrschaft des Brillanten, der keinen Effekt der Fastung neben sich duldete, war angebrochen.
n R°ben den Wundern und Geschenken der Natur versuchte stch in allen Zeitaltern van den Aeayptern an die Menschenlm"d im Nachschaffen der Steine durch Glasflüffe, die man durch mineralische Beimischiingen zu färben verstand, lind seit Straß 1758 in Baris die nach ihm benannte stmttation der Diamanten erfand, seit unser Lahrb ndert stefiae Fortschritte In der künstlichen Herstellung köstlicher Perlen macht, seit Millionen Fabriken ihre schematischen Masienvrodukte gepreßter und gezogener Metalle aus den Markt bringen, ist her Schmuck Allaemeinaut einer Pfaden Maste geworden, ist nicht mehr Künder der Persönlichkeit, ist Geschmacksträger einer Zeit versklavter Menschheit.
Aber aus Gräbern dahingegangener Könige, aus ausgegrabenen versunkenen Städten, aus denen Schmuckschatullen alter Familien, aus den Schreinen der Klöster und Kirchen bringt die Kunde von alter Kunst, in •pncn lebt die Arbeit geschickter Hände und meisterlicher Beherrschung edler Metalle, in ihnen blüht unvergänglich die Drnomentif von Jahrtausenden, »ebt die Phantasie von Millionen Menschen, weckt Nachahmung zunächst, befruchtet die Phantasie und die Formen durch klassische unb erotische Vorbilder, belebt sie mit dem Rhythmus unserer Zeit und löst eine neue, eigene. Formengestaltung, die in solider handwerklicher Arbeit, in kunst- »oller Bearbeitung des Metalls und harmonischem Einfügen des Steines wahrhafte Kunstwerke vollbrinat.
Un*ertn Birnbaum.
Von Theodor Fontane.
(Fortsetzung.)
So des Justizrats Brief. Er selbst hielt zu festgesetzter Zeit vor dem Pfarrhaus und trat in den Fmr, aus dem die drei vorgcsorderten Dienstleute schon standen. Vowinkel grüßie sie, sprach, in der Absicht ihnen Mut zu machen, ein paar freundliche Worte zu jedem und ging dann, nachdem er sich aus seinem Mantel herausgewickelt, aus Eccelius' Stu- dierstube zu, darin nicht nut der große schwarze Kachelofen, sondern auch der wohlarrargierte Kaffeetisch jeden Eintretenden überaus anheimelnd berühren mußte. Dies war denn auch bei Vowinkel der Fall. Er wies lachend darauf hin und sagte: „Vortrefflich, Freund. Höchst einladend. Aber ich denke, wir lassen das bis nachher. Eist das Geschäftliche. Das Beste wird sein, du stellst die Fragen und ich begnüge mich mit der Veifitzerrolle. Sie werden dir unbefangener antworten als mir." Dabei nahm er in einem neben dem Ofen stehenden hohen Lehnstuhle Platz, während Eccelius, auf den Flur hinaus, nach Ede rief und sich's nun erst, nach Erledigung aller Präliminarien, an seinem mächtigen Schreibtische bequem machte, dessen großes, zwischen Sand- und einem Tintenfaß stchendens Alabasterkreuz ihn von hinten her überragte.
Der Gerufene war inzwischen eingetreten und blieb an der Tür stehen. Er hatte sichtlich sein Bestes getan, um einen manierlichen Menschen aus sich zu machen, aber nur mit schwach m Erfolg Sein brandrotes Haar lag großenteils blank an den Schläfen, während ihm das wenige, was ihm sonst noch verblieben war, nach Art einer Spitzslamme zu Haupten stand. Am schlimmsten aber waren (eine winterlichen Hände, die, wie eine Welt für sich, aus dem Überall zu kurz gewordenen Ein- segnurgsrock hervorsahen.
„Ede," sagte der Pastor freundlich, „bu sollst über Hradscheck und den Polen aussagen, was du weißt."
Der Junge schwieg unb zitterte.
„Warum sagst bu nichts? warum zitterst bu?"
„Ick jrul' mir so."
„Vor wcm? Vor uns?"
Ede schüttelte mit dem Kopf.
„Nun, vor wem denn?"
„Vor Hrabschecken ..."
Eccelius, der alles zugunsten her Hradscheck» gewendet zu sehen wünschte, war mit dieser Aussage wenig zufrieden, nahm sich aber zusammen unb sagte: „Vor Hradscheck. Warum vor Hradscheck? Was ist mit ihm? Behandelt er dich schlecht?"
„Nei."
„Nu wie denn?"
„Ick wees nid> ... He is so anners.“
„Nu gut. Anders. Aber das ist nicht genug, Ede. Du mußt uns mehr sagen. Warum ist er anders? Was tut er? Trinkt er? Oder flucht er. Ober ist er in Angst?"
..Nei."
„Nu wie denn? Was denn?
„Ick roeet nid) ... He es so anners."
Es war ersichtlich, daß aus bem eingefchüchterten Jungen nichts weiter herauszubringen sein würde, weshalb Vowinkel bem Freunde zublinkte, die Sache fallen zu lasten. Dieser brach denn auch wirklich ab unb sagte: „Nun, es ist gut, Ebe. Geh. Unb schicke die Male herein "
Diese kam unb war in ihrem Kopf- unb Brusttuch, das He heute rote sonntäglich angelegt hatte, kaum wieder zu erkennen. Sie sah klar aus den Augen, war unbefangen unb erklärte, nachdem Eccelius seine Frage gestellt hatte, daß sie nichts wisse. Sie habe Szulski gar nicht gesehen, ,,un ihrst um Klocker vier ober noch en beten danoah" wäre Hradscheck an ihre Kammertür gekommen unb hätte gesagt, daß sie rasch ausstehen unb Kaffee kochen solle. Das habe sie denn auch getan, unb grab' als sie den Kien gespalten, sei Jakob gekommen unb hab' ihr so im Dorübergehen gesagt, „baß er den Pohlschen geweckt habe: der Pohlsche hab' aber ’nen Dobenschlaf gehabt unb habe gar nid) geantwortet. Unb ba hab' er an bie Dhür gebullert."
All da» erzählte Male hintereinanber fort, unb als der Pastor zum Schlüsse frug, ob sie nicht noch weiter was wisse, sagte sie: „Nein, weiter wisse sie nichts, ober man bloß noch bas eine, daß bie Kanne, wie sie das Kaffeegeschirr herausgeholt habe, beinahe noch ganz voll gewesen sei. Unb sei boch ein gräuliches Wetter gewesen unb kalt unb naß. Und wenn sonst einer des Morgens abreise, so tränk' er mehrstens ober eigentlich immer bie Kanne leer, un von Zucker übrig lassen, mär' gar keine Rebe nid). Unb manche nähmen ihn auch mit. ?lber ber Pohlsche hätte keine brei Schluck getrunken, unb sei eigentlich alles noch so gewesen, wie sie'« reingebracht habe. Weiter wisse sie nichts."
Danach ging sie, unb ber britte, ber nun tarn, war Jakob.
„Nun, Jakob, wie war es?" fragte Eccelius; „bu weiht, um was es sich handelt. Was bu Malen unb mir schon vorher gesagt hast, brauchst du nicht zu wiederholen. Du hast ihn geweckt und er hat nicht geantwortet. Dann ist er bie Treppe herunter gekommen unb bu hast gesehen, daß er sich an dem Geländer sesthielt, als ob ihm bas Gehen in dem Pelz schwer mürbe. Nicht wahr, so war es?"
„Joa, Herr Pastor."
„Unb weiter nichts?"
„Nei,wider nix. Un wihr man blot noch, bat he so'n beten lütt utsoah, un ..."
„Unb was?"
„Un bat he so still wihr un feggte teen Wuhrb nid). Un as ick to em (eggen deih: „Na Adjes, Herr Szulski", doa wihr he roebber so bumms» still unb nickte man blot so."
Nach bieser Aussage trat auch Jakob ab und bie Pfarrköchin brachte den Kaffee. Vowinkel nahm eine ber Tasten unb sagte, roährenb er sich an das Fensterbrett lehnte: „Ja, Freunb, bie Sache steht boch schlimmer, als du wahr haben möchtest, unb fast auch schlimmer als ich erwartete."


