Kaiser Friedrich II. in Jerusalem.
Von R. A. Z r ch n e r.
Der 17. März des Jahres 1229, einer der bedeutendsten Tage der deutschen Kaistrgeschichte, brachte die sichtbare Vollendung eines Teiles des universalen Kaisertrauines Friedrichs II. Dieser Tag lies; vor der ganzen Welt, vor Christen und Mohammedanern, vor Abendland und Orient, die weltpolitische Machtstellung des großen Stausenkaisers offenbar werden. Die jahrzehntelangen Bemühungen und Kämpfe um die Festigung der Herrschaft, die der junge Kaiser, das Mündel des Papstes, 1215 mit Hilfe der päpstlichen Partei durch die Krönung zu Aachen erhalten hatte, hatten Friedrichs Ansehen in Italien und Deutschland sehr zum Leidwesen des Papstes gestärkt, der seinerseits für die Rechte der Herrschaft der Kirche fürchtend, die Machterweiterung Friedrichs nach Kräften zu hindern suchte.
Die Ausführung des bei der Krönung in Aachen von dem 21jährigen Friedrich in edler Begeisterung, als impulsiver Ausfluß eines von der Erhabenheit der Stunde erfüllten Gemütes, gegebenen Gelübdes eines Kreuzzuges zur Befreiung der Heiligen Stätten der Christenheit war trotz wiederholter Vorstellungen des Papstes, trotz drohender Bannung und Exkommunizierung immer wieder von Friedrich verschoben worden, da die politische Lage weder ein längeres Fernbleiben des Kaisers noch auch das große R>filo eines Kreuzzug-Abenteuers gestattete.
Endlich aber kam das politische Interesse hinzu, nachdem Friedrich am 9. November 1225 Isabella-Jolanthe, die Erbin des Königreichs Jerusalem geheiratet hatte. Die Hochzeit sand in Brindisi statt, und anderthalb Jahre später strömte auf Geheiß des Papstes hier eine zahlenmäßig gewaltige Schar von Pilgern und Kreuzfahrern zusammen. Die durch Predigt und Ablaß gewonnenen Massen, meistenteils völlig mittellose Pilger und gänzlich ungeeignet ausgerüstete Krieger, lagerten in der Sommerzeit des Jahres 1227 in der Ebene von Brindisi, immer neue Ankömmlinge ver- f^rößerten die Schar, die andererseits aber durch die infolge der unge- unden, klimatischen Berhältnisse bald ausbrechenden Krankheiten stark geschmälert wurde. 60000 Mann waren endlich zufammengekommen, sodaß die Einschiffung im Monat August vonstatten gehen konnte. Am 8. September schiffte sich der Kaiser in Begleitung des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen in Brindisi ein. Krankheit >edoch zwang sie bereits drei Tage später zur Landung in Otranto, der Landgraf starb hier nach wenigen Tagen, der Kaiser erholte sich allmählich — aber inzwischen hatte ihn der Bann des Papstes wegen der Nichtaussührung des»Kreuzzuges getroffen.
Der Kaiser war aber nicht willens, das begonnene Unternehmen, das hierdurch schwer gefährdet war, auszugeben. Und so fährt denn nach neuen energischen Rüstungen am 28. Juni 1228 ein mit dem Bannfluch beladener Kaiser zum Kreuzzug nach dem Heiligen Lande. Es begleiten ihn Hermann von Salza, der Deuischordenemeister, und der Graf Thomas von Acema. Nach einem längeren Aufenthalt auf Cypern, das dem Kaiser huldigte, landete Friedrich am S. September in Akkon. Der, Sultan Al Kamil lag im Streit mit seinem Neffen, dem Sultan Ennasir von Damaskus; die beiden Heere standen sich am See Genezareth gegenüber, nur ein Tagesmarsch von Akkon entfernt, jedes wesentlich größer als das kleine Heer des Kaisers, das insbesondere auch an die klimatischen Berhältnisse des Landes nicht gewöhnt war. So mußte Friedrich zu Verhandlungen schreiten, denen er einen gewissen Nachdruck dadurch zu verleihen verstand, daß er durch einen geschickten Flankenzug die Stadt Jaffa besetzte, die Hafenstadt Jerusalems, wodurch er einen Druck auf diese Stadt des Sultans ausüben konnte. Nach langen schwierigen Verhandlungen, von denen die zeitgenösstschenGeschichtsschreiber und die späteren Legenden manch wundersame Unteredung voll tiefster Weisheit und Duldsamkeit des Kaisers zu berichten wissen, beschwor Friedrich am 18. Februar 1229 vor dem von ihm wegen seiner Weisheit hochgeschätzten Emir Fachreddin und Salaheddin, den beiden Bevollmächtigten des Sultans den Friedensvertrag, den wenige Tage darauf der Sultan Al Kamil vor den Gesandten des Kaisers, Hermann von Salza und Thomas von Acema durch seinen Schwur bekräftigte. Ohne Kampf und Blutvergießen ward unter gegenseitiger Duldung vom Sultan Jerusalem freiwillig geräumt, nur die Omarmofchee blieb dem Moslim; außerdem räumte der Sultan die heiligen Stätten, Bethlehem und Nazareth, sowie die Hafenplätze Jaffa und Sidon und das dazwischenliegende Küstengebiet. Die heiligen Stätten der Christenheit waren wieder dem Besitz der Ungläubigen entrissen, und in dem Besitz der Christen. Die Pilger frohlockten, die ganze abendländische Christenheit dankte Gott, nur die papistische Partei fühlte sich überrumpelt, hatte doch ein Gebannter die heiligen Stätten befreit. Hetzerei und Mißgunst verstiegen sich soweit, daß der Patriarch Gerold von Jerusalem in Verzerrung des christlichen Gedankens dem päpstlichen Gebot gemäß die Heiligen Stätten selbst mit dem Interdikt belegte. Die Sorge wegen der nun übermächtig gewordenen Stellung des Kaisers, dessen Macht nunmehr auch im Osten gefestigt war, mag den Papst in Wahrung seiner eigenen Interessen zu diesem sonderbar anmutenden Schritt veranlaßt haben.
Friedrich aber, unbekümmert um die gegen ihn spielenden Ränke, in klarer Verfolgung seiner großen Absicht, eine universale Herrschaft des Kaisertums zu sckmffen, zieht am 17. März 1229 in Jerusalem feierlich ein, mit all dem Gepränge, das ihm seine auf abend- und morgenländische Sitte gestützte Hofzeremonie ermöglichte, von den Pilgern und Christen als Befreier begrüßt, von den Moslim als der große Kaiser, der Freund des Sultans gefeiert und verehrt. Der Kadi überreicht im Auftrage seines Herrn, des Sultans, vor dem Iaffatore die Schlüstel der Stadt Jerusalem. Auf orientalische Weise grüßt der Kadi und die ihn begleitenden Mo-llim den Kaiser, indem fie sich niederwerfen. Der Einzug gestaltet sich zu einem feierlichen, prunkvollen Schauspiel. Der Kaiser bezieht Wohnung im ehemaligen, nun wiedergewonnenen Johanniterhospiz. An den gottesdienstlichen Veranstaltungen nimmt er aus Anraten Hermann von Salzas nicht teil, um den christlichen Pilgern und Kriegern die Weihe- ftunbe nicht durch Anwesenbeit eines Gebannten zu stören und zu schmälern. Aber am nächsten Tag, dem Sonntag Oculi, betritt der Kaiser
die Grabeskirche, wo ein Johanniter ihm nach stiller Beichte die heilige Kommunion gibt. Darauf legte der Kaiser den goldstrahlenden purpurnen Krönungsmantel um und schritt zum Hochaltar, auf dem die Krone des Königreichs Jerusalem lag. Da kein Papst, kein Vertreter des Papstes, kein Bischof den Gebannten krönen konnte, griff Friedrich selbst zur Krone und nimmt sie gleichsam unmittelbar aus Gottes Hand. Hierauf verlas ohne feierliche Krönungsmesse Hermann von Salza zuerst deutsch, dann der fränkischen Pilger und Ritter wegen französisch eine Denkschrift, die alles Geschehen würdig darstellte und dem Papst gegenüber möglichst versöhnlich gehalten war. Das strafende Wunder des Himmels, das der Papst herbeisehnte, kam nicht, und der Glanz und die Macht des Kaisertums Friedrichs kl. leuchtete seit diesen Tagen strahlender und gesicherter denn je zuvor. Als Cherub habe Gott den Kaiser eingesetzt, so hatte vor dem Zwist der Papst selbst geschrieben. So atmet denn das Manisest jenes denkwürdigen Tages hohes Pathos, in dem der Kaiser „wie ein zweiter Cherub, nicht Seraph" gefeiert wird, als ein Herrscher „von Gottes Gnaden, der in diesen wenigen Tagen durch Wunderkraft,mehr denn durch Tapferkeit jenes Werk glückhaft habe vollbringen können, das feit langen rückliegenden Zeiten viele Fürsten und mancherlei Gewaltige des Erdenrundes nicht in der Menge der Völker und nicht durch Furcht noch durch anderes zu leisten vermochten." Die syrischen Fürsten huldigten dem neuen König und der kaiserliche Titel lautete fortan: Romanorum Imperator semper augustus Hierosolymae et Siciliae rex.
Der Schmuck.
Von Jonny Behm.
Die Neigung der Menschen, ihre Person durch schmückende Zutaten schöner und auffallender zu machen, ist ursprünglicher, als das Gewand. Wir finden bei Völkern, denen Klima und die niedrige Zivilisation die Verhüllung des Körpers noch ersparen, den Schmuck bereits ausgebildet, und sei es auch nur eine durch die Lippen gesteckte Muschel oder bunteste Bemalung und Tätowierung der Hatit. Diese Naturvölker schaffen ihren Schmuck meist aus den Erträgnissen ihres Landes, aus Zähnen, Klauen, Knochen, bunten Beeren, Samen, Muscheln, Schneckenschalen, bemalten Häuten, Schildpatt usw. Sehr selten verdrängt das Metall diese Naturprodukte, die Schmuckdinge von ungemeiner Fülle und Variabilität schaffen, deren glühende Farbigkeit und riesenhafte Dimensionen miteinander wetteifern. Selbst die Steinzeit hatte ihren primitiven Schmuck. Kaum bearbeitet, fast im rohen Zustand der Natur, trugen diese Urmenschen Schnecken, kleine Röhrenknochen, Wolfs- und Bärenzähne als Jagdtrophäen. Die Ursache zu diesen primitiven Ansängen und zu raffiniertester Schmuckkunst ist die gleiche: reine, ursprüngliche Freude am Schmücken, die sicher eine Auswirkung des menschlichen Spieltriebes ist, d:r gemeinsame Zweck ist die Hervorhebung körperlicher Vorzüge. Die Schmuckzwecke werfen ein interessantes Licht auf die psychologische Einstellung und Art der einzelnen Völker. Sie sind ungemein mannigfaltig und wurzeln im letzten Grunde in der Erotik: in der Betonung des Eeschlechtsunterfchiedes, die in unseren Ländern abendländischer Kultur eine ungemein beherrschende Rolle spielt, ohne allerdings die extreme Form der Naturvölker zu erreichen. Die höhere Zivilisationsstufe schenkt der Frau das Schmücken für den Mann, mehr noch vielleicht das Schmücken gegen die anderen Frauen, während die primitiven Völker den Herren der Schöpfung mit allen nur erdenklichen, ins Auge leuchtenden Zierdingen behängen. Die einzelnen Epochen bevorzugten mit wechselnder Gunst einmal den Mann, einmal die Frau als den Träger ihres Geschmeides. Je weiter wir in das Altertum zurückgehen (Aeaypter, Etrusker, Römer ufw.), um so reicher ist der Mann mit Schmuck behangen: Armbänder, Ohrringe, Fußreifen, Stirn- und Halsgehänge, die heute Vasallen lediglich der Frau find, waren fein Vorrecht in grenzenloser Reichhaltigkeit. Auch heute noch finden wir in den Vereinigungen, die auf alten Zünften basieren, z. B. in der Innung der Zimmerleute, lange, kunstvolle Ohrgehänge bei den Männern, die mit der aparten Tracht auf das künstlerischste harmonieren.
Jedes Land und jedes Bolk hat feine besonderen, mehr oder minder betonten Schmuckzentren und Schmuckkulte, die in ihren Materialien, Formen und Zierweisen grundsätzlich verschieden sind. Und doch ist der Schmuck Künder für des Einzelmenschen Eigenschaften, äußerer sowohl wie innerer. Rein äußerlich schafft er die sozialen Unterschiede und Stufen und bekundet den Reichtum, ist Symbol boher und höchster Stellen, ein Zeichen äußerer Macht und Ansehens (Kronen, Orden, der goldene Ring als Privileg der hohen Stände, der eiserne Ring als Zeichen der Sklaven, der Schlüsselring bei hohen Verwaltunasbeamten des römischen Reiches) oder in seiner billigen, schlechten Imitation ein Merkmal der Armut. Bei allen Rangabstufungen weist er ins PsychiM, spricht von Eitelkeit, die Klassenunterschiede unterdrücken möchte, erzählt von Geschmack oder Stillosigkeit, von innerem Protzentum, das sich in Ueberladenheit kundtut, von freudloser, rein geschäftsmäßiger Art. den Glanz und Schimmer des Geschmeides und der Steine als Geldwert zwischen abgegriffenen Geldscheinen und Wertpapieren in den Tiefen sicherer Schranke zu vergraben, oder aber ihr kultiviertester Künder eines erlesenen Geschmackes ober kindhaft naiver Freude am Schmücken, ist Glied eines traditionellen Schönheitskultes, Zeichen menschlicher Tapferkeit (bei den Wilden die Zähne erlegter Raubtiere), ist äußerliches Symbol menschlicher Bindung (Trauring), ist das Sinnbild der Verbundenheit mit Gott (der Ring der Nonnen). Zum Schmucke dienen seltene und durch ihre Seltenheit kostbare Dinge, sei es durch das Material, durch Ihre künstlerische Arbeit ober durch ihren Sammelwert. Zeit und Gegend können diesen Wert absolut variieren, z. B. die Kostbarkeit des Eisens >n der Bronzezeit, die Apartheit winziger Schnecken und Muscheln (ii bratet Meere für den Nordländer. Der Sinn des Geschmeides liegt niojt der angehäuften Kostbarkeit des Materials, vor allem ruht er im zwei und Reichtum der Form, in der Lebendigkeit der Idee, in der TOnnniotar tigfeit und Eigenart der Auszierung. Der Erbschmnck ganzer @efrMea)ter, der Bauernschmuck in seiner urwüchsigen Schönheit, die formenreiche im farbensprühende Kostbarkeit des Orients, der kirchliche Schmuck der Gon


