Ausgabe 
18.2.1929
 
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vergaß Rahel aber löschte selber, da e» zum Sterben gfog, die Distanz, die "gch |Oijt zwgchen sie und Dorei gebreitet hatte. Da die alle treue Seele besorgt irgendeine Frage mitFrau Geheimrat" begann, sagte die Sterbende:Es hat sich ausgeheimratetl Sagedu" zu mirl" Erschüt­ternde Demut des Menschen, der nichts anderes mehr weiß und wissen will, alsVom Staub bist du genommen und zum Staub wirst du zuruckkehren." Und schöner als das längste Lobzeugnis stnd die zwei Worte, die den Familiennamen der Dienerin verschweigen, so als ob sie eben gar nichts gewesen wäre und hätte sein wollen alsRaheis Dorel" ...

Was treiben wir in gnnerafien?

Von Sven Hedi n*).

Zu meinem ursprünglichen Reiseplan, den ich jetzt aussühre, gehört als wichtigstes Glied, die leere Fläche auszusüllen, die die unermeßlichen Weiten Jnnerasiens umfaßt. Damit würde endlich die letzte Lücke in dem Retz der meteorologischen Stationen auf der nördlichen Halbkugel verschwinden, und viele rätselhafte Probleme der klimatologischen und meteorologischen Verhältnisse dieser Erdhälfte fänden ihre Lösung! Zwei­tens würden wir China einen Dienst von unabsehbarer Bedeutung leisten können, da ein System von Warnungen vor herannahenden Staub» stürmen, die den Ackerbau Chinas schwer schädigen, in Tätigkeit treten könnte. Die ständigen Stationen, die ich in Jnnerasien einzurichten be­absichtige, werden, wenn mein Plan glückt und hinreichende Unter- itützung durch die chinestschen Behörden findet, dieselbe Rolle zu Lande spielen, wie die von den Jesuiten in Sikawei eingeführten Sturm­warnungsstationen an der Küste.

Man sieht daraus, daß die Arbeit meines Meteorologen Dr. H a u b e eine Revolution in der Meteorologie und Klimatologie herbeisühren wird und daß ihre Ergebnisse einen hervorragenden Platz in allen neuen einschlägigen Handbüchern finden werden. Im Grunde ist die Ausgabe Dr. Haudes und seiner Mitarbeiter von so erheblicher und umfassender Bedeutung, daß sich unsere große und kostspielige Expedition auch dann als vollkommen berechtigt erweisen würde, wenn wir bei unserer Heim­kehr keine anderen Erfolge aufzuweisen hätten.

Dr. Haudes Observatorium war schon an dem Tage fertig, an dem wir unsere Zelte am Hutjertugol aufschlugen, es besteht aus einem würfelförmigen hölzernen Häuschen mit Schutzdach und Lattenwänden, durch die der Wind freien Durchtritt hat, während kein Sonnenstrahl hineindringt. Das Häuschen ruht auf vier Pfählen, hoch genug, jede Beeinflussung durch Erhitzung oder Abkühlung de» Bodens auszuschlie- ßen. Ein paar Stufen führen hinaus, so daß man die ausgestellten In­strumente bequem ablesen kann. Das Ganze ist nach allen Richtungen mit starken Tauen verankert, und nicht einmal die heftigsten Stürme haben das Observatorium zu erschüttern vermocht. Im Freien befinden sich in verschiedenen Höhen geschützte Minimumthermometer wagerecht in angeschraubten Klemmen und auf dem Boden liegen Jsolations- thermometer sowie andere empfindliche Instrumente.

Dr. Haudes Heiligtum bildet am Auhenrand unserer Lagerstadt gleich­sam einen Aillenvorort für sich. Sein Zelt ist mit Jnstcumentenkiften angefüllt, die mit Aneroiden, Kochthermometer, Werkzeug und allerlei wunderlichen Apparaten beladen sind. Vor dem Eingang des Zeltes ist ein Verandadach aus Segeltuch angebracht und davor stehen andere Mehr oder weniger oder gar nicht ausgepackte Jnstrumentenkisten. Die vollen Kisten enthalten ganze Sätze Ausrüstungen für jede einzelne der geplanten Stationen.

Wenn man nach Eintritt der Dunkelheit in Dr. Haudes Villenviertel gehen will und nicht genau darin Bescheid weiß, muß man vorsichtig fein. Er hat nämlich für unsere drahtlose Station zwei 10 Meter hohe Metallmasten in einer Entfernung von 40 Meter voneinander aufgestellt und von diesen aus laufen ein bis zwei Fuß über dem Erdboden drei Metalldrähte: Fallstricke, denen man ausweichen muß. Bei dieser Ge­legenheit will ich erwähnen, daß wir auch eine Funlstelle besitzen, die unter von K a u l l s Leitung steht. Selbstverständlich können wir damit nicht senden. Das Mißliche an unseren Trockenbatterien ist vor allem, daß der Strom nach vier Minuten aufhärt. Man muß daher Glück und fchnelle Auffassungsgabe haben, wenn man Nauen, Cavite oder eine andere Station hören will. Trockenheit und Wörme sind unsere und der Batterien schlimmste Feinde. Wenn ich mich nicht irre, hat Andrews in dieser Hinsicht ebenso schlechte Erfahrungen gemacht, wie er in seinem DuchAuf der Fährte des Urmenschen" erzählt. Er baute eine Funk­station in einem Auto auf, konnte aber auch nichts hören Möglicher­weise beruhen unsere schlechten Erfahrungen auf klimatischen Ursachen, die sich mit den uns zur Versagung stehenden Mitteln nicht ausschalten lassen. Natürlich wollen wir uns nicht über den Gang der Weltereignisfe aus dem Laufenden halten wir empfinden es eher als Befreiung, allen Neuigkeiten der Außenwelt zu entgehen aber wir hätten gern die Zeitsignale von Nauen, Bordeaux. Cavite oder Batavia aufgefangen, um aus diese Weise sicher und unentgeltlich die Längengrade festzulegen.

Für die Ueberwachung von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtig­keit stnd in unserer Wetterwarte ein Thermograph, ein Barograph und ein Hypograph ausgestellt. Der Höhe, Form und Bewegungsrichtung der Wolken widmet Dr. Haude besonderes Interesse, er hatte eine große Neihe ungewöhnlich schöner Ausnahmen verschiedener Wolkentypen ge­wacht. Die Windgeschwindigkeit wird sowohl im Lager wie aus dem Gipse! eines 26 Meter hohen Hügels gemcsfen, also Windstärke 11 auf oer Beaufortskala ober schwerer Sturm. Hier herrschte ja fast ständig luinb. Er erhebt sich um 8 Uhr morgens, nimmt bis Mittag an Stärke 3 und flaut gegen 6 Uhr oder etwas später ab. In der Nacht ist es

*) Aus dem neuen Buche21 u f großer Fahrt". Meine Expedi­tion mit Schweden. Deutschen und Chinesen durch die Wüste Gobi. 192728. Mit 110 einfarbigen und bunten Abbildungen und 1 Sollten«

Geh. 13 Mark, Ganzleinen 15 Mark. Dos Werk wird in Kürze be! F. A. Brockhaus, Leipzig, erscheinen.

gewöhnlich völlig ruhig unö klar. Fallt Nrgrn, wrtanftd n zum «Km größten Teil, ehe er die Erdoberfläche erreicht. Die Aiederschiagsdicht« nimmt bis zur Regenszeit zu. Und wie e» dann wird- Ja. darüber wisse» wir nichts, und auch das ist es neben manchem onMren. was wir wißen wollen.

Dr. Haude glaubt durch feine Forschungen feststellen zu können, ob sich in Zukunft nicht etwas für die Urbarmachung und Ausnutzung de» Bodens machen ließe und ob eine Aufforstung möglich wäre; dadurch würde das Land unerhört im Wert steigen. Es kann jedoch fein, daß die mongolische Steppe zu sehr durch ungünstiges Klima bedingt ist, um sich zähmen zu lassen.

Ein anderes Problem, zu dessen Lösung wir wichtige Beiträge brin­gen zu können hoffen, ist die Austrocknung. Jnnerasien geht nämlich unzweifelhaft einer Trockenperiode entgegen. Fast alle Seen finken und nehmen an Umfang ab. Zur Klärung dieser Frage werden wir am Gaschunnor ausgezeichnetes Material gewinnen. Sichere Schlüsse wird man erst nach Jahrzehnten fassen können. Ader durch unsere genauen Beobachtungen, die man in der Zukunft wird wiederholen müssen, um Dergleichsmaterial zu erhalten, legen wir den Grund dazu.

Es wird wohl zum mindesten in Europa keine Wetterwarte geben, die gründlichere und lückenlosere Untersuchungen über die Be­wegungen des Lustmeeres vornimmt als das aeronautische Observa­torium in Lindenberg bei Berlin, wo täglich Pilotballons und Drachen in die Höhe steigen. Die Anstalt ist von A ß m a n n, dem Erfinder des Aspirationsphychrometers, des Apparates zur Bestimmung der wahren Luftfeuchtigkeit, gegründet und im Jahre 1912 von Hergejell über­nommen worden, der schon 1900 bis 1906 in Straßburg Pilotballone zur Erforschung der Atmosphäre benutzte. In Deutschland lasten jetzt alle größeren Stationen und Observatorien Pilotballone aufsteigen. Schweden hat drei Stationen, Finnland eine bei Helsingsars. Der Wetterdienst In Stockholm erhält täglich Berichte von etwa zwanzig Pilotballonstationen an verschiedenen Plätzen in Europa. In China sollen bisher nur ein paar Bollanaufstiege erfolgt sein. Auch in Indien scheint man sich dieser Forschungsmethode nicht in nennenswertem Umfang zu bedienen. Edenfo bildet das ganze innere Asien in dieser Hinsicht eine riesige Terra incognita. Da kann man sich denken, was es für die Wissenschaft von den Bewegungen der Luftströmungen in Höhen bis zu 1500 Meter und mehr bedeuten wird, durch Dr. Haudes Untersuchungen mit Pilotballonen während eines ganzen Jahres die Luftoerhältniste über Jnnerasien kennenzulernen. Unsere Expedition wird der Wissenschaft nicht nur bas ganze umfangreiche Material über die Verhältnisse an der Erdober- stäche schenken, sondern gleichzeitig auch die Kenntnis von dem Gang der Luftströmungen bis zu 15 OOO Meter erweitern.

Die Pilotballone sollen uns darüber Aufschluß geben, auf welchen Bahnen der Luftaustausch zwischen dem Pol und dem Aequator über der größten Landmasse der Erde erfolgt. Sie sollen uns auch »erraten, wie weit nach Asien hinein sich das veränderliche Wetter, das wir in Europa gewohnt find, erstreckt, ober mit anderen Worten, wie weit nach Osten Europas Tief- und Hochdruckgebiete reichen. Wie weit ist Asiens jährliche Erwärmung und Abkühlung in vertikaler Richtung bemerkbar? Wie hoch hinauf gehen im Sommer die Luftströmungen, die an der Erdoberfläche vom Meer nach dem Lande und in den höheren Regionen vom Lande nach dem Meer wandern? Und wie hoch hinauf herrscht bas im Winter umgekehrte Verhältnis, wenn die Lust an der Erdoberfläche entlang von dem abgekühlten Lande nach dem Meere zuströmt und ober­halb dieser Strömungen in höheren Regionen ein Austausch entgegen­gesetzter Richtung stattfindet?

Cs ist unsere Absicht, die Antworten auf diese und andere ähnliche Fragen zu finden. Wenn uns dies glückt, wie wir allen Anlaß haben zu hoffen, wird es möglich fein, Gesetze von unermeßlicher Bedeutung für die Zirkulation der Atmosphäre aufzustellen.

Durch die Pilotballone ermittelt man nicht nur die Windrichtung in den höheren Regionen, sondern auch Veränderungen in der Verteilung des Luftdrucks in verschiedenen Höhen über der Erde, und gäbe es hin­reichend viel Stationen, dann könnte man sogar für die einzelnen Sch ch- ten Isobarenkarten zeichnen, die ganz anders aussehen würden als die von der Erdoberfläche. Mit Hilfe der Pilotballone können wir uns einen Begriff von dem Ausfehen dieser noch nicht vorhandenen Karten machen. Schon im Herbst 1925, als ich den ursprünglichen Plan dieser Expedition ausarbeitete, erschien mir die Errichtung von vier festen meteorologischen Stationen im Herzen von Asien als eine Aufgabe von allergrößter wissenschaftlicher Bedeutung. Trotz der größeren und kleineren Abände­rungen, die dieser erste Plan unter dem Druck der Umstände im Laufe des folgenden Jahres und im Winter 1926 bis 1927 erfuhr, blieb ich doch stets bei dem Gedanken und der Absicht, die vier Stationen zu gründen.

Gustav Adolfs Paae.

Novelle von Conrad Ferdinand Meyer. kSchiuß.

In unaufhaltsamem Ritte erreichte er den Wagen des Königs und mischte sich unter das Gefolge, das am Vorabende der erwarteten gro­ßen Schlacht ihn nicht zu bemerken ober sich nicht um ihn zu kümmern sch en. Der König gedachte dann die Nacht in seinem Wagen zuzu­bringen, wurde aber durch die Kälte genötigt, auszusteigen und in einem bescheidenen Bauernhause ein Unterkommen zu suchen. Mit Tagesan­bruch drängten sich in der niedrigen Stube, wo der König ichon über seinen Karten saß, die Ordonnanzen. Die Ausstellung der Schweden war beendigt. Es begann die der deutschen Regimenter. Page Leubelfing hatte sich, von dem Kammerdiener des Königs, der ihm wohlwollte, er­kannt und nicht zur Rede gestellt, den in seinem Erstick das schwedische Wappen tragenden Schemel wieder erobert, auf welchem er lonst neben dem Könige gesessen, und sich in einer Ecke niedergelassen, wo er hinter den wechselnden kriegerischen Gestalten verborgen blieb.

Der König hatte jetzt seine letzten Befehle gegeben und war in der wunderbarsten Stimmung. Er erhob sich langsam und wendete sich gegen